{"id":113,"date":"2016-09-10T18:35:59","date_gmt":"2016-09-10T16:35:59","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=113"},"modified":"2017-12-19T18:06:15","modified_gmt":"2017-12-19T17:06:15","slug":"3-machtuebernahme-im-buendnis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=113","title":{"rendered":"3. Macht\u00fcbernahme im B\u00fcndnis"},"content":{"rendered":"<div>\n<h3>Die Herrschenden ohne soziale Basis<\/h3>\n<p>Die Macht\u00fcbernahme der NSDAP fand bekanntlich auf parlamentarischem Weg und mit der Unterst\u00fctzung der herrschenden Klassen statt. Schon nach dem gescheiterten Putschversuch 1923 brachte Hitler seine Partei auf Legalit\u00e4tskurs. Die NSDAP bek\u00e4mpfte die Weimarer Republik propagandistisch in sch\u00e4rfsten T\u00f6nen. Hitler und die Parteif\u00fchrung nahmen aber Abstand von der Vorstellung, durch eine gewaltsame &#8222;Revolution&#8220; die Macht zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>In den ersten Jahren geno\u00df die NSDAP bei der Mehrheit der Industriellen und Junker noch kein gro\u00dfes Ansehen. Das radikale 25-Punkte-Programm, das auch Verstaatlichungsforderungen enthielt, und das brutale Auftreten der Bewegung schreckten das B\u00fcrgertum ab. General von Schleicher warnte noch 1930: &#8222;Der Ansicht, da\u00df die sozialistischen Forderungen der Nazis \u2018nicht erst gemeint\u2019 seien, mu\u00df man durchaus entgegentreten. Sie sind doch ernst gemeint und ihr Kern ist kaum etwas anderes als reiner Kommunismus.&#8220; [30] Vor dem Hintergrund der Krise und des Abstiegs der b\u00fcrgerlichen Parteien unterst\u00fctzten immer mehr Industrielle die Nazis. Hitler legte zur Beruhigung seiner industriellen G\u00f6nner wiederholt Bekenntnisse zum Privateigentum ab. Viele Industrielle und Junker hofften, durch den Machtantritt der NSDAP die st\u00e4rker werdende Arbeiterbewegung, vor allem die Kommunistische Partei, los zu werden. Selbst ohne Massenbasis in der Bev\u00f6lkerung, wandten sich Anfang der 30er Jahre die alten Eliten der NSDAP zu, um eine Aufl\u00f6sung der Krise nach links zu verhindern. Viele glaubten, den Alleinherrschaftsanspruch der Nazis und ihre Radikalit\u00e4t k\u00f6nne man schon z\u00fcgeln, wenn die Partei erst in die Regierungsverantwortung eingebunden sei.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens nach seiner Rede im D\u00fcsseldorfer Industrieclub am 27. Januar 1932 hatte Hitler viele der einflu\u00dfreichen Konzerne hinter sich. Nur die IG-Farben setzte noch auf ein Notstandskabinett mit General Kurt von Schleicher an der Spitze. Die finanzielle Unterst\u00fctzung gro\u00dfer Teile der Industrie und die Einf\u00fchrung Hitlers in die Finanzkreise durch Hjalmar Schacht und Kurt von Schr\u00f6der legten die N\u00fcrnberger Prozesse ausf\u00fchrlich dar und bed\u00fcrfen an dieser Stelle keiner weiteren Darstellung. [31] Die Finanzspritzen von Thyssen, Krupp, der Dresdener Bank usw. stellten aber nicht den Hauptgrund f\u00fcr die Macht\u00fcbernahme der NSDAP dar. Ohne die soziale Programmatik f\u00fcr die Massen h\u00e4tte auch alles Geld aus der Wirtschaft nichts genutzt, um eine Massenbewegung zu werden. Oder umgekehrt: Keine andere Partei h\u00e4tte mit diesen Millionen die Massen gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die alte preu\u00dfische Elite erm\u00f6glichte den Nazis die Macht\u00fcbernahme durch die loyale Haltung der Reichswehr und die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Hindenburg. Die von Junkern und Schwerindustrie bestimmte DNVP lie\u00df sich ohne gr\u00f6\u00dferen Widerstand aus der Koalitionsregierung mit der NSDAP verdr\u00e4ngen. In der autorit\u00e4ren Gedankenwelt des Kaiserreiches verhaftet, unterst\u00fctzten sie die Errichtung des F\u00fchrerstaates. Sie hofften au\u00dferdem, die Nationalsozialisten w\u00fcrden durch die Aufr\u00fcstung und Sprengung des Versailler Vertrages der Armee wieder zu ihrer alten Machtposition verhelfen.<\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung durch die Reichswehr und Junker hatte f\u00fcr die Nazis ihren Preis. Im Februar 1933 best\u00e4tigte Hitler in einem privaten Gespr\u00e4ch mit der Heeresleitung der Reichswehr noch einmal die getroffenen Vereinbarungen: Eine innere Besiedlung Deutschlands mit Bauern w\u00fcrde es nicht geben. Statt dessen sollte die &#8222;r\u00fccksichtslose Germanisierung&#8220; im Osten f\u00fcr die Gewinnung von neuem Lebensraum durchgef\u00fchrt werden. Die Reichswehr d\u00fcrfe au\u00dferdem ihren \u00fcberparteilichen Charakter behalten und w\u00fcrde nicht mit der SA vereinigt. [32] Erhalt der halbfeudalen Ritterg\u00fcter und der aristokratischen Reichswehr stellten die ersten Abstriche dar, die Hitler vorl\u00e4ufig von seinem Programm machen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Zur Beruhigung noch bestehender \u00c4ngste und als Manifestation der neuen Macht inszenierten die Nazis mit gro\u00dfem Aufwand den &#8222;Tag von Potsdam&#8220;. Das B\u00fcndnis von Nationalsozialismus und Preu\u00dfentum, zwischen dem &#8222;alten und neuen Deutschland&#8220;, wurde am 21.M\u00e4rz bei der Er\u00f6ffnung des Reichstages in Potsdam zum Staatsakt. Genau 62 Jahre zuvor hatte Bismarck den ersten Reichstag des &#8222;2. Reiches&#8220; \u00f6ffnet. Nach einer gemeinsamen Milit\u00e4rparade von Reichswehr, Stahlhelm, SS und SA fanden in der Garnisonskirche, wo die Gebeine der Preu\u00dfenk\u00f6nige lagen, die Festlichkeiten statt. Hindenburg erschien in seiner Marschalluniform aus dem 1.Weltkrieg, die gesamte kaiserliche Familie sa\u00df auf einer Ehrentrib\u00fcne und die ganze Stadt war mit den Fahnen des Kaiserreiches und des Nationalsozialismus geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>Ob die Hoffnungen der Kapitalisten und Junker mit der Errichtung des NS-Staates erf\u00fcllt wurden oder ob die Nazis nach der Macht\u00fcbernahme die Entmachtung der alten Eliten durchf\u00fchrten, soll in den folgenden Kapiteln beantwortet werden.<\/p>\n<\/div>\n<div align=\"right\">\n<p><a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=134\">[Weiter]<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Herrschenden ohne soziale Basis Die Macht\u00fcbernahme der NSDAP fand bekanntlich auf parlamentarischem Weg und mit der Unterst\u00fctzung der herrschenden Klassen statt. Schon nach dem gescheiterten Putschversuch 1923 brachte Hitler seine Partei auf Legalit\u00e4tskurs. 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