{"id":1118,"date":"2018-01-10T07:28:27","date_gmt":"2018-01-10T06:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1118"},"modified":"2018-11-26T16:48:54","modified_gmt":"2018-11-26T15:48:54","slug":"4-kriegsfragen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1118","title":{"rendered":"3. Kriegsfragen"},"content":{"rendered":"<h4 align=\"center\"><b>Warum der 1.Weltkrieg nicht mit Lenins Imperialismustheorie zu erkl\u00e4ren ist<\/b><\/h4>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: times new roman, times, serif;\"><i>(Zuerst erschienen in: Karuscheit\/Wernecke\/Wollenberg\/Wegner: &#8222;Macht und Krieg. Hegemonialkonstellationen und Erster Weltkrieg&#8220;; VSA, Hamburg 2014; umgearbeitet und erweitert)<\/i><\/span><\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtig popul\u00e4re Behauptung vom schlafwandlerischen Hineinstolpern der europ\u00e4ischen M\u00e4chte in den Ersten Weltkrieg weisen viele Marxisten mit dem Hinweis auf dessen imperialistischen Charakter zur\u00fcck. Ausgesprochen oder nicht st\u00fctzen sie sich dabei auf die Imperialismustheorie, die Lenin 1915-16 im Schweizer Exil ausarbeitete. So g\u00e4ngig diese Theorie jedoch immer noch ist \u2013 sie erm\u00f6glicht weder eine zutreffende Einsch\u00e4tzung des Kriegs noch der Fehler der Sozialisten.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>1. Die Frage nach dem Wesen des Kriegs<\/b><\/p>\n<p>Mit dem von ihm gef\u00fchrten Mehrheitsfl\u00fcgel der russischen Sozialdemokratie geh\u00f6rte Lenin zu den wenigen Sozialisten, die den Anfang August 1914 begonnenen Krieg der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte von Anfang an als reaktion\u00e4r betrachteten und die Vaterlandsverteidigung in jedem beteiligten Land als Verrat an den Interessen des Proletariats verurteilten.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu rief die f\u00fchrende Partei der Sozialistischen Internationale, die deutsche Sozialdemokratie, zur Vaterlandsverteidigung auf. Die Kriegsentscheidung vollendete eine seit Jahren im Gang befindliche Entwicklung, die jetzt zum Durchbruch kam: die SPD war zu einer b\u00fcrgerlichen Arbeiterpartei geworden. Allerdings war die Burgfriedenspolitik intern umstritten und nahmen mit der Dauer des Kriegs die Gegenstimmen zu. Im Brennpunkt der Kontroversen stand Karl Kautsky, als f\u00fchrender Theoretiker der SPD eine internationale Autorit\u00e4t des Marxismus und Schl\u00fcsselfigur des sogenannten &#8222;Parteizentrums&#8220;. Kautsky schwankte in seiner Stellung zum Krieg. Einerseits kritisierte er die Vaterlandsverteidigung, andererseits vermied er eine klare Verurteilung der Parteif\u00fchrung und sorgte daf\u00fcr, dass die Linken innerhalb der SPD blieben.<\/p>\n<p>Wenn sich eine neue, revolution\u00e4re Internationale gr\u00fcnden wollte, kam es in erster Linie auf die deutsche Arbeiterbewegung an, und dazu musste sich der linke Parteifl\u00fcgel von Kautsky und der SPD trennen. Um diesen Prozess voran zu treiben, besch\u00e4ftigte Lenin sich seit Ende 1914 intensiv mit der Imperialismusfrage und verfasste 1916 die Schrift &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220;. 1917 in Russland erschienen, wurde sie nach der Oktoberrevolution zu einem Schl\u00fcsselwerk des mittlerweile selbst\u00e4ndig organisierten kommunistischen Fl\u00fcgels der Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>2. Das Versagen der Imperialismuserkl\u00e4rungen<\/b><\/p>\n<p>Bis dahin galt als &#8222;Imperialismus&#8220; die koloniale Aufteilung der Erde, zu der die Gro\u00dfm\u00e4chte im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts \u00fcbergegangen waren.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\">30<\/a><\/sup> Die von den Marxisten daf\u00fcr entwickelten Erkl\u00e4rungen kn\u00fcpften meist an b\u00fcrgerliche Theorien an und stellten darauf ab, dass die Kolonien wegen der dort vorhandenen Rohstoffe, vor allem aber als Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die eigenen Industriewaren ben\u00f6tigt w\u00fcrden.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\">31<\/a><\/sup> Ohne zus\u00e4tzliche \u00e4u\u00dfere M\u00e4rkte w\u00fcrde der Kapitalismus in eine dauerhafte \u00dcberproduktionskrise geraten und zusammenbrechen, das war nach dem gegebenen polit\u00f6konomischen Verst\u00e4ndnis die einhellige Meinung der Marxisten.<\/p>\n<p>Als dieser Prozess Ende des Jahrhunderts im wesentlichen abgeschlossen war, Gro\u00dfbritannien 1898 mit Frankreich in Faschoda wegen des Sudans zusammen stie\u00df, Deutschland zur selben Zeit den Anspruch auf einen &#8222;Platz an der Sonne&#8220; erhob und zur Durchsetzung dieses Anspruchs eine gewaltige Schlachtflotte aufbaute, schloss man daraus, dass ein Kampf um die Neuverteilung des Kolonialbesitzes begonnen h\u00e4tte, der die Gefahr eines gro\u00dfen Krieges in sich barg. Die Marokkokrisen von 1905 und 1911, in denen das Kaiserreich versuchte, auf Kosten Frankreichs ein zusammenh\u00e4ngendes Kolonialreich in Afrika zu erwerben, best\u00e4tigten diese Auffassung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die parallel laufende Debatte um einen friedlichen oder gewaltsamen \u00dcbergang zum Sozialismus heftige Auseinandersetzungen hervorrief, gab es zur Frage des Imperialismus und der daraus resultierenden Kriegsgefahr keine nennenswerten Kontroversen. Der Kongress der sozialistischen Parteien Ende 1912 in Basel, der letzte vor dem gro\u00dfen Krieg, bezeichnete in diesem Sinn den Gegensatz &#8222;zwischen Deutschland auf der einen, Frankreich und England auf der anderen Seite&#8220;, der in der Marokkokrise ein Jahr zuvor an den Rand eines Kriegs gef\u00fchrt hatte, einhellig als &#8222;die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden&#8220;.<\/p>\n<p><b>Ein politisches und theoretisches Fiasko<\/b><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund bedeutete der zwei Jahre sp\u00e4ter ausgebrochene Krieg ein vollst\u00e4ndiges Fiasko f\u00fcr die Sozialisten. Nicht nur k\u00e4mpften die Mitgliedsparteien der sozialistischen Internationale auf entgegengesetzten Seiten der Front, dar\u00fcber hinaus war er eine Bankrotterkl\u00e4rung f\u00fcr die marxistische Theorie (bzw. ihre gegebene Fassung), denn sie konnte das Geschehen nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Zum einen waren keine wirtschaftlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr den Krieg erkennbar. Es gab keine Wirtschaftskrise; im Gegenteil verlief der Akkumulationsprozess des Kapitals ungest\u00f6rt. Ebenso wenig gab es gr\u00f6\u00dfere wirtschaftliche Konflikte zwischen den kapitalistischen Gro\u00dfm\u00e4chten, die einen Krieg gerechtfertigt h\u00e4tten. Am wenigsten Grund, aus \u00f6konomischen Motiven in den Krieg zu gehen, hatte Deutschland, das aufgrund der \u00fcberlegenen Produktivit\u00e4t seines Nationalkapitals Frankreich und Gro\u00dfbritannien hinter sich gelassen hatte und weiter auf dem Vormarsch war. Vor allem aber resultierte der Krieg nicht aus einem Kolonialstreit der imperialistischen M\u00e4chte, wie man das immer angenommen hatte. Weder bei Kriegsausbruch noch im Verlauf des Kriegs spielte die Kolonialfrage eine besondere Rolle.<\/p>\n<p>Das aber hie\u00df nach dem gegebenen Imperialismusverst\u00e4ndnis, dass der Konflikt nicht als &#8222;imperialistisch&#8220; einzustufen war. Schlie\u00dflich ging er ja auch aus einem Zusammensto\u00df des industriell fortgeschrittenen Deutschland (an der Seite der Habsburgermonarchie) mit dem zur\u00fcckgebliebenen zaristischen Russland hervor. Das verschaffte der SPD die Legitimation zur Vaterlandsverteidigung und machte es umgekehrt den Linken in der SPD so schwer, ihren Widerstand dagegen zu begr\u00fcnden. Schlie\u00dflich hatte Engels noch 1891 vertreten, dass die deutschen Arbeiter bei einem \u00dcberfall Russlands die Zivilisation und die Errungenschaften der Arbeiterbewegung an der Seite der Regierung verteidigen m\u00fcssten, und Bebel hatte dies bis zu seinem Tod 1913 wiederholt.<\/p>\n<p><b>Politik statt \u00d6konomie<\/b><\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass das Deutsche Reich als der Hauptverursacher des Geschehens aufgrund innergesellschaftlicher Konflikte in den Krieg gegangen war, lag au\u00dferhalb des Horizonts der f\u00fchrenden Marxisten. Man sah zwar, dass heftige innenpolitische Auseinandersetzungen das Kaiserreich ersch\u00fctterten und die schwerindustriellen B\u00fcndnispartner des junkerlichen Milit\u00e4radels ihre F\u00fchrungsstellung in der ma\u00dfgeblichen b\u00fcrgerlichen Partei verloren. Doch begriff man die Ereignisse nicht als Klassenkampf um die Macht zwischen preu\u00dfischem Junkertum und einer gespaltenen Bourgeoisie, sondern interpretierte sie als Streitereien zwischen verschiedenen Abteilungen einer einzigen herrschenden (b\u00fcrgerlichen) Klasse.<\/p>\n<p>Da der Krieg also weder aus der \u00d6konomie noch aus gesellschaftlichen Widerspr\u00fcchen herzuleiten war, blieb nur die Politik \u00fcbrig, und diese Position verfocht Karl Kautsky. Zuvor hatte er selber jeden au\u00dfenpolitischen Kurswechsel mit einer Wirtschaftskrise oder Prosperit\u00e4tsphase begr\u00fcndet, doch jetzt war er ebenso wie die anderen Marxisten au\u00dferstande, \u00f6konomischen Ursachen f\u00fcr das Geschehen dingfest zu machen. Deshalb charakterisierte er den Imperialismus nunmehr als &#8222;eine besondere Art kapitalistischer Politik&#8220;, als &#8222;die vom Finanzkapital bevorzugte Politik&#8220;. Damit war der Krieg keine Folge wirtschaftlicher Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit, sondern entsprang einer autonom betriebenen Au\u00dfenpolitik \u2013 man war sozusagen aufgrund von Fehlentscheidungen der verantwortlichen Politiker dort hineingeschlittert.<\/p>\n<p>Wenn die Kriegsentscheidung aber lediglich aus einer vom Kapital &#8222;bevorzugten&#8220; Politik resultierte, war sie revidierbar, und dasselbe betraf die Entscheidung der SPD zur Vaterlandsverteidigung. Es gab demzufolge keinen Grund, die Partei zu verlassen und eine neue revolution\u00e4re Partei zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>3. Die Abgrenzung von Kautsky<\/b><\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit diesem Standpunkt bildet den roten Faden der Leninschen Imperialismusschrift. &#8222;Aber streiten muss man \u00fcber die Definition des Imperialismus vor allem mit dem f\u00fchrenden marxistischen Theoretiker der Epoche der sogenannten zweiten Internationale, d.h. des Vierteljahrhunderts von 1889-1914, mit K.Kautsky.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\">32<\/a><\/sup> Ins Zentrum des Streits r\u00fcckte der F\u00fchrer der Bolschewiki Kautskys Theorie, &#8222;dass unter Imperialismus nicht eine &#8218;Phase&#8216; oder Stufe der Wirtschaft, sondern eine Politik, n\u00e4mlich eine bestimmte, vom Finanzkapital &#8218;bevorzugte&#8216; Politik zu verstehen sei, dass der Imperialismus nicht mit dem &#8218;modernen Kapitalismus&#8216; &#8218;gleichgesetzt&#8216; werden k\u00f6nne&#8220;. In dieser nur-politischen Erkl\u00e4rung von Imperialismus und Krieg erblickte Lenin eine &#8222;Vertuschung der tiefsten Widerspr\u00fcche&#8220; und formulierte demgegen\u00fcber die Aufgabe, &#8222;sich in der \u00f6konomischen Grundfrage zurechtzufinden, ohne deren Studium man nicht im geringsten verstehen kann, wie der jetzige Krieg und die jetzige Politik einzusch\u00e4tzen sind, n\u00e4mlich in der Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus.&#8220;<\/p>\n<p><b>Monopol- und Finanzkapital als Grundlage des Imperialismus<\/b><\/p>\n<p>Um diese &#8222;\u00f6konomische Grundfrage&#8220; zu beantworten, machte er sich die Monopoltheorie des deutsch-\u00f6sterreichischen Marxisten Rudolf Hilferding zu eigen, die dieser in seinem 1910 erschienenen Werk &#8222;Das Finanzkapital&#8220; ausgearbeitet hatte. In dieser &#8222;Studie \u00fcber die j\u00fcngste Entwicklung des Kapitalismus&#8220; vertrat Hilferding, ein Weggef\u00e4hrte Kautskys und in der Weimarer Republik Reichsfinanzminister, dass das Zeitalter der freien Konkurrenz vor\u00fcber sei. Durch Ausschaltung der Konkurrenz werde das Kapital zum Monopol und gleichzeitig w\u00fcrden Industrie-, Handels- und Bankkapital zu einem einzigen Kapital unter Herrschaft der Banken verschmelzen, zum &#8222;Finanzkapital&#8220;.<\/p>\n<p>Der Monopolkapitalismus, der auf diese Weise an die Stelle des Konkurrenzkapitalismus trat, war seiner Auffassung nach kein Kapitalismus im eigentlichen Sinne mehr, sondern eine \u00dcbergangsformation hin zum Sozialismus. Dementsprechend konnten die von Marx im &#8222;Kapital&#8220; entwickelten Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten keine G\u00fcltigkeit mehr beanspruchen; sie wurden aufgehoben durch Hilferdings Theorie des Finanzkapitals.<\/p>\n<p>Wenn man das Werk des Wiener Wirtschaftswissenschaftlers im konkreten historischen Zusammenhang betrachtet, erkennt man dessen empirischen Hintergrund. Es verallgemeinerte einerseits damalige Kartellierungstendenzen haupts\u00e4chlich in der deutschen Schwerindustrie, andererseits das in Deutschland vorherrschende Universalbankensystems, dessen Verabsolutierung Hilferding zur Annahme einer Unterordnung des Industrie- und Handelskapitals unter die Banken brachte.<\/p>\n<p>Die fehlerhafte Interpretation dieser Erscheinungen in Richtung auf eine neue Entwicklungsstufe des zu Ende gehenden Kapitalismus war nur auf Basis des unzureichenden Verst\u00e4ndnisses der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie m\u00f6glich, das in der Zweiten Internationale vorherrschte. Der dritte Band des &#8222;Kapitals&#8220; war erst 1894 erschienen, die &#8222;Theorien \u00fcber den Mehrwert&#8220; kamen 1905-1910 heraus, die &#8222;Grundrisse&#8220; der Kritik der politischen \u00d6konomie 1939-1941, und eine grundlegende Rezeption der von Marx gegebenen Darstellung des Gesamtzusammenhangs der kapitalistischen Produktion hatte bis dahin nicht stattgefunden. Deshalb stand Hilferding mit seinem irrigen Verst\u00e4ndnis von Kapital und Konkurrenz nicht alleine und konnte seine Monopoltheorie ohne Widerspruch vertreten.<\/p>\n<p>Lenin betrachtete das Werk Hilferdings als &#8222;h\u00f6chst wertvolle Studie&#8220;. Ein n\u00e4herer Vergleich seiner Imperialismusschrift mit dem &#8222;Finanzkapital&#8220; zeigt, dass er in allen wesentlichen Punkten die Auffassungen Hilferdings wiedergibt.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\">33<\/a><\/sup> Auf dieser Linie schrieb er: &#8222;\u00d6konomisch ist das Grundlegende in diesem Prozess die Abl\u00f6sung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole&#8220;; seit Beginn des 20.Jahrhunderts h\u00e4tten diese &#8222;in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern das v\u00f6llige \u00dcbergewicht&#8220; gewonnen, so dass an die Stelle des freien Spiels der Kr\u00e4fte durch miteinander konkurrierende Kapitale das &#8222;Herrschaftsverh\u00e4ltnis und die damit verbundene Gewalt&#8220; getreten sei. In Kurzform hie\u00df dies, &#8222;dass der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist&#8220;.<\/p>\n<p><b>Lenins Imperialismusbegriff <\/b><\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme der \u00f6konomischen Theorie Hilferdings war indessen nur der erste Schritt. Im Zusammenhang mit dem \u00dcbergang zum Monopol unterstellte Lenin weitreichende gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungen, die ihn dazu brachten, die Auffassungen von Marx auch auf diesem Gebiet f\u00fcr \u00fcberholt zu halten.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcnder des wissenschaftlichen Sozialismus hatten einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Kapitalismus und der Durchsetzung der (b\u00fcrgerlichen) Demokratie angenommen. Diesen Zusammenhang sah Lenin nunmehr durch das Monopol aufgel\u00f6st. Entsprach dem freien Spiel der Kr\u00e4fte im Konkurrenzkapitalismus die Demokratie, so entsprach dem Monopolkapitalismus die Reaktion nach innen und die Aggression nach au\u00dfen: &#8222;Der Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die \u00fcberallhin den Drang nach Herrschaft und nicht nach Freiheit tragen. Reaktion auf der ganzen Linie &#8230; \u2013 das ist das Ergebnis dieser Tendenzen.&#8220; Oder in einem Satz komprimiert: &#8222;politisch ist Imperialismus \u00fcberhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion.&#8220; Nach innen korrespondierte die \u00f6konomische Herrschaft der Monopole demzufolge mit der Tendenz zum Abbau der Demokratie, nach au\u00dfen mit der Gewalt der Kriege, die die entwickelten Staaten unvermeidlich miteinander f\u00fchrten: &#8222;Die Epoche der imperialistischen Kriege hat begonnen&#8220;.<\/p>\n<p>Gleichzeitig beschr\u00e4nkte sich der Imperialismus nicht l\u00e4nger auf den Kampf um (nichtindustrialisierte) Kolonien als Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die eigenen Industrieprodukte, wovon die bisherige Imperialismuserkl\u00e4rung ausging. Vielmehr meinte Lenin: &#8222;F\u00fcr den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische, sondern sogar h\u00f6chst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gel\u00fcste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen)&#8220;.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bot die Monopoltheorie auch eine Antwort auf die Frage nach der Ausbreitung des Reformismus in der Arbeiterbewegung. Die &#8222;\u00f6konomischen Wurzeln dieser Erscheinung&#8220; sah Lenin in den Extraprofiten, die das Monopolkapital sich aneignete und von denen es einen Teil dazu verwendete, eine obere Schicht der Arbeiter zu bestechen und eine verb\u00fcrgerlichte Arbeiteraristokratie heran zu ziehen.<\/p>\n<p><b>Ein neuer Imperialismusbegriff<\/b><\/p>\n<p>Zusammen genommen unterschied sich der neue Imperialismusbegriff grundlegend von den vorherigen Erkl\u00e4rungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Hatte man den Imperialismus bis dahin aus der Kolonialpolitik abgeleitet, f\u00fchrte Lenin ihn auf den Monopolkapitalismus zur\u00fcck;<\/li>\n<li>galt als sein historischer Ursprung urspr\u00fcnglich das letzte Viertel des 19.Jahrhunderts, datierte Lenin ihn auf den Beginn des 20.Jahrhunderts;<\/li>\n<li>richtete er sich zuvor auf den Erwerb von Kolonien, unterstellte Lenin ihm den Trieb zur Annexion jedweder Gebiete;<\/li>\n<li>war der Imperialismusbegriff bis dahin innenpolitisch neutral, so bedeutete er jetzt &#8222;Reaktion auf der ganzen Linie&#8220;.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Problem, auf das die Theoretiker der Zweiten Internationale, vorweg Kautsky, keine Antwort gefunden hatten, schien somit gel\u00f6st: Lenin hatte die wirtschaftlichen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten aufgedeckt, aus denen der Krieg resultierte; er hatte die &#8222;\u00f6konomischen Grundfrage&#8220; beantwortet, &#8222;ohne deren Studium man nicht im geringsten verstehen kann, wie der jetzige Krieg und die jetzige Politik einzusch\u00e4tzen sind, n\u00e4mlich (die) Frage nach dem \u00f6konomischen Wesen des Imperialismus.&#8220;<\/p>\n<p>Daraus folgte, dass der jetzige Krieg imperialistisch war, auch wenn er nicht aus einem Kolonialkonflikt hervorging. Mehr sagte Lenin in seiner Schrift nicht zu dem gerade stattfindenden Zusammenprall der Gro\u00dfm\u00e4chte.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>4. M\u00e4ngel der neuen Theorie<\/b><\/p>\n<p>Folgte man der hier in Kurzform vorgestellten Erkl\u00e4rung, stand fest, dass die Politik der Vaterlandsverteidigung in Deutschland genauso verfehlt war wie in Russland. Aber auch wenn diese Schlussfolgerung richtig war \u2013 die daf\u00fcr zugrunde gelegte Monopoltheorie ist es nicht.<\/p>\n<p>Doch wie sieht es mit der weitergehenden These der Durchsetzung eines allgemeinen Gewaltverh\u00e4ltnisses seit der Jahrhundertwende aus? Inwieweit entspricht die Behauptung von einer &#8222;Reaktion auf der ganzen Linie&#8220; der gesellschaftlichen Realit\u00e4t in den kapitalistisch entwickelten Staaten? Um das zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist es angebracht, einen Blick auf die innenpolitische Entwicklung in Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Deutschland, d.h. in den wichtigsten &#8222;fortgeschrittenen&#8220; Staaten Europas, zu werfen.<\/p>\n<p><b>Reaktion auf der ganzen Linie?<\/b><\/p>\n<p>In Frankreich versuchten m\u00e4chtige konservativ-restaurative Kr\u00e4fte seit Gr\u00fcndung der Dritten Republik, diese zu st\u00fcrzen und einen autorit\u00e4ren Staat in Form einer neuen Monarchie zu errichten. Gest\u00fctzt auf gro\u00dfe Teile des Kleinb\u00fcrgertums, konzentrierten sich diese Kr\u00e4fte im Adel und im Offizierskorps der Armee; ihr politisches und ideologisches Zentrum bildete die katholische Kirche. Anfang des 20.Jahrhunderts gelangten die Widerspr\u00fcche anl\u00e4sslich der Dreyfus-Aff\u00e4re zur Austragung \u2013 und endeten mit einer schweren Niederlage f\u00fcr die Partei der Restauration. Die kirchlichen Schulen wurden geschlossen, ein einheitliches staatliches Schulsystem eingef\u00fchrt, die staatliche Besoldung der Bisch\u00f6fe eingestellt und die katholischen Ordensgemeinschaften aufgel\u00f6st. 1905 machte das Gesetz \u00fcber die Trennung von Staat und Kirche den Laizismus zur Staatsr\u00e4son und besiegelte den Sieg der demokratischen Kr\u00e4fte \u00fcber die Reaktion. Nach dem Fall des bonapartistischen Kaisertums 1870 war dies f\u00fcr Frankreich ein erheblicher gesellschaftlicher Fortschritt, der k\u00fcnftig nicht mehr r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen war.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien spielte sich wenige Jahre darauf ein \u00e4hnlich gelagerter Kampf zwischen b\u00fcrgerlichen und adelig-konservativen Kr\u00e4ften ab, der hier zwischen Unterhaus und Oberhaus, zwischen dem b\u00fcrgerlich bestimmten &#8222;House of Commons&#8220; und dem &#8222;House of Lords&#8220; ausgetragen wurde. Im Prinzip war das Unterhaus schon seit langem das Herrschaftszentrum Gro\u00dfbritanniens, aber die Aristokratie verf\u00fcgte nach wie vor \u00fcber starke Machtpositionen, politisch konzentriert in der Stellung des Oberhauses, das die Arbeit des Parlaments durch sein Veto lahm legen konnte. Nachdem die Lords wichtige Gesetzesvorhaben des Unterhauses immer wieder blockiert hatten, kam es nach dem Jahrhundertwechsel zu einem offenen Kampf der Klassen, der wie in Frankreich mit einer Niederlage des Adels endete. Die Parlamentsakte von 1911 legte fest, dass ein Veto der Adelskammer das Inkrafttreten der vom Unterhaus verabschiedeten Gesetze nur noch zeitlich aufschieben, aber nicht mehr verhindern konnte.<\/p>\n<p>Bei zwei wichtigen kapitalistischen Staaten muss man also feststellen, dass die These von einer &#8222;Reaktion auf der ganzen Linie&#8220; nicht zutrifft.<\/p>\n<p><b>Imperialismus, Adelsmacht und Demokratie<\/b><\/p>\n<p>Anders scheint es hingegen in Deutschland zu sein. Hier waren nicht nur gro\u00dfe Teile der Schwerindustrie kartelliert, bildeten also im Sinne Hilferdings und Lenins ein Monopol, sondern agierte die politisch m\u00e4chtige Montanbourgeoisie auch als Tr\u00e4gerin der Reaktion. Gemeinsam mit dem herrschenden preu\u00dfischen Gutsadel wandte sie sich gegen alle Bestrebungen zur Demokratisierung des Staats, verlangte die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts und wollte die Sozialdemokratie verbieten lassen. Nachdem ein versuchter Staatsstreich zur Realisierung dieser Ziele 1912 fehlgeschlagen war, wurde das Rechtsb\u00fcndnis zur Kriegspartei und vermochte es schlie\u00dflich, die Regierung in den gew\u00fcnschten Krieg hinein zu treiben. Insoweit kann man davon ausgehen, dass Deutschland nicht nur \u00f6konomisch, sondern auch politisch die Blaupause f\u00fcr die von Lenin gezogenen Schlussfolgerungen bildete.<\/p>\n<p>Sieht man indes genauer hin, muss man feststellen, dass dem Entschluss zum Krieg eine Kette von R\u00fcckschl\u00e4gen f\u00fcr das junkerlich-schwerindustrielle Rechtsb\u00fcndnis voranging: Die Montanindustriellen verloren die Herrschaft \u00fcber die ma\u00dfgebliche b\u00fcrgerliche Partei der Nationalliberalen, die au\u00dferparlamentarische Stellung der Armee kam ins Wanken, die konservative Junkerpartei geriet im Parlament in die Isolierung und der Kanzler stellte sich ihrem Staatsstreichvorhaben in den Weg. Nicht ihre Siege, ihre Niederlagen f\u00fchrten das Lager der Reaktion in den Krieg.<\/p>\n<p>Setzt man die drei genannten L\u00e4nder in Beziehung, dr\u00e4ngt sich daher eine andere Schlussfolgerung auf, als Lenin sie gezogen hat. Richtig ist, dass sich \u00fcberall starke reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte gegen die Demokratie stemmten. Jedoch war nicht das neuartige Kapital, sprich das Monopol- oder Finanzkapital, der Haupttr\u00e4ger dieser Reaktion, sondern der nach wie vor m\u00e4chtige Adel. Er k\u00e4mpfte in unterschiedlichen Konstellationen um die Aufrechterhaltung seiner Machtstellung, je nach Gegebenheit im B\u00fcndnis mit Teilen des B\u00fcrgertums, der Kirche und dem Milit\u00e4r. Das f\u00fchrte in den Jahren vor dem Krieg in allen Staaten zu heftigen Auseinandersetzungen, die jeweils mit Niederlagen f\u00fcr die r\u00fcckw\u00e4rts gerichteten Kr\u00e4fte endeten. Die Partei der Reaktion war nicht in der Lage, das Rad der Geschichte zur\u00fcck zu drehen.<\/p>\n<p><b>Die deutsche Gegenl\u00e4ufigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft<\/b><\/p>\n<p>Im Prinzip traf dies auch auf Deutschland zu. Doch infolge der durch Bismarck vollzogenen Reichseinigung unter F\u00fchrung Preu\u00dfens war die Machtstellung des Milit\u00e4radels hier st\u00e4rker als in Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Zwar geriet seine Vorherrschaft ins Wanken, doch zusammen mit dem rechten Fl\u00fcgel der Bourgeoisie war er in der Lage, den Kampf nach au\u00dfen zu tragen und Deutschland einen Krieg zur Wiederbefestigung der instabil gewordenen alten Ordnung aufzuzwingen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine solche Beurteilung der Geschehnisse in den entwickelten L\u00e4ndern lie\u00df die Imperialismustheorie keinen Raum, im Gegenteil meinte Lenin, dass der gemeinsame Monopolcharakter der \u00d6konomie die imperialistischen Staaten innenpolitisch einander ann\u00e4hern w\u00fcrde. &#8222;Andererseits zeigt ein Vergleich, sagen wir, der republikanischen amerikanischen Bourgeoisie mit der monarchistischen japanischen oder deutschen, dass auch der st\u00e4rkste politische Unterschied in der Epoche des Imperialismus in hohem Grade abgeschw\u00e4cht wird \u2013 nicht etwa, weil er \u00fcberhaupt unwichtig w\u00e4re, sondern weil es sich in allen diesen F\u00e4llen um eine Bourgeoisie mit ausgesprochen parasit\u00e4ren Z\u00fcgen handelt.&#8220; Demzufolge w\u00fcrde es zwischen den USA und Japan, Gro\u00dfbritannien, Frankreich und Deutschland keine wesentlichen politischen Unterscheidungen mehr geben, gleich ob sie als Monarchie oder parlamentarische Republik organisiert waren, denn ma\u00dfgeblich sei der identische \u00f6konomische Inhalt, n\u00e4mlich das Monopolkapital und eine parasit\u00e4re Bourgeoisie. Die neue Epoche h\u00e4tte also fertiggebracht, was die Revolution im 19.Jahrhundert vers\u00e4umt hatte: mit der \u00fcbergreifenden Durchsetzung des Monopol- und Gewaltverh\u00e4ltnisses h\u00e4tten sich die Unterschiede zwischen den Staaten der b\u00fcrgerlichen Revolution und dem Deutschen Kaiserreich eingeebnet.<\/p>\n<p>Das aber hie\u00df, dass die deutsche Gegenl\u00e4ufigkeit von wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher R\u00fcckst\u00e4ndigkeit sich quasi umkehrte, denn in der Logik der Imperialismustheorie resultierten die demokratischen Defizite des Kaiserreichs jetzt nicht mehr aus der steckengebliebenen b\u00fcrgerlichen Revolution, sondern aus dem besonders entwickelten Monopolverh\u00e4ltnis. Als das am weitestgehenden monopolistische Land schien Deutschland auch politisch am weitesten zur &#8222;Reaktion nach innen und Aggression nach au\u00dfen&#8220; vorangeschritten zu sein.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>5. H\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus?<\/b><\/p>\n<p>Gleich zu Beginn des Kriegs, noch vor Erarbeitung seiner Imperialismusschrift, hatte Lenin eine bemerkenswerte Stellungnahme zum Krieg abgegeben, die die Probleme bei dessen Einsch\u00e4tzung offenbart. Im August 1914 verabschiedete eine Gruppe f\u00fchrender Bolschewiki eine von ihm verfasste Resolution, in der es hie\u00df: &#8222;Der Europa und die ganze Welt erfassende Krieg tr\u00e4gt den klar ausgepr\u00e4gten Charakter eines b\u00fcrgerlichen, imperialistischen, dynastischen Krieges.&#8220; Der Krieg wird hier mit gegens\u00e4tzlichen Merkmalen beschrieben \u2013 einerseits &#8222;b\u00fcrgerlich&#8220; bzw. &#8222;imperialistisch&#8220;, andererseits &#8222;dynastisch&#8220;. Insoweit kann von einem &#8222;klar ausgepr\u00e4gten&#8220; Charakter keine Rede sein. Im Gegenteil spiegelt sich hierin die Schwierigkeit wider, das widerspr\u00fcchliche Wesen des Kriegs zu fassen.<\/p>\n<p><b>Der Doppelcharakter des Kriegs<\/b><\/p>\n<p>In demselben Sinn schrieb Lenin kurz darauf: &#8222;die \u00e4u\u00dferste Zuspitzung des Kampfes um die M\u00e4rkte in der Epoche des j\u00fcngsten, des imperialistischen Entwicklungsstadiums des Kapitalismus in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern, die dynastischen Interessen der r\u00fcckst\u00e4ndigsten, der osteurop\u00e4ischen Monarchien mussten unvermeidlich zu diesem Krieg f\u00fchren und haben zu ihm gef\u00fchrt.&#8220; Das benennt die Tatsache, dass Staaten unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungsstufen an dem Waffengang teilnahmen: auf der einen Seite fortgeschrittene b\u00fcrgerliche Staaten wie Gro\u00dfbritannien und Frankreich, auf der anderen Seite r\u00fcckst\u00e4ndige osteurop\u00e4ische Dynastien wie vorweg das zaristische Russland, aber auch das \u00f6sterreichisch-ungarische Habsburgerreich.<\/p>\n<p>Dementsprechend trug der Krieg politisch zwei verschiedene Gesichter. Gro\u00dfbritannien und Frankreichs verteidigten im Kampf um die M\u00e4rkte ihre koloniale Weltstellung (wobei f\u00fcr Frankreich die R\u00fcckeroberung Elsass-Lothringens wichtiger war), sie f\u00fchrten also einen b\u00fcrgerlich-imperialistischen Krieg. Anders dagegen das r\u00fcckst\u00e4ndige Zarenreich, bei dem von einem Kampf um die M\u00e4rkte keine Rede sein konnte; hier waren innenpolitische Gr\u00fcnde ma\u00dfgeblich: die Angst vor der Revolution und das Streben nach Aufrechterhaltung der &#8222;dynastischen&#8220;, sprich zaristischen Herrschaft.<\/p>\n<p>Das aber hei\u00dft, dass wir auf gesamteurop\u00e4ischer Ebene dieselbe Problematik antreffen wie im Deutschen Kaiserreich, n\u00e4mlich die Kombination zweier Arten von Krieg: einmal f\u00fcr b\u00fcrgerlich-imperialistische Ziele, ein andermal f\u00fcr die Aufrechterhaltung der alten Ordnung. Beide Arten bzw. Seiten des Kriegs waren reaktion\u00e4r und verdienten keine Unterst\u00fctzung, wenngleich aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden. Doch wie war angesichts dieser widerspr\u00fcchlichen Aspekte der Gesamtcharakter des Kriegs zu beurteilen?<\/p>\n<p>Diese Frage wurde durch Deutschland entschieden, das im Zentrum des Kriegsgeschehens stand, und hier lag die Antwort auf der Hand. Lenin hielt das deutsche Kaiserreich ebenso wie die gesamte Zweite Internationale (bis auf wenige Ausnahmen) f\u00fcr einen b\u00fcrgerlichen Staat wie Frankreich oder England. Zwar konstatierte er ab und zu das Vorhandensein junkerlicher Relikte, aber diese Relikte waren f\u00fcr ihn untergeordnet. Ausschlaggebend war, dass Deutschland der \u00f6konomisch entwickeltste Staat Europas war, derjenige Staat, der am weitesten zum Monopolkapitalismus-Imperialismus vorangeschritten war.<\/p>\n<p>Daher schien es keine Frage, dass in Deutschland ebenso wie in Gro\u00dfbritannien oder Frankreich die Bourgeoisie herrschte, und das bedeutete, dass seiner Auffassung nach die Sicherung der alten Ordnung lediglich f\u00fcr Russland kriegsbestimmend war, nicht aber f\u00fcr Deutschland und die anderen L\u00e4nder, so dass der b\u00fcrgerlich-imperialistische Charakter des Weltkriegs insgesamt \u00fcberwog.<\/p>\n<p><b>Eine Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution<\/b><\/p>\n<p>Dem entsprach das von Lenin bef\u00fcrwortete Revolutionsprogramm. In Russland, &#8222;das seine b\u00fcrgerliche Revolution noch nicht vollendet hat&#8220;, sah er die Aufgabe &#8222;einer konsequenten demokratischen Umw\u00e4lzung&#8220; anstehen; &#8222;in allen fortgeschrittenen L\u00e4ndern dagegen stellt der Krieg die Losung der sozialistischen Revolution auf die Tagesordnung&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\">34<\/a><\/sup> Diese Losung wurde durch die Monopoltheorie untermauert, der zufolge der Imperialismus &#8222;charakterisiert werden muss als \u00dcbergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus&#8220;, der &#8222;auf der ganzen Linie die Z\u00fcge einer \u00dcbergangsperiode vom Kapitalismus zu einer h\u00f6heren \u00f6konomischen Gesellschaftsformation&#8220; tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>In dieser Schlussfolgerung einer historisch anstehenden sozialistischen Revolution kulminierte der fehlerhafte Ansatz der Imperialismusschrift, denn die b\u00fcrgerliche Revolution war nicht nur in Russland noch nicht vollendet, sondern auch in Deutschland. Der Weltkrieg war kein Ausdruck des &#8222;h\u00f6chsten Stadiums des Kapitalismus&#8220;, wie Lenin meinte; er ordnet sich vielmehr ein in das Auf und Ab einer langdauernden Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution, in deren Zentrum nach der gro\u00dfen franz\u00f6sischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen Deutschland stand.<\/p>\n<p>Durch die deutschen Einigungskriege 1864-1870 war es Bismarck gelungen, den Lauf dieser Revolution zu unterbrechen und den preu\u00dfischen Gutsadel f\u00fcr weitere Jahrzehnte an der Macht zu halten. Doch unter dem unaufhaltsamen Druck der \u00f6konomisch-gesellschaftlichen Entwicklung gerieten die Junker seit der Jahrhundertwende erneut in Bedr\u00e4ngnis, bis sie keinen anderen Ausweg mehr als die Flucht in den Krieg sahen, um dem Voranschreiten der Demokratie zu begegnen. Indes bewirkte dieser Versuch, das Rad der Geschichte aufzuhalten, das Gegenteil, denn unter den Belastungen des vierj\u00e4hrigen Waffengangs brach die alte Ordnung nicht nur im zaristischen Russland zusammen, sondern auch im Deutschen Kaiserreich.<\/p>\n<p><b>Der &#8222;gr\u00f6\u00dfte Mangel des revolution\u00e4ren Marxismus in Deutschland&#8220;<\/b><\/p>\n<p>Das Programm einer sozialistischen Revolution gab darauf keine geeignete Antwort, denn vorher musste die b\u00fcrgerliche Revolution vollendet werden, und das hie\u00df, dass die Arbeiterbewegung in einem demokratischen B\u00fcndnis mit dem l\u00e4ndlichen und st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertum das Junkertum und die mit ihm liierte Montanbourgeoisie st\u00fcrzen musste. Nicht &#8222;das Fehlen einer festgef\u00fcgten illegalen Organisation&#8220; war der &#8222;gr\u00f6\u00dfte Mangel des gesamten revolution\u00e4ren Marxismus in Deutschland&#8220;, wie Lenin 1916 in seiner Kritik an Rosa Luxemburg meinte<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\">35<\/a><\/sup> \u2013 es war das Fehlen einer realit\u00e4tstauglichen politischen Strategie der demokratischen Umw\u00e4lzung.<\/p>\n<p>Der am Ausgang des Kriegs unternommene Versuch, im Alleingang des Proletariats den Sozialismus zu erk\u00e4mpfen, scheiterte mit Notwendigkeit. Anstelle der halben Revolution von 1918 kam es 1933 zu einer ganzen Konterrevolution, und in der Folge gelangte die Epoche der b\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland erst nach einem weiteren Krieg unter g\u00e4nzlich ver\u00e4nderten Bedingungen zum Abschluss.<\/p>\n<p>Auf dem Boden einer Theorie, die mit der Wende zum 20. Jahrhundert das h\u00f6chste Stadium eines sterbenden Kapitalismus angebrochen sieht, ist der Verlauf der deutschen Gesellschaftsgeschichte nicht nachvollziehbar.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Zur Entstehung des Kriegs Karuscheit: Deutschland 1914 \u2013 Vom Klassenkompromiss zum Krieg, Hamburg 2014<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Zu Bethmanns politischem Konzept: Wollscheid<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Wehler, S.66<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Zu den deutschen Kriegszielen insgesamt Fischer, S.87 ff<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Fischer, S.146<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a>Zu Stresemanns durchg\u00e4ngigem Annexionsprogramm Birkelund, S.\u00a099-104<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a>Fischer, S.149<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a>Fischer, S.90<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a>Fischer, S.95<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a>Holger Afflerbach: Die milit\u00e4rische Planung des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg; in Michalka, S.296\u00a0f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a>Wollstein, S.\u00a0130, 132<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a>Hans-J\u00fcrgen Schr\u00f6der: Demokratie und Hegemonie. Woodrow Wilsons Konzept einer Neuen Weltordnung; in: Michalka, S.\u00a0158\u00a0ff<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a>Werner Rahn: Strategische Probleme der deutschen Seekriegf\u00fchrung; in: Michalka, S.356\u00a0f<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a>Ragnhild Fiebig-von Hase: Der Anfang vom Ende des Krieges: Deutschland, die USA und die Hintergr\u00fcnde des amerikanischen Kriegseintritts am 6.April 1917; in: Michalka, S.125 ff<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a>Bohlmann, S. 266<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a>Tagebuch Riezler, zit. in: Wehler, S.174, 166, 171<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a>Fischer, S.279<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a>Fischer, S.271<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a>Rosenberg 1, S.141<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a>Rosenberg 1, S.147<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a>Rosenberg 1, S.151<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a>Wollscheid, S.152<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a>Zit. in Fischer, S.339<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a>Rosenberg 1, S.152<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p class=\"sdfootnote\" lang=\"en-US\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a>Rosenberg 1, S.184 ff<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a>Craig, S.341<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a>Rosenberg 1, S.197<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a>Ernst-Wolfgang B\u00f6ckenf\u00f6rde: Der Zusammenbruch der Monarchie und die Entstehung der Weimarer Republik; in: Bracher u.a., S.24<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p class=\"sdfootnote\"><i><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a>Rosenberg 1, S.\u00a0212<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a>Eric J.Hobsbawm: Das imperiale Zeitalter 1875-1914; Frankfurt\/M 1995; Gregor Sch\u00f6llgen: Das Zeitalter des Imperialismus; M\u00fcnchen 2000<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a>Hans-Christoph Schr\u00f6der: Sozialistische Imperialismusdeutung, G\u00f6ttingen 1973; Wolfgang J.Mommsen: Imperialismustheorien, G\u00f6ttingen 1977<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a>Dieses und die weiteren Zitate Lenins, soweit nicht anders vermerkt, aus: &#8222;Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus&#8220;, LW 22, S.\u00a0189-309<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><i>hierzu die Aufs\u00e4tze zur Diskussion (AzD) 39\/1987<\/i> <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php\/monopolkapitalismus-und-finanzkapital\/\"><i>&#8222;Kapital und Monopol. Zur Kritik der Monopoltheorie bei Hilferding und Lenin&#8220;<\/i><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a>Der Krieg und die russische Sozialdemokratie (September 1914); Lenin Werke 21, S.\u00a019\u00a0f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p class=\"sdendnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a>Lenin: \u00dcber die Junius-Brosch\u00fcre (Juli 1916); Lenin Werke 22, S.\u00a0312<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum der 1.Weltkrieg nicht mit Lenins Imperialismustheorie zu erkl\u00e4ren ist (Zuerst erschienen in: Karuscheit\/Wernecke\/Wollenberg\/Wegner: &#8222;Macht und Krieg. Hegemonialkonstellationen und Erster Weltkrieg&#8220;; VSA, Hamburg 2014; umgearbeitet und erweitert) Die gegenw\u00e4rtig popul\u00e4re Behauptung vom schlafwandlerischen Hineinstolpern der europ\u00e4ischen M\u00e4chte in den Ersten Weltkrieg weisen viele Marxisten mit dem Hinweis auf dessen imperialistischen Charakter zur\u00fcck. Ausgesprochen oder nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1118\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">3. Kriegsfragen<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1118","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1118"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1524,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1118\/revisions\/1524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}