{"id":1113,"date":"2018-01-10T07:28:17","date_gmt":"2018-01-10T06:28:17","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1113"},"modified":"2018-01-10T07:28:17","modified_gmt":"2018-01-10T06:28:17","slug":"die-zerbrochene-hegemonie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1113","title":{"rendered":"Die zerbrochene Hegemonie"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich erkenne, was die Welt<br \/>\nim Innersten zusammenh\u00e4lt<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><b> Der Weltkrieg als Kampf um die Herrschaft in Deutschland<\/b><\/h4>\n<p align=\"center\"><i>(Zuerst erschienen in: Karuscheit\/Wernecke\/Wollenberg\/Wegner: &#8222;Macht und Krieg. Hegemonialkonstellationen und Erster Weltkrieg&#8220;;<br \/>\nVSA, Hamburg 2014; leicht \u00fcberarbeitet)<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Wer den Krieg 1914-18 als &#8222;Urkatastrophe&#8220; Europas im 20.Jahrhundert betrachtet, versteht ihn meist als Auftakt zu einer Art 30j\u00e4hrigem Krieg, der den alten Kontinent umw\u00e4lzte und erst nach einer weiteren Kriegskatastrophe zu einem neuen Gleichgewicht finden lie\u00df, das im Westen unter US-Hegemonie stand. Verfolgt man diesen Ansatz weiter, erkennt man, dass im Zentrum des Geschehens der 1871 gegr\u00fcndete deutsche Nationalstaat stand. Von ihm aus nahmen die beiden Weltkriege ihren Ausgang, zugleich \u00e4nderte er wie kein anderes Land die Staatsformen.<\/p>\n<p>Doch was war die Triebfeder dieser Ereignisse? Gingen die wechselnden Regierungssysteme aus den Kriegen hervor oder waren innere Konflikte verantwortlich f\u00fcr den zweimaligen Weg in den Krieg? Wenn man wei\u00df, dass in Deutschland wenige Jahre vor 1914 eine Krise von Gesellschaft und Staat einsetzte, die \u00fcber Jahrzehnte anhielt, dr\u00e4ngt sich der Gedanke auf, dass hierin m\u00f6glicherweise die Ursache sowohl f\u00fcr die Kriege als auch f\u00fcr den Wandel der Staatsformen zu suchen ist. Das aber hei\u00dft, dass sich hinter der Erz\u00e4hlung vom 30j\u00e4hrigen Krieg eine andere Geschichte verbirgt, n\u00e4mlich die Geschichte einer 1909 zerbrochenen Hegemonie, die letztlich erst nach 1945 unter anderen Vorzeichen neu begr\u00fcndet werden konnte.<\/p>\n<p>Dieses Geschehen kann hier nur bis zur Entstehung der Weimarer Republik erz\u00e4hlt werden. In seinem Zentrum steht der gro\u00dfe Krieg, der so viel und gleichzeitig so wenig \u00e4nderte. Er beherrschte mehr als vier Jahre lang die B\u00fchne der Geschichte, doch sein Ausgang wurde nicht auf den Schlachtfeldern entschieden, sondern hinter den Kulissen des Kriegstheaters in einem erbitterten Kampf um die Herrschaft in Deutschland. Auf den folgenden Seiten soll das innere Gesetz dieses Kriegs nachgezeichnet werden.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>I. Anfang und Ende der Bismarckschen Hegemonialordnung<\/b><\/p>\n<p>Als Bismarck 1871 den deutschen Nationalstaat aus der Taufe hob, handelte er nicht aus nationalen Gr\u00fcnden, sondern um das alte Preu\u00dfen gegen den Strom der Zeit zu bewahren. Alle fortschrittlichen Kr\u00e4fte, Liberale wie Sozialisten, waren bis dahin davon ausgegangen, dass der nat\u00fcrliche \u2013 um nicht zu sagen &#8222;gesetzm\u00e4\u00dfige&#8220; \u2013 Gang der Geschichte darauf hinauslief, dass die deutsche Einheit mit dem Ende des reaktion\u00e4ren Preu\u00dfentums sowie einer parlamentarischen Herrschaft zusammen fallen w\u00fcrde. Nicht zuletzt entsprach dies den Erwartungen von Marx und Engels \u00fcber den Zusammenhang von kapitalistischer Entwicklung, b\u00fcrgerlicher Demokratie und nationaler Einheit.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>1. Sammlungspolitik gegen die Demokratie <\/b><\/p>\n<p>Doch indem die preu\u00dfischen Truppen in drei Kriegen einen deutschen Nationalstaat erk\u00e4mpften, spalteten sich die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte und wurde die Machtstellung des dem Untergang geweihten ostelbischen Junkertums f\u00fcr weitere Jahrzehnte bewahrt. Durch die Etablierung eines in seinen Rechten beschr\u00e4nkten Reichstags wurde die Bourgeoisie an der Herrschaft beteiligt und konnte die Politik des Reichs bis zu einem bestimmten Punkt gestalten, doch mit der Befehlsgewalt \u00fcber die au\u00dferhalb der Verfassung stehende Armee behielt der Gutsadel das letzte Wort. Au\u00dferdem blieb der deutsche Hegemonialstaat Preu\u00dfen, der zwei Drittel des Reichsgebiets und der Bev\u00f6lkerung umfasste, mit Hilfe des hier fort geltenden Dreiklassenwahlrechts in der Hand der Aristokratie.<\/p>\n<p>Die institutionelle Zementierung der Machtverteilung war indes nur die eine Seite. Bedeutsamer war, dass die L\u00f6sung der nationalen Frage das seit der 48er Revolution verhasste Preu\u00dfentum wieder in der Gesellschaft verankert hatte. Darauf aufbauend betrieb Bismarck mit Hilfe des von ihm zur Schw\u00e4chung des B\u00fcrgertums eingef\u00fchrten allgemeinen Reichstagswahlrechts eine von ihm selber so genannte &#8222;Sammlungs-&#8222;, sprich Hegemonialpolitik. Mit Hilfe sozialer Zugest\u00e4ndnisse und einer geschickten B\u00fcndnisstrategie sammelte sie Kleinb\u00fcrgertum und Bauernschaft um das Herrschaftsb\u00fcndnis von Junkertum und Schwerindustrie herum und st\u00fctze die alte Ordnung so auch massenpolitisch ab. Auf dieser Grundlage kam es zu der f\u00fcr Deutschland charakteristischen Kombination von \u00f6konomischer Entwicklung, preu\u00dfischem Militarismus und innenpolitischer Stabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bei der fortgesetzten Fernhaltung der b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte vom Zentrum der Macht kam dem ersten Reichskanzler die sich formierende Arbeiterbewegung zu Hilfe. Bei der Verabschiedung des Sozialistengesetzes 1878 noch k\u00fcnstlich von ihm hochgespielt, um die Liberalen zu spalten, wurde die von der Sozialdemokratie ausgehende Umsturzgefahr mit deren Entwicklung zu einer proletarischen Massenpartei zur Realit\u00e4t. Angesichts der Revolutionsdrohung zog die Mehrheit des B\u00fcrgertums, politisch repr\u00e4sentiert durch die nationalliberale Partei mit der Montanbourgeoisie als Kern, es jetzt vor, freiwillig an dem B\u00fcndnis mit dem Milit\u00e4radel festzuhalten und von dem Versuch einer Demokratisierung des Kaiserreichs Abstand zu nehmen. Lediglich der linke, auf Reichsebene einflusslose Fl\u00fcgel der Liberalen, der sich auf verschiedene Parteien aufteilte und das kleine und mittlere B\u00fcrgertum repr\u00e4sentierte, trat weiter f\u00fcr eine volle Parlamentsherrschaft ein.<\/p>\n<p>Die vorzugsweise von der Geschichtsschreibung der DDR unterstellte Verschmelzung von Junkertum und Bourgeoisie zu einer einzigen herrschenden (b\u00fcrgerlichen) Klasse ist eine Chim\u00e4re. Weder konnte sich die kapitalistische, auf freier Lohnarbeit basierende Produktionsweise in den ostelbischen Gutswirtschaften durchsetzen, noch gelang es den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften, Zugriff auf das innenpolitisch entscheidende Machtinstrument zu erhalten, das von den Gutsadeligen gef\u00fchrte Heer.<\/p>\n<p>Auch au\u00dfenpolitisch ging das von Bismarck verfolgte Konzept auf. Musste Preu\u00dfen vorher als kleinste europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht bef\u00fcrchten, gegen\u00fcber England, Frankreich, Russland und \u00d6sterreich-Ungarn ins Hintertreffen zu geraten, nahm Preu\u00dfen-Deutschland nach 1870 eine von allen Seiten anerkannte Stellung in der Mitte Europas ein. Mehr wollte Bismarck nicht. Mit der Begr\u00fcndung, dass Deutschland &#8222;saturiert&#8220; sei, betrieb er in den 20 Jahren seiner Kanzlerschaft eine konservative, kontinental ausgerichtete und im letzten Grund junkerlich-preu\u00dfisch fundierte Au\u00dfenpolitik mit Russland als Angelpunkt.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>2. Weltpolitik als b\u00fcrgerliches Machtprogramm<\/b><\/p>\n<p>Von Bismarck immer wieder zur\u00fcck geschlagen, unternahm das b\u00fcrgerlich-liberale Lager erst nach dessen Abdankung einen neuen Anlauf, um den Gutsadel von der Macht zu verdr\u00e4ngen. Das Instrument daf\u00fcr war die Weltpolitik, zu der das Kaiserreich Ende des Jahrhunderts \u00fcberging; sie verband innen- und au\u00dfenpolitische Zielsetzungen zu einem umfassenden Machtprogramm.<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt auf den Bau einer neuen Schlachtflotte, zielte sie zum einen auf die Erringung einer deutschen Weltmachtstellung mitsamt einem Kolonialreich. Dar\u00fcber hinaus war sie ein inneres Hegemonialprogramm, das den b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften das politisch-gesellschaftliche \u00dcbergewicht \u00fcber die Aristokratie verschaffen sollte, ohne die Frage der Demokratie aufzuwerfen. Sie signalisierte den Aufbruch von Handel und Industrie in die Welt, sollte den Wandel von einem Agrar-Industriestaat zu einem Industrie-Agrarstaat bef\u00f6rdern, die milit\u00e4rischen Gewichte vom junkerlichen Landheer zur b\u00fcrgerlichen Marine verschieben und \u00fcber die Massen des Kleinb\u00fcrgertums hinaus die Arbeiterschaft f\u00fcr den Imperialismus gewinnen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wurde sie von Wilhelm II mitgetragen, dem die Marine in seiner Funktion als Deutscher Kaiser direkt zugeordnet war (im Unterschied zum Heer). Ihr Architekt war der den Nationalliberalen nahestehende Bernhard von B\u00fclow, seit 1897 Au\u00dfenstaatssekret\u00e4r und seit 1900 Kanzler des Reichs. Das von ihm entworfene Konzept vereinte bald das gesamte b\u00fcrgerliche Lager einschlie\u00dflich der linken Liberalen und (mit Abstrichen) der katholischen Zentrumspartei im Zeichen des Imperialismus.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfagrarier, von Natur aus Gegner der maritimen Weltpolitik, lie\u00dfen sich die Zustimmung zum kostentr\u00e4chtigen Flottenbau durch eine Verf\u00fcnffachung der Getreidez\u00f6lle abkaufen, um so ihre niedergehenden Gutswirtschaften vor der Konkurrenz durch das billigere ausl\u00e4ndische Getreide zu sch\u00fctzen. Der zur Jahrhundertwende durch B\u00fclow vermittelte Flottenbau-Zollkompromiss zwischen Nationalliberalen und Konservativen erneuerte den von Bismarck etablierten Klassenkompromiss zwischen Junkertum und Bourgeoisie und bekr\u00e4ftigte den Anschein einer einzigen herrschenden (b\u00fcrgerlichen) Klasse, die lediglich verschiedene Abteilungen aufwies.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>3. Ein hegemoniales Vakuum<\/b><\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen l\u00f6ste sich die Grundvoraussetzung dieses B\u00fcndnisses, die gemeinsame Bedrohung durch eine revolutionsbereite Arbeiterbewegung, langsam auf, denn mit den Gewerkschaften als Vorreiter gewann der Reformismus in der Sozialdemokratie immer mehr an Boden. Auch wenn der linke Fl\u00fcgel an revolution\u00e4ren Positionen festhielt, h\u00f6rte die SPD als Ganzes auf, eine revolution\u00e4re Partei zu sein, und damit reiften die Bedingungen f\u00fcr ein innenpolitisches renversement des alliances heran.<\/p>\n<p>Zum Durchbruch gelangte diese Entwicklung im Jahre 1909 infolge eines heftigen Steuerstreits. Da eine von der Regierung geplante Erbschaftssteuer zum Ausgleich des durch den Flottenbau \u00fcberstrapazierten Staatshaushalts auch den Gro\u00dfgrundbesitz erfassen sollte, verlie\u00dfen die Konservativen das &#8222;Kartell der staatstragenden Kr\u00e4fte&#8220; mit den Liberalen und st\u00fcrzten den Kanzler. Angesichts der mittlerweile un\u00fcbersehbaren Verb\u00fcrgerlichung der Sozialdemokratie waren die Nationalliberalen anschlie\u00dfend nicht mehr bereit, in das alte B\u00fcndnis zur\u00fcck zu kehren. Ihr m\u00e4chtiger schwerindustrieller Fl\u00fcgel, der Garant des Zusammengehens mit den Konservativen, geriet in die Minderheit und verlor die Herrschaft \u00fcber die F\u00fchrungspartei des B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Der Steuerstreit war deshalb von solch fundamentaler Tragweite, weil er das Hegemonialgef\u00fcge zerst\u00f6rte, das 40 Jahre lang die innere Stabilit\u00e4t des Kaiserreichs garantiert hatte. Als der Reichsgr\u00fcndungskompromiss zerbrach und die bisherigen Tr\u00e4ger des Reichs einander gegen\u00fcbertraten, war Bismarcks Werk am Ende \u2013 nicht seiner staatlichen Form, wohl aber seiner gesellschaftlichen Basis nach.<\/p>\n<p>Die Alternative zu dem aufgel\u00f6sten Herrschaftspakt w\u00e4re ein B\u00fcndnis von B\u00fcrgertum und Arbeiterbewegung gewesen, das unter dem Schlagwort &#8222;von Bassermann bis Bebel&#8220; (die Vorsitzenden der Nationalliberalen und der SPD) auch gefordert wurde. \u00dcber demokratische und soziale Zugest\u00e4ndnisse hinaus h\u00e4tte das von dem b\u00fcrgerlich-liberalen Lager allerdings den Verzicht auf die Weltpolitik verlangt, denn so konzessionsbereit die sozialdemokratische F\u00fchrung auch sein mochte, in der Frage des Imperialismus hatte sie wegen der Haltung der Arbeitermassen wenig Handlungsspielraum.<\/p>\n<p>Die Nationalliberalen h\u00e4tten also ihr bisheriges Machtkonzept aufgeben m\u00fcssen, um das Risiko eines Zusammengehens mit der SPD einzugehen, das viele Unw\u00e4gbarkeiten enthielt und zur Abspaltung ihres schwerindustriellen Fl\u00fcgels gef\u00fchrt h\u00e4tte. Dazu war die Parteif\u00fchrung nicht bereit; sie verharrte auf Distanz zu den Konservativen, wahrte aber die gleiche Distanz zur Sozialdemokratie. Mit den einen nicht mehr, war sie mit den anderen noch nicht koalitionsbereit. Anstelle eines neuen B\u00fcndnisses entstand daher ein hegemoniales Vakuum mit der Folge, dass im Reichstag keine verl\u00e4sslichen Mehrheiten f\u00fcr die Gesetzgebung mehr zustande kamen und das Land unregierbar wurde \u2013 ein Zustand, der das kommende Vierteljahrhundert anhalten sollte. Deutschland geriet 1909 in eine Staatskrise in Permanenz.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>II. Das innere Gesetz des Kriegs<\/b><\/p>\n<p>Der erste Kanzler, der mit dieser Situation konfrontiert war, war B\u00fclows Nachfolger Bethmann Hollweg, in dessen Politik sich die inneren wie \u00e4u\u00dferen Widerspr\u00fcche des Reichs b\u00fcndelten.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/sup> Um \u00fcberhaupt regieren zu k\u00f6nnen, musste er eine Politik der &#8222;Diagonale&#8220; betreiben, d.h. sich auf wechselnde Parlamentsmehrheiten von Konservativen, Liberalen und Zentrum st\u00fctzen. In den entscheidenden Fragen der Innen- und Au\u00dfenpolitik war er handlungsunf\u00e4hig.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>1. Ein Krieg als Ausweg aus der Sackgasse<\/b><\/p>\n<p>Als Kompromisskandidat zum Kanzler geworden, waren die Konservativen mit seiner Ernennung einverstanden gewesen, weil er ein Gegner der Welt- und Schlachtflottenpolitik war und von ihm kein neues Steuergesetz zur Flottenfinanzierung zu erwarten stand. F\u00fcr die Mehrheit der Nationalliberalen auf der anderen Seite war ausschlaggebend, dass er nicht als innenpolitischer Scharfmacher galt (er war vorher preu\u00dfischer Innenminister) und einer weiteren Ann\u00e4herung an die SPD nicht im Wege stehen w\u00fcrde. Doch aus eben diesen Gr\u00fcnden wandte sich das jeweils andere Lager gegen seine Politik.<\/p>\n<p>Au\u00dfenpolitisch blockierte ihn das b\u00fcrgerlich-liberale Lager, weil er im Verh\u00e4ltnis zu Gro\u00dfbritannien eine Entspannungs- und Abr\u00fcstungspolitik verfolgte, w\u00e4hrend die Nationalliberalen Front gegen London machten, das Deutschland den &#8222;Platz an der Sonne&#8220; verwehrte, und in der Marokkokrise 1911 sogar nach einem Krieg gegen das &#8222;perfide Albion&#8220; riefen.<\/p>\n<p>Innenpolitisch blockierten ihn die Konservativen mit Unterst\u00fctzung des rechten Minderheitsfl\u00fcgels der Nationalliberalen, weil er eine vorsichtige Reformpolitik betrieb, um die Arbeiterbewegung an den Staat heran zu ziehen. Dagegen verlangte das Rechtsb\u00fcndnis die Beseitigung des allgemeinen Wahlrechts und ein Verbot der SPD. St\u00fcrzen konnte ihn keines der beiden Lager, weil jedes alleine daf\u00fcr zu schwach war und ihre Gegens\u00e4tze ein gemeinsames Vorgehen verhinderten. Deshalb reichte der R\u00fcckhalt durch Wilhelm II aus, um im Amt zu bleiben, mehr aber nicht.<\/p>\n<p>Die Wahl 1912 trieb die innere Krise weiter voran. W\u00e4hrend der Anstieg der SPD auf mehr als ein Drittel der W\u00e4hlerstimmen bei Bethmann die \u00dcberzeugung festigte, dass ein Ausgleich mit der Arbeiterpartei unumg\u00e4nglich sei, versuchten Gutsadelige und Schwerindustrielle gemeinsam, einen Staatsstreich in Gang zu bringen, um die SPD zu zerschlagen und das allgemeine Wahlrecht zu beseitigen. Als Kanzler und Kaiser sich dem widersetzten, schwenkte das Rechtsb\u00fcndnis auf einen Kriegskurs ein, denn es hatte keine andere M\u00f6glichkeit mehr, um die alte Ordnung zu retten.<\/p>\n<p>Zwar versuchte der Kanzler weiterhin, seine Politik der Entspannung nach au\u00dfen und des Ausgleichs nach innen fortzuf\u00fchren. Aber gegen die geballte Macht der zur Kriegspartei gewordenen preu\u00dfisch-schwerindustriellen Reaktion mit ihren Parteig\u00e4ngern in Politik, Verwaltung und Wirtschaft kam er nicht an, zumal die Nationalliberalen die Kriegspartei mit ihrer Konfrontationspolitik gegen Gro\u00dfbritannien unterst\u00fctzten. Innen- wie au\u00dfenpolitisch stand ihm faktisch die SPD am n\u00e4chsten, doch zu dieser Partei konnte er als kaiserlicher Kanzler keine offiziellen Beziehungen aufnehmen, sondern musste sich im Gegenteil in der \u00d6ffentlichkeit von ihr distanzieren.<\/p>\n<p>Angesichts des wachsenden Drucks entschloss sich Bethmann in der Julikrise 1914 zu einem au\u00dfenpolitischen Vabanquespiel, das durch Zur\u00fcckdr\u00e4ngung Russlands die \u00e4u\u00dfere Lage des Reichs verbessern und seiner Regierung im Innern neue Spielr\u00e4ume verschaffen sollte. Dabei war er sich der damit verbundenen Kriegsgefahr bewusst, nahm das Risiko aber in Kauf und l\u00f6ste auf diese Weise den Krieg aus, den er eigentlich nicht wollte.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>2. Weiterf\u00fchrung der inneren Gegens\u00e4tze<\/b><\/p>\n<p>Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz hatte Deutschland bei Kriegsbeginn keine Kriegsziele, das unterscheidet 1914 grunds\u00e4tzlich von 1870 und 1939. Weil der Krieg seinem Wesen nach eine Fortf\u00fchrung der inneren Gegens\u00e4tze mit anderen Mitteln war, bezogen sich die entscheidenden Kriegsziele auf die Machtverh\u00e4ltnisse im Innern und fielen gem\u00e4\u00df der unterschiedlichen gesellschaftlichen Kr\u00e4fte h\u00f6chst unterschiedlich aus.<\/p>\n<p>Die Allianz von Junkertum und Schwerindustrie zielte in Weiterf\u00fchrung ihrer bisherigen Politik auf die Niederhaltung der Arbeiterbewegung und der Demokratie. Da nur ein Sieg die daf\u00fcr notwendige Autorit\u00e4t verschaffen w\u00fcrde, f\u00fchrte der Milit\u00e4radel den Krieg trotz der sich im Lauf der Zeit verschlechternden Lage kompromisslos bis zum Ende fort und unterband jeden Versuch eines Friedensschlusses, der die Gefahr der Demokratisierung in sich barg.<\/p>\n<p>Die Arbeiterbewegung verfolgte diametral entgegengesetzte Ziele. Die Arbeitermassen nahmen an dem Krieg teil, weil sie der \u00dcberzeugung waren, dass Deutschland sich gegen einen Angriff verteidigen m\u00fcsse. Aber wenn sie schon ihr Leben f\u00fcr den Staat einsetzten, erwarteten sie, dass dieser sie nicht l\u00e4nger als Staatsb\u00fcrger zweiter Klasse behandelte. Der rechte Sozialdemokrat Eduard David brachte diese Erwartungen mit dem Satz auf den Punkt, dass die SPD statt des Generalstreiks einen Krieg f\u00fcr die Abschaffung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts f\u00fchren w\u00fcrde. Allerdings brachte die Parteif\u00fchrung noch nicht einmal den Mut auf, diese Forderung \u00f6ffentlich mit der Bewilligung der Kriegskredite zu verbinden.<\/p>\n<p>Das b\u00fcrgerliche Lager war innenpolitisch wie seit 1909 gespalten und gel\u00e4hmt. W\u00e4hrend der rechte Fl\u00fcgel der Nationalliberalen gemeinsam mit den Konservativen gegen die Demokratie k\u00e4mpfte, hielt die Parteif\u00fchrung ihre Orientierung weiter in der Schwebe. Sie schwenkte nicht zur\u00fcck auf die Positionen der Montanbourgeoisie, n\u00e4herte sich aber andererseits auch nicht der SPD an. Gustav Stresemann, seit 1917 Parteivorsitzender, bef\u00fcrwortete in Reden eine Parlamentarisierung des Reichs, unternahm aber bis zum Ende des Kriegs keine praktischen Schritte dorthin.<br \/>\nStattdessen \u00fcberspielte die Parteif\u00fchrung ihre innenpolitische Zerrissenheit wie in der Vorkriegszeit durch die imperialistische Wendung nach au\u00dfen. Keine andere Kraft vertrat ein derart weitreichendes Annexionsprogramm wie die Nationalliberalen mit Stresemann an der Spitze.<\/p>\n<p><b>Eine aussichtslose Konstellation<\/b><\/p>\n<p>Die Linksliberalen der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) stellten ihre Forderung nach Parlamentarisierung des Reichs angesichts des Kriegs zun\u00e4chst zur\u00fcck. Erst in der zweiten Kriegsh\u00e4lfte, als die Hoffnungen auf einen &#8222;Siegfrieden&#8220; schwanden, kamen sie darauf zur\u00fcck und vertieften mit dieser Zielsetzung die Kooperation mit der SPD. \u00c4hnlich verhielt sich die Zentrumspartei.<\/p>\n<p>In allen kriegf\u00fchrenden Staaten hatte die lange Kriegsdauer eine zunehmende Machtkonzentration an der Spitze zur Folge. Aber w\u00e4hrend dies in Gro\u00dfbritannien mit Lloyd George und Frankreich mit Poincar\u00e9 die b\u00fcrgerliche Staatsf\u00fchrung war, konzentrierte sich die Macht in Deutschland immer mehr bei der junkerlichen Milit\u00e4rf\u00fchrung. Demgegen\u00fcber versuchte der Kanzler auch im Krieg, eine eigenst\u00e4ndige Politik zu betreiben, darin eingeschlossen die vorsichtige weitere \u00d6ffnung zur SPD, und ging 1917 sogar so weit, die Vormachtstellung des Milit\u00e4radels anzugreifen \u2013 mit dem Ergebnis, dass die Oberste Heeresleitung ihn st\u00fcrzte und anschlie\u00dfend eine kaschierte Milit\u00e4rdiktatur aus\u00fcbte.<\/p>\n<p>Diese innere Konstellation war von Anfang bis Ende des Kriegs desolat. Welchen Ausgang auch immer der Waffengang nehmen w\u00fcrde &#8211; wie sollten die Beziehungen zwischen den Klassen auf dieser Grundlage gestaltet werden, damit eine neue gesellschaftliche Stabilit\u00e4t zustande kam?<\/p>\n<p><b>Kriegsfinanzierung durch das Kleinb\u00fcrgertum<\/b><\/p>\n<p>Auch in der Frage der Kriegsfinanzierung setzte sich das innenpolitische Dilemma der Vorkriegszeit fort. W\u00e4hrend in Gro\u00dfbritannien neue Steuern zur Deckung der Kriegskosten erhoben wurden, war das im Kaiserreich politisch nicht m\u00f6glich. Eine Besteuerung von Einkommen oder Besitz h\u00e4tte wie bei der 1909 gescheiterten Erbschaftssteuer die Gutswirtschaften einbeziehen m\u00fcssen, und das war zu einem Zeitpunkt, wo das Heer unter F\u00fchrung der Junker im Feld stand, undenkbar. Umgekehrt h\u00e4tte eine Erh\u00f6hung der Massenverbrauchssteuern ohne gleichzeitige Besitzbesteuerung den Burgfrieden mit der Arbeiterschaft gef\u00e4hrdet, so dass auch diese Alternative ausfiel. Deshalb wurden in Deutschland nur 14\u00a0% der Kriegsausgaben \u00fcber Steuern finanziert, wogegen es in Gro\u00dfbritannien 30\u00a0% waren.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Den Ausweg aus dieser Sackgasse boten Kriegsanleihen bei der eigenen Bev\u00f6lkerung, die nach dem erwarteten Sieg aus den Kriegsentsch\u00e4digungen der Gegner zur\u00fcck gezahlt werden sollten. Sie wurden gro\u00dfenteils von kriegsbegeisterten Kleinb\u00fcrgern gezeichnet, von Gesch\u00e4ftsinhabern, Handwerkern, Lehrern, Professoren und Angestellten, die daf\u00fcr h\u00e4ufig auf ihre Ersparnisse f\u00fcr die Altersversorgung zur\u00fcckgriffen. Als der Krieg verloren ging, entledigte sich die Republik von Weimar der Verbindlichkeiten durch eine Hyperinflation, ohne den Anleihegebern wenigstens einen Mindestbetrag zur\u00fcck zu zahlen. So entwickelten die kleinb\u00fcrgerlichen Massen einen Hass auf die Republik, der ebenso gro\u00df war wie der Hass auf den Versailler Vertrag, der Deutschland immense Reparationszahlungen auferlegte.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>3. Die \u00e4u\u00dferen Kriegsziele<\/b><\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den innergesellschaftlichen Triebkr\u00e4ften war nat\u00fcrlich die Frage zu beantworten, welche \u00e4u\u00dferen Kriegsziele Deutschland verfolgen sollte. Eine \u00f6ffentliche Er\u00f6rterung dar\u00fcber untersagte der Kanzler mit Hilfe des Kriegsrechts, um nach au\u00dfen die Legitimierung als Verteidigungskrieg nicht zu gef\u00e4hrden und Spielraum f\u00fcr die Friedensverhandlungen nach dem erwarteten Sieg zu haben. Gleichzeitig entwarf er ein internes Kriegszielprogramm, das sog. &#8222;Septemberprogramm&#8220;, das als Orientierung f\u00fcr die Friedensverhandlungen dienen sollte.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/sup> Parallel dazu stellten die verschiedenen gesellschaftlichen Kr\u00e4fte Kriegsziele auf, die wie in der Innenpolitik ihren unterschiedlichen Interessen entsprachen und sich entsprechend der geographischen Gegebenheiten entweder im Osten oder im Westen des Reichs konzentrierten.<\/p>\n<p>Die Vertreter des Milit\u00e4radels forderten im Hinblick auf die Landkriegf\u00fchrung im Westen die Annexion milit\u00e4rstrategisch wichtiger Orte (L\u00fcttich in Belgien und Belfort in Frankreich). Ihre haupts\u00e4chlichen Kriegsziele aber lagen im Osten und bezogen sich auf die St\u00e4rkung Preu\u00dfens, um dessen Stellung innerhalb Deutschlands auszubauen. \u00dcber die Schaffung von Pufferstaaten zur Zur\u00fcckdr\u00e4ngung Russlands hinaus sollten die baltischen L\u00e4nder, in denen der deutschst\u00e4mmige Gutsadel stark war, als selbst\u00e4ndige Monarchien durch Personalunion mit Preu\u00dfen verbunden werden, um so die borussische Macht zu erweitern. Au\u00dferdem wurde die Aneignung eines polnischen Grenzstreifens vorgeschlagen, der unter Aussiedlung der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung als Bollwerk gegen Russland von Kriegsveteranen besiedelt werden sollte.<\/p>\n<p><b>Ein weltpolitisches Annexionsprogramm<\/b><\/p>\n<p>Auf Seiten des b\u00fcrgerlichen Lagers verlangte die Schwerindustrie die Aneignung des rohstoffreichen Beckens von Longwy\/Briey im franz\u00f6sischen Lothringen, w\u00e4hrend ein anderer Fl\u00fcgel der Industrie auf eine Konzeption von &#8222;Mitteleuropa&#8220; als deutsch-\u00f6sterreichischem Wirtschafts- und Herrschaftsraum setzte. Jenseits dieser wirtschaftlich bedingten Interessenunterschiede verfolgte das b\u00fcrgerliche Lager \u00fcbergreifende, aus der Weltpolitik resultierende Kriegsziele, die von den Nationalliberalen vorgegeben wurden und dort die internen Konflikte aus der Demokratiepolitik zur\u00fcck treten lie\u00dfen. &#8222;In den Kriegszieldiskussionen kam es zur Ann\u00e4herung und Zusammenarbeit zwischen der Parteimitte und dem rechten Parteifl\u00fcgel.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Neben einem Kolonialreich in Mittelafrika stand im Zentrum dieser Ziele die Annexion der belgisch-franz\u00f6sischen Atlantikk\u00fcste, deren H\u00e4fen als St\u00fctzpunkte f\u00fcr den geplanten Entscheidungskampf gegen Gro\u00dfbritannien zur Erlangung einer Weltmachtstellung dienen sollten. Belgien vor allem galt als unverzichtbare Kriegsbeute, und das franz\u00f6sische Calais sollte nach den Vorstellungen Stresemanns zu einem &#8222;deutschen Gibraltar&#8220; ausgebaut werden, um von hier aus England zu bedrohen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/sup> Weil der Kanzler als Gegner der Schlachtflottenpolitik die belgischen H\u00e4fen nicht als unverr\u00fcckbares Kriegsziel betrachtete und fr\u00fchzeitig erkennen lie\u00df, dass er darauf zugunsten eines Ausgleichs mit Gro\u00dfbritannien verzichten w\u00fcrde, attackierten ihn die Nationalliberalen fortlaufend bis zu seinem Sturz.<\/p>\n<p>Die anderen b\u00fcrgerlichen Parteien (FVP und Zentrum) teilten zun\u00e4chst die Kriegsziele der Nationalliberalen, ebenso wie sie die Weltpolitik mitgetragen hatten. Erst als sie Mitte 1917 realisierten, dass ein deutscher Sieg immer fraglicher wurde, schwenkten sie auf die Forderung nach einem Verst\u00e4ndigungs- bzw. Remisfrieden ohne Annexionen ein und verst\u00e4rkten in diesem Zusammenhang den Ruf nach Demokratisierung.<\/p>\n<p>Jenseits aller fortbestehenden Differenzen bedeutete der Kriegsbeginn, dass das 1909 aufgel\u00f6ste Herrschaftsb\u00fcndnis von Junkertum und Bourgeoisie als Kriegsb\u00fcndnis wieder auflebte. Im Prinzip lie\u00df das liberale Annexionsprogramm den Milit\u00e4radel ebenso kalt wie die Weltpolitik insgesamt. Aber immer wenn die Gefahr bestand, dass die Nationalliberalen innenpolitisch auf einen Demokratisierungskurs einschwenken k\u00f6nnten, spielte die Oberste Heeresleitung (OHL) die belgische Frage hoch, um sie erneut an sich zu binden.<\/p>\n<p>Die Sozialdemokratie verfocht offiziell keine Eroberungsziele. &#8222;Die verschiedenen Interpellationen und Protesterkl\u00e4rungen der SPD w\u00e4hrend des Krieges haben die Mehrheitssozialdemokraten in den Ruf grunds\u00e4tzlicher Annexionsgegner gebracht. Das ist f\u00fcr ihre offiziellen \u00c4u\u00dferungen nach au\u00dfen hin richtig; aber intern hat eine erhebliche Zahl ihrer f\u00fchrenden K\u00f6pfe &#8218;ma\u00dfvolle Kriegsziele&#8216; zumindest stillschweigend hingenommen, manche haben sie auch bejaht, um so st\u00e4rker, je weiter rechts sie standen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Das Septemberprogramm des Reichskanzlers schlie\u00dflich basierte auf wirtschaftlicher Vorherrschaft und hatte zum Kern &#8222;die Mitteleuropa-Idee mit ihrem hegemonialen Anspruch Deutschlands&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\">8<\/a><\/sup> Frankreich sollte unter seinen bisherigen Gro\u00dfmachtstatus gedr\u00fcckt und Russland durch den Verlust der Herrschaft \u00fcber die nichtrussischen V\u00f6lker von der deutschen Grenze abgedr\u00e4ngt werden. In der Konkretisierung dieser Ziele wurde von Frankreich die Abtretung milit\u00e4risch wichtiger Gebiete in Grenzn\u00e4he sowie des Erzbeckens von Briey erwartet. Belgien sollte nach den Vorstellungen Bethmanns als formal selbst\u00e4ndiger Staat erhalten bleiben, aber seine K\u00fcste milit\u00e4risch zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der Annexionswelle, die nach Kriegsbeginn die f\u00fchrenden b\u00fcrgerlichen Schichten ergriff, verstand Bethmann seine Zusammenstellung von Kriegszielen als &#8222;ein Programm der M\u00e4\u00dfigung&#8220;,<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/sup> wobei er regelm\u00e4\u00dfig betonte, dass selbst die Verwirklichung gem\u00e4\u00dfigter Kriegsziele einen vollst\u00e4ndigen Sieg voraussetzte. Realistisch denkend, glaubte er ohnehin bald nicht mehr an einen Sieg und bem\u00fchte sich um einen Verst\u00e4ndigungsfrieden mit den Entente-M\u00e4chten.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>III. Kriegsverlauf und Herrschaftsk\u00e4mpfe<\/b><\/p>\n<p>In den ersten beiden Jahren dominierte zun\u00e4chst das Kriegsgeschehen als solches, doch als der erwartete Sieg ausblieb, schoben sich seit Mitte 1916 die innerpolitischen Widerspr\u00fcche wieder in den Vordergrund und bestimmten letztendlich die Wendepunkte der Kriegf\u00fchrung.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>1. Marne, Verdun, Skagerrak: der Fehlschlag der Kriegspl\u00e4ne<\/b><\/p>\n<p>Nachdem der deutsche Meisterplan f\u00fcr einen raschen Sieg \u00fcber Frankreich (Schlieffenplan) im Herbst 1914 an der Marne fehlgeschlagen war, verharrten die Fronten 1915 in Erstarrung. Im Fr\u00fchjahr 1916 versuchte die Heeresf\u00fchrung dann, Frankreich in Verdun niederzuwerfen. Der Ort war milit\u00e4rstrategisch ohne gro\u00dfen Wert, aber weil hier die Teilung des Karolingerreichs im Jahr 843 stattgefunden hatte, galt er als Geburtsort Frankreichs von h\u00f6chster symbolischer Bedeutung und war anzunehmen, dass der Gegner ihn mit allen Mitteln verteidigen w\u00fcrde. Da Frankreich eine geringere Geburtenrate als Deutschland aufwies, basierte der Plan darauf, dass die Abschlachtung einer ganzen Generation junger M\u00e4nner im Kampf um Verdun das franz\u00f6sische Heer ausbluten und Frankreichs Willen zur Fortf\u00fchrung des Kriegs brechen w\u00fcrde.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/sup> Aber als das Fr\u00fchjahr zu Ende ging und das franz\u00f6sische Heer trotz ungeheurer Opfer standgehalten hatte, war nach dem Schlieffenplan auch der Verdun-Plan gescheitert.<\/p>\n<p>Nunmehr kam die Schlachtflotte zum Einsatz. Bis dahin hatte Wilhelm II ihr Auslaufen verweigert, weil ihm das Risiko angesichts der \u00dcberlegenheit der Navy zu hoch erschien. Doch angesichts der sich abzeichnenden Niederlage vor Verdun stieg der Druck, ihre Existenzberechtigung nachzuweisen, so dass er schlie\u00dflich seine Genehmigung gab. Am 31.Mai 1916 trafen die beiden Flotten im Skagerrak aufeinander. Die deutschen Kampfschiffe konnten sich nach der Seeschlacht wieder in ihre H\u00e4fen zur\u00fcck ziehen, aber mehr auch nicht. So wenig wie das deutsche Heer Frankreich zu Lande schlagen konnte, konnte die deutsche Schlachtflotte Gro\u00dfbritannien auf hoher See schlagen.<\/p>\n<p>Damit stand fest, dass der erwartete Sieg nicht zu erringen war. Erich von Falkenhayn, seit September 1914 Chef der Obersten Heeresleitung, hatte bereits nach dem Fehlschlag des Schlieffenplans bezweifelt, dass der Krieg mit milit\u00e4rischen Mitteln zu gewinnen sei und dem Kanzler geraten, einen Ausweg mit politischen Mitteln zu suchen. Nach dem Scheitern vor Verdun glaubte er endg\u00fcltig nicht mehr an einen Sieg.<\/p>\n<p>Wie der Heeresoberbefehlshaber sah auch der Kanzler keine Chance mehr, den Krieg zu gewinnen. Deshalb wollte er versuchen, einen Friedensschluss zustande zu bringen, und dazu brauchte er das Einverst\u00e4ndnis des Milit\u00e4radels. Das war zwar in Gestalt Falkenhayns gegeben, doch dieser hatte nach Verdun keinen R\u00fcckhalt im eigenen Lager mehr. Um sein geplantes Friedensangebot innenpolitisch abzusichern, sorgte Bethmann daher daf\u00fcr, dass die im Ostkrieg gegen Russland erfolgreichen und im Volk popul\u00e4ren Heerf\u00fchrer Hindenburg und Ludendorff im August 1916 vom Kaiser zur 3.OHL ernannt wurden. &#8222;Sowohl f\u00fcr eine Zeit, in der es bis zu Friedenschancen durchzuhalten galt, wie f\u00fcr die Phase von Friedensverhandlungen wollte er Hindenburg als R\u00fcckendeckung benutzen. (&#8230;) Mit Hindenburg im R\u00fccken wollte er den sonst \u00fcberm\u00e4chtigen Annexionisten trotzen, einen bescheidenen Frieden durchsetzen und diesen Sicherheitsfrieden als Erfolg verkaufen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"center\"><b>2. Der U-Boot-Krieg als innenpolitisches Kampfmittel<\/b><\/p>\n<p>Als Friedensvermittler sollte der us-amerikanische Pr\u00e4sident Wilson dienen. Die USA hatten kein Interesse an dem Sieg einer Seite, da dieser die von ihnen betriebene Festsetzung in Europa behindern w\u00fcrde.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/sup> Sie wollten ihren Einfluss als Schiedsrichter eines Friedensschlusses vergr\u00f6\u00dfern und waren daher aus deutscher Sicht f\u00fcr die Vermittlungsrolle pr\u00e4destiniert.<\/p>\n<p>Nach vorherigen Sondierungen bei der US-Regierung schlugen Deutschland und \u00d6sterreich\/Ungarn Anfang Dezember 1916 \u00f6ffentlich Friedensverhandlungen ohne Vorbedingungen vor. Die Kriegsgegner wiesen den Friedensappell unverz\u00fcglich zur\u00fcck, doch erwartungsgem\u00e4\u00df reagierte nun der amerikanische Pr\u00e4sident. Er bot sich als Vermittler an und signalisierte gleichzeitig, dass er bereit sei, Druckmittel gegen die (finanziell von den USA abh\u00e4ngigen) Ententem\u00e4chte anzuwenden, um einen Friedensschluss herbei zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Angesichts der milit\u00e4rischen Lage w\u00e4re ein Frieden zu diesem Zeitpunkt das Beste gewesen, was die Mittelm\u00e4chte h\u00e4tten erreichen k\u00f6nnen. Allerdings verkn\u00fcpfte Wilson sein Angebot mit der Forderung, dass die neue Friedensordnung den Grunds\u00e4tzen der Demokratie entsprechen und zwischen demokratisch regierten L\u00e4ndern geschlossen werden m\u00fcsse. Damit ging es auf deutscher Seite nicht mehr nur um den Frieden, sondern um die Vormachtstellung des Junkertums, und das bedeutete, dass der Milit\u00e4radel das Vermittlungsangebot aus der Welt schaffen musste. Zu diesem Zweck bediente er sich der U-Boot-Waffe.<\/p>\n<p>1915\/16 waren die deutschen U-Boote bereits zum Einsatz gekommen und hatten den britischen Nachschub aus \u00dcbersee mit einigem Erfolg gest\u00f6rt. Doch als Washington nach der Versenkung us-amerikanischer Schiffe im April 1916 ein Ultimatum an Berlin richtete, hatte Bethmann ihren Einsatz trotz der Proteste der Marinef\u00fchrung und der b\u00fcrgerlichen Parteien, die ihm Feigheit und Englandfreundschaft vorwarfen, eingeschr\u00e4nkt. Da mittlerweile einige Boote mehr in Dienst gestellt worden waren, rechnete die Marinef\u00fchrung nun vor, dass die bei einem unbeschr\u00e4nkten U-Booteinsatz zu erwartenden Versenkungsraten Gro\u00dfbritannien binnen kurzem vom Nachschub abschneiden und in die Knie zwingen w\u00fcrden. Der drohende Kriegseintritt der USA wurde erstens bezweifelt und zweitens als unerheblich abgetan, denn die aus \u00dcbersee heran zu bringenden US-Truppen w\u00fcrden an den U-Booten nicht vorbei kommen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\">13<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Obwohl s\u00e4mtliche Liberalen ebenso wie die Zentrumspartei die Position der Marineleitung unterst\u00fctzten, blieb Bethmann bei seinem Veto. Er war skeptisch gegen\u00fcber den vorgelegten Berechnungen und hielt einen Kriegseintritt der USA aus politischen wie milit\u00e4rischen Gr\u00fcnden f\u00fcr eine Katastrophe, zumal der U-Boot-Einsatz als erstes seinen Friedensplan torpedieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich war auch die OHL gegen die Fortsetzung der U-Boot-Angriffe gewesen, doch schon die ersten Sondierungen der Regierung gegen\u00fcber der US-Regierung hatten sie hellh\u00f6rig gemacht. Jetzt forderte sie ultimativ die Erteilung eines unbeschr\u00e4nkten Angriffsbefehls, denn ein besseres Mittel, um das us-amerikanische Vermittlungsangebot und damit die Demokratisierungsgefahr zu Fall zu bringen, gab es nicht. Dem ohnm\u00e4chtigen Kanzler lie\u00df sie durch den Kaiser mitteilen, dass der Einsatz der Unterseeboote keine politische, sondern eine rein milit\u00e4rische Entscheidung sei, und am 1.Februar 1917 wurde der unbeschr\u00e4nkte U-Boot-Krieg aufgenommen. Daraufhin brachen die Vereinigten Staaten die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und erkl\u00e4rten ihm Anfang April den Krieg.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/sup> Die Konservativen konnten beruhigt sein. &#8222;Je eindeutiger man vor allem den neuen Kriegsgegner USA dem Lager der Feinde zuordnen konnte, desto sicherer glaubten die Deutschkonservativen, die Gefahr eines durch Wilson vermittelten Verst\u00e4ndigungsfriedens mit allen seinen innenpolitischen Konsequenzen bannen zu k\u00f6nnen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"center\"><b>3. Ein Kampf um die Herrschaft<\/b><\/p>\n<p>Nach dieser Demonstration der Machtverteilung h\u00e4tte der Kanzler eigentlich zur\u00fccktreten m\u00fcssen. Doch er nahm die Niederlage in Kauf in der Hoffnung, dass ein Scheitern des U-Bootkriegs die OHL schw\u00e4chen w\u00fcrde. Er war seit l\u00e4ngerem zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass die Vorherrschaft des Junkertums im Interesse der Zukunft Deutschlands beseitigt werden m\u00fcsse. Im Juni 1916 hatte er einem Vertrauten gegen\u00fcber in aller Offenheit von der &#8222;Unm\u00f6glichkeit, Ostelbien zu \u00e4ndern&#8220;, gesprochen; es &#8222;muss gebrochen werden, untergehen&#8220;. Sp\u00e4ter \u00e4u\u00dferte er, dass seiner Meinung nach &#8222;eine wirklich entschiedene Politik mit einer vern\u00fcnftigen ausw\u00e4rtigen Linie nur mit der Linken \u2026 machbar&#8220; sei, und klagte, &#8222;wenn er nur st\u00e4rker w\u00e4re&#8220;, w\u00fcrde er an die Spitze der Sozialdemokratie treten und das gleiche Wahlrecht einf\u00fchren; der geballten konservativen Opposition sei er jedoch nicht gewachsen.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/sup> Bald schien die Entwicklung ihm die Gelegenheit zur Entmachtung der Gutsbesitzer zu geben.<\/p>\n<p><b>Kaisertum und Demokratie<\/b><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die U-Boote noch zu ihren ersten Eins\u00e4tzen ausliefen, brach die russische Februarrevolution aus und st\u00fcrzte die Zarenherrschaft. Zwar f\u00fchrte die an die Macht gelangte Kerenski-Regierung den Krieg fort, aber der jetzt aus Russland ert\u00f6nende Ruf nach einem Frieden &#8222;ohne Annexionen und Kontributionen&#8220; fand in Deutschland gro\u00dfen Widerhall. Der Protest in der Arbeiterschaft gegen die Kriegspolitik der eigenen Partei wuchs an und in der SPD bahnte sich eine Spaltung an, die kurz darauf mit der Gr\u00fcndung der &#8222;Unabh\u00e4ngigen&#8220; Sozialdemokratie (USPD) erfolgte.<\/p>\n<p>Angesichts der Gef\u00e4hrdung des Burgfriedens gelang es Bethmann nunmehr, den Kaiser von der Notwendigkeit eines Entgegenkommens gegen die Arbeiterbewegung zu \u00fcberzeugen, so dass dieser in seiner (vom Kanzler verfassten) Osterbotschaft 1917 zwar nicht die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts ank\u00fcndigte, wie Bethmann das vorgezogen h\u00e4tte, aber eine grundlegende Reform versprach. Als Programm von &#8222;Kaisertum und Demokratie&#8220; bekannt geworden, bestand das mit der Osterbotschaft verfolgte Konzept des Kanzlers darin, gest\u00fctzt auf die Monarchie die Demokratisierung des Kaiserreichs sozusagen &#8222;von oben&#8220; durchzuf\u00fchren und auf diese Weise einerseits die Monarchie zu bewahren und gleichzeitig die Macht des Junkertums zu brechen.<\/p>\n<p>Nachdem der Milit\u00e4radel gerade erst Wilsons Initiative zu Frieden und Demokratie abgewehrt hatte, wurde er jetzt durch die Osterbotschaft herausgefordert. Die Konservativen waren &#8222;durch die Initiative Bethmann Hollwegs auf das h\u00f6chste alarmiert (\u2026) Sie mussten bei der drohenden Demokratisierung ihres letzten Bollwerks Preu\u00dfen f\u00fcr ihre eigene Machtstellung in Staat und Gesellschaft f\u00fcrchten&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/sup> Da sich das Rechtsb\u00fcndnis nicht offen gegen das Demokratieversprechen wenden konnte, mobilisierte es stattdessen eine Kriegszielbewegung. &#8222;In der \u00f6ffentlichen Diskussion in Deutschland um die Kriegsziele, die seit dem Fr\u00fchjahr 1917 &#8230; heftiger denn je entbrannte, trat immer deutlicher auch die innenpolitische Bedingtheit der deutschen Kriegszielpolitik hervor. Die OHL und die gesamte politische Rechte in Deutschland begr\u00fcndeten die Notwendigkeit &#8218;positiver&#8216; Kriegsziele wiederholt mit dem Argument, ein Abschluss des Krieges ohne Annexionen und Kriegsentsch\u00e4digungen w\u00fcrde das monarchische System bedrohen.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Unter dem auf ihn ausge\u00fcbten Druck musste Bethmann gegen\u00fcber der OHL erneut nachgeben, aber bald darauf, im Juli 1917, trieben die Dinge auf eine Entscheidung zu. Mittlerweile hatten sich die anfangs hohen Versenkungszahlen der Unterseeboote schlagartig reduziert, nachdem die Alliierten zur Bildung von Geleitz\u00fcgen \u00fcbergegangen waren. Somit war nach dem Schlieffen-Plan und der Niederlage vor Verdun auch der n\u00e4chste Plan zur Gewinnung des Kriegs fehlgeschlagen. Dar\u00fcber hinaus begann jetzt ein unaufh\u00f6rlicher Strom von Truppen und Waffen aus den USA nach Europa zu flie\u00dfen. Gleichzeitig wusste jedermann, dass nicht der Kanzler, sondern die OHL den gescheiterten U-Bootkrieg zu verantworten hatte.<\/p>\n<p><b>Mehrheitswechsel im Reichstag<\/b><\/p>\n<p>Der Fehlschlag der U-Boote und der an ihren Einsatz gekn\u00fcpften Hoffnungen bewirkte eine zunehmende Unzufriedenheit in den Massen, zumal die Wirtschaftslage immer elender wurde. W\u00e4hrend die inzwischen gegr\u00fcndete USPD sprunghaft anwuchs, verbreitete sich die Forderung nach einem baldigen Friedensschluss auch in den anderen Parteien. &#8222;Diese Stimmung erfasste alle Volksschichten, die sich wirtschaftlich und sozial gedr\u00fcckt f\u00fchlten. Sie ging von den sozialdemokratischen zu den christlichen Arbeitern, zu den Bauern und zum Mittelstand. Die Explosion erfolgte beim Zentrum.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Wenige Monate zuvor hatte die F\u00fchrung der Zentrumspartei die Forderung nach dem unbeschr\u00e4nkten U-Boot-Krieg lautstark unterst\u00fctzt, jetzt realisierte ihr Vorsitzender Matthias Erzberger als erster die neue Lage. Er gewann die \u00dcberzeugung, dass Deutschland den Krieg m\u00f6glichst schnell beenden m\u00fcsse, bevor es zu sp\u00e4t war. Am 6.Juli hielt er im Hauptausschuss des Reichstags eine gro\u00dfe Rede, in der er den Fehlschlag des U-Bootkriegs feststellte und einen Ausgleichsfrieden sobald wie m\u00f6glich forderte. Denselben Schwenk vollzog die linksliberale FVP, und somit gab es zum ersten Mal im Krieg eine Reichstagsmehrheit f\u00fcr einen Verst\u00e4ndigungsfrieden. &#8222;Das Zentrum ging zusammen mit den Sozialdemokraten in Opposition gegen die in Deutschland herrschenden Schichten, und als dritte Gruppe schloss sich die Fortschrittspartei, als Vertreterin der Kaufmannschaft und \u00fcberhaupt des mittleren B\u00fcrgertums, der neuen Reichstagsmehrheit an.&#8220;<\/p>\n<p>Rosenberg, der dies schreibt, bezeichnet das Ereignis als &#8222;eine revolution\u00e4re Tat, und an jenem 6.Juli 1917 ist der Grundstein zur deutschen b\u00fcrgerlichen Republik gelegt worden.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/sup> Tats\u00e4chlich bildeten SPD, FVP und Zentrum anderthalb Jahre sp\u00e4ter die sog. Weimarer Koalition, die die Republik aus der Taufe hob. Doch wie &#8222;revolution\u00e4r&#8220; war die Tat vom 6.Juli in Wirklichkeit, und wie stabil war der damit gelegte &#8222;Grundstein&#8220; der Republik? Die Antwort darauf gaben die kommenden Tage.<\/p>\n<p><b>Die Stellung der Machtfrage<\/b><\/p>\n<p>Am Tag nach Erzbergers Auftritt nahm Stresemann als Sprecher der Nationalliberalen zu der neuen Situation Stellung. &#8222;In einer sehr geschickten Rede&#8220;, die er &#8222;im Einverst\u00e4ndnis mit Ludendorff&#8220;, Hindenburgs Stellvertreter in der OHL, hielt, forderte er &#8222;viel entschiedener als das Zentrum und die Sozialdemokraten die Parlamentarisierung Deutschlands. Im Zusammenhang damit richtete er die sch\u00e4rfsten Angriffe gegen die v\u00f6llig verfehlte Innen- und Au\u00dfenpolitik Bethmann-Hollwegs.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\">21<\/a><\/sup> F\u00fcr die verbal angemahnte Parlamentarisierung r\u00fchrte die nationalliberale Parteif\u00fchrung anschlie\u00dfend keine Hand mehr. Umso tatkr\u00e4ftiger ergriff sie die Gelegenheit, den verhassten Reichskanzler los zu werden und das Kriegsb\u00fcndnis mit der Junkerpartei zu erneuern.<\/p>\n<p>Ob der Kanzler die Schw\u00e4chung der OHL \u00fcbersch\u00e4tzte, die Politik der Nationalliberalen falsch beurteilte oder eine Reichstagsmehrheit hinter sich glaubte \u2013 jedenfalls ging er nach dem Linienschwenk des Zentrums zum Angriff \u00fcber und stellte die Machtfrage. Am 10.Juli brachte er den Kaiser dazu, \u00fcber die Osterbotschaft hinaus einer grundlegenden innen- wie au\u00dfenpolitischen Wende zuzustimmen. &#8222;Bethmanns Kerngedanken der gesamten Kriegszeit wurden zu einem innen- und au\u00dfenpolitischen Programm geb\u00fcndelt, das &#8230; Deutschland zur parlamentarischen, auf einen Remisfrieden bedachten Monarchie umformen sollte.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/sup> Ein Kernpunkt war die definitive Abschaffung des preu\u00dfischen Dreiklassenwahlrechts, die Wilhelm II zu einer Entscheidung zwang, deren Alternativen er selber so formulierte: &#8222;Nach Ansicht der einen Seite bedeutet Proklamierung des gleichen Wahlrechts (den) Untergang Preu\u00dfens, nach Ansicht der anderen Seite (die) Unterlassung der Proklamierung wahrscheinlich (den) Verlust des Krieges und damit (den) Untergang Deutschlands und Preu\u00dfens&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a><\/sup> Inzwischen von der Unvermeidbarkeit dieses Schritts \u00fcberzeugt, unterzeichnete er am 11.Juli 1917 eine &#8222;Allerh\u00f6chste Ordre&#8220;, die f\u00fcr die n\u00e4chsten Landtagswahlen in Preu\u00dfen die Geltung des Reichstagswahlrechts ank\u00fcndigte.<\/p>\n<p><b>\u00dcbergang zur Milit\u00e4rherrschaftr<\/b><\/p>\n<p>Damit hatte er das politische Todesurteil f\u00fcr seinen Kanzler und sich selber ausgefertigt. Am Tag darauf lud der auf Seiten der OHL stehende Kronprinz ohne jede Legitimation die Vertreter der Reichstagsparteien zu sich, um die Notwendigkeit eines Kanzlerwechsels zu besprechen. W\u00e4hrend SPD und FVP auf dem Treffen ein laues Bekenntnis zu Bethmann ablegten, pl\u00e4dierten Konservative und Nationalliberale entschieden f\u00fcr die Absetzung des Kanzlers \u2013 und Erzberger als Vertreter des Zentrum schloss sich ihnen an.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\">24<\/a><\/sup> Als somit gekl\u00e4rt war, dass das Parlament folgsam blieb, zwangen Hindenburg und Ludendorff den Kanzler am 13.Juli zum R\u00fccktritt und lie\u00dfen an seine Stelle sie einen Verwaltungsbeamten namens Michaelis treten, dessen Qualifikation aus dem Versprechen bestand, dass er sein Amt &#8222;in steter \u00dcbereinstimmung mit der OHL f\u00fchren&#8220; wolle. Den Kaiser schoben sie auf ein Abstellgleis.<\/p>\n<p>H\u00e4tte Bethmanns Vorsto\u00df Erfolg gehabt, w\u00e4re die Herrschaft der Gutsbesitzer gebrochen worden. Doch die Nationalliberalen, gefolgt vom Zentrum, verhinderten dies. Klassenpolitisch formuliert entschied sich die gro\u00dfe Bourgeoisie, vom Milit\u00e4radel vor die Wahl zwischen Imperialismus und Demokratie gestellt, f\u00fcr den Imperialismus und das Kriegsb\u00fcndnis mit dem Junkertum, um ihre weltpolitischen Annexionsziele zu realisieren. Damit war die Machtfrage beantwortet \u2013 und die Kriegsniederlage des Kaiserreichs besiegelt.<\/p>\n<p>Bis Kriegsende herrschte der Milit\u00e4radel in Gestalt der OHL unangefochten. Er musste nicht einmal den Reichstag auseinander jagen, weil dieser nichts tat, um das Milit\u00e4r zu entmachten, sondern weiterhin die beantragten Kriegskredite bewilligte. Also konnte man ihn ruhig Friedensresolutionen verabschieden lassen \u2013 sie blieben ebenso folgenlos wie die Ausschusssitzungen, in denen \u00fcber eine Parlamentarisierung beraten wurde. Obwohl die Parteien, die f\u00fcr eine Demokratisierung eintraten, \u00fcber eine Mehrheit verf\u00fcgten, unternahm das Parlament bis zum Schluss nichts, um die politische Entscheidungsgewalt an sich zu ziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>IV. Eine Republik ohne Hegemonie<\/b><\/p>\n<p>Die Oktoberrevolution 1917 in Russland und damit das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg brachte die Dinge noch einmal in Bewegung. Um die Regierung zu einem baldigen Friedensschluss nicht nur im Osten, sondern auch im Westen zu zwingen, traten Ende Januar 1918 Hunderttausende von Arbeitern in den Streik und verlangten einen annexionslosen Frieden sowie die durchgreifende Demokratisierung Deutschlands.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\">25<\/a><\/sup> Doch indem f\u00fchrende SPD-Mitglieder, u.a. der Parteivorsitzende Ebert, in die Streikleitung eintraten und gleichzeitig Kriegsrecht angewandt wurde, gelang es der Milit\u00e4rf\u00fchrung, die Massenerhebung teils abzuw\u00fcrgen, teils niederzuschlagen.<\/p>\n<p>Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk, den das Reich schlie\u00dflich im M\u00e4rz 1918 der von den Bolschewiki gef\u00fchrten russischen Regierung aufzwang, diente vor allem der dynastischen St\u00e4rkung und dem Ausbau der Macht Preu\u00dfens, aber schuf solche Unruheherde, dass \u00fcber eine Million deutscher Soldaten im Osten stationiert bleiben mussten, die f\u00fcr die geplante Entscheidungsschlacht im Westen fehlten. Einen Versuch des Au\u00dfenstaatssekret\u00e4rs K\u00fchlmann, einen zur\u00fcckhaltenden, politisch kl\u00fcgeren Frieden zu schlie\u00dfen, wischten die Milit\u00e4rs beiseite. &#8222;Die Oberste Heeresleitung setzte ihren Willen auch in Brest-Litowsk durch.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\">26<\/a><\/sup> Und als K\u00fchlmann im Juni vor dem Reichstag gegen den Protest von Nationalliberalen und Konservativen f\u00fcr eine diplomatische L\u00f6sung des Kriegs im Westen pl\u00e4dierte, lie\u00df die OHL ihn abl\u00f6sen.<\/p>\n<p><b>Demokratisierung auf Befehl <\/b><\/p>\n<p>Ende September 1918 musste die Milit\u00e4rf\u00fchrung anerkennen, dass der Krieg verloren war. Vier Jahre zuvor angetreten, um die alte Ordnung mit Hilfe eines gro\u00dfen Siegs auf den Schlachtfeldern Europas f\u00fcr weitere Jahrzehnte zu sichern, waren die Junker jetzt gen\u00f6tigt zu realisieren, dass die unausweichliche Niederlage ihre Stellung aufs schwerste ersch\u00fcttern musste. Deshalb war ihnen daran gelegen, die Verantwortung f\u00fcr den Friedensschluss an den Reichstag abzugeben und so viel wie m\u00f6glich der alten Verh\u00e4ltnisse zu retten.<\/p>\n<p>Anderthalb Jahre zuvor hatte die OHL Wilsons Friedensinitiative und Demokratieforderung mit Hilfe der U-Boote durchkreuzt. Jetzt ergriff sie selber die Initiative zur Demokratisierung, um die Vereinigten Staaten, von denen mildere Friedensbedingungen als von den europ\u00e4ischen Gegnern zu erwarten waren, zum Schiedsrichter des Friedensschlusses zu machen. Sie sorgte daf\u00fcr, dass der Reichstag mit Zustimmung des Kaisers die notwendigen Beschl\u00fcsse fasste und lie\u00df am 28.Oktober 1918 das Gesetz zur \u00c4nderung der Bismarckschen Reichsverfassung in Kraft treten. Es \u00fcbertrug dem Reichstag die f\u00fcnfzig Jahre lang verweigerte Verantwortlichkeit und wandelte Deutschland in eine konstitutionelle, parlamentarisch fundierte Monarchie um. Gleichzeitig lie\u00df die OHL vermelden, dass nunmehr auch &#8222;das gleiche Wahlrecht in Preu\u00dfen aus milit\u00e4rischen und nationalen Gr\u00fcnden notwendig&#8220; sei.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\">27<\/a><\/sup> Daraufhin fasste der preu\u00dfische Landtag, der sich bis dahin jedem Reformversuch verweigert hatte, den einstimmigen Beschluss zur Einf\u00fchrung des Reichstagswahlrechts.<\/p>\n<p>Laut Verfassung war Deutschland damit zu einer parlamentarischen Demokratie geworden. &#8222;Schon vor der Revolution wurde so das parlamentarisch-parteienstaatliche Regime in Deutschland etabliert; zwar weniger aus eigener politischer Kraft als durch einen Ansto\u00df von au\u00dfen \u2013 die in den Noten des USA-Pr\u00e4sidenten als Bedingung f\u00fcr Friedensverhandlungen mit dem Deutschen Reich enthaltene Forderung nach vorheriger &#8218;Parlamentarisierung&#8216; der Regierung&#8220;.<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\">28<\/a><\/sup> Oder um es deutlicher zu sagen: &#8222;Die Parlamentarisierung Deutschlands ist nicht vom Reichstag erk\u00e4mpft, sondern von Ludendorff angeordnet worden.&#8220;<sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\">29<\/a><\/sup><\/p>\n<p><b>Eine verpuffte Revolution<\/b><\/p>\n<p>Kurz darauf warf die Novemberrevolution das alte System binnen weniger Tage \u00fcber den Haufen. Doch nicht Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te \u00fcbernahmen die Staatsgewalt, sondern die Sozialdemokratie, die in der entscheidenden Phase des Umsturzes die Neugestaltung der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse bestimmte. Dabei war das Entscheidende an ihrer Politik nicht, dass sie eine sozialistische Revolution hintertrieb, was ihr von Linken bis heute vorgehalten wird, sondern vielmehr, dass sie sich der anstehenden b\u00fcrgerlichen Revolution in den Weg stellte.<\/p>\n<p>1848 war das B\u00fcrgertum aus Angst vor dem sozialen Umsturz in die Arme der preu\u00dfischen Krone und ihrer Truppen gefl\u00fcchtet. Dasselbe taten jetzt die Sozialdemokraten aus Furcht vor den revolution\u00e4ren Arbeitermassen, deren Zorn auf die &#8222;Arbeiterverr\u00e4ter&#8220; nach jahrelangen Opfern und Entbehrungen grenzenlos war. Anstatt den adeligen Gro\u00dfgrundbesitz zu enteignen und an Landarbeiter und Kleinbauern zu verteilen, um die Agrarbev\u00f6lkerung f\u00fcr die demokratische Republik zu gewinnen, verb\u00fcndete sich die SPD-F\u00fchrung im Ebert-Groener-Pakt mit dem Milit\u00e4radel, um diesen zur Anerkennung ihrer Regierungs\u00fcbernahme zu bewegen. Damit rettete sie die eigene Haut \u2013 und garantierte die soziale Basis und Fortexistenz des reaktion\u00e4ren Preu\u00dfentums.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verst\u00e4ndigte sich die Gewerkschaftsf\u00fchrung im Stinnes-Legien-Abkommen mit der Montanbourgeoisie, um als Tarifpartner anerkannt zu werden, und unterlief so die Verstaatlichung der Schwerindustrie, die nicht nur von der eigenen Partei, sondern sogar von Liberalen gefordert wurde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen f\u00fchrte die revolution\u00e4re Linke, zun\u00e4chst als Spartakusgruppe und sp\u00e4ter als KPD, einen aussichtslosen Kampf f\u00fcr eine sofortige sozialistische Revolution. Sie erkannte so wenig wie vorher die Sozialdemokratie der Kaiserzeit, dass auf dem Weg dorthin zun\u00e4chst die b\u00fcrgerliche Revolution vollendet werden musste. Ihr Sozialismuskonzept richtete sich gegen die Mehrheit des Volkes und war 1918\/19 ebenso zum Scheitern verurteilt war wie in den Jahren davor und danach.<\/p>\n<p>Ohne F\u00fchrung durch eine Partei mit einem tauglichen politischen Programm erging es der Novemberrevolution von 1918 wie ihrem Vorl\u00e4ufer, der Revolution von 1848: sie \u00fcberrannte die alten Gewalten, aber zerschlug sie nicht. Die Tr\u00e4ger der alten Ordnung inklusive Justiz und Beamtenapparat blieben unbehelligt, und selbst die nach dem Versailler Friedensvertrag auf 100.000 Mann reduzierte Reichswehr verblieb als Staat im Staate in der Hand des Milit\u00e4radels. Der einzige Erfolg des Novembers \u00fcber die schon zuvor erfolgte Parlamentarisierung hinaus war die Abschaffung der Monarchie.<\/p>\n<p>Die Konsequenz war, dass sich die 1909 begonnene Krise von Staat und Gesellschaft in der Republik fortsetzte. Nicht die Wahlen richteten Weimar zugrunde \u2013 die Hegemonielosigkeit brachte die Wahlergebnisse hervor, welche die Republik parlamentarisch unregierbar machten. Und nicht der schwarze Freitag f\u00fchrte Deutschland in die Katastrophe von 1933 \u2013 die Wirtschaftskrise von 1929 beschleunigte nur den Einsturz eines von Beginn an morschen Staatsbaus.<\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<p>John P.<b>Birkelund<\/b>: Gustav Stresemann. Patriot und Staatsmann; Hamburg 2003<\/p>\n<p>&#8211; Joachim <b>Bohlmann<\/b>: Die deutschkonservative Partei am Ende des Kaiserreichs: Stillstand und Wandel einer untergehenden Organisation; S\u00fcdwestdeutscher Verlag f\u00fcr Hochschulschriften 2012; Internet: <a href=\"http:\/\/d-nb.info\/1023612798\/34\"><u>http:\/\/d-nb.info\/1023612798\/34<\/u><\/a><\/p>\n<p>Carl Dietrich <b>Bracher<\/b>, Manfred <b>Funke<\/b>, Hans-Adolf <b>Jacobsen<\/b> (Hrsg): Die Weimarer Republik 1918-1933; Bonn 1987<\/p>\n<p>Gordon A.<b>Craig<\/b>: Deutsche Geschichte 1866 \u2013 1945. Vom Norddeutschen Bund bis zum Ende des Dritten Reiches; M\u00fcnchen 1985<\/p>\n<p>Fritz <b>Fischer<\/b>: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914\/18; D\u00fcsseldorf 1967<\/p>\n<p>Heiner <b>Karuscheit<\/b>: Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg; Hamburg 2014<\/p>\n<p>Wolfgang <b>Michalka<\/b> (Hrsg): Der Erste Weltkrieg. Wirkung-Wahrnehmung-Analyse; im Auftrag des Milit\u00e4rgeschichtlichen Forschungsamtes; M\u00fcnchen 1994<\/p>\n<p>Arthur <b>Rosenberg<\/b>: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik (2 B\u00fccher in 1 Band), hrsg. und eingeleitet von Kurt Kersten; Frankfurt 1983<\/p>\n<p>Hans-Ulrich <b>Wehler<\/b>: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1914-1949; M\u00fcnchen 2003<\/p>\n<p>G\u00fcnter <b>Wollscheid<\/b>: Theobald von Bethmann Hollweg. Letzter Erbe Bismarcks, erstes Opfer der Dolchsto\u00dflegende; G\u00f6ttingen-Z\u00fcrich 1995<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt Der Weltkrieg als Kampf um die Herrschaft in Deutschland (Zuerst erschienen in: Karuscheit\/Wernecke\/Wollenberg\/Wegner: &#8222;Macht und Krieg. 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