{"id":1073,"date":"2018-01-09T11:14:40","date_gmt":"2018-01-09T10:14:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1073"},"modified":"2018-01-09T11:14:40","modified_gmt":"2018-01-09T10:14:40","slug":"scheidepunkt-des-ersten-weltkrieges","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1073","title":{"rendered":"Scheidepunkt des Ersten Weltkrieges"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif; font-size: 10pt;\">Heiner Karuscheit<\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Auf morschen Pfeilern<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Grundlegung der Weimarer Republik in der Julikrise 1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Vorbemerkung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach den Auseinandersetzungen um den Ausbruch des 1.Weltkriegs vor jetzt mehr als 100 Jahren l\u00e4sst das Herannahen des n\u00e4chsten historischen Jahrestags langsam die ersten Debatten \u00fcber die Republik von Weimar beginnen. Die Besch\u00e4ftigung damit kreiste immer schon um das Problem, ob die am 9.November 1918 ausgerufene Republik als Demokratie eine Zukunftschance hatte oder ob das Scheitern von 1933 vorprogrammiert war. Mit Blick auf die Gegenwart gewinnt diese Debatte nunmehr unvermutete Aktualit\u00e4t dadurch, dass der R\u00fcckgang der Wahlbeteiligung seit geraumer Zeit eine zunehmende Distanz der Massen zur heutigen Demokratie offenbart. Wenngleich nicht so spektakul\u00e4r wie zur Zeit der ersten Republik, ist die Abwendung nichtsdestotrotz un\u00fcbersehbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der historische Ausgangspunkt f\u00fcr die Auseinandersetzung mit &#8222;Weimar&#8220; ist zweifelsohne der 6.Juli 1917, als die demokratischen Parteien des Reichstags inmitten des laufenden Kriegs einen &#8222;Interfraktionellen Ausschuss&#8220; (IFA) ins Leben riefen, um eine Friedensresolution zu verabschieden, die den gegnerischen M\u00e4chten den Willen zur Beendigung des V\u00f6lkerringens bekunden sollte. &#8222;Die Geburtsstunde der Weimarer Republik, der ersten parlamentarisch verfassten Demokratie der deutschen Geschichte, schlug also am 6.Juli 1917, und dies nicht allein deshalb, weil hier parlamentarische Kr\u00e4fte den Mut zur eigenen Verantwortung und die Kraft zum organisierten Handeln fanden, sondern auch, weil sich hier diejenige Parteienkonstellation formierte, die sp\u00e4ter die Republik tragen sollte: das B\u00fcndnis zwischen Sozialdemokraten, Zentrumskatholiken und Linksliberalen, zeitweise auch der Nationalliberalen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Was hier mit Hagen Schulze ein eher konservativer Vertreter der Geschichtswissenschaft feststellt, hatte k\u00fcrzer bereits Ende der 20er Jahre der linke Historiker der Weimarer Republik Arthur Rosenberg geschrieben; er bezeichnete die IFA-Gr\u00fcndung als &#8222;revolution\u00e4re Tat&#8220;, denn &#8222;an jenem 6.Juli 1917 ist der Grundstein zur deutschen b\u00fcrgerlichen Republik gelegt worden.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Grund f\u00fcr diese Einsch\u00e4tzung ist, dass der IFA nicht nur eine Friedensresolution erarbeitete. Das inoffizielle Gremium koordinierte die Arbeit der Reichstagsfraktionen des Zentrums, der SPD und der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP), die seit der Reichstagswahl von 1912 \u00fcber eine Mehrheit im Reichstag verf\u00fcgten,<\/span><sup><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/sup><span style=\"font-size: large;\"> teils auch der nationalliberalen Partei, die im b\u00fcrgerlichen Lager eine F\u00fchrungsstellung einnahm. Weil die Regierung sich ab da mit den &#8222;Mehrheitsparteien&#8220; abstimmen musste, wenn sie nicht die Reichstagsmehrheit gegen sich haben wollte, begann das Parlament, die ihm bei der Reichsgr\u00fcndung 1871 verweigerte &#8222;Verantwortlichkeit&#8220; zu \u00fcbernehmen, d.h. die Parlamentarisierung einzuleiten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Friedensresolution f\u00fchrte zwar nicht wie deklariert zum Frieden, hatte aber ein anderes Ergebnis: sie brachte den Reichskanzler Bethmann Hollweg zu Fall. Und obwohl die Julikrise 1917 den H\u00f6hepunkt des Kriegs markiert und in Keimform die gesamte Konstellation der Weimarer Republik vorwegnimmt, hat sie in der Geschichtswissenschaft bis heute keine gr\u00f6\u00dferen Debatten hervor gerufen; es gibt nicht einmal eine Monographie dazu.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass alle entscheidenden Punkte gekl\u00e4rt sind. Sobald man sich jedoch n\u00e4her mit dem Thema befasst, offenbart sich eine ganze Reihe offener Fragen, beginnend bei den Fakten und Abl\u00e4ufen bis hin zu den Triebkr\u00e4ften und Folgen des Geschehens. Sie sind hier nicht in allem Umfang zu kl\u00e4ren, erst recht ist damit nicht die Frage nach der Entwicklung der Weimarer Demokratie beantwortet. Doch ohne ein tieferes Verst\u00e4ndnis dessen, was in den Sommerwochen des Jahres 1917 geschah, sind die notwendigen Antworten nicht zu geben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol type=\"I\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Kampf gegen Preu\u00dfen<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mitte 1917 war der Gro\u00dfe Krieg zwischen den Mittelm\u00e4chten und der Entente an einem toten Punkt angelangt. Alle kriegf\u00fchrenden Staaten Europas waren ersch\u00f6pft und wussten weder, wie der Krieg weitergehen sollte, noch, wie er zu beenden war.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine Pattsituation<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Russland hatte die Februarrevolution soeben die Zarenherrschaft gest\u00fcrzt. Zwar f\u00fchrte die b\u00fcrgerliche Kerenski-Regierung den Krieg fort, aber aus eben diesem Grund ging auch die revolution\u00e4re G\u00e4rung im Innern weiter. Die<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Bauern forderten Land und Frieden, die St\u00e4dte Brot und Frieden, der Petrograder Sowjet propagierte einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">und die weitere Teilnahme Russlands am Krieg wurde immer unsicherer.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die franz\u00f6sische Armee war im April\/Mai 1917 von Meutereien ersch\u00fcttert worden, weil die Soldaten sich nach den gewaltigen Blutopfern von Verdun weigerten, die ihnen gegebenen Angriffsbefehle zu befolgen. Zwar gelang es, ein Ausgreifen der Unruhen zu verhindern, aber zu gr\u00f6\u00dferen Angriffsoperationen war das Heer seither nicht mehr in der Lage; zugleich fanden in Paris Massendemonstrationen gegen den Krieg statt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In Gro\u00dfbritannien f\u00fchrten die deutschen U-Boot-Angriffe auf die atlantischen Nachschublinien nicht zum Zusammenbruch, aber hatten empfindliche Verluste zur Folge. In der Arbeiterschaft mehrten sich die Proteste und die Labour Party, die bis dahin die Kriegspolitik uneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctzt hatte, ging auf Friedenskurs. Dar\u00fcber hinaus stand<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Regierung vor einem schwerwiegenden machtpolitischen Problem: Anfang <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">April waren die USA auf Seiten der Entente in den Krieg eingetreten, daher konnte England hoffen, den Krieg trotz des bef\u00fcrchteten Ausfalls Russlands fortzusetzen, bis die Mittelm\u00e4chte am Boden lagen. Aber Wilsons Hilfe war nicht umsonst. Je l\u00e4nger der Krieg dauerte, desto mehr musste London sich bei den USA verschulden und geriet in Abh\u00e4ngigkeit. Was das Empire an St\u00e4rke verlor, erlangte die Macht jenseits des Atlantiks, und so bestand die Gefahr, dass man am Ende zwar den Krieg gewann, aber die USA Gro\u00dfbritannien als seebeherrschende Weltmacht abl\u00f6sten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Lage der Mittelm\u00e4chte war \u00e4hnlich widerspr\u00fcchlich. Im Habsburgerreich wurde die Gefahr, dass der Vielv\u00f6lkerstaat auseinander fiel, mit jedem Kriegsjahr gr\u00f6\u00dfer. Zwar hatte die \u00f6sterreichische Armee Ende 1916 mit Hilfe deutscher Truppen Rum\u00e4nien geschlagen, das im August d.J. auf Seiten der Entente in den Krieg eingetreten war, aber das von Frankreich und Gro\u00dfbritannien unterst\u00fctzte Italien blieb ein hartn\u00e4ckiger Gegner, ohne dass klar war, wie es besiegt werden konnte. Ein Friedensschluss w\u00e4re leicht gewesen, wenn Wien das Trentino abgetreten h\u00e4tte, aber mit welcher Begr\u00fcndung wollte man dann noch den slawischen V\u00f6lkerschaften ihre Eigenstaatlichkeit verwehren?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Deutschland schlie\u00dflich, die Macht im Zentrum des Geschehens, konnte hoffen, dass Russland bald zusammenbrechen und damit der Zweifrontenkrieg enden w\u00fcrde. Aber gesamtentscheidend war der Kampf im Westen, und hier war nach dem Schlieffen-Plan sowie der Ausblutungsschlacht vor Verdun soeben der dritte Siegesplan im Begriff zu scheitern, weil die anfangs hohen Versenkungsraten des im Februar d.J. aufgenommenen unbeschr\u00e4nkten U-Bootkriegs zur\u00fcck gingen und sich herausstellte, dass Gro\u00dfbritannien so nicht in die Knie gezwungen werden konnte. Au\u00dferdem waren die USA Anfang April in den Krieg eingetreten, wenngleich es noch etwa ein Jahr dauern w\u00fcrde, bis sie mit gr\u00f6\u00dferen Truppenverb\u00e4nden in das Geschehen eingreifen k\u00f6nnten. Wenn alles gut ging, konnte man bis dahin durch eine Konzentration der Kr\u00e4fte im Westen den Sieg davon tragen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Burgfrieden in Gefahr<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrenddessen versch\u00e4rften sich die Widerspr\u00fcche an der Heimatfront. Auf der einen Seite bef\u00f6rderte das erwartete Ausscheiden Russlands die von den Alldeutschen befeuerte Annexionsdebatte, die sich nicht zuletzt auf die Kampfkraft der deutschen Truppen st\u00fctzte. Zwar begann es in der \u00dcberseeflotte zu rumoren, aber entscheidend f\u00fcr den Kriegsausgang war das Landheer, und das zeigte im Unterschied zu den Armeen Russlands, Frankreichs und \u00d6sterreich-Ungarns keine Aufl\u00f6sungserscheinungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf der anderen Seite wirkte sich die kontinuierlich schlechter gewordene<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ern\u00e4hrungslage auf die<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Stimmungslage zu Hause aus. Solange sie glaubten, dass Deutschland einen gerechten Verteidigungskrieg f\u00fchrte, waren die Massen des Volkes bereit, Opfer zu bringen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch angesichts der Entwicklung im Osten und der lauten Annexionsdebatte der Rechten verbreitete sich die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcberzeugung<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, dass der Krieg nur noch gef\u00fchrt <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">wurde, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">um Eroberungen zu machen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Deshalb verst\u00e4rkte sich der Widerstand gegen die fortlaufende Bewilligung von Kriegskrediten durch die SPD und fand die Friedensformel des Petersburger Sowjets &#8222;Frieden ohne Annexionen und Kontributionen&#8220; immer mehr Resonanz in der Arbeiterbewegung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf diesem Boden spaltete sich Anfang April ein Gro\u00dfteil des linken Fl\u00fcgels von der SPD ab und gr\u00fcndete die &#8222;Unabh\u00e4ngige&#8220; Sozialdemokratie USPD, deren Hauptanliegen ein Verzichtfrieden und die Demokratisierung des Kaiserreichs war. Ihr schloss sich auch die von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gef\u00fchrte Spartakusgruppe an. Als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">in gro\u00dfen Industriest\u00e4dten wie Berlin oder Leipzig sozialdemokratische Parteigliederungen fast geschlossen zur USPD \u00fcbertraten, musste sich wenige Tage nach der USPD-Gr\u00fcndung auch <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">die SPD-F\u00fchrung zu der russischen Friedensformel bekennen. Und weil das nicht reichte, um die verbliebene Anh\u00e4ngerschaft zu beruhigen, war sie bald darauf zu einem weiteren Schritt gezwungen. Als die n\u00e4chsten Kriegskredite zur Beratung anstanden, k\u00fcndigte sie am 28. Juni gemeinsam mit der Fortschrittspartei an, ohne eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung der Regierung zu den Kriegszielen und die Zusage einer inneren Neuordnung weitere Kredite zu verweigern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Ank\u00fcndigung versetzt alle politischen Kr\u00e4fte in h\u00f6chste Alarmbereitschaft, denn wenn die SPD weitere Kriegskredite ablehnte, bedeutete dies, dass <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der Burgfrieden endete<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Ohne Billigung der Arbeiterschaft war der Krieg jedoch nicht zu f\u00fchren, wenn nicht gar der Umschlag in eine revolution\u00e4re Entwicklung drohte. Zus\u00e4tzlich wurde die Lage noch dadurch verkompliziert, dass der Vatikan a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ngesichts der Pattsituation zwischen den gegnerischen M\u00e4chten<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> zur selben Zeit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">den Versuch unternahm, einen Frieden zu stiften.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine Friedensinitiative des Vatikans<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass katholische L\u00e4nder wie die Habsburgermonarchie, Italien und Frankreich gegeneinander Krieg f\u00fchrten, hatte die r\u00f6mische Kirche von Anfang an schweren Belastungen ausgesetzt. Nachdem beide Seiten jetzt nach drei Jahren Krieg abgek\u00e4mpft waren, schien sich die M\u00f6glichkeit eines Friedens ohne Sieger und Besiegte zu er\u00f6ffnen, der f\u00fcr Rom ideal w\u00e4re, weil man so als neutraler Friedensstifter wirken konnte, ohne Partei f\u00fcr eine Seite ergreifen zu m\u00fcssen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf deutscher Seite kam eine solche Initiative den Pl\u00e4nen von Reichskanzler Bethmann Hollweg entgegen. Im Sommer 1914 hatte er den Gro\u00dfen Krieg durch seine Risikopolitik herbei gef\u00fchrt und im September im Vertrauen auf einen baldigen Triumph der preu\u00dfisch-deutschen Armee ein Kriegszielprogramm gebilligt, das im Westen wie im Osten Annexionen vorsah und dem Reich die unbestrittene Herrschaft \u00fcber Kontinentaleuropa verschaffen sollte. Doch als der sicher geglaubte Sieg in die Ferne r\u00fcckte, nahm er von diesem Kriegszielprogramm allm\u00e4hlich Abstand und begann, eine Beendigung des Kriegs ohne Sieg ins Auge zu fassen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ende 1916\/Anfang 1917 wandte er sich erfolglos gegen den \u00dcbergang zum unbeschr\u00e4nkten U-Bootkrieg, zum einen, weil er an den Erfolgsaussichten zweifelte, zum andern, weil damit die erhoffte Friedensvermittlung durch den US-Pr\u00e4sidenten Wilson gegenstandslos wurde. Endg\u00fcltig, als sich der Fehlschlag des U-Bootkriegs abzeichnete, suchte er nach einer M\u00f6glichkeit, um zum Frieden zu gelangen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er bewertete die p\u00e4pstliche Aktion als Moment, &#8222;wo sich nach meiner \u00dcberzeugung die M\u00f6glichkeit zu einem, allerdings bescheidenen, Verhandlungsfrieden er\u00f6ffnete. Nur die Anf\u00e4nge sind in meine Amtszeit gefallen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die belgische Frage<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wollte Deutschland Frieden schlie\u00dfen, musste auf der Gegenseite Gro\u00dfbritannien mitmachen, denn Frankreich konnte angesichts eines wankenden Russlands nur weiterk\u00e4mpfen, wenn es von England gest\u00fctzt wurde. London konnte also Paris zum Frieden zwingen, Paris aber nicht London. Der Schl\u00fcssel f\u00fcr ein Einlenken Gro\u00dfbritanniens wiederum lag in Belgien. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;In dem Ma\u00dfe, wie der Krieg voranschritt, wurde immer deutlicher, dass es nur zwei Alternativen gab: ein deutscher Sieg, der es erlaubte, mit Belgien zu machen, was man wollte, oder ein Verhandlungsfrieden, der zuerst und vor allem erforderte, dass Deutschland Belgien aufgab.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Grund f\u00fcr die Bedeutung Belgiens waren die H\u00e4fen Flanderns. Seit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">London sich gegen die &#8222;Weltpolitik&#8220; gestellt und den erhofften einvernehmlichen Aufstieg Deutschlands zur gleichberechtigten Weltmacht mitsamt einem gro\u00dfen Kolonialreich verweigert hatte, war das <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">b\u00fcrgerliche Lager <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">zur Konfrontation gegen das &#8222;perfide Albion&#8220; \u00fcbergegangen. Angef\u00fchrt von den Nationalliberalen verlangten die Liberalen und das Zentrum ebenso wie die ma\u00dfgeblichen Wirtschaftsverb\u00e4nde nun die Inbesitznahme der Nordsee<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">h\u00e4fen Belgiens und Nordfrankreichs gegen\u00fcber von Dover, die den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">seestrategisch ungemein wichtigen Zugriff auf den \u00c4rmelkanal und den Ausgang in den Atlantik erlaubten. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von hier aus war es nur noch ein kleiner Schritt, um<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gro\u00dfbritannien niederzuwerfen. Als Wortf\u00fchrer des Annexionismus bet\u00e4tigte sich der nationalliberale Vorsitzende Gustav Stresemann, der sp\u00e4tere Au\u00dfenminister Weimars. Er wollte die Nordsee zu einem deutschen Meer und das franz\u00f6sische Calais <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">zu einem &#8222;deutschen Gibraltar&#8220; machen; noch kurz vor der Novemberrevolution erkl\u00e4rte er den Krieg f\u00fcr verloren, wenn Belgien nicht in deutscher Hand bliebe.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieselbe Situation zwang umgekehrt Gro\u00dfbritannien dazu, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">so lange weiter zu k\u00e4mpfen, bis Deutschland Belgien komplett aufgeben w\u00fcrde. In anderen Fragen konnten die Briten kompromissbereit sein, aber <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">uch bei einer Niederlage Russlands w\u00fcrden sie im<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Krieg bleiben, bis die existentielle Gefahr f\u00fcr ihre Sicherheit durch deutsche Flottenst\u00fctzpunkte an der unmittelbaren kontinentalen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegenk\u00fcste beseitigt war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bethmann hatte bereits nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans begonnen, von den belgischen Bl\u00fctentr\u00e4umen abzur\u00fccken, wenngleich nur intern und in behutsamen Andeutungen. Von der annexionistischen Rechten ohnehin als Schwarzmaler und Flaumacher angegriffen, musste er vorsichtig agieren, um nicht gest\u00fcrzt zu werden. Als das Vorhaben des Vatikans jetzt eine Chance zum Frieden bot, entschloss er sich, aus der Deckung zu treten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Erfolgsaussichten der geplanten Friedensaktion zu kl\u00e4ren, f\u00fchrte der p\u00e4pstliche Nuntius Pacelli, der sp\u00e4tere Papst Pius XII, am 26.Juni 1917 eine vertrauliche Unterredung mit ihm \u00fcber die deutschen Kriegsziele. In dem Gespr\u00e4ch sagte der Kanzler die vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit Belgiens zu und r\u00e4umte so den e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ntscheidenden Stolperstein f\u00fcr einen Friedensschluss mit Gro\u00dfbritannien beiseite. Dar\u00fcber hinaus<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> erkl\u00e4rte er, dass die deutsche Regierung im Zuge von Grenzberichtigungen auch zur Abtretung von Teilen Elsass-Lothringens bereit sei, um zu einem Frieden zu gelangen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die grunds\u00e4tzliche Konzessionsbereitschaft des Reichskanzlers lie\u00df Pacelli zufrieden nach M\u00fcnchen zur\u00fcckkehren. Er erwartete, dass ein Waffenstillstand, verbunden mit einem deutschen Verzicht auf Belgien, unmittelbar bevorstand. Benedikt XV. und Gasparri hielten die Gelegenheit f\u00fcr eine p\u00e4pstliche Vermittlert\u00e4tigkeit f\u00fcr \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch anstatt den Weg zu einem bescheidenen Frieden zu \u00f6ffnen, setzte die Initiative in Verbindung mit dem drohenden Ende des Burgfriedens eine Kettenreaktion in Gang, die in ihrem Verlauf nicht nur den Interfraktionellen Ausschuss als Keimzelle der kommenden Republik hervorbrachte, sondern vor allem zur Demission des Kanzlers und bedingungslosen Fortsetzung des Kriegs f\u00fchrte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Gr\u00fcndung des Interfraktionellen Ausschusses<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als der Hauptausschuss des Reichstags nach l\u00e4ngerer Sitzungspause wieder zur Beratung der n\u00e4chsten Kriegskredite zusammen trat, hielt der Zentrumsf\u00fchrer Matthias Erzberger dort am 6.Juli 1917 eine aufsehenerregende Rede. Als politischer F\u00fchrer der katholischen Partei in Deutschland war er \u00fcber die Schritte des Vatikans zur Friedenssuche genauestens informiert. Zu Kriegsbeginn ein ausufernder und mittlerweile ein gem\u00e4\u00dfigter Annexionist, konstatierte er in seiner Rede, dass der U-Bootkrieg entgegen aller zuvor gemachten Versprechungen versagt habe und forderte, Deutschland m\u00fcsse auf Basis der Formel vom &#8222;Verteidigungskrieg&#8220; des August 1914 sofort einen Schritt zum Frieden unternehmen. Zu diesem Zweck solle der Reichstag die Initiative ergreifen und eine Friedensresolution mit dem Verzicht auf gewaltsame Eroberungen beschlie\u00dfen, um so auf die Kriegsgegner zuzugehen. Im gleichen Atemzug rief er zu inneren Reformen auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Konservativen widersprachen sofort, doch die \u00fcbrigen Parteien stimmten dem Zentrumsf\u00fchrer zu und setzten zur Vorbereitung einer solchen Resolution einen &#8222;Interfraktionellen Ausschuss&#8220; ein. Zeitweise beteiligten sich auch die Nationalliberalen an dessen Beratungen und verlangten vor allem die Parlamentarisierung des Kaiserreichs, nahmen von der Erarbeitung der Friedensresolution jedoch bald Abstand, weil diese nach ihrer Ansicht zu weit ging. Aber auch ohne die Nationalliberalen verf\u00fcgten Zentrum, SPD und die Fortschrittspartei als sogenannte &#8222;Mehrheitsparteien&#8220; \u00fcber gen\u00fcgend Reichstagssitze, so dass die Friedensresolution am 17.Juli problemlos verabschiedet werden konnte.<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings hie\u00df der Reichskanzler zu diesem Zeitpunkt bereits Michaelis.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bethmann Hollweg war von dem \u00fcberraschenden Vorsto\u00df des Zentrumsf\u00fchrers irritiert \u2013 zu recht, wie die folgenden Tage zeigten, denn entgegen der umlaufenden Ger\u00fcchte war dessen Auftritt nicht mit der Regierung abgesprochen worden. Ihm waren &#8222;die Motive der Aktion nicht durchsichtig. Verabredet hatte Erzberger sie mit mir nicht.&#8220; Warum erfolgte sie ausgerechnet jetzt, wo gerade hinter den Kulissen diplomatische Vorbereitungen f\u00fcr Friedensgespr\u00e4che getroffen wurden? Ansonsten betrachtete er den Schwenk des Zentrums als positiv, denn bis dahin hatte die katholische Partei &#8222;in der Kriegszielfrage mehr nach rechts als nach links&#8220; geneigt, aber trat sie &#8222;jetzt prinzipiell auf die linke Seite, dann war eine feste Parlamentsmehrheit geschaffen. Im Sinne meiner Politik konnte ich damit nur zufrieden sein.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Der Kanzler bat lediglich darum, die geplante Resolution so zu fassen, dass sie nicht als &#8222;Proklamierung des Zusammenbruchs&#8220; wirkte, um die Gegner nicht zur Fortsetzung des Kriegs anzuspornen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Frieden nur bei Untergang Ostelbiens<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch die erkl\u00e4rte Friedensbereitschaft der Reichstagsmehrheit schienen die Bedingungen f\u00fcr einen Erfolg der p\u00e4pstlichen Initiative auf deutscher Seite g\u00fcnstig zu sein. Doch um einen solchen Weg zu gehen, musste die Macht des junkerlichen Milit\u00e4radels gebrochen werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Junkertum k\u00e4mpfte im Krieg nicht nur um seine gesellschaftliche Stellung, sondern auch um seine materielle Existenz. Die halbfeudalen Gro\u00dfgrundbesitzer Ostelbiens brauchten den Zugriff auf die Staatsmacht, um ihre unproduktiven Gutswirtschaften vor dem Ruin zu bewahren. Sie mussten den Krieg also bis zu einem gro\u00dfen Sieg durch das von ihnen kommandierte Heer weiter f\u00fchren, denn nur dann konnten sie hoffen, ihre Machtstellung gegen den Vormarsch<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Demokratie zu behaupten. &#8222;Die Parteinahme f\u00fcr weite Kriegsziele hat sich so ziemlich mit der Gegnerschaft gegen die sogenannte Neuorientierung gedeckt&#8220;, konstatierte Bethmann hierzu n\u00fcchtern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">au\u00dferparlamentarischen Stellung der Armee wurde die alte Ordnung durch das <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dreiklassenwahlrecht gesichert, das im deutschen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hegemonialstaat<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Preu\u00dfen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung von der politischen Teilhabe ausschloss<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. I<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">n der preu\u00dfischen Wahlrechtsfrage kulminierten die inneren Widerspr\u00fcche des Kaiserreichs. W\u00e4hrend die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">f\u00fcr die Konservativen gleichbedeutend war mit dem Untergang Preu\u00dfens, konnte den Frontsoldaten nicht vermittelt werden, dass sie ihr Leben f\u00fcr einen Staat einsetzten, der sie in Preu\u00dfen als B\u00fcrger zweiter oder dritter Klasse behandelte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Selber ein \u00fcberzeugter Monarchist, hatte Bethmann seit \u00dcbernahme der Regierung versucht, die Arbeiterbewegung durch eine Politik vorsichtiger Reformen inklusive einer Auflockerung des preu\u00dfischen Wahlrechts an den Staat heran zu ziehen, um so dessen gesellschaftliche Basis zu erweitern und die seit 1909 andauernde Staatskrise zu \u00fcberwinden. Bislang waren jedoch alle Bem\u00fchungen, das junkerlich-konservative Lager von der Notwendigkeit freiwilliger Konzessionen zu \u00fcberzeugen, auf Granit gesto\u00dfen. Weil ihm klar war, dass ein Vorsto\u00df gegen das Dreiklassenwahlrecht zu &#8222;schweren inneren K\u00e4mpfen mit den bisherigen Tr\u00e4gern der parlamentarischen Macht in Preu\u00dfen und ihrem Anhang bei Hofe und in der Armee&#8220; f\u00fchren w\u00fcrde, h\u00e4tte er die Auseinandersetzung lieber auf die Nachkriegszeit verschoben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> Schon zuvor hatte er einem Vertrauten gegen\u00fcber die &#8222;Unm\u00f6glichkeit, Ostelbien zu \u00e4ndern&#8220;, beklagt und die Konsequenz gezogen: es &#8222;muss gebrochen werden, untergehen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> Jetzt war dieser Zeitpunkt gekommen, denn Friedensgespr\u00e4che hatten nur eine Chance, wenn der Einfluss des Milit\u00e4radels beseitigt wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>F\u00fcr Parlamentarisierung und Demokratie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufgrund ihrer tief verwurzelten Machtstellung waren die Verteidiger der alten Ordnung \u2013 jenseits einer Revolution \u2013 nur zu schlagen, wenn der Kanzler sich auf ein B\u00fcndnis mit den Massen des Volkes, der Reichstagsmehrheit und dem Kaiser st\u00fctzen konnte. Daraus ergab sich die Notwendigkeit einer dreiteiligen Strategie: die Volksmassen waren durch die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen zu gewinnen, die Unterst\u00fctzung der Reichstagsmehrheit erforderte Schritte zur Parlamentarisierung, und das Ganze musste im Einvernehmen mit dem Monarchen umgesetzt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Anschluss an sein Gespr\u00e4ch mit Pacelli machte sich der Kanzler daran, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Als erstes holte er das Einverst\u00e4ndnis Wilhelms\u00a0II mit einem Schritt zur Parlamentarisierung ein: zum ersten Mal sollten Reichstagsabgeordnete in die Regierung aufgenommen werden; au\u00dferdem besprach er mit den Parteif\u00fchrungen die Bildung eines &#8222;Beirats&#8220; der Regierung aus Vertretern der Parteien. &#8222;Vom Kaiser hatte ich Ende Juni die Genehmigung zur Berufung von Parlamentariern in die Regierung erlangt. Damit waren der Parlamentarisierung, soweit sie praktisch \u00fcberhaupt m\u00f6glich war, die Wege geebnet.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wichtiger als die Parlamentarisierung war indessen die Zustimmung des Kaisers zur Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts. Trotz aller pers\u00f6nlichen Schw\u00e4chen des gegenw\u00e4rtigen Tr\u00e4gers der Krone genoss die Monarchie nach wie vor gro\u00dfe Autorit\u00e4t im Volk. Trat der Kaiser auf die Seite der Rechten, war ihnen nur gest\u00fctzt auf eine Reichstagsmehrheit nicht beizukommen. Abgesehen davon, dass der Monarch ihn jederzeit entlassen konnte, ben\u00f6tigte der Kanzler die Autorit\u00e4t der Krone, um den Kampf gegen den Gutsadel zu bestehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine monarchisch verbr\u00e4mte Umw\u00e4lzung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits zu Ostern d.J. hatte er Wilhelm II dazu gebracht, in seiner Osterbotschaft die Abschaffung des bisherigen Wahlrechts in Preu\u00dfen anzuk\u00fcndigen, ohne dass dieser sich auf die Ersetzung durch ein gleiches Wahlrecht festgelegt hatte, wie von Bethmann gew\u00fcnscht. Jetzt wurde der Kanzler durch die Initiative des Reichstags zu einer Friedensresolution und innerer Neuordnung sowohl vorw\u00e4rts getrieben als scheinbar auch gest\u00e4rkt. Er berief f\u00fcr den 9.Juli den Kronrat ein \u2013 das war die Sitzung der preu\u00dfischen Regierung unter Vorsitz des K\u00f6nigs \u2013 und erzwang dort ein Votum zugunsten der Einf\u00fchrung des Reichstagswahlrechts in Preu\u00dfen. Zwar stimmten nur drei der acht preu\u00dfischen Ressortminister daf\u00fcr und f\u00fcnf dagegen, aber mit den Stimmen Bethmanns selber (in seiner Funktion als preu\u00dfischer Ministerpr\u00e4sident) und der beiden Reichs-Staatssekret\u00e4re (Helfferich und Graf Roedern), die gleichzeitig Minister in Preu\u00dfen waren, brachte er eine knappe Mehrheit von sechs gegen f\u00fcnf Ministerstimmen zustande. Der Kaiser selber behielt sich eine Entscheidung vor.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am n\u00e4chsten Tag erschien der Regierungschef zum Vortrag beim Monarchen und f\u00fchrte dort aus, dass das gleiche Wahlrecht, nach den \u00fcberw\u00e4ltigenden Leistungen des Volkes im Krieg freiwillig von der Krone gew\u00e4hrt, &#8222;eine au\u00dferordentliche St\u00e4rkung und Festigung des monarchischen Gedankens&#8220; bewirken w\u00fcrde. Damit im Zusammenhang entwickelte er das Programm eines <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Volkskaisertums<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, das &#8222;Deutschland zur parlamentarischen, auf einen Remisfrieden bedachten Monarchie umformen sollte.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a> Der Monarch wurde damit in seiner Doppelrolle als deutscher Kaiser und preu\u00dfischer K\u00f6nig vor eine Entscheidung gestellt, die er selber so formulierte, dass sie &#8222;nach Ansicht der Einen den Untergang Preu\u00dfens&#8220;, ihre &#8222;Unterlassung nach Ansicht der Anderen den Untergang nicht nur Preu\u00dfens, sondern auch Deutschlands&#8220; bedeutete.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um sich des R\u00fcckhalts der Krone sicher zu sein, bot Bethmann dem wetterwendischen Kaiser unter Hinweis auf die Brisanz der Wahlrechts\u00e4nderung seine Demission an. Dieser versicherte ihn jedoch seines Vertrauens und gab ihm zur Friedensresolution, die gerade in der parlamentarischen Beratung war, gr\u00fcnes Licht, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">damit er im Reichstag seine Zustimmung erkl\u00e4ren konnte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> Zur Wahlrechtsfrage bat er<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> sich Bedenkzeit aus, weil er zuerst mit dem Thronfolger sprechen wolle. Einen Tag sp\u00e4ter, am 11.Juli, \u00fcbermittelte er Bethmann dann sein Einverst\u00e4ndnis mit dem gleichen Wahlrecht. Der Erlass dazu wurde am Abend desselben Tages ausgefertigt, erschien am n\u00e4chsten Morgen in der Presse und hatte u.a. zur Folge, dass die preu\u00dfischen Minister, die sich im Kronrat gegen das Wahlrecht ausgesprochen hatten, darunter der Kriegsminister von Stein, um ihre Entlassung bitten mussten. Die Entmachtung der junkerlichen Reaktion schien auf gutem Wege zu sein, und damit konnte zu gegebener Zeit auch die OHL ausgetauscht werden, damit sie die Friedensvorbereitungen nicht sabotierte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die mutige Tat eines Monarchisten<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1866-1871 hatte Bismarck die Herrschaftsstellung der untergehenden ostelbischen Gutsbesitzerklasse noch einmal f\u00fcr Jahrzehnte gerettet, indem er die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte durch Verwirklichung der deutschen Einheit unter preu\u00dfischer F\u00fchrung z\u00e4hmte. Daraus war das Janusgesicht des neuen Nationalstaats erwachsen: wirtschaftlich von gewaltiger Dynamik, stieg er zur halbhegemonialen Zentralmacht Europas auf, w\u00e4hrend seine innere Ordnung den Ungeist des preu\u00dfischen Militarismus konservierte. Jetzt machte sich Bismarcks Nachfolger daran, diese reaktion\u00e4re Hypothek des Reichsgr\u00fcnders abzusch\u00fctteln. Mit der Feststellung, dass Bethmann von ihm verlangen w\u00fcrde, Preu\u00dfen zu opfern, um Deutschland zu retten, brachte Wilhelm II diese Perspektive v\u00f6llig richtig auf den Punkt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Geschichtsschreibung wird der Kanzler regelm\u00e4\u00dfig als &#8222;k\u00f6niglicher Beamter&#8220; (Thomas Nipperdey) bzw. als &#8222;B\u00fcrokrat an der Spitze einer kaiserlichen Beamtenregierung&#8220; (H-U.\u00a0Wehler) abgetan. Seitdem 1909 das konservativ-liberale &#8222;Kartell der staatstragenden Parteien&#8220; auseinander gebrochen und er Regierungschef geworden war, hatten die verfeindeten Bl\u00f6cke im Reichstag ein normales Regieren nicht zugelassen. Ohne feste Parlamentsmehrheit hatte Bethmann sich zwischen ihnen durchwursteln m\u00fcssen und versucht, der bislang ausgegrenzten Arbeiterbewegung durch soziale und demokratische Reformen entgegen zu kommen, um die Krise von Staat und Gesellschaft zu \u00fcberwinden, die ganze Zeit \u00fcber in der vergeblichen Hoffnung, die Konservativen vom Unvermeidlichen zu \u00fcberzeugen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Immer wieder hatte er zur\u00fcck gesteckt, zwischen den Fronten laviert, war Festlegungen ausgewichen und hatte hingenommen, als ebenso r\u00e4tselhaft betrachtet wie als entscheidungsschwach abgetan zu werden. Doch nun war diese Politik des Lavierens an ihr Ende gekommen, denn nur wenn der Milit\u00e4radel in die Schranken gewiesen wurde, bestand die Chance, mit einem blauen Auge aus dem Krieg heraus zu kommen. Gelang dies nicht, w\u00fcrde die Fortf\u00fchrung des Kriegs sowohl Preu\u00dfen als auch Deutschland in den Untergang rei\u00dfen. Deshalb wurde aus dem k\u00f6niglichen Beamten ein Mann der demokratischen Tat, der sich daran machte, die Vorherrschaft des Junkertums zu brechen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>II. Der Kanzlersturz<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der scheinbar bereits gelungene Durchbruch wurde indessen umgehend zum Stehen gebracht, und daf\u00fcr sorgten ausgerechnet die demokratischen Parteien. W\u00e4hrend der Kanzler noch im Kronrat und beim Kaiser darum k\u00e4mpfte, den Milit\u00e4radel zu entmachten, organisierten ihre F\u00fchrungen zusammen mit der Obersten Heeresleitung seine Entlassung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bethmann als Friedenshindernis<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Tenor des gemeinsamen Vorgehens gegen den Kanzler formulierte \u00f6ffentlich als erster Gustav Stresemann. In seiner Rede nach Erzbergers Auftritt im Hauptausschuss am 6.Juli begr\u00fc\u00dfte er prinzipiell die Ausf\u00fchrungen des Zentrumsf\u00fchrers, ja forderte noch entschiedener als dieser die Parlamentarisierung der Regierung. Vor allem aber attackierte er den Kanzler, machte ihn f\u00fcr alle Fehlschl\u00e4ge der Vergangenheit verantwortlich, prangerte seine Entschlusslosigkeit und Unf\u00e4higkeit an, erkl\u00e4rte ihn f\u00fcr ungeeignet zur Herstellung eines Verst\u00e4ndigungsfriedens und forderte seinen umgehenden R\u00fccktritt. Aufhorchen lassen musste daran insbesondere, dass ausgerechnet der entschiedenste Verfechter des Annexionismus die Forderung nach einem Kanzlersturz mit der Sorge um einen Verst\u00e4ndigungsfrieden begr\u00fcndete.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den folgenden Tagen schieden die Nationalliberalen aus der gemeinsamen IFA-Beratung einer Friedenresolution aus und intensivierten ihre Attacken gegen Bethmann. Im Prinzip stellte ihr Fortgang kein Problem dar, denn Zentrum, Fortschritt und SPD verf\u00fcgten auch ohne sie \u00fcber gen\u00fcgend Abgeordnete, so dass sowohl die Friedensresolution verabschiedet werden konnte als auch der Regierungschef gen\u00fcgend R\u00fcckhalt im Parlament besa\u00df. Doch nun r\u00fcckte Erzberger, der bis dahin als Unterst\u00fctzer, wenn nicht gar Intimus Bethmanns gegolten hatte, \u00f6ffentlich von dem Kanzler ab. Erst im Nachhinein wurde klar, dass er mit der Friedensresolution &#8222;auch noch den Sturz Bethmann Hollwegs zu Gunsten seines Kandidaten, des F\u00fcrsten B\u00fclow, betrieb&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gab er anfangs noch zweideutige Vertrauenserkl\u00e4rungen von sich, ging er im Lauf weniger Tage dazu \u00fcber, Bethmann nach drei Jahren Krieg als ungeeignet f\u00fcr einen Friedensschluss zu erkl\u00e4ren. Indem er Stresemanns Argumentation f\u00fcr den Sturz des Kanzlers \u00fcbernahm, f\u00fchrte er schlie\u00dflich in seiner Fraktion den offiziellen Beschluss herbei, dass die &#8222;Zentrumsfraktion &#8230; in dem weiteren Verbleiben des Herrn von Bethmann Hollweg im Reichskanzleramt eine Erschwerung f\u00fcr die Herbeif\u00fchrung des Friedens&#8220; sieht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a> Damit war der Kampf entschieden, denn nachdem das Zentrum umgeschwenkt war, blieben nur noch die Fortschrittspartei und die Sozialdemokratie als Unterst\u00fctzer Bethmanns \u00fcbrig, und sie hatten keine Mehrheit im Reichstag. Abgesehen davon trat lediglich die Fortschrittspartei r\u00fcckhaltlos f\u00fcr den Kanzler ein, w\u00e4hrend die Unterst\u00fctzung der Sozialdemokraten doppelb\u00f6dig war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als dies feststand, ging die Fronde der Kanzlerst\u00fcrzer zum Angriff \u00fcber. Am selben Tag, an dem Bethmann die Zustimmung des Monarchen f\u00fcr die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen erhielt, rief der Kronprinz f\u00fcr den Vormittag des kommenden Tags Vertreter der Reichstagsparteien zu sich mit der Aufforderung, zur Frage eines Kanzlerwechsels Stellung zu nehmen. Er war wie die gesamte Milit\u00e4rf\u00fchrung ein leidenschaftlicher Gegner des Reichskanzlers, den er als verkappten Demokraten und Schlappmacher nach innen und au\u00dfen verabscheute. Obwohl er im Verfassungsgef\u00fcge des Reichs keine Funktion hatte und seine Einmischung in die Kanzlerfrage eine Anma\u00dfung war (und eine Frechheit gegen\u00fcber seinem Vater), folgten die Parteif\u00fchrer seinem Ruf und erschienen am 12.Juli 1917 nacheinander im Kronprinzenpalais, um Rede und Antwort zu stehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine abgekartete Aktion<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei den getrennt stattfindenden Unterredungen f\u00fchrte Oberst Max Bauer, ein Abgesandter der OHL, hinter einer Tapetent\u00fcr heimlich Protokoll. Die konservativen Abgeordneten Westarp und Mertin sprachen sich ohne Umschweife f\u00fcr die Abl\u00f6sung Bethmanns aus. Noch vehementer als die Konservativen forderte der Nationalliberale Stresemann seine Beseitigung, da er &#8222;immer flau gemacht&#8220; habe; er erkl\u00e4rte den &#8222;Kanzlerwechsel f\u00fcr das N\u00f6tigste, was es gibt.&#8220; Genau so entschieden \u00e4u\u00dferte Erzberger: eine &#8222;Zusammenarbeit ist ausgeschlossen (&#8230;.) Der Reichskanzler muss weg, er ist ein Hindernis des Friedens&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr die Fortschrittspartei erkl\u00e4rte deren Vorsitzender Friedrich von Payer, dass Bethmanns Politik mit der Linie seiner Partei \u00fcbereinstimmen w\u00fcrde; er sah keinen Grund zum Kanzlerwechsel. Als letzter folgte der SPD-Vertreter Eduard David, der mit Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann zusammen das <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fchrungstrio der Sozialdemokratie bildete,<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> seit die USPD sich abgespalten hatte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er teilte <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">mit, dass seine Partei nicht auf den Kanzlerwechsel ausginge, f\u00fcgte jedoch hinzu, dass in der Person des Kanzlers &#8222;Schwierigkeiten zur Anbahnung zum Frieden&#8220; liegen w\u00fcrden; in diesem Fall m\u00fcsse der Kanzler gehen, &#8222;man m\u00fcsste aber noch etwas warten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a> Bis auf die einflusslosen Linksliberalen wandten sich also alle Vertreter der demokratischen Parteien mit der gleichen Begr\u00fcndung gegen den Kanzler, indem sie ihn in Abstufungen als Hindernis f\u00fcr einen Friedensschluss deklarierten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem die Konsultationen best\u00e4tigt hatten, dass Bethmann nicht mehr \u00fcber gen\u00fcgend R\u00fcckhalt im Parlament verf\u00fcgte, suchte der Thronnachfolger seinen Vater auf und verlangte die Entlassung des Kanzlers. Gleichzeitig reichten Hindenburg und Ludendorff ihren Abschied ein, weil sie mit dem Kanzler nicht zusammenarbeiten k\u00f6nnten; bei dieser Gelegenheit hielt Ludendorff dem Monarchen vor, dass er sich &#8222;in der schwersten Krise, die \u00fcber Deutschland und Preu\u00dfen hereingebrochen ist, f\u00fcr den Verbleib des Leiters dieser Politik, des Herrn Reichskanzlers, in seinem Amt entschieden&#8220; habe.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> F\u00fcr einen preu\u00dfischen General war dies eine bis dahin unvorstellbare Insubordination; sie spiegelte das mittlerweile vorhandene Verh\u00e4ltnis zwischen den Milit\u00e4rf\u00fchrern und ihrem k\u00f6niglich-kaiserlichen &#8222;Oberkommandierenden&#8220; wider.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nur von einem wankelm\u00fctigen Monarchen gest\u00fctzt, hatte der Kanzler gegen die gemeinsame Front von Oberster Heeresleitung und Parlament keine Chance. Er bat den Kaiser um seine Entlassung, die dieser noch am 12.Juli annahm, im Gegensatz zu den Abschiedsgesuchen der Heeresf\u00fchrer. Damit war der Versuch, das reaktion\u00e4re Preu\u00dfentum zu entmachten, um zu einem Friedensschluss zu gelangen, der f\u00fcr einen kurzen geschichtlichen Augenblick gegl\u00fcckt schien, gescheitert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">An Bethmanns<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Stelle sollte zun\u00e4chst sein Vorg\u00e4nger B\u00fclow treten. Dieses Vorhaben scheiterte indes daran, dass Wilhelm II um keinen Preis bereit war, nach der Daily-Telegraph-Aff\u00e4re von 1908 noch einmal mit ihm zusammen zu arbeiten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> Daraufhin wurde der Kanzlerposten dem \u00fcber siebzigj\u00e4hrigen Graf Hertling angeboten, einem Zentrumsmann des rechten Fl\u00fcgels, der seit 1912 bayrischer Ministerpr\u00e4sident war. Der weigerte sich jedoch, weil er zu alt sei, um sich mit der OHL auseinanderzusetzen, die sich dauernd in die Regierungsgesch\u00e4fte einmischen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich ernannte der Kaiser am 14.Juli den bis dahin weitgehend unbekannten Unterstaatssekret\u00e4r f\u00fcr Ern\u00e4hrungsfragen Georg Michaelis zum Kanzler, der ein \u00fcberzeugter Anh\u00e4nger der OHL sowie eines Siegfriedens war und ank\u00fcndigte, sein Amt in steter \u00dcbereinstimmung mit der Heeresleitung zu f\u00fchren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die OHL reagierte auf das Vorhaben einer Friedensresolution sybillinisch. Sie w\u00fcnschte eine Versch\u00e4rfung des Resolutionsentwurfs, machte aber keine grunds\u00e4tzlichen Bedenken dagegen geltend; Hindenburg und er \u00e4u\u00dferten sich &#8222;lediglich zur\u00fcckhaltend&#8220;, wie Ludendorff schrieb.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a> Wichtiger war ihnen der Sturz Bethmanns. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Monarchen stellten die Milit\u00e4rs bald darauf endg\u00fcltig kalt. Ende des Jahres musste er auf Verlangen Ludendorffs seinen n\u00e4chsten Berater, den Chef des kaiserlichen Zivilkabinetts Rudolf von Valentini, der eng mit Bethmann zusammen gearbeitet hatte, entlassen. Dessen Posten \u00fcbernahm eine Kreatur der OHL.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Mehrdeutigkeit der Friedensresolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 17.Juli verabschiedete der Reichstag die f\u00fcr Bethmanns Sturz urs\u00e4chliche Friedensresolution mit 216 gegen 126 Stimmen. Daf\u00fcr stimmten die Abgeordneten von Zentrum, SPD und Fortschritt, dagegen die beiden konservativen Parteien sowie die Nationalliberalen, au\u00dferdem die Abgeordneten der USPD, die sie als heuchlerisch erkl\u00e4rten, weil sie zu unbestimmt sei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die aus Russland kommende Forderung &#8222;keine Annexionen und Entsch\u00e4digungen&#8220; fand in der Resolution keine Erw\u00e4hnung. Ihre zentrale Friedensformel pl\u00e4dierte f\u00fcr einen &#8222;Verst\u00e4ndigungs- und Vers\u00f6hnungsfrieden&#8220;, der durch wechselseitigen Verzicht auf &#8222;erzwungene Gebietserwerbungen&#8220; sowie auf &#8222;politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen&#8220; zustande kommen sollte. Diese Formel lie\u00df die M\u00f6glichkeit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vereinbarter <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gebietserwerbungen und Kriegsentsch\u00e4digungen zwischen Sieger und Besiegten bewusst offen, so dass Michaelis dem Kronprinzen versichern konnte, mit der Friedensresolution k\u00f6nne er jeden Frieden machen, den er wolle. Deshalb konnten die Reichstagsabgeordneten bald darauf auch problemlos f\u00fcr den Diktatfrieden von Brest-Litowsk stimmen, denn schlie\u00dflich hatte die bolschewistische Regierung Russlands den Abmachungen ja zugestimmt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwei Tage nach der Verabschiedung der Friedensresolution hielt der neue Kanzler seine Antrittsrede im Reichstag. Wie vorher den Mehrheitsparteien zugesichert, bekannte er sich zu der Friedensresolution, f\u00fcgte aber unabgesprochen hinzu: &#8222;so wie ich es auffasse&#8220;, was die ohnehin zweideutige Erkl\u00e4rung zus\u00e4tzlich relativierte. Diese wenigen Worte brachten den Gegensatz zu seinem Vorg\u00e4nger auf den Punkt. Bethmann war im April 1917 von der OHL mit Hilfe des Kaisers gezwungen worden, in deren Bad Kreuznacher Hauptquartier einem von ihm als Phantasterei betrachteten Kriegszielprogramm zuzustimmen, das ihm die Milit\u00e4rs in der Absicht vorgelegt hatten, eine Ablehnung zu seinem Sturz zu nutzen. Wieder zur\u00fcck in Berlin, legte er einen Vermerk nieder, dass er das Protokoll nur unterzeichnet habe, &#8222;weil mein Abgang \u00fcber Phantastereien l\u00e4cherlich w\u00e4re. Im \u00fcbrigen lasse ich mich durch das Protokoll nat\u00fcrlich in keiner Weise binden. Wenn sich irgendwie und irgendwo Friedensm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, verfolge ich sie. Was ich hiermit aktenm\u00e4\u00dfig festgestellt haben will.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 20.Juli 1917, dem Tag nach Michaelis&#8216; Auftritt im Parlament, stimmten alle Parteien bis auf die USPD-Abgeordneten den neuen Kriegskrediten zu.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ende der Friedensversuche<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Kanzlersturz war der n\u00e4chste Schritt die Aushebelung der p\u00e4pstlichen Friedensinitiative.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> Mitte August 1917 lie\u00df Benedikt XV. seine am 1.August unterzeichnete Friedensnote den kriegf\u00fchrenden Staaten \u00fcbermitteln. Darin waren die Voraussetzungen f\u00fcr den Eintritt in Friedensverhandlungen genannt, die die p\u00e4pstliche Diplomatie im Vorfeld abgekl\u00e4rt hatte. Sie umfassten die R\u00e4umung Belgiens und Nordfrankreichs durch Deutschland sowie im Gegenzug die R\u00fcckgabe der okkupierten deutschen Kolonien, den gegenseitigen &#8222;Verzicht auf Erstattung der Kriegskosten&#8220;, schlie\u00dflich die Pr\u00fcfung sonstiger territorialer Streitigkeiten (Elsa\u00df-Lothringen, Trentino, Polen) in &#8222;vers\u00f6hnlicher Absicht&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das bedeutete im Grundsatz die R\u00fcckkehr zum status quo ante und entsprach dem, was Bethmann auf deutscher Seite zugesagt hatte. Nur weigerte sich sein Nachfolger trotz mehrfacher Aufforderung, die Freigabe Belgiens zu best\u00e4tigen. &#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Inzwischen hatte jedoch nach der Julikrise Georg Michaelis das Amt des Reichskanzlers angetreten. Die R\u00f6mische Kurie glaubte blau\u00e4ugig, die Zusagen, die Michaelis&#8216; gest\u00fcrzter Vorg\u00e4nger von Bethmann Hollweg \u2026 gemacht hatte, w\u00fcrden faktisch auch weiterhin die Maximen der deutschen Politik bestimmen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit war der p\u00e4pstliche Versuch der Friedensstiftung gescheitert, denn so lange Deutschland nicht den bedingungslosen R\u00fcckzug aus <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Belgien garantierte, lie\u00df London sich nicht auf Friedensgespr\u00e4che ein.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es muss offen bleiben, ob die Initiative des Vatikans ohne den Kanzlerwechsel in Berlin Erfolg gehabt h\u00e4tte. Mit einem Kanzler Michaelis war sie jedenfalls gestorben, und damit ging die letzte Gelegenheit vor\u00fcber, zu einem vorzeitigen Pattfrieden zu gelangen. Ab jetzt gab es kein Zur\u00fcck mehr.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem durch Kanzler Michaelis herbeigef\u00fchrten Fehlschlag der p\u00e4pstlichen Aktion hatten die Ententem\u00e4chte keinen Grund mehr, noch auf die Friedensresolution des Reichstags einzugehen, und das verfehlte seine Wirkung auf die deutsche \u00d6ffentlichkeit nicht. Ihr wurde das Bild vermittelt, dass Deutschland seine Hand zur Vers\u00f6hnung der V\u00f6lker ausgestreckt hatte, aber die Gegner in ihrem Hochmut gar nicht darauf reagierten. Damit schien offenkundig, dass sie weiterhin nur ein Ziel hatten, n\u00e4mlich Deutschland zu vernichten. Also musste man die Reihen wieder schlie\u00dfen und<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> weiter k\u00e4mpfen, um <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">das Vaterland bis zum letzten Atemzug zu verteidigen. Abgesehen von der USPD reihten sich die Teile der Arbeiterbewegung, die gerade im Begriff gewesen waren, das Kriegsb\u00fcndnis zu verlassen, wieder in die innere Kampffront ein und damit konnte der Krieg fortgesetzt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gleichzeitig trat im September 1917 als Reaktion auf die Friedensresolution die &#8222;Deutsche Vaterlandspartei&#8220; (DVLP) ins Leben. Von Alldeutschen und Teilen der Konservativen mit stillschweigender Unterst\u00fctzung der OHL gegr\u00fcndet, versuchte sie, eine Massenbewegung gegen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">einen Frieden der Verst\u00e4ndigung und f\u00fcr einen umfassenden deutschen &#8222;Siegfrieden&#8220; zu organisieren. Indem sie <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">das Zentrum und die Linksliberalen wegen Verrats an der Heimatfront attackierte, die Ausschaltung der Arbeiterparteien verlangte und einen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">autorit\u00e4ren Staatsumbau mit Hilfe eines &#8222;starken Mannes&#8220;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> propagierte, k\u00fcndigte sie den Burgfrieden von rechts auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die beiden konservativen Parteien blieben offiziell auf Distanz zu der Bewegung. Sie waren Honoratiorenorganisationen, die Massen nur als W\u00e4hler akzeptierten, aber nicht in der Partei. Demgegen\u00fcber war das Neuartige an der Vaterlandspartei, dass sie Ans\u00e4tze zu einer rechten Massenpartei verk\u00f6rperte und aus dem bisherigen Parteiensystem ausbrach, ideologisch untermauert durch eine Mischung aus konservativen und v\u00f6lkischen, nationalistischen und antisemitischen Parolen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Parlamentarisierung der Regierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der neue Kanzler musste nicht nur seine Regierungserkl\u00e4rung vorher mit den Mehrheitsparteien absprechen und ihnen seine Unterst\u00fctzung der Friedensresolution versprechen. Au\u00dferdem richtete der Reichstag einen sogenannten &#8222;Siebenerausschuss&#8220; aus Vertretern der Reichstagsparteien ein, der dem von Bethmann geplanten Beirat entsprach und die Politik der Regierung ab jetzt kontrollierte. Dagegen wurden keine Parlamentarier in die Regierung aufgenommen, wie Bethmann es vorgehabt hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Oktober musste <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Michaelis auf Druck des <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">IFA, in dem jetzt auch die Nationalliberalen mitmachten, zur\u00fccktreten, weil seine Politik den gerade gefestigten Burgfrieden gef\u00e4hrdete.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> Er hatte die kaiserliche Ordre zur Wahlrechts\u00e4nderung in Preu\u00dfen einfach negiert, au\u00dferdem deckte er die alldeutsche Agitation und Werbung f\u00fcr die Vaterlandspartei in der offiziell politikfreien Armee. Um das Ma\u00df voll zu machen, erhob seine Regierung dar\u00fcber hinaus im Zusammenhang mit einem Kriegsgerichtsverfahren gegen revolution\u00e4re Marineangeh\u00f6rige (aufgrund dessen die Matrosen K\u00f6bes und Reichpietsch hingerichtet wurden) unbewiesene Hochverratsvorw\u00fcrfe gegen die USPD-F\u00fchrung.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dadurch beschwor er die Gefahr herauf, dass die m\u00fchsam gelungene Einbindung der Arbeiterschaft wieder zerfallen w\u00fcrde, weshalb die SPD auf seinen R\u00fccktritt dr\u00e4ngte und die anderen Parteien ihr folgten. An seine Stelle trat der Zentrumspolitiker Hertling, der bereits in der Julikrise die Kanzlerschaft \u00fcbernehmen sollte. Seinerzeit hatte er unter Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter abgelehnt \u2013 vermutlich, weil sein Parteifreund Erzberger B\u00fclow zum Kanzler machen wollte. Jetzt f\u00fchlte er sich mit nunmehr 74 Jahren jung genug f\u00fcr die B\u00fcrde des Amtes, da die Zentrumsfraktion mit ihm einverstanden war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf Verlangen des IFA musste er den Vorsitzenden der Fortschrittspartei als Vizekanzler und einen Nationalliberalen als Vizepr\u00e4sidenten der preu\u00dfischen Regierung akzeptieren. H\u00e4tte sie es verlangt, h\u00e4tte die SPD ebenfalls einen Vertreter in das Kabinett entsenden k\u00f6nnen, doch verzichtete wie schon bei der gescheiterten Kanzlerschaft B\u00fclows darauf, weil sie Sorge um die Auswirkungen auf ihre Anh\u00e4nger hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit seinem Eingreifen in die Regierungsbildung hatte der IFA auf diese Weise den Weg zur Parlamentarisierung unterhalb der Schwelle einer Verfassungs\u00e4nderung beschritten, weshalb er von der Geschichtsschreibung als Wegbereiter der Weimarer Demokratie gefeiert wird. Ansonsten setzte Hertling im Einverst\u00e4ndnis sowohl mit der Reichstagsmehrheit als auch mit der OHL die Kriegspolitik seines Vorg\u00e4ngers fort, innenpolitisch nur geschickter, da er mehr Erfahrung im Umgang mit den Parteien besa\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>&#8230; und Beibehaltung des Dreiklassenwahlrechts<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Gegensatz zur Parlamentarisierung geschah in der Frage der Massendemokratie nichts. Nachdem Michaelis unt\u00e4tig geblieben war, legte die Regierung Hertling aufgrund der gestiegenen Emp\u00f6rung im November 1917 einen Gesetzentwurf zur Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen vor. Das preu\u00dfische Abgeordnetenhaus machte daraus in vielen Beratungen ein Pluralwahlrecht, das sie am 4.Juli 1918 schlie\u00dflich nach der f\u00fcnften Lesung verabschiedete und zur Weiterberatung an das Herrenhaus weiterreichte, ohne dass die Regierung eingriff. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Nicht nur in der Au\u00dfenpolitik,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> sondern vor allem auf dem viel wichtigeren Feld der Innenpolitik hatten die Kr\u00e4fte des Annexionismus und der Reaktion ihren letzten gro\u00dfen Erfolg. So kurz vor der endg\u00fcltigen Katastrophe ist dieses engstirnige Beharren auf \u00fcberholten Privilegien schwer nachvollziehbar. Aber wir m\u00fcssen uns daran erinnern, dass der Verlust dieser Privilegien f\u00fcr die meisten Beg\u00fcnstigten des Hohenzollernregimes mindestens ebenso so <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">fundamental war wie die milit\u00e4rische Niederlage ihres Vaterlandes.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wegen der Verschleppung durch das Abgeordnetenhaus hatten SPD und Fortschritt die Regierung zun\u00e4chst aufgefordert, den Landtag vor die Alternative zu stellen, entweder das gleiche Wahlrecht zu akzeptieren oder aufgel\u00f6st und neu gew\u00e4hlt zu werden. Doch einigten sie sich anschlie\u00dfend mit der Regierung darauf<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, di<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">e Frage von Neuwahlen der OHL zur Entscheidung vorzulegen.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\">32<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Erwartungsgem\u00e4\u00df nahm die Milit\u00e4rf\u00fchrung zum Wahlrecht keine Stellung, sprach sich aber gegen Neuwahlen im Krieg aus, und damit war der Fall erledigt \u2013 es gab weder Neuwahlen noch ein gleiches Wahlrecht. Als die OHL ihre Entscheidung traf, war die Wahlrechts\u00e4nderung so lange hinausgez\u00f6gert worden, dass gerade die entscheidenden Schlachten im Westen stattfanden. A<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">uch in der Arbeiterschaft teilte wohl &#8222;eine Mehrheit die verzweifelte Hoffnung auf die letzte, die siegreiche Entscheidungsschlacht im Westen \u2026, so wie auch viele Brest-Litowsk als &#8218;Brotfrieden&#8216; zur Ausbeutung der ukrainischen Getreidekammer begr\u00fc\u00dft hatten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dieser Situation waren keine Massenbewegungen mehr zu bef\u00fcrchten, so dass der Gesetzentwurf bis Kriegsende im Herrenhaus liegen bleiben konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>III. Das R\u00e4tsel der Julikrise<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verlauf und Ergebnis der Kanzlerkrise geben bis heute R\u00e4tsel auf. Mitte 1917 gab es nicht nur eine breite Reichstagsmehrheit f\u00fcr innere Reformen, sondern scheinbar auch f\u00fcr einen Verst\u00e4ndigungsfrieden, und &#8222;wenn irgend jemand gewillt war, die Ziele dieser Mehrheit zu verwirklichen, dann war es Bethmann.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a> Warum fiel der Kanzler ausgerechnet in dem Augenblick, als er sich anschickte, Friedensgespr\u00e4che in die Wege zu leiten und dem preu\u00dfischen Milit\u00e4radel als dem entscheidenden Gegner eines Friedensschlusses das Genick zu brechen?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Konservativen bek\u00e4mpften ihn wegen seiner &#8222;Neuorientierung&#8220; im Inneren schon seit langem als verkappten Demokraten; dasselbe taten aus au\u00dfenpolitischen Gr\u00fcnden die Nationalliberalen, weil er kein Verfechter der Weltpolitik war. Doch bislang war es weder den einen noch den anderen gelungen, seine Absetzung zu erreichen. Um so merkw\u00fcrdiger ist es, dass er im entscheidenden Moment von den demokratischen Mehrheitsparteien des Reichstags fallen gelassen wurde, als er gerade im Begriff war, die erkl\u00e4rten inneren und \u00e4u\u00dferen Ziele dieser Parteien zu realisieren. Mindestens ebenso r\u00e4tselhaft wie der Sturz selber ist die folgende Entwicklung. Warum fand sich der Reichstag mit einem Mann als Nachfolger ab, der offen als Vertreter der OHL agierte und weder zum Friedensschluss noch zur Einf\u00fchrung eines gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen bereit war? Warum gestattete er die Fortsetzung des Kriegs bis zum bitteren Ende, als ob nichts gewesen w\u00e4re?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Geschichtsb\u00fcchern wird das merkw\u00fcrdige Verhalten des Parlaments durchweg auf die Unreife der Parteien bzw. den Mangel an politischem Realit\u00e4ts- und Verantwortungssinn der handelnden Politiker zur\u00fcck gef\u00fchrt, kurz gesagt auf fehlende Machterfahrung. Aber ist es \u00fcberzeugend, dass angeblich unge\u00fcbte und machtferne Politiker am einen Tag eine historische Friedensresolution verabschieden und einen Kanzler st\u00fcrzen k\u00f6nnen, nur um am n\u00e4chsten Tag in Hilflosigkeit zu versinken?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man die g\u00e4ngige Begr\u00fcndung f\u00fcr unbefriedigend h\u00e4lt, muss man sich n\u00e4her mit den Umst\u00e4nden der Friedensresolution besch\u00e4ftigen, beginnend mit dem Zentrumsvorsitzenden Erzberger, der sie initiierte und eine ma\u00dfgebliche Rolle beim Kanzlersturz spielte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Erzberger als Kriegspolitiker<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Erzberger-Biograph Epstein bewertet den Sturz Bethmanns als &#8222;gr\u00f6\u00dften politischen Fehler&#8220; in der Laufbahn Erzbergers.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> Doch inwieweit war dies ein durch Fehlkalkulation verursachter Fehler?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Zentrumspartei, in der Erzberger politisch gro\u00df geworden war, umfasste als katholischer Vorl\u00e4ufer der sp\u00e4teren Volksparteien alle Klassen und Schichten vom Adel \u00fcber B\u00fcrger, Bauern und Handwerker bis zu Arbeitern. In diesem Konglomerat gegens\u00e4tzlicher Interessen Karriere zu machen, erforderte Durchsetzungsf\u00e4higkeit und Flexibilit\u00e4t. 1875 geboren, gelang es ihm nicht nur, 1903 als j\u00fcngster Abgeordneter in den Reichstag gew\u00e4hlt zu werden, sondern stieg er in kurzer Zeit auch in die F\u00fchrung der Zentrumspartei auf. Heftig umstritten, galt er zugleich als \u00e4u\u00dferst wendiger Politiker.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu Beginn des Kriegs, dessen Ausbruch er begeistert begr\u00fc\u00dfte, hatte er in einer Denkschrift f\u00fcr die Zentrumspartei ein eigenes Annexionsprogramm aufgestellt. &#8222;Belgien und der nordfranz\u00f6sische K\u00fcsteng\u00fcrtel bis Boulogne sollten zur Sicherung ungehinderten Zutritts zum Weltmeer unter die milit\u00e4rische Oberhoheit des Reiches gestellt werden; das Erzbecken von Longwy-Briey sollte aus wirtschaftlichen, die Stadt Belfort aus strategischen Gr\u00fcnden annektiert werden&#8220;; au\u00dferdem sollten im Osten die nichtrussischen V\u00f6lkerschaften des Zarenreichs selbst\u00e4ndige Satellitenstaaten unter deutscher oder \u00f6sterreichischer Oberhoheit gr\u00fcnden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Forderung nach Inbesitznahme der belgisch-nordfranz\u00f6sischen K\u00fcstenregion entsprach der weltpolitischen Orientierung des gesamten b\u00fcrgerlichen Lagers, das den Entscheidungskampf gegen England suchte. Die dar\u00fcber hinaus gehende Forderung nach Aneignung der Erzregion von Longwy formulierte speziell die Interessen der Schwerindustrie, die haupts\u00e4chlich in der nationalliberalen Partei vertreten war, daneben aber auch im Zentrum, wo Erzberger im Montankonzern des katholischen Gro\u00dfindustriellen August Thyssen seit 1915 dem Aufsichtsrat angeh\u00f6rte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als der erwartete schnelle Sieg des Reichs in die Ferne r\u00fcckte, machte der Katholikenf\u00fchrer von den weit gespannten Zielen aus den Anfangsmonaten des Kriegs Abstriche, trat aber zu keinem Zeitpunkt f\u00fcr einen R\u00fcckzug auf den Vorkriegszustand ein.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> Nach seiner eigenen Erz\u00e4hlung brachte ihn der Fehlschlag des U-Bootkriegs dazu, am 6.Juli die Initiative f\u00fcr einen Friedensschluss zu ergreifen. Dementsprechend heben bisherige Darstellungen der Julikrise als Beweggrund f\u00fcr sein Vorgehen die Suche nach einem Verst\u00e4ndigungsfrieden hervor. Aber eine genauere Analyse, die Wilfried Loth unter Auswertung interner Quellen vorgenommen hat, beweist, dass Erzbergers \u00f6ffentliche \u00c4u\u00dferungen irref\u00fchrend sind.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das Doppelspiel des Zentrumsf\u00fchrers<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er hatte seine Aufmerksamkeit seit \u00fcber einem Jahr darauf konzentriert, den &#8222;Burgfrieden&#8220; im Innern zu erhalten. Durch den Volksparteicharakter des Zentrums verf\u00fcgte er \u00fcber genaue Informationen \u00fcber die Stimmungslage unter den kleinen Leuten und erkannte, dass die zunehmende Radikalisierung der Arbeiterschaft nach der russischen Februarrevolution eine gef\u00e4hrliche Entwicklung heraufbeschwor. Es drohten &#8222;nicht nur immer heftigere Streikbewegungen, eine weitere Radikalisierung der Linken und die Abspaltung der (katholischen; d.V.) Arbeiterbewegung vom Zentrum, sondern auch der Zusammenbruch der <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">inneren Front und wohl auch die Revolution.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a> Als die SPD-F\u00fchrung ihren Alarmruf ausstie\u00df, dass ihr nichts anderes \u00fcbrig bliebe, als die n\u00e4chsten Kriegskredite zu verweigern, wenn nichts geschah, wurde es Zeit zum Handeln. &#8222;Diese f\u00fcr die innere und \u00e4u\u00dfere Lage Deutschlands gleich gef\u00e4hrliche Situation musste unter allen Umst\u00e4nden verhindert werden&#8220;, wie Erzberger dazu bemerkte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Daraus folgerte indes nicht die schnellstm\u00f6gliche Suche nach einem Ende des Kriegs, wie es der Schein der Friedensresolution nahelegte. <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum war es zwingend, jetzt den vom Reichskanzler angestrebten Verzichtfrieden zu schlie\u00dfen? Kam es angesichts der Hinf\u00e4lligkeit Russlands und der Ermattung des franz\u00f6sischen Heeres nicht vielmehr darauf an, die Heimatfront zu stabilisieren und eine letzte Kraftanstrengung zu unternehmen, um den Sieg davon zu tragen? Daf\u00fcr, dass Erzberger diese Sicht teilte, spricht, dass er nach der Friedensresolution weiter f\u00fcr die Annexion der Briey-Longwy-Region eintrat \u2013 was Friedensverhandlungen unm\u00f6glich machte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> Desgleichen versicherte er dem Nachfolger Bethmanns, dass die Friedensresolution nicht den vollst\u00e4ndigen Verzicht auf Belgien bedeuten w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a> <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das aber hei\u00dft, dass man rasch handeln musste, denn waren erst einmal Friedensverhandlungen in Gang gekommen, w\u00e4ren sie angesichts der Friedenssehnsucht der Massen nicht mehr aufzuhalten gewesen. Dabei reichte es nicht, nur die Anbahnung von Gespr\u00e4chen zu unterbinden, sondern ging es um weitere Ziele: als erstes musste schnellstm\u00f6glich der flaue Kanzler fallen, zweitens galt es, die Arbeitermassen durch ein nationales Friedensbekenntnis zu beruhigen, drittens musste auf dieser Basis der Krieg mit einem neuen Kanzler und gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Geschlossenheit weiter gef\u00fchrt werden, und viertens musste all dies auf eine Weise geschehen, die Erzberger gegen\u00fcber dem Vatikan nicht offen diskreditierte, um nicht seine weitere politische Karriere im bzw. mit dem Zentrum zu gef\u00e4hrden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zusammenwirken mit der OHL<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erzberger hatte schon zuvor in Kontakt mit der OHL gestanden, und zwar mit deren Abgesandten Oberst Bauer, der bald darauf die Unterredungen des Kronprinzen mit den Parteif\u00fchrern protokollierte. Angesichts der Friedensbem\u00fchungen des Kanzlers vertiefte er nunmehr diesen Kontakt, um Bethmann zu Fall zu bringen. &#8222;Es spricht einiges daf\u00fcr, dass Erzberger bei seinem Vorsto\u00df gegen den Reichskanzler im Einvernehmen mit der Obersten Heeresleitung handelte&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a> Epstein, der Biograph des Katholikenf\u00fchrers, h\u00e4lt Erzberger unverbl\u00fcmt ein &#8222;B\u00fcndnis mit Ludendorff gegen Bethmann&#8220; vor.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So begr\u00fcndet sich zun\u00e4chst der Zeitpunkt seines Auftritts im Hauptausschuss des Reichstags. Wenige Tage nach Bethmanns Gespr\u00e4ch mit Pacelli sorgte dies beim Kanzler nicht nur f\u00fcr Irritation, vor allem schadete die Konstituierung des Interfraktionellen Ausschusses seiner Position gegen\u00fcber den anderen M\u00e4chten, denn wer hatte denn nun in Deutschland das Sagen \u2013 der Kanzler oder der Reichstag? Des weiteren ist aufschlussreich, was Erzberger auf keinen Fall in der Friedensresolution sehen wollte. Obwohl er &#8222;\u00fcber Nuntius Pacelli auch wusste, dass Deutschland alsbald den Frieden bekommen konnte, wenn es unmissverst\u00e4ndlich auf Belgien verzichtete, vermied er es, in die Friedensresolution des Reichstags eine solche Verzichtserkl\u00e4rung aufzunehmen und erkl\u00e4rte er dem neuen Reichskanzler Michaelis am Tag nach der Verabschiedung der Resolution ausdr\u00fccklich, sie gebe Belgien keineswegs v\u00f6llig preis.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Morgen des 7.Juli traf Erzberger sich mit Stresemann, um die Kanzlerfrage zu er\u00f6rtern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> Beide stimmten darin \u00fcberein, dass Bernhard von B\u00fclow, der 1909 gescheiterte Vorg\u00e4nger Bethmanns, erneut Kanzler werden solle. Die Nationalliberalen hatten ihn immer schon als &#8222;ihren&#8220; Kanzler betrachtet, w\u00e4hrend Erzberger ihn fr\u00fcher bek\u00e4mpft hatte. Doch w\u00e4hrend B\u00fclows T\u00e4tigkeit als Sonderbotschafter in Italien (1914-15) hatte der Zentrumspolitiker enge Verbindungen mit ihm gekn\u00fcpft und bef\u00fcrwortete jetzt seine Kanzlerschaft. F\u00fcr die SPD stie\u00df als Dritter im Bunde der F\u00fchrer des rechten Parteifl\u00fcgels Eduard David hinzu, der hohes Ansehen in der Obersten Heeresleitung genoss. Er war sich mit Stresemann und Erzberger einig, dass B\u00fclow die Regierung \u00fcbernehmen solle; geplant war, dass alle drei als Staatssekret\u00e4re in ein Kabinett B\u00fclow eintreten sollten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Auswahl des Kanzlernachfolgers spricht f\u00fcr sich. Wenn die offizielle Begr\u00fcndung f\u00fcr die Wendung gegen Bethmann ernst gemeint war, dass er die gew\u00fcnschte Friedenspolitik nicht glaubw\u00fcrdig umsetzen k\u00f6nne, dann musste ein unvorbelasteter Mann an seine Stelle treten, der den Abschluss eines Verzichtfriedens \u00fcberzeugender vorantreiben konnte. Doch welche Glaubw\u00fcrdigkeit konnte ein B\u00fclow beanspruchen, der nicht nur der Wunschkandidat der OHL war, sondern als abgedankter Kanzler des Imperialismus f\u00fcr den Kampf um einen &#8222;Platz an der Sonne&#8220; und die Herausforderung Gro\u00dfbritanniens stand?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Zusammenhang reisten Hindenburg und Ludendorff am 7.Juli nach Berlin, um mit Stresemann, Erzberger, Ebert und Scheidemann pers\u00f6nlich zu sprechen \u2013 nicht mit dem Fortschrittsvorsitzenden Payer, der hinter Bethmann stand.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\">48<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Au\u00dferdem wollten sie beim Kaiser auf einen Regierungswechsel von Bethmann zu B\u00fclow dr\u00e4ngen. Der Kaiser, der wie die Linksliberalen am Kanzler festhielt, wollte davon jedoch nichts wissen und forderte die Gener\u00e4le auf, wieder in ihr Hauptquartier zur\u00fcck zu kehren. Erzberger machte daraufhin Bethmann f\u00fcr das gescheiterte Zusammentreffen der Milit\u00e4rf\u00fchrer mit der Politikerfronde verantwortlich und erkl\u00e4rte dies f\u00fcr eine unzumutbare Einmischung in die Rechte der Parlamentarier. Mit dieser Wendung legitimierte er seine Abkehr von Bethmann in der \u00d6ffentlichkeit und f\u00fchrte in seiner Fraktion den Beschluss herbei, der dem Kanzler die Reichstagsmehrheit entzog, ihn zum R\u00fccktritt aufforderte und Wilhelm II n\u00f6tigte, ihn fallen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem geplatzten Zusammentreffen Hindenburgs und Ludendorffs mit Ebert und Scheidemann f\u00fchrte David die erforderlichen Gespr\u00e4che der SPD-F\u00fchrung mit der OHL am 9. und 11.Juli mit <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oberstleutnant von Haeften, de<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">m Vertreter der OHL im Ausw\u00e4rtigen Amt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Ersatzkanzler der OHL und der Mehrheitsparteien<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwar hatten die Kanzlerst\u00fcrzer mit ihrem Wunschkandidaten keinen Erfolg, weil der Kaiser<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> nach der ihm aufgezwungenen Entlassung Bethmanns die Ernennung B\u00fclows in einem letzten Anflug von Selbstachtung<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> verweigerte. Doch konnte man auch mit einer Ersatzl\u00f6sung wie Michaelis leben, denn das Entscheidende war, dass der neue Kanzler die Fortf\u00fchrung des Kriegs garantierte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seiner vorher mit den Parteien besprochenen Regierungserkl\u00e4rung bekannte er sich zur Friedensresolution, aber \u00fcber deren Relativierung mit dem Zusatz &#8222;wie ich es auffasse&#8220; hinaus benannte er es als seine ma\u00dfgebliche Aufgabe, &#8222;die Grenzen des Reichs f\u00fcr alle Zeiten sicherzustellen&#8220; \u2013 eine Wendung, hinter der die Alldeutschen ihre Annexionspl\u00e4ne zu verbergen pflegten. W\u00e4hrend die Sprecher der Mehrheitsparteien die Regierungserkl\u00e4rung begr\u00fc\u00dften, so auch Scheidemann, der die Befriedigung der SPD-Fraktion \u00fcber die Kanzlerworte zur Friedensfrage ausdr\u00fcckte,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> prangerte Hugo Haase, der Fraktionsvorsitzende der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokraten, die Unbestimmtheit der Friedensresolution an und attackierte den Kanzler wegen der alldeutschen Wendung seiner Regierungserkl\u00e4rung mit gro\u00dfer Sch\u00e4rfe. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die USPD brachte auch eine Fassung der Friedensresolution ein, die Annexionen dezidiert ausschloss und konkret die &#8222;Wiederherstellung Belgiens&#8220; sowie die &#8222;Wiedergutmachung des ihm zugef\u00fcgten Unrechts&#8220; verlangte. Der Text wurde von den Mehrheitsparteien geschlossen abgelehnt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unterst\u00fctzt von der neuen Reichstagsmehrheit, brachte die Regierung Michaelis anschlie\u00dfend die Friedensinitiative des Vatikans zum Scheitern. Wie alle anderen wichtigen Entscheidungen musste der neue Kanzler auch die Antwort auf die p\u00e4pstliche Friedensnote vorab dem Siebenerausschuss des Parlaments vorlegen und von ihm billigen lassen. Dabei stimmten die Mehrheitsparteien <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;in vollem Bewusstsein des Rangs, der dem belgischen Problem bei der Vorbereitung von Friedensgespr\u00e4chen zukam, der von der Reichsleitung empfohlenen Taktik zu &#8230;, die belgische Frage nicht in der offiziellen Antwortnote \u2026 zu behandeln&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> Damit war die Friedensgefahr erledigt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis heute gilt Michaelis als Gesch\u00f6pf der OHL, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Als Mann der Milit\u00e4rs bekam er zugleich die Unterst\u00fctzung der demokratischen Mehrheitsparteien, die darauf setzten, alle Kr\u00e4fte f\u00fcr die siegreiche Beendigung des Kriegs hinter der Milit\u00e4rf\u00fchrung zusammen zu schlie\u00dfen. Dass er das Vertrauen der Reichstagsmehrheit bald wieder verlor und diese ihn durch einen anderen Kanzler abl\u00f6sen lie\u00df, steht auf einem anderen Blatt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>B\u00fcndnis f\u00fcr den Sieg auf Kosten der Demokratie<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Michaelis in seiner Regierungserkl\u00e4rung die Zustimmung zur Friedensresolution mit den Worten erg\u00e4nzte &#8222;wie ich es auffasse&#8220;<\/span><\/span><span style=\"color: #ff0000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">vermerkte das Sitzungsprotokoll des Reichstags Beifall bei den Abgeordneten von Zentrum, Fortschritt und SPD. Wiederum war es der USPD-Sprecher Haase, der in seiner Rede darauf aufmerksam machte, dass Michaelis mit diesen Worten die volle Freiheit zur Auslegung der ohnehin vieldeutigen Resolution f\u00fcr sich in Anspruch genommen hatte. Erst aufgrund seiner Intervention gelangte diese Tatsache \u00fcberhaupt an eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit und wurde nach dem Krieg von den Politikern der Weimarer Koalition dazu genutzt, um sich als Opfer eines betr\u00fcgerischen OHL-Kanzlers darzustellen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beim Friedensschluss von Brest-Litowsk erkl\u00e4rte Erzberger, dass der Vertrag vollauf mit der Friedensresolution des Reichstags vom Juli 1917 \u00fcbereinstimmen w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> Schlie\u00dflich hatte die russische bolschewistische Regierung den Friedensvertrag ja freiwillig unterschrieben<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. Angesichts des scheinbar in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckten deutschen Gesamtsiegs konnte er nunmehr &#8222;mit kaum verhohlener Genugtuung&#8220; feststellen, dass die Einbringung der Friedensresolution wie von ihm beabsichtigt zur &#8222;St\u00e4rkung der inneren Front&#8220; gef\u00fchrt habe.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn man diesen Zusammenhang nachvollzieht, h\u00f6rt der innenpolitische Stillstand nach Bethmanns Sturz auf, ein R\u00e4tsel zu sein. Was die demokratische Reichstagsmehrheit realisierte, war die Parlamentarisierung der Regierung, und diesem Zweck dienten der IFA und der Siebenerausschuss der Parlamentsparteien. Dagegen h\u00e4tte die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen schwere Konflikte mit dem Milit\u00e4radel hervorgerufen und die innere Front, die man soeben auf der linken Seite durch Beruhigung der Arbeitermassen neu geschlossen hatte, auf der rechten Seite wieder aufgerissen. Deshalb schlug man hier eine Taktik ein, wonach die Regierung den kaiserlichen Erlass pro forma umsetzte und real verschleppen lie\u00df, so dass es zu keiner Konfrontation mit Konservativen und Milit\u00e4rf\u00fchrung kam.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit kommen wir auf die Frage zur\u00fcck, inwieweit die Beseitigung Bethmanns &#8222;der gr\u00f6\u00dfte politische Fehler&#8220; Erzbergers war. Wertfrei betrachtet, war der Sturz des friedensbereiten Kanzlers mit Hilfe einer Friedensresolution, um die innere Front zu stabilisieren und den Krieg bis zum Endsieg fortzusetzen, ein politisches Bravourst\u00fcck, das eines Bismarcks w\u00fcrdig war. Vom Ergebnis her sorgte dieses Bravourst\u00fcck daf\u00fcr, dass die Macht des preu\u00dfischen Milit\u00e4radels erhalten blieb und der Krieg noch anderthalb Jahre unter gewaltigen Opfern weiter ging, nur um mit der vollst\u00e4ndigen Niederlage Deutschlands zu enden. Insofern war es eine verquere Ironie der Geschichte, dass Erzberger im August 1921 ausgerechnet als &#8222;Friedenspolitiker&#8220; von zwei fanatischen Weltkriegsoffizieren ermordet wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>IV. Sozialdemokratische Kriegspolitik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf dem Boden der dargelegten Abl\u00e4ufe ist es unvermeidlich, auch die Rolle der SPD neu zu \u00fcberdenken. Sie firmiert in den Geschichtsb\u00fcchern als einflusslose Partei am Rande des Geschehens, die f\u00fcr Bethmann eintrat, aber von den Ereignissen \u00fcberrumpelt und ebenso wie die anderen Parteien durch die OHL sowie den neuen Kanzler Michaelis get\u00e4uscht wurde. Doch wie realit\u00e4tstauglich ist diese Erz\u00e4hlung?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>F\u00fcr realistische Annexionsziele<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten im August 1914 war die SPD nach einer l\u00e4ngeren Wandlungsphase endg\u00fcltig zu einer b\u00fcrgerlichen Arbeiterpartei geworden. Auf diesem Boden teilte ihre F\u00fchrung im Grundsatz auch die Kriegsziele des b\u00fcrgerlichen Lagers. \u00d6ffentlich trat sie nicht f\u00fcr Annexionen ein, &#8222;aber intern hat eine erhebliche Zahl ihrer f\u00fchrenden K\u00f6pfe &#8218;ma\u00dfvolle Kriegsziele&#8216; zumindest stillschweigend hingenommen, manche haben sie auch bejaht, um so st\u00e4rker, je weiter rechts sie standen.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom 2.-19.Juni fand in Stockholm eine internationale Sozialistenkonferenz zum Frieden statt, zu der eine Reihe f\u00fchrender SPD-Mitglieder reiste. Anders als die franz\u00f6sische und britische Regierung, die ihren sozialistischen Abgeordneten die Reisep\u00e4sse verweigerten, unterst\u00fctzte der deutsche Kanzler die Teilnahme der SPD-Politiker, weil er nach einer Friedensm\u00f6glichkeit suchte. Als David und Scheidemann ihm nach ihrer R\u00fcckkehr \u00fcber die Konferenz berichteten und die Lage in Deutschland besprachen, bat der Kanzler die SPD-Politiker um eine Denkschrift f\u00fcr das milit\u00e4rische Hauptquartier.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In dem von Eduard David verfassten Text wurde neben der Forderung nach gleichen staatsb\u00fcrgerlichen Rechten, d.h. nach Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts, die Notwendigkeit eines Friedensschlusses betont. Allerdings muss man dabei auf die Wortwahl achten. Zwar wurde die Petersburger Formel &#8222;Friede ohne Annexionen und Kontributionen&#8220; erw\u00e4hnt, doch findet sich kein Satz, dass Deutschland alle besetzten Gebiete zur\u00fcckgeben m\u00fcsse. Insbesondere wird nichts zur Unabh\u00e4ngigkeit Belgiens gesagt, obwohl die SPD-F\u00fchrung wusste, dass ohne dies kein Friedensschluss mit den Westm\u00e4chten m\u00f6glich war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stattdessen wandte sich die Schrift gegen das &#8222;Festhalten an Kriegszielen, die \u00fcber das eigene Recht und zugleich \u00fcber das Erreichbare hinausgehen&#8220;, und fuhr fort, &#8222;dass das deutsche Volk um nichts anderes k\u00e4mpft als um sein nationales Recht auf Leben und Entwicklung.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a> Aus dem Jargon der Zeit in die politische Realit\u00e4t \u00fcbersetzt, verbarg sich hinter dem &#8222;nationalen Recht auf Leben und Entwicklung &#8220; der Anspruch auf eine Vergr\u00f6\u00dferung Deutschlands in Europa und durch Kolonien, w\u00e4hrend der Hinweis auf das Erreichbare <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>realistische<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Annexionsziele anstelle der Eroberungsphantasien der Alldeutschen anmahnte. Die hier formulierte Position ist der Boden, von dem aus die SPD-F\u00fchrung in der Julikrise ihre Politik betrieb.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Abwendung von Bethmann<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die nach der russischen Februarrevolution im Fr\u00fchjahr\/Fr\u00fchsommer 1917 einsetzende Linkswendung der Arbeitermassen, die zur Gr\u00fcndung der USPD und dem massenhaften \u00dcbertritt sozialdemokratischer Parteimitglieder f\u00fchrte, stellte eine wachsende Gefahr f\u00fcr die Sozialdemokratie ebenso wie f\u00fcr die Fortsetzung des Kriegs dar, wenn nicht gar eine Revolution drohte. Als die SPD-F\u00fchrung ank\u00fcndigte, die n\u00e4chsten Kriegskredite zu verweigern, wenn die Regierung nicht ihre Kriegsziele benannte und demokratische Reformen zusagte, tat sie das nicht aus freien St\u00fccken, denn einen Bruch des Burgfriedens fasste sie zu keinem Zeitpunkt ernsthaft ins Auge. Die Drohung diente vielmehr der Beruhigung ihrer Anh\u00e4nger und war gleichzeitig ein Alarmruf an die Adresse der anderen Parteien und der Regierung, gemeinsam einen Weg zur Wiedereinbindung der Arbeitermassen zu finden. Dieser Alarmruf \u00fcberschnitt sich mit dem zur selben Zeit von Bethmann unternommenen Versuch, mit Hilfe der p\u00e4pstlichen Friedensinitiative den Krieg zu beenden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus Sicht der SPD war Bethmann eigentlich kaum zu kritisieren. Er hatte vor dem Krieg als erster Kanzler die Ausgrenzung der Arbeiterpartei beendet und nach ihrem Wahlsieg 1912 alle Forderungen nach einem neuen Sozialistengesetz zur\u00fcck gewiesen, war im Krieg weiter auf sie zugegangen, hatte die Parlamentarisierung eingeleitet und die Regierungsf\u00e4higkeit der SPD akzeptiert. Gleichzeitig stand er in offenem Konflikt mit der OHL, den Konservativen und den Annexionisten und setzte soeben die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen durch. Da es unter den gegebenen Umst\u00e4nden ausgeschlossen war, dass bei einem R\u00fccktritt ein &#8222;demokratischerer&#8220; Kanzler seine Stelle einnehmen w\u00fcrde, h\u00e4tte die SPD im Prinzip mit allen Kr\u00e4ften f\u00fcr ihn eintreten m\u00fcssen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sein Verh\u00e4ngnis war die Entscheidung zum Abschluss eines Verzichtfriedens. Wenn man wie die SPD-F\u00fchrung weiterhin auf ein gr\u00f6\u00dferes und st\u00e4rkeres Deutschlands setzte und einen Sieg f\u00fcr m\u00f6glich hielt, musste der friedensbereite Kanzler trotz aller sonstigen Verdienste fallen. Mit Hilfe der ins Spiel gebrachten Friedensresolution des Reichstags musste dann nicht nur die Arbeiterschaft ruhig gestellt werden, um die n\u00e4chsten Kriegskredite bewilligen zu k\u00f6nnen, sondern auch der Sturz Bethmanns bewerkstelligt werden. Nur so l\u00e4sst sich das Verhalten der SPD-F\u00fchrung erkl\u00e4ren. Den Auftakt machte Erzbergers Rede am 6.Juli im Reichstags-Hauptausschuss, die sogleich von Stresemann aufgenommen und in die Forderung nach R\u00fccktritt des Reichskanzlers umgem\u00fcnzt wurde. Am Tag danach sollte der Regierungswechsel dann zwischen der OHL einerseits sowie <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ebert, Scheidemann<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erzberger und Stresemann andererseits <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">pers\u00f6nlich<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> besprochen werden<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, wie oben dargelegt<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Keine offene Mitwirkung in einer Kriegsregierung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem das Treffen mit Hindenburg und Ludendorff aufgrund<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Intervention des Kaisers <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ausgefallen war, traf David in den darauf folgenden Tagen in Berlin mit Oberstleutnant Haeften von der OHL zusammen, um die Kanzlerschaft B\u00fclows zu besprechen. Dabei verlangte er u.a., dass der Sturz Bethmanns von der OHL ausgehen m\u00fcsse.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dass die SPD nach <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bethmanns Initiative zur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen nicht seinen Sturz initiieren konnte, lag auf der Hand. Im Gegenteil konnte sie es sich sogar leisten, dem Schein nach an Bethmann festzuhalten, nachdem die notwendige Parlamentsmehrheit gegen den Kanzler durch das Zentrum sichergestellt war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bevor es <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">am 12.Juli dann <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">zu dem entscheidenden Treffen beim Kronprinzen kam, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">beriet die Parteif\u00fchrung \u00fcber die vorgesehene Regierungsbeteiligung der SPD. Die Brisanz eines Eintritts Davids in ein Kabinett B\u00fclow lag darin, dass die SPD damit offen die Mitverantwortung f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Kriegs \u00fcbernommen h\u00e4tte. Das aber h\u00e4tte zu einem weiteren Vertrauensverlust in der Arbeiterschaft gef\u00fchrt, den man durch die Friedensresolution gerade umkehren wollte<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um diesem Dilemma zu entgehen,<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> wurde be<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">schlossen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">, auf eine formelle Regierungsbeteiligung zu verzichten<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">David erhielt also kein gr\u00fcnes Licht f\u00fcr den geplanten Regierungseintritt, und das ist<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Grund f\u00fcr den Eiertanz, den er beim Kronprinzen auff\u00fchrte. Er teilte mit, dass seine Partei von sich aus nicht den Sturz Bethmanns verlangen w\u00fcrde, gleichzeitig machte er deutlich, dass der R\u00fcckhalt nicht ernstlich war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Weil die SPD auch danach nicht offen in einem Kriegskabinett mitwirken konnte, wiederholte sich dasselbe Politikmuster drei Monate sp\u00e4ter beim Kanzlerwechsel von Michaelis zu Hertling. Die SPD entsandte keinen Vertreter in die neue Regierung, sondern sicherte Hertling nur den parlamentarischen R\u00fcckhalt zu und verlangte, dass der Fortschrittsvorsitzende Payer Vizekanzler werde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a> So lange der Krieg andauerte, musste sie auf einen Regierungseintritt verzichten, wenn sie ihren Einfluss in der Arbeiterschaft behalten wollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein abgekartetes Spiel<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass die hier dargelegten Schritte der Parteien von der Drohung mit der Aufk\u00fcndigung des Burgfriedens bis zum Sturz des Kanzlers und der Fortsetzung des Kriegs zwischen der SPD-Spitze, Erzberger und Stresemann abgesprochen waren, l\u00e4sst sich dokumentarisch nicht belegen. Allerdings sprechen der Ablauf der Ereignisse, die gemeinsamen Kontakte zur OHL, die \u00fcbereinstimmende Begr\u00fcndung f\u00fcr den Kanzlersturz, die Vereinbarungen zur Regierungsneubildung unter B\u00fclow sowie die gemeinschaftliche Zur\u00fcckweisung der p\u00e4pstlichen Friedensinitiative f\u00fcr eine solche Deutung. Das hei\u00dft, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>das politische &#8222;Bravourst\u00fcck&#8220;, durch das der friedensbereite Kanzler mit Hilfe einer Friedensresolution gest\u00fcrzt wurde, geht nicht nur auf das Konto Erzbergers, sondern auf ein Gemeinschaftskonto, an dem die SPD-F\u00fchrung ma\u00dfgeblich beteiligt<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> war \u2013 wenn sie die ganze Aktion nicht sogar initiiert hatte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwischen Mehrheitsparteien und OHL war vermutlich auch abgesprochen worden, dass die OHL die Schritte zur Parlamentarisierung tolerierte, w\u00e4hrend die Mehrheitsparteien umgekehrt f\u00fcr die Dauer des Kriegs die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen hintanstellten. Wenn die SPD-F\u00fchrung gewollt h\u00e4tte, h\u00e4tte sie mit Hilfe der anderen IFA-Parteien das Ende des Dreiklassenwahlrechts in Preu\u00dfen ebenso erzwingen k\u00f6nnen, wie sie die Abl\u00f6sung von Michaelis erzwang, notfalls unterst\u00fctzt durch die Drohung, den Burgfrieden aufzuk\u00fcndigen. Doch weder parlamentarisch noch au\u00dferparlamentarisch unternahm sie etwas, um die Zusage des K<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">aisers durchzusetzen. Sie nahm die Verschleppungstaktik des preu\u00dfischen Abgeordnetenhauses unter lediglich verbalem Protest hin, war damit einverstanden, das Problem von Neuwahlen der OHL zur Entscheidung vorzulegen und akzeptierte deren Schiedsspruch anschlie\u00dfend, weil die zu diesem Zeitpunkt gerade stattfindenden Entscheidungsk\u00e4mpfe im Westen keine gr\u00f6\u00dferen Massenbewegungen bef\u00fcrchten lie\u00dfen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In diese Politik ordnet sich auch der Einsatz zur materiellen Sicherstellung der letzten Kriegsanstrengungen ein. Nachdem zur Jahreswende 1917\/18 trotz des Zusammenbruchs Russlands nicht absehbar war, wann der Krieg zu Ende gehen w\u00fcrde, aber Hunger und Entbehrungen zunahmen und das gleiche Wahlrecht in Preu\u00dfen immer noch nicht verabschiedet war, trat Ende Januar 1918 etwa eine Million Arbeiter unter der Parole &#8222;Frieden und Brot&#8220; in den Streik. Da der Streik einen Schwerpunkt in der R\u00fcstungsindustrie hatte, drohte die Munitionsversorgung der Truppen in Gefahr zu geraten. Doch flankiert durch die Anwendung des Kriegsrechts gelang es den drei sozialdemokratischen F\u00fchrungsmitgliedern, die in die Streikleitung eintraten (Ebert, Scheidemann, Otto Braun), den Streik zu beenden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dasselbe Politikmuster wie bei der Regierungsbildung wiederholte sich bei der Abstimmung des Reichstags \u00fcber den Friedensvertrag von Brest-Litowsk. W\u00e4hrend sich die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">anderen IFA-Parteien <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">offen zu dem Diktatfrieden bekannten und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">f\u00fcr den Vertrag stimmten, enthielten sich die SPD-Abgeordneten <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">unter R\u00fccksichtnahme auf ihre Anh\u00e4ngerschaft <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">der Stimme. Die USPD-Abgeordneten stimmten dagegen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Fortschreitender Zerfall der Gesellschaft<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Abgesehen von der Verl\u00e4ngerung des Kriegs hatte diese Politik weitreichende innenpolitische Auswirkungen. 1909 war das Herrschaftsb\u00fcndnis von Junkertum und Bourgeoisie in einem Steuerstreit \u00fcber die Finanzierung der b\u00fcrgerlichen Schlachtflotte, das milit\u00e4rische R\u00fcckgrat der Weltpolitik, auseinander gebrochen. Anschlie\u00dfend war es der Schwerindustrie nicht mehr gelungen, die ma\u00dfgebliche Partei der Bourgeoisie zur\u00fcck in ein neues B\u00fcndnis gegen die Arbeiterbewegung zu f\u00fchren, weil zur selben Zeit das Voranschreiten des Reformismus in der Sozialdemokratie die Revolutionsfurcht des B\u00fcrgertums zur\u00fcck gehen lie\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a> Allerdings war wegen der Unsicherheiten der SPD-Entwicklung auch keine Mehrheit f\u00fcr ein Zusammengehen mit der Arbeiterpartei zustande gekommen (das sog. &#8222;B\u00fcndnis von Bassermann bis Bebel&#8220;), so dass eine gesellschaftspolitische H\u00e4ngepartie die Folge war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Folgezeit blockierten die im Parlament immer h\u00e4ufiger isolierten Konservativen, gest\u00fctzt auf ihre Machtpositionen in der Gesellschaft, jedweden Schritt zu demokratischen oder sozialen Reformen, legten die Regierung lahm und trieben den Staat in eine innenpolitische Dauerkrise, bis die nicht ausgetragenen Gegens\u00e4tze schlie\u00dflich in den Gro\u00dfen Krieg von 1914 m\u00fcndeten. Nunmehr brachte der Sommer 1917 die Gelegenheit, durch die Entmachtung der junkerlichen Reaktion nicht nur au\u00dfenpolitisch zum Frieden zu gelangen, sondern auch im Innern eine neue, b\u00fcrgerlich-sozialdemokratische Hegemonie zu begr\u00fcnden, \u00e4hnlich dem Klassenkompromiss der &#8222;Sozialpartnerschaft&#8220;, der nach dem 2.Weltkrieg in Westdeutschland zustande kam. Doch indem die IFA-Parteien unter Einschluss der Nationalliberalen den Kanzler st\u00fcrzten, perpetuierten sie die Fortdauer der inneren Krisenkonstellation.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf der einen Seite verharrten die Kr\u00e4fte der alten Ordnung ungebrochen in ihrer Stellung. Dass sie die begrenzte Parlamentarisierung duldeten, war eine Konzession, um den Krieg fortzuf\u00fchren. Dasselbe galt umgekehrt f\u00fcr den vor\u00fcbergehenden Verzicht der linksb\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte auf die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen. Jenseits dieser kriegsbedingten taktischen Zugest\u00e4ndnisse waren die Gegens\u00e4tze zwischen den beiden Bl\u00f6cken un\u00fcberbr\u00fcckbar. Nach dem erhofften Sieg Deutschlands musste das Junkertum bei Strafe des Untergangs versuchen, das allgemeine Reichstagswahlrecht einzuschr\u00e4nken bzw. anstelle des Reichstags eine andere Form der Volksvertretung zu etablieren, um seine Macht zu erhalten. Umgekehrt w\u00fcrden die IFA-Parteien daran gehen, das alte Wahlrecht in Preu\u00dfen zu beseitigen und die Parlamentarisierung zu Ende zu f\u00fchren; dar\u00fcber hinaus verlangte die SPD den Ausbau sozialer Rechte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwischen diesen kontr\u00e4ren Kr\u00e4ften verharrte die b\u00fcrgerliche F\u00fchrungspartei im Spagat. W\u00e4hrend der rechte, montanindustrielle Fl\u00fcgel der Nationalliberalen entschlossen war, das weitere Vordringen der Arbeiterbewegung mit allen Mitteln zu verhindern und ein neues B\u00fcndnis mit der Junkerpartei zu schlie\u00dfen, war ihr linker Fl\u00fcgel gewillt, endg\u00fcltig mit den Konservativen zu brechen und mit den Mehrheitsparteien inklusive der SPD zusammen zu gehen. Das wechselhafte Verh\u00e4ltnis der Parteispitze um Gustav Stresemann zum Interfraktionellen Ausschuss und sp\u00e4ter zur Republikgr\u00fcndung brachte diese innere Zerrissenheit zum Ausdruck.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ungel\u00f6st wie die inneren Widerspr\u00fcche blieben, begannen sich au\u00dferdem mit der Fortdauer des Kriegs neue politische Fl\u00fcgelkr\u00e4fte herauszubilden. Rechts offenbarte der Zulauf zur Vaterlandspartei die beginnende Losl\u00f6sung von Teilen des Kleinb\u00fcrgertums aus den traditionellen Bindungen. Gleichzeitig formierte sich auf der entgegengesetzten Seite des politischen Spektrums der Keim der k\u00fcnftigen KPD innerhalb der USPD.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Sobald der Krieg vorbei war, mussten sich die zunehmenden Spannungen mit Notwendigkeit entladen. Je nachdem ob ein Sieg oder eine Niederlage am Ende stand, w\u00fcrden die Bedingungen f\u00fcr die Austragung der Konflikte unterschiedlich ausfallen, doch an der Sache w\u00fcrde sich dadurch nichts \u00e4ndern.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>V. <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Eine historische Scharade<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach Gr\u00fcndung der Republik hatten die ma\u00dfgeblichen Akteure Grund genug, ihre Rolle bei der Verl\u00e4ngerung des Kriegs zu vertuschen. Die Kriegserinnerungen Erzbergers und Scheidemanns legen davon Zeugnis ab und dokumentieren gleichzeitig, wie es gelingen konnte, die Geschichte weich zu zeichnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das Dilemma Erzbergers<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erzberger, inzwischen Finanzminister, wurde von der Rechten als Vaterlandsverr\u00e4ter angegriffen, weil er nicht nur den Waffenstillstand von Compi\u00e8gne unterzeichnet hatte, sondern bereits mit der Friedensresolution gemeinsame Sache mit dem Feind gemacht habe und der k\u00e4mpfenden Truppe in den R\u00fccken gefallen sei. Angeheizt wurden die Schm\u00e4hungen durch Ludendorff, der es unbeirrt unternahm, die Kriegsniederlage auf Bethmann Hollweg, die Demokratie und die Mehrheitsparteien zu schieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Attacken brachten Erzberger in ein unerfreuliches Dilemma, denn er konnte sein Zusammenwirken mit der OHL beim Sturz Bethmanns nicht offenlegen, ohne als betrogener Betr\u00fcger da zu stehen. Seine 1920 ver\u00f6ffentlichten &#8222;Erlebnisse im Weltkrieg&#8220; enthalten keine Tatsachen, die ihn kompromittieren konnten. So nannte er B\u00fclow als Wunschkandidaten der OHL f\u00fcr den Kanzlerposten, ohne eine Andeutung zu machen, dass er selber es gewesen war, der seine Kandidatur gemeinsam mit Stresemann, David und der Milit\u00e4rf\u00fchrung geplant hatte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht anders verh\u00e4lt es sich mit seiner Darstellung der eigenen Rolle beim Scheiternlassen der p\u00e4pstlichen Friedensinitiative. Mitte 1919 behauptete er, der Reichskanzler Michaelis habe den ahnungslosen Reichstag \u00fcber den Inhalt seiner Antwort get\u00e4uscht und durch das Nicht-Eingehen auf die belgische Frage den Fehlschlag der Friedensbem\u00fchungen herbei gef\u00fchrt. Tats\u00e4chlich war Erzberger jedoch als einer der wichtigsten Mittelsm\u00e4nner des Ausw\u00e4rtigen Amts bei der Behandlung der p\u00e4pstlichen Friedensaktion \u00fcber alle Vorg\u00e4nge auf dem laufenden gewesen und hatte der Hinhaltetaktik der Regierung Michaelis zusammen mit dem Siebenerausschuss des Reichstags ausdr\u00fccklich zugestimmt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1920 kam es zu einem Verleumdungsprozess, in dem u.a. Erzbergers Rolle in der Julikrise 1917 zur Sprache kam. Der ehemalige Staatssekret\u00e4r im Reichsschatzamt Karl Helfferich hatte ihn \u00f6ffentlich der politischen Korruption und Charakterlosigkeit beschuldigt, weshalb der Angegriffene eine Beleidigungsklage gegen ihn anstrengte. In dem Verfahren stellte das Gericht fest, dass die Tatsachenbehauptungen Helfferichs gro\u00dfenteils zutreffend waren und bescheinigte dem Zentrumsf\u00fchrer einen notorischen Hang zur Unwahrhaftigkeit. Was den Kanzlersturz betrifft, kam es zu dem Ergebnis, dass Erzberger entgegen seiner Behauptungen die Regierung vorher nicht von der Friedensresolution informiert hatte und sich am Tag nach seiner Friedensrede, also am 7.\u00a0Juli, mit Oberstleutnant Bauer von der OHL sowie Gustav Stresemann getroffen hatte, um den Kanzlerwechsel und die Nachfolgefrage zu besprechen; seine Aussage, er habe dem Kanzler durch die Friedensresolution eine stabile Mehrheit verschaffen wollen, war nach \u00dcberzeugung des Gerichts erwiesenerma\u00dfen falsch.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Scheidemann als &#8222;Genie der Verschleimung&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie Erzberger hatte auch Scheidemann nach dem verlorenen Krieg allen Grund, seine eigene Rolle und die der sozialdemokratischen Parteif\u00fchrung zu verharmlosen. Dieses Bem\u00fchen kennzeichnet sowohl seine gleich nach dem Krieg ver\u00f6ffentlichte Schrift &#8222;Der Zusammenbruch&#8220; als auch die 1928 erschienenen &#8222;Memoiren eines Sozialdemokraten&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits den Zeitgenossen erschien es merkw\u00fcrdig, wie unt\u00e4tig der Reichstag geblieben war, nachdem er mit der Friedensresolution und dem Kanzlerwechsel seine St\u00e4rke demonstriert hatte. Als das Parlament der Republik einen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Untersuchungsausschuss zum Weltkrieg <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">einsetzte, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">konstatierte der Sachverst\u00e4ndige <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Prof.\u00a0Bredt in seinem Gutachten zur innenpolitischen Entwicklung w\u00e4hrend des Kriegs, dass nicht nachvollziehbar sei, wieso der Reichstag von der Macht, \u00fcber die er verf\u00fcgte, keinen Gebrauch gemacht habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In seinen Memoiren setzte Scheidemann sich mit diesem Befund auseinander und rechtfertigte die Passivit\u00e4t u.a. mit der &#8222;ungl\u00fcckseligen Parteienzerkl\u00fcftung&#8220;, ohne hierzu n\u00e4here Ausf\u00fchrungen zu machen. In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl die Friedensresolution als auch der Kanzlersturz das Resultat des Zusammenwirkens mehrerer Parteien war, ist auch schwer erkl\u00e4rbar, wieso dieselbe Parteienzerkl\u00fcftung anschlie\u00dfend in eine Dauerl\u00e4hmung m\u00fcnden konnte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ansonsten hielt er dem Urteil des Sachverst\u00e4ndigen entgegen, dass Bethmann das parlamentarische Regime eigentlich schon 1912 (nach dem Reichstagswahlsieg der SPD) h\u00e4tte einf\u00fchren m\u00fcssen, nur sei &#8222;der psychologische Moment&#8220; daf\u00fcr &#8222;leider verpasst&#8220; worden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a> Doch was f\u00fcr ein Moment soll das gewesen sein? Scheidemann wusste genau, dass jeder Reichskanzler, der 1912 versucht h\u00e4tte, die Verantwortlichkeit des Reichstags durchzusetzen, am selben Tag im Abgrund verschwunden w\u00e4re, wie Bethmann es formulierte. V\u00f6llig anders war die Lage 1917, als der Kanzler nach drei Jahren Krieg daran ging, nicht nur einen Schritt zur Parlamentarisierung zu machen, sondern vor allem die Machtstellung des Milit\u00e4radels zu brechen, um zu einem Friedensschluss zu kommen. Aber ausgerechnet in diesem &#8222;psychologischen Moment&#8220; fiel der Reichstag ihm in den R\u00fccken.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum Schicksal der preu\u00dfischen Wahlrechtsreform verlor Scheidemann in seinen Ver\u00f6ffentlichungen nach dem Krieg kein Wort. Umso ausf\u00fchrlicher lie\u00df er sich \u00fc<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ber den Umgang mit der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Friedensnote des Vatikans aus. In seinem 1921 erschienenen Buch &#8222;Der Zusammenbruch&#8220; hatte er Michaelis vorgeworfen, den Friedensversuch des Papstes hinterr\u00fccks vereitelt zu haben, weil die Regierung auf die belgische Frage nicht eingegangen sei. Dabei hatte er ebenso wie Erzberger vergessen zu erw\u00e4hnen, dass seine Partei die Antwortnote im Siebenerausschuss gutgehei\u00dfen hatte. Weil der Ex-Kanzler sich dagegen wehrte, zum Alleinschuldigen gemacht zu werden, und die Mitt\u00e4terschaft der Parteien offen legte, sah Scheidemann sich gen\u00f6tigt, in seinen 1928 erschienenen &#8222;Memoiren eines Sozialdemokraten&#8220; noch einmal zu dem Vorgang Stellung zu nehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dabei betonte er zun\u00e4chst die zu diesem Zeitpunkt allseits bekannte Tatsache, dass &#8222;gar kein Zweifel dar\u00fcber bestehen (konnte), dass eine vollkommen eindeutige Erkl\u00e4rung Deutschlands \u00fcber die Herausgabe Belgiens Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen der p\u00e4pstlichen Unternehmung war.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a> Sodann f\u00fchrte er auf \u00fcber 20 Seiten mit zahlreichen Nachweisen aus, dass die SPD eigentlich immer f\u00fcr &#8222;eine bestimmte Erkl\u00e4rung&#8220; zu Belgien eingetreten sei, nur um schlie\u00dflich nebenher und in einer Form, die den Inhalt der Aussage erst nach dreimaliger Lekt\u00fcre erschlie\u00dft, mitzuteilen, dass Friedrich Ebert der Antwortnote mit der Forderung zugestimmt hatte, darin statt einer Erkl\u00e4rung zu Belgien \u2013 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>auf die Friedensresolution des Reichstags zu verweisen!<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Nach der Lekt\u00fcre dieses Sozialdemokraten l\u00e4sst sich nachvollziehen, warum David seinen Parteifreund als &#8222;Genie der Verschleimung&#8220; charakterisierte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Irref\u00fchrung der Geschichtsschreibung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der Gr\u00fcndung des Interfraktionellen Ausschusses am 6.Juli 1917 schien die demokratische Reichstagsmehrheit sich ihrer St\u00e4rke bewusst geworden zu sein und daran zu gehen, die Verantwortung f\u00fcr die Reichspolitik in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen. Machtpolitisch unge\u00fcbt und \u00fcberfordert, lie\u00dfen die Parlamentarier sich jedoch <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;durch Hindenburg, Ludendorff und Kronprinz Wilhelm \u00fcberrumpeln und gegen den Reichskanzler ausspielen&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a> Die hier mit den Worten M\u00fcnklers wieder gegebene Beschreibung entspricht dem g\u00e4ngigen Urteil der Historiographie. Es unterstellt eine demokratische Reichstagsmehrheit, die keine parlamentarische \u00dcbung hatte, den Umgang mit der Macht nicht gewohnt war und den Machenschaften ihrer reaktion\u00e4ren Gegner hilflos gegen\u00fcber stand.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dass die von den Vertretern der Mehrheitsparteien aufgef\u00fchrte Scharade einer genasf\u00fchrten Versammlung naiver Parlamentarier so geschichtsbildpr\u00e4gend werden konnte, h\u00e4ngt mit den Angriffen der Rechten auf die Tr\u00e4ger des Weimarer Staates zusammen. Nicht nur die Vertreter von SPD und Zentrum hatten kein Interesse daran, die Hintergr\u00fcnde der Julikrise aufzudecken, sondern auch die Akteure der OHL. Sie f\u00fchrten den Kampf gegen die demokratische Republik und taten alles, um die &#8222;Novemberverbrecher&#8220; als Schuldige an der Niederlage zu verunglimpfen. H\u00e4tten sie ihr Zusammenwirken mit den Parteif\u00fchrern beim Sturz Bethmanns und der Fortsetzung des Kriegs an die gro\u00dfe Glocke geh\u00e4ngt, h\u00e4tten sie ihrer Kampagne selber den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen. Insbesondere die Jahre der NS-Herrschaft sorgten schlie\u00dflich daf\u00fcr, dass sich der Mantel des Vergessens \u00fcber die tats\u00e4chlichen Abl\u00e4ufe in der Julikrise 1917 breitete und die Unschuldsbehauptungen der handelnden Politiker, mit denen sie ihre Verantwortung f\u00fcr die Weichenstellung von 1917 zu verwischen suchten, eine unverdiente Glaubw\u00fcrdigkeit erhielten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn wir den damaligen Ereignissen auf den Grund gehen, offenbart sich die Julikrise 1917 als erbitterter Kampf um bzw. gegen einen vorzeitigen Verzichtfrieden ohne Sieger und Besiegte, den der damalige Kanzler schlie\u00dfen wollte, der aber nicht nur bei der Milit\u00e4rf\u00fchrung und den Konservativen auf Widerstand stie\u00df, sondern auch bei den demokratischen Mehrheitsparteien, die davon ausgingen, dass Deutschland in dem bis jetzt unentschieden gebliebenen Ringen den l\u00e4ngeren Atem haben w\u00fcrde, und sich daf\u00fcr entschlossen, den Krieg weiter zu f\u00fchren.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Soweit in diesem Geschehen jemand &#8222;ausgespielt&#8220; wurde, waren das keine \u00fcberforderten Parlamentarier, sondern war es Bethmann Hollweg, der in einem zwischen den Parteipolitikern und der OHL abgekarteten Spiel sein Amt verlor. Die einzige &#8222;\u00dcberrumpelung&#8220; in diesem Spiel war die Weigerung des Kaisers, den f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung des Kriegs vorgesehenen F\u00fcrst B\u00fclow zum Regierungschef zu machen, so dass die Kanzlerst\u00fcrzer mit Michaelis als dritter Wahl vorlieb nehmen mussten \u2013 und die Erkenntnis der Zusammenh\u00e4nge bis heute hin erschwert wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schluss: <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>eine unselige Grundsteinlegung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier angelangt, l\u00e4sst sich nunmehr die Eingangsfrage beantworten. Es stimmt, dass mit der Bildung des Interfraktionellen Ausschusses am 6.Juli 1917 der Grundstein f\u00fcr die Republik von Weimar gelegt wurde. Doch was war das f\u00fcr eine Grundsteinlegung?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um den von ihm angestrebten Friedensschluss innenpolitisch abzusichern, ging Bethmann daran, die konservativ-junkerliche Reaktion zu entmachten und leitete die Einf\u00fchrung des gleichen Wahlrechts in Preu\u00dfen ein. Damit unternahm er es, den Fluch des Bismarck-Reichs abzusch\u00fctteln und Deutschland eine neue gesellschaftspolitische Grundlage zu verschaffen. Vor diesem Hintergrund ist die Politik der Mehrheitsparteien zu bewerten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Was dem IFA als Verdienst zugeschrieben wird, waren die Schritte zur Parlamentarisierung, f\u00fcr die der Kanzler den Weg frei gemacht hatte. Ansonsten bestand das Verdienst der Parteien darin, die von Bethmann in Gang gesetzte Umw\u00e4lzung der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse aufzuhalten, da sie f\u00fcr den von ihnen gewollten Sieg Deutschlands auf die OHL setzten und die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche innere Geschlossenheit sicherstellen wollten. Entkleidet aller Besch\u00f6nigungen und Irref\u00fchrungen enth\u00fcllt sich die &#8222;revolution\u00e4re Tat&#8220; der IFA-Gr\u00fcndung so als Akt der Konterrevolution, der die bereits angeschlagene Machtstellung der vorb\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte noch einmal befestigte und zum Ausgangspunkt der Klassenkonflikte des kommenden Zeitabschnitts wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Republik, die anderthalb Jahre sp\u00e4ter aus der Kriegsniederlage hervor ging, wurde nicht erst durch die Vers\u00e4umnisse bei ihrer Gr\u00fcndung belastet. Diese Vers\u00e4umnisse gr\u00fcnden sich vielmehr auf das reaktion\u00e4re B\u00fcndnis, das die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte und der rechte Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung im Sommer 1917 mit der preu\u00dfischen Junkerkaste eingingen. Der Gesellschaftsvertrag, der 1918\/19 auf dieser Basis zustande kam, war von Anfang an faul, und im Abstand von bald hundert Jahren erscheint es mit Blick auf das herannahende Jubil\u00e4um der Republikgr\u00fcndung um so dringender, sich der tats\u00e4chlichen historischen Zusammenh\u00e4nge bewusst zu werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mai 2015<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Literatur<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Udo <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bermbach<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Vorformen parlamentarischer Kabinettsbildung in Deutschland. Der Interfraktionelle Ausschuss 1917\/18 und die Parlamentarisierung der Reichsregierung; K\u00f6ln-Opladen 1967<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Theodor von <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Bethmann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Hollweg: Betrachtungen zum Weltkriege (Memoiren). <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>1.Teil<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Vor dem Kriege, Berlin 1919; <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>2.Teil<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Im Kriege, Berlin 1921<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">John P.<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Birkelund<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Gustav Stresemann. Patriot und Staatsmann; Hamburg 2003<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eduard <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>David<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Das Kriegstagebuch des Reichstagsabgeordneten Eduard David 1914 bis 1918, bearbeitet und hrsg. von Susanne Miller und Erich Matthias; D\u00fcsseldorf 1966<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Klaus <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Epstein<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Matthias Erzberger und das Dilemma der deutschen Demokratie; Frankfurt u.a. 1976<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fritz <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Fischer<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914\/18; D\u00fcsseldorf 1967<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\">Hans Wilhelm <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\"><b>Gatzke<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\">, Germanys Drive to the West. A Study of Germanys Western War Aims during the First World War, Baltimore 1950; Zitate im Text: eigene \u00dcbersetzung<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ernst Rudolf <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Huber<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789; Band V: Weltkrieg, Revolution und Reichserneuerung 1914 \u2013 1919; Stuttgart u.a. 1978<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\">Konrad <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\"><b>Jarausch<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><span lang=\"en-US\">: The Enigmatic Chancellor: Bethmann Hollweg and the Hubris of Imperial Germany, 1856\u20131921.<\/span><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">New Haven 1973 <\/span><\/span><\/p>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Heiner <\/span><span style=\"font-size: large;\">Karuscheit<\/span><span style=\"font-size: large;\">: Deutschland 1914. Vom Klassenkompromiss zum Krieg; Hamburg 1914<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Peter Graf <\/span><span style=\"font-size: large;\">Kielmannsegg<\/span><span style=\"font-size: large;\">: Deutschland und der Erste Weltkrieg; Frankfurt\/M 1968<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Annika <\/span><span style=\"font-size: large;\">Klein<\/span><span style=\"font-size: large;\">: Korruption und Korruptionsskandale in der Weimarer Republik, G\u00f6ttingen 2014; im Internet unter &lt;www.books.google.de&gt;<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Wilfried<\/span><span style=\"font-size: large;\"> Loth: <\/span><span style=\"font-size: large;\">Katholiken im Kaiserreich. <\/span><span style=\"font-size: large;\">Der politische Katholizismus in der Krise des wilhelminischen Deutschlands (= <\/span><span style=\"font-size: large;\">Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, <\/span><span style=\"font-size: large;\">Band 75); D\u00fcsseldorf 1984<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Erich <\/span><span style=\"font-size: large;\">Ludendorff<\/span><span style=\"font-size: large;\">: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918; Berlin 1919<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wolfgang J. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Mommsen<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: B\u00fcrgerstolz und Weltmachtstreben. Deutschland unter Wilhelm II. 1890 bis 1918; Berlin 1995<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Herfried <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>M\u00fcnkler<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Der Gro\u00dfe Krieg. Die Welt 1914-1918; Berlin 2013<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Friedrich <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Payer<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Von Bethmann Hollweg bis Ebert. Erinnerungen und Bilder; Frankfurt 1923<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kurt <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Riezler<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Tageb\u00fccher, Aufs\u00e4tze, Dokumente; hrsg. von Karl Dietrich Erdmann, G\u00f6ttingen 1972<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gerhard <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ritter<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des &#8222;Militarismus&#8220; in Deutschland, dritter Band: Die Trag\u00f6die der Staatskunst. Bethmann Hollweg als Kriegskanzler (1914-1917); M\u00fcnchen 1964<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Arthur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Rosenberg<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik (Teil 1 und 2 in einem Band); Frankfurt 1983<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Philipp <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Scheidemann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Der Zusammenbruch; Berlin 1921<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Philipp <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Scheidemann<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Memoiren eines Sozialdemokraten, in 2 B\u00e4nden; Dresden 1928<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ren\u00e9 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schlott<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Die Friedensnote Papst Benedikts XV vom 1.August 1917. Eine Untersuchung zur Berichterstattung und Kommentierung in der zeitgen\u00f6ssischen Berliner Tagespresse; Hamburg 2007<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hagen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Schulze<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Weimar. Deutschland 1917-1933; M\u00fcnchen 1982<\/span><\/span><\/p>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">Urkunden<\/span><span style=\"font-size: large;\"> der Obersten Heeresleitung \u00fcber ihre T\u00e4tigkeit 1916-1918, hrsg. von Erich Ludendorff; Berlin 1920<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\">HansUlrich <\/span><span style=\"font-size: large;\">Wehler<\/span><span style=\"font-size: large;\">: Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 4. Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gr\u00fcndung der beiden deutschen Staaten, 1914 bis 1949; M\u00fcnchen 2003<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">G\u00fcnter <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Wollstein<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: Theobald von Bethmann Hollweg. Letzter Erbe Bismarcks, erstes Opfer der Dolchsto\u00dflegende; G\u00f6ttingen-Z\u00fcrich 1995<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hans-G\u00fcnter <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zmarzlik<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bethmann Hollweg als Reichskanzler 1909\u20131914. Studien zu M\u00f6glichkeiten und Grenzen seiner innerpolitischen Machtstellung<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> (=\u00a0<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beitr\u00e4ge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Bd.\u00a011); D\u00fcsseldorf 1957<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Schulze, S.\u00a0143<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rosenberg 1, S.\u00a0147<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der Reichstag umfasste 397 Mandate. Seit der Wahl 1912 hatten die beiden konservativen Parteien zusammen 57 Sitze; die Nationalliberalen 45, das Zentrum 91, die Fortschrittspartei 42 und die SPD 110 Sitze; der Rest verteilte sich auf kleinere Gruppierungen wie die Parteien der Polen, Els\u00e4sser etc. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Lediglich zum IFA existiert eine \u2013 nicht sehr ergiebige \u2013 Dissertation von Bermbach<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der vorliegende Beitrag ist Teil einer in Arbeit befindlichen Ver\u00f6ffentlichung \u00fcber die Weimarer Republik in Fortsetzung des vor kurzem erschienenen Buchs &#8222;Deutschland 1914 \u2013 Vom Klassenkompromiss zum Krieg&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zu dem Friedensstiftungsversuch des Vatikans: Schlott sowie Kielmannsegg, S.\u00a0517\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jarausch, S.\u00a0230\u00a0ff; Wollstein, S.\u00a0112\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a057<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gatzke S.\u00a0292)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Birkelund, S.\u00a099\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a0209,\u00a0212\u00a0f<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> P\u00e4pstliche Friedensinitiative Benedikts XV. vom 1. August 1917, in: &#8218;Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)&#8216;, URL: &lt;www.pacelli-edition.de\/Schlagwort\/6035&gt; (Datum 2015-02-06). Gasparri war als Kardinalstaatssekret\u00e4r der oberste Diplomat des Heiligen Stuhls.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a0224<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a031; &#8222;Neuorientierung&#8220; meinte die von Bethmann betriebene Politik vorsichtiger demokratischer Reformen.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a0175<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Riezler, S.\u00a0359; Tagebucheintragung vom 14.6.1916<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bethmann 2, S.\u00a0219<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Wollstein, S.\u00a0152<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> So die Worte Wilhelms II nach dem Bericht des Kanzlers in: Bethmann 2, S.\u00a0221<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ritter, S.575<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Payer, S.30<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> zitiert in: Erzberger, S.\u00a0262<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Das Protokoll ist abgedruckt in: Urkunden der Obersten Heeresleitung, S.\u00a0408\u00a0&#8211;\u00a0411. Nur der Tatsache, dass Ludendorff das im geheimen angefertigte Protokoll als <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Urkunde der OHL<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> (!) ver\u00f6ffentlichte, ist zu verdanken, dass der Inhalt der Unterredung (dem kein Beteiligter widersprochen hat) \u00fcberhaupt bekannt geworden ist.<br \/>\nDie Geschichtswerke geben die Schl\u00fcsselszene beim Kronprinzen unterschiedlich, teils direkt falsch wieder. Am h\u00e4ufigsten findet sich die irref\u00fchrende Behauptung, dass Fortschrittspartei und SPD gleicherma\u00dfen f\u00fcr den Verbleib Bethmanns eingetreten seien. Ausweislich des Protokolls tat dies allein Payer, w\u00e4hrend der SPD-Vertreter David seine Vorbehalte mehr als deutlich machte. Wie wenig Davids Stellung ein Geheimnis war, zeigt sich daran, dass die liberale Presse ihn nach der Abdankung Bethmanns als Kanzlerst\u00fcrzer angriff, wie er selber am 17.7.1917 in seinem Kriegstagebuch notierte; David, S.\u00a0248<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Urkunden der OHL, S.\u00a0407<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Am 28. Oktober 1908 hatte die britische Zeitung Daily Telegraph gespr\u00e4chsweise \u00c4u\u00dferungen des Kaisers \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zu England abgedruckt, die voll missverst\u00e4ndlicher bis gro\u00dfm\u00e4ulig-anma\u00dfender Formulierungen waren. Das Gespr\u00e4chsmanuskript hatte der Monarch dem damaligen Kanzler B\u00fclow vorab zur Durchsicht vorgelegt und dieser hatte es zur Ver\u00f6ffentlichung frei gegeben (seiner sp\u00e4teren Behauptung nach hatte er es gar nicht gelesen). In dem anschlie\u00dfenden Sturm der \u00f6ffentlichen Kritik tat B\u00fclow zur Erbitterung des Monarchen nichts, um ihm beizustehen, sondern distanzierte sich von ihm. Als der Kanzler einige Monate sp\u00e4ter im Steuerstreit zwischen Konservativen und Liberalen die Mehrheit im Parlament verlor, entlie\u00df Wilhelm ihn daraufhin.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ludendorff, S.\u00a0363<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> zit. in: Wolfgang J.Mommsen: B\u00fcrgerstolz, S.\u00a0750<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> zum Ablauf Kielmannsegg, S.\u00a0 517\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> P\u00e4pstliche Friedensinitiative Benedikts XV. vom 1. August 1917; in: &#8218;Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)&#8216;, URL: &lt;www.pacelli-edition.de\/Schlagwort\/6035&gt; (Datum 2015-02-06)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hierzu insgesamt Huber, S.\u00a0372\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gatzke, S.\u00a0273<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kielmannsegg, S.\u00a0478<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Wehler, S.141<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gatzke, S.\u00a0193<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Epstein, S.\u00a0232<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Loth, S.\u00a0281\u00a0f<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Loth, S.\u00a0283\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Loth, S.\u00a0327, Anm.\u00a05<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Loth, S.\u00a0326<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Erzberger: Erlebnisse im Weltkrieg, S.\u00a0253<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Gatzke, S.\u00a0191<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Loth S.329<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"en-US\"> Huber, S.289<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Epstein, S.\u00a0209<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Loth, S.\u00a0329<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Epstein, S.\u00a0217<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Huber, S.\u00a0 294, 304<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Huber, S.\u00a0298<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> David, S.\u00a0242, 243; die Treffen sind in Davids Kriegstagebuch ohne Wiedergabe des Inhalts notiert.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Huber, S.\u00a0320<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Huber, S.\u00a0321<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Huber, S.\u00a0360<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Epstein, S.261<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Loth, S.\u00a0339<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Fischer, S.\u00a0149<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Scheidemann: Memoiren 2, S.\u00a024<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auszugsweiser Abdruck der Denkschrift in Scheidemann: Memoiren 2, S.\u00a024\u00a0ff; hier S.\u00a026<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Huber S.\u00a0297\u00a0f; s.a. David: Kriegstagebuch vom 10.7.1917 (Gespr\u00e4ch mit C.Hahn), S.\u00a0242<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Huber, S.\u00a0303\u00a0f<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Kielmannsegg, S.\u00a0473; Huber, S.\u00a0396<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">hierzu Karuscheit, S.\u00a0179\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Erzberger, S.\u00a0262<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Huber, S.\u00a0359\u00a0f ; Epstein, S.\u00a0241\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Klein, S.\u00a085\u00a0f; s.a. Bethmann 2, S.\u00a0231<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Scheidemann: Memoiren 2, S.\u00a023<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Scheidemann: Memoiren 2, S.\u00a063<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Scheidemann: Memoiren 2, S.\u00a080<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> David, Kriegstagebuch vom 26.6.1917, S.\u00a0237<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">M\u00fcnkler, S.635<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bis dato hat auch der Autor die Rolle der OHL beim Kanzlersturz \u00fcbersch\u00e4tzt; erst die n\u00e4here Besch\u00e4ftigung mit der Juli-Krise und die Unterscheidung zwischen Parlamentarisierung und Demokratisierung (im Sinne von Massendemokratie) hat ihn zu den hier vorgestellten Erkenntnissen gebracht.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Karuscheit Auf morschen Pfeilern Die Grundlegung der Weimarer Republik in der Julikrise 1917 Vorbemerkung Nach den Auseinandersetzungen um den Ausbruch des 1.Weltkriegs vor jetzt mehr als 100 Jahren l\u00e4sst das Herannahen des n\u00e4chsten historischen Jahrestags langsam die ersten Debatten \u00fcber die Republik von Weimar beginnen. Die Besch\u00e4ftigung damit kreiste immer schon um das Problem, &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1073\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Scheidepunkt des Ersten Weltkrieges<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1073","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1073","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1073"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1073\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1075,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1073\/revisions\/1075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1073"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}