{"id":1017,"date":"2018-01-07T12:30:28","date_gmt":"2018-01-07T11:30:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1017"},"modified":"2018-01-07T12:30:28","modified_gmt":"2018-01-07T11:30:28","slug":"hundert-jahre-russische-februarrevolution-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1017","title":{"rendered":"Hundert Jahre russische Februarrevolution"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Alfred Schr\u00f6der<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Stand der b\u00fcrgerlichen und marxistischen Publizistik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Anzahl der Publikationen zum 100. Jahrestag der russischen Revolutionen des Jahres 1917 ist bis dato bescheiden geblieben. Zwar ist es noch etwas hin bis zum Jahrestag der Oktoberrevolution, so dass es voreilig w\u00e4re, ein abschlie\u00dfendes Urteil zu Umfang und Inhalt der Ver\u00f6ffentlichungen zu treffen. Aber bereits jetzt ist un\u00fcbersehbar, dass die b\u00fcrgerliche Publizistik sich in diesem Jahr schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Geschichte ihrer Klasse besch\u00e4ftigen wird, zu deren Formierung und ideologischer Legitimierung der Beginn der Reformation vor 500 Jahren einen m\u00e4chtigen Ansto\u00df gab. Die Feiern und Ver\u00f6ffentlichungen zum sog. Luther-Jahr und dem Beginn der Reformation werden, dazu bedarf es keiner hellseherischen Gaben, auch im Oktober und November dieses Jahres den 100.\u00a0Jahrestag der Revolutionen der Arbeiter und Bauern von 1917 in allen Medien deutlich \u00fcbertrumpfen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> Dies entspricht sowohl dem Zustand der Arbeiterbewegung als auch der Relevanz des Marxismus in der BRD. Die Bourgeoisie ist an der Macht und feiert ihre Geschichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn wir unsere Darstellung mit der b\u00fcrgerlichen Publizistik zum 100.\u00a0Jahrestages des Revolutionsjahres beginnen, m\u00fcssen wir notgedrungen den selbst gesetzten Rahmen der Februarrevolution \u00fcberschreiten, da diese nur im Zusammenhang mit den nachfolgenden Ereignissen behandelt wird. Sie schafft sozusagen die Voraussetzung, die B\u00fchne, auf der nach b\u00fcrgerlicher Darstellung ein &#8222;Fanatiker der Macht&#8220; der Weltgeschichte eine neue Richtung gab.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Drei Publikationen der b\u00fcrgerlichen Presse mit einer gewissen Breitenwirkung sind zu erw\u00e4hnen. Zwei davon behandeln die Februarrevolution in Russland so gut wie gar nicht und reduzieren die Oktoberrevolution auf einen bolschewistischen Putsch. Auf Grund ihrer Breitenwirkung wollen wir sie trotzdem kurz vorstellen, insbesondere da sie ein Bild der heutigen Auseinandersetzung mit dem Marxismus und den russischen Revolutionen liefern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>B\u00fcrgerliche Presse: SPIEGEL, GEO-EPOCHE, ZEITGeschichte<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der SPIEGEL brachte in seiner Reihe Geschichte ein Sonderheft zur Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert heraus.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Nur der erste Abschnitt dieser Sondernummer behandelt die Vorgeschichte der russischen Revolution, das Jahr 1917 und den B\u00fcrgerkrieg. Zusammen mit vielen abgedruckten Plakaten f\u00fcllt das Thema knapp 20 Seiten, dementsprechend kurz sind die Ausf\u00fchrungen zum Revolutionsjahr 1917. Es ist ein Text mehr feuilletonistischer Art, ohne jeden Erkenntnisgewinn und voller Ungenauigkeiten. Hier zwei durchaus symptomatische Textbeispiele:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Endlich stimmt das ZK dem bewaffneten Aufstand zu. Und Lenin legt das Datum fest.&#8220;(S.\u00a022) Frei erfundene Dramatik. Im ZK-Beschluss gab es keinen Termin f\u00fcr den Aufstand und Lenin konnte ihn auch sp\u00e4ter nicht festlegen, da der Aufstand vom Milit\u00e4rrevolution\u00e4ren Komitee des Sowjets und nicht von der bolschewistischen Partei geleitet wurde. Richtig ist, dass er auch nach dem Beschluss wiederholt auf seine zeitnahe Umsetzung insistieren musste bis hin zum Vorabend des Aufstandes, da es in der bolschewistischen Partei ernsthafte Widerst\u00e4nde gegen die Machtergreifung gab.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Oder ein anderes Beispiel: &#8222;Das Bodendekret \u2026 war vor allem ein politischer Trick, um die Bauern, die mehrheitlich mit den Sozialrevolution\u00e4ren sympathisierten, auf die Seite der Bolschewiki zu ziehen.&#8220; (Ebenda) In Wahrheit war es so, dass die Sozialrevolution\u00e4re, die im Oktober\/November 1917 bereits seit sechs Monaten in der Provisorischen Regierung sa\u00dfen und dort fast durchg\u00e4ngig das Landwirtschaftsministerium besetzt hatten, die Sympathien der Bauernschaft verloren, weil sie den &#8222;Trick&#8220; nicht kannten, den Bauern das Land zu geben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Wen dergleichen erhellende Geschichtsschreibung interessiert \u2013 das Heft ist noch erh\u00e4ltlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die zweite Ver\u00f6ffentlichung mit Breitenwirkung ist eine Ausgabe von GEO\u00a0EPOCHE<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>, sogar mit einer beiliegenden DVD erwerbbar, die den bezeichnenden Titel tr\u00e4gt &#8222;Lenin \u2013 Fanatiker der Macht&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a> und bereits im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Dem DVD-Titel recht nahekommend ist auch die Darstellung der politischen Ereignisse im genannten Heft. Die Oktoberrevolution wird auf einen Putsch reduziert.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> Der F\u00fchrer der bolschewistischen Partei wird, der Lenin-Biographie von Robert Service<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> folgend (dessen Buch als Leseempfehlung vorgestellt wird), als rachs\u00fcchtiger Machtfanatiker dargestellt (&#8222;Lenin wollte \u2013 ohne dies ausdr\u00fccklich zu sagen \u2013 ein paar alte Rechnungen begleichen. Er wollte Rache, und die noch lebenden Mitglieder seiner Familie \u2013 sowie andere Menschen in seiner Partei \u2013 wollten dasselbe&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a>). Dementsprechend wird Geschichte plakativ auf die gro\u00dfen M\u00e4nner, die sie machen, verk\u00fcrzt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> Und von diesen war Lenin nicht nur der &#8222;Radikalste der Radikalen&#8220;, sondern auch der entschlossenste, machtbesessenste, r\u00fccksichtloseste und so weiter und so fort, gegen\u00fcber den unentschlossenen, zaudernden und z\u00f6gernden Kontrahenten wie Miljukow (politischer Kopf der Kadetten) oder Kerenski (Trudowik, rechter Fl\u00fcgel der Sozialrevolution\u00e4re). Bei solch einer Geschichtsschreibung dienen die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die materiellen Interessen und ihre politischen Ausdrucksformen nur der Untermalung und Ausgestaltung der Geschehnisse, die von den M\u00e4nnern im Rampenlicht bestimmt werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Insgesamt ist die Ausgabe von GEO\u00a0EPOCHE optisch anspruchsvoller und informativer als das SPIEGEL-Sonderheft, kostet aber auch stolze 17,50 Euro (mit DVD). Daf\u00fcr erh\u00e4lt man neben einer F\u00fclle historischer Fotos in den entscheidenden Kapiteln zum Revolutionsgeschehen einen literarisch aufbereiteten moralisierenden Antikommunismus, wie er besonders in den Abschnitten des Krimi-Literaten Cay Rademacher hervorsticht, der auch vor grober Geschichtsklitterung nicht zur\u00fcckschreckt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hier ein Beispiel von vielen, die zitierbar w\u00e4ren: &#8222;Es ist, wenn man so will, Lenins dritter Putsch: Nachdem er bereits die Provisorische Regierung besiegt und die Sowjets unter Kontrolle der Bolschewiki gebracht hat, beseitigt er nun alle Dissidenten in seiner eigenen Partei.&#8220; (GEO\u00a0EPOCHE, S. 102) Anlass zu obigem Zitat ist der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Austritt<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Kamenews, Sinowjews und ihrer Anh\u00e4nger aus dem Zentralkomitee der Bolschewiki (November 1917), nachdem sie dort keine Mehrheit f\u00fcr eine Koalition mit den Menschewiken und Sozialrevolution\u00e4ren nach dem Sieg der Oktoberrevolution erreichen konnten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> Mit ihrem Austritt aus dem ZK wollten sie die Mehrheit des ZK unter Druck setzen, die Regierung um Vertreter aller Sowjetparteien sowie Vertreter der Petrograder Stadtduma zu erweitern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> Dieser freiwillige Austritt zur politischen Erpressung der Partei verwandelt sich unter der Feder Rademachers in die Beseitigung aller Dissidenten aus der Partei und zum dritten Leninschen Putsch innerhalb weniger Tage.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um die Worte Cay Rademachers zu nutzen: &#8222;wenn man so will&#8220;, kann man den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>freiwilligen Austritt<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der oben Genannten aus dem ZK als Leninschen Putsch bezeichnen, kann man den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>freiwilligen Auszug<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> der Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re aus dem Sowjetkongress kurz zuvor ebenso als Leninschen Putsch bezeichnen. Nur, man muss es schon wollen: Lenin zu d\u00e4monisieren, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen, die Klassenkr\u00e4fte zu ignorieren und die politischen Positionen der handelnden Parteien wegfallen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das bietet uns ein Gro\u00dfteil der b\u00fcrgerlichen Publizistik als Geschichtsschreibung f\u00fcr das breitere Publikum zum Revolutionsjubil\u00e4um. Und, was noch viel entscheidender ist, dies kann man dem Publikum bieten, weil es keine marxistische Kritik gibt, die diesen Darstellungen entgegentritt, die selbst halbwegs auf der H\u00f6he des gegebenen Forschungstandes argumentieren, korrigieren, oder den moralisierenden und unhistorischen Unsinn entlarven kann.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>ZEITGeschichte<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Von grunds\u00e4tzlich anderer Art ist die Ver\u00f6ffentlichung der ZEIT in ihrer historischen Reihe ZEITGeschichte. Der Titel &#8222;1917 \u2013 Revolution in Russland, Kriegseintritt der USA: Ein Jahr das die Welt ver\u00e4ndert&#8220; benennt die zentrale inhaltliche Aussage der Publikation: Durch die russische Revolution und den amerikanischen Kriegseintritt mit einem antikolonialen Friedensprogramm wird dieses Jahr zu einem geschichtlichen Wendepunkt, der entscheidend f\u00fcr den weiteren Verlauf des 20. Jahrhundert wird. In einer Reihe von Aufs\u00e4tzen behandeln bekannte und teils renommierte Historiker die zentralen Ereignisse des Jahres mit ihrer jeweiligen Vorgeschichte und den Nachwirkungen. Fast alle Beitr\u00e4ge sind lesenswert und teilweise kontrovers, spiegeln den Stand der b\u00fcrgerlichen Forschung wieder und geben dem Leser einen tieferen Einblick in das damalige politische und gesellschaftliche Geschehen. Bei einem Preis von 6,90 Euro f\u00e4llt es leicht, hier eine Kaufempfehlung auszusprechen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">F\u00fcr unser Thema von besonderem Interesse sind zwei Artikel. Manfred Hildermeier behandelt Lenin als &#8222;Genie des Augenblicks&#8220;. Obwohl am Ende des Heftes bei den Literaturhinweisen wieder der in b\u00fcrgerlichen Publikationen nicht fehlen d\u00fcrfende Robert Service mit seiner Lenin-Biographie angef\u00fchrt wird, finden wir bei Hildermeier eine eigene, kurz gefasste politische Biographie Lenins. Bei der Beschreibung der Februarrevolution<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> wiederholt Hildermeier seine bereits 1989<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> entwickelte Position von den &#8222;Frontgeneralen&#8220; als &#8222;entscheidende(m) Faktor&#8220; f\u00fcr den Sieg der Revolution.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> Ihre Abwendung vom Zarismus h\u00e4tte die Revolution gesichert. Diese in der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung verbreitete Sichtweise geht an den Tatsachen vorbei. Der \u2013 wie wir noch sehen werden \u2013 entscheidende Faktor f\u00fcr den Sieg war die Verbr\u00fcderung der b\u00e4uerlichen Regimenter mit den streikenden und demonstrierenden Arbeitern. Dies geschah ohne und in vielen F\u00e4llen gegen die kommandierenden Offiziere. Die zaristische Generalit\u00e4t war nach dem Sieg der Revolution mit einigem Z\u00f6gern bereit, dem herrschenden Zaren Nikolaus II. die Abdankung nahezulegen, aber nur, um zusammen mit den f\u00fchrenden K\u00f6pfen der Bourgeoisie einen anderen, geeigneteren Romanow auf den Thron zu heben. Der aber war nicht zu finden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Theorie von der entscheidenden Rolle der Generalit\u00e4t f\u00fcr den Sieg der Revolution dient einzig dazu, der russischen Bourgeoisie eine politische Bedeutung und milit\u00e4rische Macht zuzuschreiben, die sie in keinem Moment des Jahres 1917 besa\u00df.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der zweite f\u00fcr uns interessante Artikel ist von Leonid Luks (&#8222;Das kurze Jahr der Freiheit&#8220;). Er stellt unumwunden fest: &#8222;Tats\u00e4chlich blieb die Provisorische Regierung in allem was sie tat, vom Petrograder Sowjet abh\u00e4ngig. Sie ben\u00f6tigte seine Unterst\u00fctzung \u2026 Unter dem Druck des Petrograder Sowjets verk\u00fcndete die Provisorische Regierung am 03. M\u00e4rz ein Manifest&#8220;, in dem sie ihr Regierungsprogramm darlegte. (S. 38) Hier wird das tats\u00e4chliche Verh\u00e4ltnis von Sowjet und Provisorischer Regierung auf den Punkt gebracht. Die b\u00fcrgerliche Regierung und sp\u00e4ter die Koalitionsregierung waren vom Sowjet abh\u00e4ngig, bei dem die tats\u00e4chliche Macht (das Kommando \u00fcber die Gewehrl\u00e4ufe) lag. Dies findet man selten und schon gar nicht bei der Linken so klar ausgedr\u00fcckt. Insgesamt &#8211; bis auf seinen Schluss<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> &#8211; ist der Artikel informativ und bietet dem Leser einige Anregungen zur Neubewertung der damaligen Ereignisse.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die Februarrevolution in der linken Publizistik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Von den Marxistischen Bl\u00e4ttern bis zur Zeitschrift<br \/>\nMarxistische Erneuerung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die Februarrevolution hatte &#8218;kein Gl\u00fcck&#8216; in der sowjetischen Geschichtsschreibung&#8220;, schrieb vor \u00fcber 40 Jahren der Historiker David Anin bei seiner ausf\u00fchrlichen Besprechung der Februarrevolution.<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Man kann erg\u00e4nzen, auch bei der marxistischen Geschichtsschreibung au\u00dferhalb der Sowjetunion blieb die Behandlung der Februarrevolution &#8222;oft im Schatten \u2026 des Oktobers&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a>, ohne eine eigenst\u00e4ndige Kontur zu gewinnen. Die Ver\u00f6ffentlichungen in der linken Presse best\u00e4tigen diese Feststellungen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Einzig die MARXISTISCHEN BL\u00c4TTER (Nr. 3\/2017) bringen mit dem eben zitierten Aufsatz von Professor Hautmann einen eigenst\u00e4ndigen Artikel zur Februarrevolution. Bedauerlicherweise enth\u00e4lt sich der Autor jedes \u00fcber die offizielle marxistische Orthodoxie hinausgehenden Gedankens. So liefert er eine durchaus detaillierte, aber jede Auseinandersetzung mit strittigen Fragen vermeidende Schilderung der Ereignisse. Hier eine bei weitem nicht vollst\u00e4ndige Auflistung der interessanten, aber von Hautmann unzureichend oder gar nicht behandelten Problemstellungen der Februarrevolution: <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Warum wurden die sozialistischen Parteien von dieser Revolution so \u00fcberrascht, w\u00e4hrend die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte sie bereits seit Monaten zu vereiteln suchten?<\/span><\/span><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> <a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\">22<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\nWarum wurden bei der Bildung der Provisorischen Regierung in den Verhandlungen zwischen dem Duma-Komitee und dem Sowjet alle entscheidenden Fragen (Stellung zum Krieg, Staatsform, Agrarreform), entweder gar nicht verhandelt oder bewusst offengelassen?<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Doppelherrschaft wird bei Hautmann, wie durchg\u00e4ngig in der marxistischen Geschichtsschreibung (aber auch der b\u00fcrgerlichen), f\u00fcr den Zeitraum bis Juli 1917 unterstellt, ohne sie mit mehr als der Existenz zweier sich gegen\u00fcberstehenden K\u00f6rperschaften, dem Sowjet und der Provisorischer Regierung, zu belegen. Die Frage, wer real im Besitz der Macht war, wird nicht untersucht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die marginale Rolle der Bolschewiki in den Sowjets der ersten Revolutionsmonate wird durch die kleinb\u00fcrgerliche Durchsetzung des Proletariats der Hauptstadt erkl\u00e4rt<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a>, ein Ansatz der sowjetischen Geschichtsschreibung, \u00fcber den sich Anin bereits vor 40 Jahren mit Recht lustig machte.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a><br \/>\nDie Bauernschaft wird behandelt, ohne die Dorfgemeinschaft zu erw\u00e4hnen, die das Wesen der russischen Bauernschaft pr\u00e4gte.<br \/>\nDie Aprilthesen Lenins werden kursorisch vorgestellt, ohne die heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen, die noch bis nach dem Oktober 1917 andauerten, auch nur anzurei\u00dfen, obwohl sie die Partei mehrfach zu zerrei\u00dfen drohten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk483747508\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Kadettenpartei wird zur vorherrschenden Vertretung der russischen &#8222;Gro\u00dfbourgeoisie&#8220; gemacht, obwohl ihre wirkliche Basis der liberale Landadel und die Vertreter der &#8222;freien Berufe&#8220; in den St\u00e4dten war, und diese Gro\u00dfbourgeoisie wird f\u00fcr die ganzen acht Monate bis Oktober 1917 an der politischen Macht verortet,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> obwohl die politischen F\u00fchrer dieser Bourgeoisie die Regierung bereits im April auf Druck der Massen und des Sowjets verlassen mussten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Hautmann wiederholt in seinem Artikel alle bekannten Positionen der sowjetischen Orthodoxie, ohne eine einzige davon in Frage zu stellen. Er meidet jede Auseinandersetzung mit der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung und entwickelt keinerlei eigenst\u00e4ndige theoretische oder politische Position. Jahrzehnte nach der \u00d6ffnung der russischen Archive f\u00fcr die wissenschaftliche Forschung gibt es nicht einen Versuch zur Neubewertung der russischen Revolutionen. Wenn dies der lebendige Geist des kritischen und revolution\u00e4ren Marxismus sein soll, dann ist in einer Leichenhalle mehr Leben zu finden als im Umfeld der DKP.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und dabei ist der theoretisch so unbewegliche Hautmann noch das Beste, was die Linke in diesem Jahr zum Thema produziert hat. Die ARBEITERSTIMME (Nr. 195) druckt gleich einen 30 Jahre alten Artikel zum 70.\u00a0Jahrestag der Oktoberrevolution nach, um zu dokumentieren, dass es zum Thema nichts Neues zu sagen gibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Garniert wird dieser Artikel mit einer Rezension der Kerenski-Memoiren,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a> die den Eindruck hinterl\u00e4sst, dass der Rezensent sie bestenfalls durchgebl\u00e4ttert, aber nicht gelesen hat. Interessante Ausf\u00fchrungen Kerenskis zu den konterrevolution\u00e4ren Umsturzpl\u00e4nen des Zaren (Kapitel 11) werden weder dargestellt noch hinterfragt, die Darstellung der Februarrevolution (Kapitel 13) bei Kerenski auf den Satz reduziert, dass Kerenski die Sitzung des Sowjets selten besuchte. Eine moralisierende und v\u00f6llig unpolitische Rezension eines durchaus politischen Buches, angereichert mit fehlerhaften Behauptungen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ZEITSCHRIFT MARXISTISCHE ERNEUERUNG hat in ihrer Nummer Z.\u00a0109 vom M\u00e4rz dieses Jahres die Diskussion zum russischen Revolutionsjahr 1917 mit zwei Artikeln von Frank Deppe und Stefan Bollinger begonnen, die jeweils in Kurzform den Inhalt ihrer f\u00fcr dieses Jahr geplanten Buchver\u00f6ffentlichungen vorstellen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk483833973\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Deppe versucht, gest\u00fctzt auf eine Untersuchung der amerikanischen Soziologin Theda Skocpol zu den drei gro\u00dfen Revolutionen seit 1789 (gemeint sind die franz\u00f6sische, die russische und die chinesische Revolution) zu neuen Erkenntnissen \u00fcber die russische Revolution zu gelangen. Hier ist es zu einer ernsthaften Beurteilung dieses Ansatzes zu fr\u00fch, da die Ver\u00f6ffentlichung in Buchform noch aussteht. Es ist zu hoffen, dass der Erkenntnisgewinn \u00fcber die Passagen, die uns der Artikel liefert, hinausgeht.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Stefan Bollingers eher feuilletonistisch angelegter Artikel l\u00e4sst den Leser etwas ratlos zur\u00fcck. Auch nach mehrmaligen Lesen bleibt die Frage: Was wollte uns der Autor auf den 14 Seiten seines Aufsatzes mitteilen, was ist sein zentrales Anliegen, welchen neuen Gedanken haben wir in dem Artikel gesucht und nicht gefunden? Warten wir ab, ob das angek\u00fcndigte Buch mehr Klarheit verschaffen kann.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Allerdings erfahren wir etwas Neues zur Februarrevolution. Gleich auf der ersten Seite des Artikels formuliert Bollinger in mehrdeutig interpretierbaren Schachtels\u00e4tzen, dass die Unruhen im Fr\u00fchjahr 1917, deren Ursachen &#8222;die &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure nicht verstanden&#8220;, in deren &#8222;Ergebnis (aber) eine &#8218;Palastrevolution&#8216; der b\u00fcrgerlichen Duma-Parteien (im Einklang mit den Entente-Verb\u00fcndeten) m\u00f6glich wurde, eine Bewegung (war), die von den Massen mit riesigen demokratischen und Anti-Kriegs-Erwartungen aufgeladen wurde.&#8220; Diese sprachlichen Verrenkungen schaffen wenig Klarheit \u00fcber die tats\u00e4chlichen Ereignisse, verdecken aber zwei wesentliche Tatsachen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erstens gab es sehr wohl entwickelte Pl\u00e4ne zu einer Palastrevolution ganz ohne Anf\u00fchrungszeichen, wie sie der von Bollinger zitierte englische Premier Lloyd George in seinem Kriegstagebuch beschreibt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a> Ziel dieser Palastrevolution war keineswegs der Sturz des Zarismus, sondern einzig die Beseitigung des aktuellen Zaren plus Zarin und seine Ersetzung durch ein anderes Mitglied des Romanow-Clans.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und zum zweiten kam die Provisorische Regierung eben <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>nicht<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> durch eine Palastrevolution zustande, wie Lloyd George richtig feststellt: &#8222;An die Stelle eines wohlgeregelten Staatsstreiches der Generale, der vom Hauptquartier aus geleitet wurde und fest umrissenen Traditionen folgte, trat ein Aufstand des Proletariats \u2026&#8220; Das bedeutet, dass die erste Provisorische Regierung ihr Mandat <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>von der siegreichen Revolution erhielt<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> und ihr politisches Programm letztendlich <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>vom Sowjet diktiert<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> wurde. Nur f\u00fcr Stefan Bollinger stellt sich dieser Vorgang v\u00f6llig anders dar: &#8222;All dies \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass es konservativ-reaktion\u00e4re Kreise waren, die in der Revolution zun\u00e4chst die Macht an sich rissen, den Zaren zur Abdankung dr\u00e4ngten und dem Volk nicht einhaltbare Versprechungen machten.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie es wirklich war (und dass &#8222;die &#8217;neuen&#8216; politischen Akteure&#8220; sehr wohl die Ursachen der Volkserhebung verstanden), soll versucht werden, in dieser Nummer der AzD nachzuzeichnen. Ins Zentrum der Darstellung r\u00fccken wir einen Augenzeugen der Februarrevolution, der sowohl bei der Gr\u00fcndung des Petrograder Sowjets als auch bei den Verhandlungen zur Bildung der ersten Provisorischen Regierung beteiligt war und diese Ereignisse in tagebuch\u00e4hnlicher Form ver\u00f6ffentlichte: Nikolai Nikolajetisch Himmer, bekannter unter seinem publizistischen Namen Nikolai Suchanow. Die gek\u00fcrzte deutsche \u00dcbersetzung seines &#8222;Tagebuch der russischen Revolution&#8220; erschien 1967 im Piper Verlag M\u00fcnchen und ist heute auch antiquarisch nur schwierig erh\u00e4ltlich.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer war Suchanow 1917? Er war ein parteiloser linker Menschewik, der auf den Boden der Zimmerwalder Erkl\u00e4rung stand<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> und in Gorkis legaler Zeitung Letopis publizierte. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Lenin beschreibt ihn folgenderma\u00dfen: &#8222;Wenn wir von dem Publizisten (&#8230;) N. Suchanow sprechen, werden sicherlich alle damit einverstanden sein, dass er nicht der schlechteste, sondern einer der besten Vertreter der kleinb\u00fcrgerlichen Demokratie ist. Er hat eine aufrichtige Neigung zum Internationalismus, die er in den schwersten Zeiten, mitten im W\u00fcten der zaristischen Reaktion und des Chauvinismus bewiesen hat. Er hat Kenntnisse, und ihm ist das Bestreben eigen, sich \u00fcber ernste Fragen ein selbst\u00e4ndiges Urteil zu bilden, was er durch seine lange Entwicklung von der sozialrevolution\u00e4ren Ideologie in Richtung zum revolution\u00e4ren Marxismus bewiesen hat.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da Suchanows Tagebuch der russischen Revolution mit dem ersten Tag der Februarrevolution beginnt, ist es sinnvoll, dem Leser vorweg eine Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Situation in Russland im Winter 1916\/1917 zu geben. Diese Darstellung wird dem bereits erw\u00e4hnten und gerade im VSA-Verlag erschienen Buch &#8222;Das Revolutionsjahr 1917 \u2013 Bolschewiki, Bauern und die proletarische Revolution&#8220; entnommen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> und soll es dem Leser erm\u00f6glichen, die politischen Akteure und Parteien, die Suchanow in seinem Text erw\u00e4hnt, einzuordnen. Dass die Autoren dabei zu einer anderen Interpretation der Klassenkr\u00e4fte und der Vorgeschichte der Februarrevolution gelangen, als die g\u00e4ngige marxistische Geschichtsschreibung bisher, schafft f\u00fcr den Leser vielleicht einen Anreiz, sich mit der Neuinterpretation des gesamten Revolutionsjahrs 1917, die in diesem Buch vorgenommen wird, auseinanderzusetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Russland im Winter 1916\/1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Aus dem Buch von Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbNach Ansicht der bestinformierten und zugleich loyalsten Beobachter (gemeint sind die Gendarmerie und die Geheimpolizei mit ihren Berichten und Einsch\u00e4tzungen, Anm. d.\u00a0V.) befand sich Russland im Oktober 1916 in einer Situation, die im Sprachgebrauch der Radikalen als &#8218;revolution\u00e4r&#8216; bezeichnet wurde.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a> Genauer gesagt, gingen a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">b dem November 1916 alle politischen Akteure, mit Ausnahme der sozialistischen Parteien, von der Aktualit\u00e4t der Revolution aus. Werfen wir deshalb einen Blick auf die Geschehnisse dieses Winters, in dem die Akteure des kommenden Revolutionsjahres ihre politischen Positionen neu bezogen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Herbst\/Winter 1916\/1917 war ungew\u00f6hnlich kalt. Der Winter war 1916 fr\u00fch gekommen, bereits im Oktober kam der erste Frost und hielt sich den gesamten Winter lang. Im Februar 1917 lag die Temperatur im Mittel bei 14,4 Grad minus. \u00bbDie K\u00e4lte wurde so schlimm, dass die B\u00e4uerinnen sich weigerten Lebensmittel in die St\u00e4dte zu fahren. Schneest\u00fcrme deckten die Eisenbahnschienen mit riesigen Schneeverwehungen zu. \u2026 Die Lokomotiven kamen in dieser Eisesk\u00e4lte nicht voran und mussten manchmal stundenlang im Stehen vorgeheizt werden, um den erforderlichen Dampfdruck aufzubauen. Diese klimatischen Bedingungen versch\u00e4rften die ohnehin gravierenden Transportprobleme noch zus\u00e4tzlich.<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Neben der Versorgung einer millionenk\u00f6pfigen Armee<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a> galt es, die st\u00e4dtischen Metropolen im Norden Russlands, allen voran die n\u00f6rdliche Metropole und Millionenstadt Petrograd,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a> mit Nahrungsmitteln und Heizmaterial zu versorgen. Was in der Vorkriegszeit auf Grund der See- und Flussanbindung weitgehend reibungslos funktionierte, wurde mit dem Weltkrieg, der Sperrung der Ostsee und dem Dauerfrost<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a> des Winters zu einem ernsten Problem.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu dem Versorgungsproblem trat die inflationsbedingte Teuerung. Das zaristische Regime finanzierte den Krieg \u00bbauf Pump\u00ab und musste so durch die Gelddruckmaschine die finanziellen Engp\u00e4sse \u00fcberdecken. So wurden die Lebensmittel nicht nur durch die Versorgungsm\u00e4ngel knapp, sondern die Preise explodierten auch unabh\u00e4ngig von der versorgungsbedingten Knappheit. Bereits <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">1916 schnellten die Preise f\u00fcr Konsumg\u00fcter in die H\u00f6he. Besonders rasant wuchsen im Sp\u00e4tsommer 1916 die Preise f\u00fcr Lebensmittel. So kostete das Brot 92%, Fleisch 138%, Butter 145% und Salz sogar 256% mehr als vor dem Krieg. Im Oktober 1916 sch\u00e4tzte das Polizeidepartement, dass die L\u00f6hne durchschnittlich um 100% gestiegen waren, die Preise der lebensnotwendigen Artikel hingegen um 200%.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Herbst 1916 zeichnete sich immer deutlicher ein ernstes Ern\u00e4hrungsproblem f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung Petrograds und anderer Gro\u00dfst\u00e4dte ab. W\u00e4hrend die von Bourgeoisie und Adel frequentierten Restaurants und Lokalit\u00e4ten mit allem W\u00fcnschenswerten ausgestattet waren, wurde Brot, Salz, Zucker und Brennmaterial f\u00fcr die einfache Bev\u00f6lkerung immer unerschwinglicher. Ab diesem Herbst begannen die Schlangen vor den B\u00e4ckereien. Unvermeidlich nahmen unter diesen Bedingungen die Streiks und Arbeitsniederlegungen deutlich zu. Vielfach ging die Brotbeschaffung, zu der man stundenlang an den B\u00e4ckereien anzustehen hatte, flie\u00dfend in eine Arbeitsniederlegung \u00fcber. Dazu war kriegsbedingt die Arbeitszeit in allen r\u00fcstungsrelevanten Betrieben auf 10 bis 12 Stunden erh\u00f6ht worden. Wie sollte unter diesen Bedingungen das Brot beschafft und wie bezahlt werden? Die zaristische Verwaltung erwies sich als unf\u00e4hig, dieses Problem zu l\u00f6sen und heizte so die bereits angespannte politische Situation in der Hauptstadt weiter an. Petrograd erlebte ab Herbst 1916 einen von Streikaktionen und Demonstrationen gepr\u00e4gten Kriegswinter. Dies war die Grundlage der eingangs zitierten Einsch\u00e4tzung der zaristischen Geheimpolizei Ochrana, von der sich entwickelnden revolution\u00e4ren Situation. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein weiteres Problem reifte ganz unbemerkt von den Spitzeln der Geheimpolizei in diesem Winter in der Petrograder Garnison heran.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Mobilisierung einer Millionenarmee hie\u00df in Russland, den Bauern in den Waffenrock zu stecken, aus der Enge der d\u00f6rflichen Verh\u00e4ltnisse zu rei\u00dfen, ihn unter den erb\u00e4rmlichsten Lebensbedingungen und fortw\u00e4hrend vom Tode an der Front bedroht, zu disziplinieren und zu organisieren. Dies alles geschah, ohne dass der Soldat b\u00fcrgerliche Rechte besa\u00df, von den Offizieren wurde er wie Vieh behandelt und mit erb\u00e4rmlicher Ausr\u00fcstung in die Schlacht getrieben.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a> Je l\u00e4nger der Krieg dauerte, desto unertr\u00e4glicher wurden diese Verh\u00e4ltnisse selbst f\u00fcr den russischen Bauern, der viel gewohnt war. Und im Winter 1916\/17 war ein Ende des Krieges weiterhin nicht abzusehen. Neue, gro\u00dfe Offensiven waren f\u00fcr das kommende Jahr geplant, und f\u00fcr diese Offensiven waren die neu eingezogenen Rekruten in den Reservebataillonen eingeplant, von denen eine ganze Reihe in Petrograd stationiert war.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aufgrund der enormen Verluste der russischen Armeen in den Jahren von 1914 bis 1916 war die Rekrutierung neuer Jahrg\u00e4nge unumg\u00e4nglich geworden.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbDie seit Herbst 1916 eingezogenen Reservisten stammten \u00fcberwiegend aus den \u00e4lteren Jahrg\u00e4ngen, die nicht mehr damit gerechnet hatten, einr\u00fccken zu m\u00fcssen, da sie nach der Milit\u00e4rgesetzgebung Miljutins (ein fr\u00fcherer zaristischer Verteidigungsminister; d.\u00a0V.) ihre Schuldigkeit bereits getan hatten. \u2026 Alles M\u00e4nner \u00fcber 40, die ihren Dienst bereits in ihrer Jugend verrichtet hatten und die nur aufgrund mangelnder Menschenressourcen des Zarenreiches einr\u00fccken mussten. Der Widerwille, den sie ihrem Schicksal entgegenbrachten, ist mehr als verst\u00e4ndlich, denn zum einen mussten sie ihre D\u00f6rfer just zu dem Zeitpunkt verlassen, als dort das Leben immer besser wurde, und zum anderen waren die Stra\u00dfen der Hauptstadt von jungen M\u00e4nnern wehrpflichtigen Alters \u00fcberschwemmt, die ihren Pflichten nur deshalb entronnen waren, weil sie einer anderen Schicht angeh\u00f6rten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a> Diese Garnisonen in den wichtigsten St\u00e4dten des Reiches waren f\u00fcr Kriegsm\u00fcdigkeit und den Verfall an Disziplin besonders anf\u00e4llig. Die Rekruten wohnten in \u00fcberf\u00fcllten Kasernen und ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch bestand darin, nicht an die Front gehen zu m\u00fcssen.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zur Sicherheit des zaristischen Systems war die Hauptstadt eigentlich mit Gardeeinheiten und gestandenen konterrevolution\u00e4ren Regimentern reichlich best\u00fcckt. Doch diese Garderegimenter standen inzwischen an der Front. In Petrograd und den anderen russischen Metropolen waren ihre Kasernen nun mit den Rekruten der letzten Einberufungen gef\u00fcllt, den Reserveregimentern f\u00fcr die an der Front stehenden Garderegimenter. Dem Regimentsnamen nach waren diese Einheiten feste St\u00fctzen des zaristischen Systems, befleckt mit dem zweifelhaften Ruhm der blutigen Volksunterdr\u00fcckung aus den Jahren 1905-1907. Im Winter 1916-1917 waren sie mit unzufriedenen Bauern aus den letzten Rekrutierungen gef\u00fcllt, die in \u00fcberf\u00fcllten Kasernen zusammengepfercht wurden,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a> wo sie weder vern\u00fcnftig ausgebildet noch besch\u00e4ftigt werden konnten. Und erst recht versp\u00fcrten diese Rekruten kein Interesse, im kommenden Fr\u00fchjahr\/Sommer an der Front verheizt zu werden. Die Besonderheit des zaristischen Milit\u00e4rsystems, die Rekrutenausbildung aus Bequemlichkeit und Kostengr\u00fcnden in den Kasernen der Frontregimenter durchzuf\u00fchren, f\u00fchrte dazu, dass Petrograd in diesem Kriegswinter mit 150.000 bis 180.000 Soldaten \u00fcberschwemmt war, von denen die meisten Rekruten der letzten Einberufungswelle waren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend andere kriegsf\u00fchrende L\u00e4nder die Ausbildung neuer Rekruten auf dem \u00bbflachen Land\u00ab, in Kasernen und auf Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen fernab der st\u00e4dtischen Metropolen organisierten, schuf die milit\u00e4rische Verwaltung der zaristischen Armee mit ihrer Inkompetenz und Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber dem einfachen Soldaten neben einer immer unruhiger werdenden Arbeiterschaft einen zweiten potenziellen Unruheherd in der Garnison der Hauptstadt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die politischen Lager vor der Revolution<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Fest auf der Seite der politischen Reaktion standen das Zarenpaar, sein Staatsrat,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> der Verwaltungsapparat mit Polizei und Gendarmerie. Offen unterst\u00fctzt und verteidigt wurde die autokratische Herrschaft des Zaren von der politischen Rechten in der Duma,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a> die dort \u00fcber mehr als 60 Mandate verf\u00fcgte. Klassenpolitisch verk\u00f6rperte diese Fraktion Teile des alten Gro\u00dfgrundbesitzes, Teile der Schwerindustrie und der Banken sowie den Adel der baltischen Provinzen. Hauptkraft dieses Fl\u00fcgels war der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbBund des russischen Volkes\u00ab (im Volksmund \u00bbSchwarzhunderter\u00ab genannt). Dieser Bund unterst\u00fctzte vorbehaltlos die zaristische Autokratie und organisierte in Zeiten gesellschaftlicher Unruhe antisemitische und nationalistische Pogrome. Sein Wahlspruch: \u00bbOrthodoxie, Autokratie und Volkstum\u00ab war zugleich sein politisches Programm. Gest\u00fctzt auf die orthodoxe Kirche sollte die zaristische Autokratie gegen alle demokratischen oder sozialistischen Bestrebungen verteidigt werden. Unter &#8222;Volkstum&#8220; wurde die Russifizierung der nichtrussischen Bev\u00f6lkerung des Zarenreiches verstanden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Umfeld des Zaren agierte der nicht unbedeutende Kreis des Petrograder Hochadels, insbesondere die Gro\u00dff\u00fcrsten aus der Familie der Romanows. Diese Ansammlung antiquierter, teils nichtsnutziger adliger Schmarotzer, die aber mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit gesellschaftliche Skandale produzierten, war an der Erhaltung des Zarismus als Quelle ihrer Existenz interessiert. Ab Herbst 1916 war dieser Kreis nicht nur bereit, sondern bestrebt, zur Erhaltung des Zarismus den Zaren Nikolaus\u00a0II. zu opfern und durch ein anderes, der b\u00fcrgerlichen Opposition und den Kriegsalliierten genehmeres Mitglied des Romanow-Clans zu ersetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Opposition gegen die zaristische Regierung hatte sich der Progressive Block in der Duma formiert. Er bestand im Kern aus dem B\u00fcndnis von Kadetten<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> und Oktobristen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> dem sich weitere nationalistische und auch monarchistische Kr\u00e4fte anschlossen. Dieser Block besa\u00df eine Mehrheit in der Duma. Die Rednertrib\u00fcne der Duma, die Banketts\u00e4le der \u00bbbesseren Gesellschaft\u00ab und nicht die Stra\u00dfe waren sein Kampfboden. Klassenpolitisch vertrat der Progressive Block ein B\u00fcndnis von Landbesitzern, industriellen Kapitalisten und st\u00e4dtischen Mittelschichten. Seine Forderung an den Zarismus war die nach einer der Duma \u00bbverantwortlichen Regierung\u00ab, w\u00e4hrend des Kriegs begrenzte man die Forderung auf eine Regierung des \u00bbgesellschaftlichen Vertrauens\u00ab.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Bauernschaft stellte die Masse des zaristischen Heeres. Die Armee war der in den Soldatenrock gesteckte russische Bauer, angef\u00fchrt von Adligen und kleinb\u00fcrgerlichen Berufsoffizieren. Durch die fortgesetzten Niederlagen des zaristischen Heeres zahlten die Bauern in den ersten beiden Kriegsjahren millionenfach mit ihrem Leben f\u00fcr die milit\u00e4rische Untauglichkeit der zaristischen Gener\u00e4le und die Unf\u00e4higkeit der zaristischen Verwaltung, die Armee mit Waffen, Munition und Verpflegung zu versorgen. Im dritten Kriegswinter war ihre patriotische Begeisterung verflogen und der Wunsch nach einem baldigen Ende des Krieges gewann immer mehr Anh\u00e4nger in den D\u00f6rfern und Garnisonen, aber auch bei den Fronttruppen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a> Ihre politische Vertretung in der Duma waren die Trudowiki, der rechte Fl\u00fcgel der Sozialrevolution\u00e4re, mit Alexander Kerenski als bekanntestem Redner.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Arbeiter Petrograds waren das haupts\u00e4chliche Opfer der seit 1916 galoppierenden Inflation, des Hungers und der Aussperrung von Seiten der Unternehmer. Obwohl \u00fcberwiegend vom Kriegsdienst befreit, da sie zur Milit\u00e4rproduktion ben\u00f6tigt wurden, drohte das zaristische Regime bei jedem Streik mit der zwangsweisen Einberufung zur Armee. Sie waren zu Kriegsbeginn weitgehend ihrer politischen F\u00fchrung beraubt worden (Inhaftierung und Verbannung) und besa\u00dfen so gut wie keine Form der politischen oder gewerkschaftlichen Organisation. Ihre einzige legale Organisationsm\u00f6glichkeit w\u00e4hrend des Krieges war die Mitarbeit in den \u00bbkriegsindustriellen Komitees\u00ab, wo unter der F\u00fchrung des Kapitals und unter Aufsicht von Regierungsvertretern die Arbeiter zu einer effizienteren Kriegsproduktion f\u00fcr den Sieg der russischen Waffen angehalten wurden. Die politische Repr\u00e4sentanz dieser Arbeiter war der rechte Fl\u00fcgel der Menschewiki, ihr Vertreter vor Ort der Arbeiter Kusma Gwosdew, Vorsitzender der Arbeitergruppe des kriegsindustriellen Komitees und rechter Menschewik.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Zar geht an die Front<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verheerende milit\u00e4rische Niederlagen, mangelnde Versorgung der Armee und der gro\u00dfen St\u00e4dte sowie eine anwachsende Streikwelle der Arbeiter, das war die Bilanz der zaristischen Regierung im Herbst 1916. Der Zar und seine Regierung mussten einen Ausweg aus dieser selbstverschuldeten Situation finden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die vermeintlich einfachste L\u00f6sung, eine Beteiligung der b\u00fcrgerlichen Opposition an der Regierung, kam f\u00fcr den Zaren und erst recht f\u00fcr die Zarin nicht in Frage, denn dies w\u00e4re ein weiterer Schritt hin zur konstitutionellen Monarchie gewesen. Das war f\u00fcr den Zaren undenkbar, hatte er doch am Sterbebett seines Vaters geschworen, die Selbstherrschaft ungeschm\u00e4lert an seinen Sohn weiterzugeben. Dies war auch die Sicht der Zarin, die ihren Sohn als uneingeschr\u00e4nkten Selbstherrscher auf dem Zarenthron sehen wollte. Und da sie, wie allgemein bekannt, \u00bbdie Hosen anhatte\u00ab, war das Zarenehepaar ein geschworener Feind von ernsthaften Zugest\u00e4ndnissen an die b\u00fcrgerliche Opposition.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ganz im Gegenteil beabsichtigte man, die Uhr zur\u00fcckzudrehen und die Zugest\u00e4ndnisse, die im Oktober 1905 unter dem Druck der Revolution und des verlorenen Krieges<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a> gemacht worden waren, zu kassieren. Dies bestimmte immer deutlicher das Handeln der zaristischen Regierung und wurde ab dem Moment, wo der Zar pers\u00f6nlich das Oberkommando \u00fcber die Armee antrat und die Zarin in Petrograd \u00bbdie Regierung \u00fcbernahm\u00ab, immer offensichtlicher zum eigentlichen Regierungsprogramm. Der \u00bbFlirt\u00ab mit der liberalen Opposition aus dem Jahr 1915 wurde 1916 durch einen immer klarer hervortretenden Kurs der offenen Konfrontation und politischen Reaktion ersetzt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Herbst 1915 hatte der Zar pers\u00f6nlich das Oberkommando \u00fcber die russischen Streitkr\u00e4fte \u00fcbernommen. Er tat dies gegen die Ratschl\u00e4ge seiner Minister und des Romanow-Clans. Beide bef\u00fcrchteten, dass die zu erwartenden weiteren Niederlagen der russischen Armee nunmehr unmittelbar auf den Zaren zur\u00fcckfallen w\u00fcrden. Der Zar dachte jedoch nicht daran, ihren Ratschl\u00e4gen zu folgen, denn er hatte anderen Rat bekommen, von der Zarin und ihrem Vertrauten Rasputin. Beide forderten die Abl\u00f6sung des bisherigen Oberbefehlshabers, des Gro\u00dff\u00fcrsten Nikolaj Nikolajewitsch, einem \u00bbin der Armee beliebten\u00ab Verwandten des Zaren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Kreisen um die Zarin und Rasputin f\u00fcrchtete man eine Palastrevolution, die, gest\u00fctzt auf die Armee und ihren Oberbefehlshaber, den Zaren absetzen, die Zarin ins Kloster verbannen und ihren Berater Rasputin aufh\u00e4ngen w\u00fcrde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a> Der Zar w\u00fcrde dann durch den Gro\u00dff\u00fcrsten und bisherigen Oberbefehlshaber, seinen Onkel Nikolaj Nikolajewitsch oder durch seinen Bruder, den Gro\u00dff\u00fcrsten Michael ersetzt werden. Um diesem Putsch Legalit\u00e4t zu verleihen, w\u00fcrde der \u00bbneue Mann\u00ab die Regentschaft f\u00fcr den noch minderj\u00e4hrigen Zarensohn \u00fcbernehmen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbAls der Zar die Front \u00fcbernahm (Ende August 1915), ging die Macht daheim nach Alt-Moskauer Weise an die Zarin \u00fcber. Vom Herrscherpaar wurde das Reich noch immer als eine Art Familieneigentum angesehen, das man m\u00f6glichst intakt dem Thronfolger bewahren m\u00fcsse. Die Kaiserin \u00fcbte unter Rasputins Weisungen ihren unheilvollen Einfluss auf des Zaren personalpolitische, aber auch milit\u00e4rische Entscheidungen aus. Innerhalb eines Jahres wechselten die Ministerpr\u00e4sidenten und Au\u00dfenminister dreimal, die Innenminister viermal, und so ging es fort. In der Gesellschaft und an der Front redete man vom Verrat der Zarin und ihren engen Beziehungen zu Rasputin. Unter dem Ministerpr\u00e4sidenten Boris St\u00fcrmer (Januar 1916) ging die tats\u00e4chliche Gewalt in die H\u00e4nde von Rasputins Hinterm\u00e4nnern, dubiosen Polizeiagenten und Gesch\u00e4ftemachern, \u00fcber.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Plan des Zaren<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Herbst 1916 hatte sich die Lage an der Front stabilisiert. Die zaristische Armee war nach ihren verheerenden Niederlagen und entsprechenden Gebietsverlusten in festen Stellungen zum Stehen gekommen. Ihre Versorgung mit Waffen, Munition und Lebensmitteln hatte sich sowohl aus eigener Produktion als auch mit alliierter Hilfe verbessert. Der b\u00fcrgerlichen Opposition in der Duma mussten keine weiteren Zugest\u00e4ndnisse mehr gemacht werden. Die vier von der Duma unterst\u00fctzten Minister, die 1915 in die Regierung gekommen waren, wurden 1916 einer nach dem anderen entlassen und durch Gestalten, die Rasputins F\u00fcrsprache hatten, ersetzt. Die Semstwos,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a> die die Versorgung der Fl\u00fcchtlinge und Verwundeten organisiert hatten und so im Krisenjahr 1915 die Katastrophen im Hinterland abgemildert hatten, waren nun auf Grund ihrer \u00fcberwiegend b\u00fcrgerlich-liberalen Ausrichtung dem Zaren mehr l\u00e4stig als notwendig. Der Zarismus setzte wieder offen auf Reaktion. Und die politische Rechte entwickelte f\u00fcr den Zarismus das entsprechende politische Programm.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Trotzki zitiert in seiner \u00bbGeschichte der russischen Revolution\u00ab ausf\u00fchrlich ein Papier der Rechten, das dem Zaren vorgelegt worden war. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00bbDie Autoren der Denkschrift traten gegen jegliche Konzessionen an die b\u00fcrgerliche Opposition auf\u2026 (weil) die Liberalen \u203aso schwach, so uneinig und, man muss offen sagen, so unf\u00e4hig sind, dass ihr Sieg ebenso kurz wie unsicher w\u00e4re\u2039. Die Schw\u00e4che der wichtigsten oppositionellen Partei, der \u203akonstitutionell-demokratischen\u2039 (Partei), sei schon durch ihren Namen gekennzeichnet: sie nenne sich demokratisch, obwohl sie ihrem Wesen nach b\u00fcrgerlich sei, w\u00e4hrend sie in hohem Ma\u00dfe die Partei der liberalen Gutsbesitzer darstelle, habe sie in ihr Programm die zwangsweise Bodenabl\u00f6sung aufgenommen. \u203aOhne diese Tr\u00fcmpfe aus fremdem Kartenspiel\u2039, schrieben die Geheimr\u00e4te, die ihnen gewohnte Bildersprache gebrauchend, \u203asind die Kadetten nichts anderes als eine zahlreiche Gesellschaft liberaler Advokaten, Professoren und Beamten verschiedener Ressorts \u2013 nichts mehr.\u2039 Anders die Revolution\u00e4re. \u2026 Die revolution\u00e4ren Parteien \u203ad\u00fcrfen auf die Sympathie der Mehrheit der Bauernschaft rechnen, die sogleich mit dem Proletariat gehen wird, wenn die revolution\u00e4ren F\u00fchrer ihr fremden Grund und Boden zeigen werden.\u2039 Was w\u00fcrde unter diesen Bedingungen die Errichtung eines verantwortlichen Ministeriums ergeben? &#8218;Die volle und endg\u00fcltige Zerschlagung der Parteien der Rechten, das allm\u00e4hliche Verschlingen der Mittelparteien des Zentrums, der liberalen Konservativen, Oktobristen und Progressisten \u2013 durch die Kadettenpartei, die anfangs entscheidende Bedeutung bek\u00e4me. Doch den Kadetten w\u00fcrde das gleiche Schicksal drohen &#8230; Und danach? Danach w\u00fcrde die revolution\u00e4re Masse auf den Plan treten, die Kommune folgen, der Untergang der Dynastie, Pogrome auf die besitzenden Klassen und schlie\u00dflich der R\u00e4uber-Muschik.\u2039<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a> \u2026 Das positive Programm der Denkschrift ist nicht neu, aber konsequent: eine Regierung aus unnachgiebigen Anh\u00e4ngern des Selbstherrscher-tums; Abschaffung der Duma; Belagerungszustand in beiden Hauptst\u00e4dten; Vorbereitung der Kr\u00e4fte zur Unterdr\u00fcckung der Rebellion. Im Wesentlichen bildete denn auch dieses Programm die Grundlage der Regierungspolitik der letzten vorrevolution\u00e4ren Monate.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a> Dies war die Agenda der offenen Konterrevolution; durchsetzen sollte sie Ministerpr\u00e4sident St\u00fcrmer sowie sein sp\u00e4terer Innenminister Protopopow, von dem noch zu sprechen sein wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es war also nicht die St\u00e4rke oder die Hartn\u00e4ckigkeit, mit der die Dumaopposition auftrat, \u2026 sondern die politische und gesellschaftliche Schw\u00e4che dieser Kr\u00e4fte. Neben der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung des parlamentarischen Systems durch den Zaren \u2026 w\u00fcrde eine weitere Zusammenarbeit mit der Dumaopposition, wie das gerade zitierte Papier richtig feststellte, die politische Rechte weiter schw\u00e4chen, ohne den Zaren letztendlich vor einer Volksrevolution retten zu k\u00f6nnen. Von daher besa\u00df der Kurs auf die bewaffnete Niederwerfung eines Volksaufstandes mit anschlie\u00dfender Zerschlagung der b\u00fcrgerlichen Opposition eine gewisse innere Logik und wurde ab 1916 immer offener verfolgt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die alliierten Botschafter schlagen Alarm<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Kurswechsel alarmierte nicht nur die b\u00fcrgerliche Opposition, sondern ebenso die Botschafter der beiden entscheidenden russischen Kriegsalliierten, Frankreich und das Vereinigte K\u00f6nigreich. Beide Botschafter verst\u00e4ndigten ihre Regierungen \u00fcber den russischen Kurswechsel in der Innenpolitik, der ihrer Auffassung nach unvermeidlich einen au\u00dfenpolitischen Kurswechsel herbeif\u00fchren w\u00fcrde, n\u00e4mlich den in alliierten Kreisen so gef\u00fcrchteten Separatfrieden mit den Mittelm\u00e4chten. Dieser Gedankengang lag nahe, da die neuen zaristischen Minister bekannte Anh\u00e4nger eines \u00bbgermanophilen\u00ab Kurses waren. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Protopopow betritt die Ministerb\u00fchne<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bef\u00fcrchtungen der alliierten Botschafter und der b\u00fcrgerlichen Opposition erhielten eine weitere Best\u00e4tigung, als ein ehemaliges Mitglied des Progressiven Blocks zum Innenminister ernannt wurde, wiederum auf Empfehlung der Zarin und Rasputins. Dieser neue Innenminister, Protopopow, hatte als Dumaabgeordneter an einer Rundreise durch die Ententel\u00e4nder teilgenommen. Auf der R\u00fcckreise \u00fcber Schweden f\u00fchrte er dort Gespr\u00e4che mit dem Bankhaus Warbug &amp; Co, das als Vertreter deutscher Interessen im Ausland galt. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Er wurde im Herbst 1916 zum neuen Innenminister ernannt und blieb es gegen alle Widerst\u00e4nde (der Duma und der Alliierten) bis zur Februarrevolution, w\u00e4hrend St\u00fcrmer im Sommer 1916 auch den bisherigen \u00bbententetreuen\u00ab Au\u00dfenminister ersetzte, indem er selber das Au\u00dfenministerium \u00fcbernahm.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So wurde Protopopow im Winter 1916\/1917 zur zentralen Figur der politischen Reaktion. Er wurde verd\u00e4chtigt, Anh\u00e4nger eines Separatfriedens zu sein, die Unruhen im Inneren Russlands zu f\u00f6rdern sowie die Versorgungslage Petrograds systematisch zu verschlechtern, um einen Aufstand der hungernden Bev\u00f6lkerung zu provozieren, der dann mittels Polizei und Gendarmerie niedergeschlagen werden sollte. Sollten diese Kr\u00e4fte nicht ausreichen, sollten die in der Hauptstadt stationierten Truppenverb\u00e4nde zur Unterst\u00fctzung herangezogen werden. Ziel dieser Operation war, die Streikbewegung der Arbeiterschaft durch Militarisierung der Fabriken zu brechen und dabei zugleich auch die b\u00fcrgerlich-liberale Opposition der Duma zu zerschlagen. Am Ende sollte es weder eine Duma, noch eine liberale Opposition, geschweige denn eine Arbeiterbewegung geben. Kurz zusammengefasst: das gesamte Programm, wie es schon der fr\u00fchere Innenminister <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durnowo dem Zaren vorgetragen hatte. &#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Der Progressive Block muss handeln<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Opposition in der Duma war der politische Schwenk der zaristischen Regierung nicht entgangen. Was konnte sie tun, wenn sie die Revolution mehr f\u00fcrchtete als den Erhalt der Autokratie? Wo sollte sie Kr\u00e4fte gewinnen, wenn sie sich mehr vor dem Volk als vor dem Zaren und seinen Schwarzhundertern f\u00fcrchtete? Da die Bourgeoise sich ihrer politischen Schw\u00e4che bewusst war, blieben ihr nur zwei M\u00f6glichkeiten zu handeln. Als erstes und vor aller Augen: Appelle, Aufrufe und Enth\u00fcllungen, um die \u00f6ffentliche Meinung von der Duma-Trib\u00fcne aus und in ihrer Presse gegen die zaristische Regierung aufzubringen. Das zweite musste verdeckt geschehen, unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit und der zaristischen Verwaltung: die Konspiration mit den Alliierten, der Armeef\u00fchrung und den Mitgliedern des Romanows-Clans f\u00fcr einen Staatsstreich oder eine Palastrevolution. Diese beiden Punkte wurden zum Aktionsprogramm der b\u00fcrgerlichen Opposition im Kriegswinter 1916\/1917.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im August 1914 hatten der liberale Adel und das B\u00fcrgertum enthusiastisch den Kriegseintritt des Zarenreiches an der Seite der Entente gefeiert. Die b\u00fcrgerliche Opposition in der Duma wurde zur \u00bbOpposition Ihrer Majest\u00e4t\u00ab und hatte die Absicht, w\u00e4hrend des Krieges getreulich am Burgfrieden festzuhalten. Aber trotz dieser vorbehaltlosen Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrte der Zarismus keine anderen Zugest\u00e4ndnisse an Bourgeoisie und liberalen Adel als das Recht, sich landesweit zur Unterst\u00fctzung des Krieges und Milderung der Kriegsfolgen zu organisieren und sich dabei an den Kriegsauftr\u00e4gen zu bereichern. Eine ernsthafte politische Beteiligung an der Regierung oder Verwaltung des Landes schloss der Zarismus weiterhin kategorisch aus.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nun hatte der Krieg bereits in seinem ersten Jahr die vollkommene Unf\u00e4higkeit, Korruption und Hilflosigkeit der zaristischen Milit\u00e4rf\u00fchrung und der politischen Verwaltung schonungslos aufgedeckt. Die Armee besa\u00df zu wenige Waffen, zu wenig Munition und einzig an inkompetenter milit\u00e4rischer F\u00fchrung mehr als genug. Dar\u00fcber hinaus war die zaristische Regierung nicht in der Lage, die Millionen von Fl\u00fcchtlingen aus den Kriegsgebieten unterzubringen und zu versorgen. Ihr Versagen an allen Fronten des milit\u00e4rischen, \u00f6konomischen, administrativen Handelns war un\u00fcbersehbar.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dies veranlasste die Dumamehrheit 1915, sich zum Progressiven Block zusammenzuschlie\u00dfen, einerseits um den politischen Druck auf den Zarismus f\u00fcr eine Regierung des \u00bbgesellschaftlichen Vertrauens\u00ab zu erh\u00f6hen, anderseits aber auch, um den Zarismus in seinen Kriegsanstrengungen zu st\u00fctzen. \u00bbAuf Dr\u00e4ngen der Kadetten schlossen sich alle Dumaparteien mit Ausnahme der radikalen Rechten und Linken zum Progressiven Block zusammen. Allerdings wurde die Breite der Einheitsfront mit der Ausklammerung zentraler Probleme erkauft. Das Programm lie\u00df nicht nur M\u00e4\u00dfigung, sondern auch eine betr\u00e4chtliche Unverbindlichkeit erkennen. Den Bauern versprach es rechtliche Gleichstellung, den Arbeitern die Wiederzulassung der Gewerkschaften, den religi\u00f6sen und nationalen Minderheiten das Ende der Diskriminierung \u2026 Aber es schwieg sich \u00fcber die Agrarfrage und soziale Reformen ebenso aus wie \u00fcber Einzelheiten einer besseren Verfassung. Kern der Plattform und Raison d\u00b4\u00eatre des Blocks war letztendlich nur eine Forderung: die nach einer \u203aRegierung des gesellschaftlichen Vertrauens\u2039.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a> \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der \u00dcbergang der b\u00fcrgerlichen Opposition zur offenen Konfrontation mit der Regierung hatte zwei uns bereits bekannte Gr\u00fcnde: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Erstens die Gefahr eines Separatfriedens mit Deutschland, eine Gefahr, die von der Duma und den alliierten Botschaftern heftig beschworen wurde; zweitens die nach der Ansicht des Progressiven Blocks noch viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr eines Staatsstreichs im Inneren als Ergebnis sozialer Unruhen, worauf die zaristische Verwaltung gezielt hinsteuerte. Diese zweite Gefahr wurde allerdings nicht von der Rednertrib\u00fcne der Duma verk\u00fcndet, sondern intern, in den eigenen Reihen und mit den Botschaftern der Alliierten besprochen, die dies dann getreulich ihren Regierungen meldeten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da man die Angst der Bourgeoisie vor der Revolution schlecht in den Mittelpunkt der \u00f6ffentlichen Kritik stellen konnte, konzentrierte sich der Angriff auf die katastrophalen Fehler in der Kriegsf\u00fchrung und der Versorgung von Armee und Bev\u00f6lkerung. Pawel Miljukows Rede im November 1916, die diese Fehler und Vers\u00e4umnisse der Regierung in den letzten Jahren auflistete, endete bei jedem dieser angef\u00fchrten Fehler und Vers\u00e4umnisse mit der rhetorischen Frage: \u00bbWar dies Dummheit oder Verrat?\u00ab Und der Saal der Duma antwortete fast einm\u00fctig: \u00bbVerrat\u00ab. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Miljukow-Rede in der Duma hatte betr\u00e4chtliche Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Meinung. Obwohl eine Publizierung des Redetextes und des Dumaprotokolls in der Presse unterbunden wurde, zirkulierte der Text auf unz\u00e4hligen Flugbl\u00e4ttern im gesamten Land und damit auch im Offizierskorps. Hier stie\u00df diese Rede ebenso wie in der \u00d6ffentlichkeit auf gro\u00dfe Resonanz. Vermeintlich erkl\u00e4rte der von den Kreisen um die Zarin unternommene \u00bbVerrat\u00ab die nicht enden wollenden Niederlagen der Armee und die schlechte Versorgungslage im Inneren, so dass die Armeef\u00fchrung nun ihre eigene Unf\u00e4higkeit problemlos den \u00bbdeutschen Verr\u00e4tern\u00ab in der zaristischen Regierung und Verwaltung anlasten konnte. &#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Milit\u00e4raktion oder Palastrevolution?<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So brachten die Dumareden weder die proletarischen und b\u00e4uerlichen Massen hinter die Parolen des Progressiven Blocks noch bewegten sie die zaristische Regierung, vom Kurs der bewaffneten Konterrevolution im Inneren Abstand zu nehmen. Einzig die Armeef\u00fchrung r\u00fcckte n\u00e4her an die Dumaf\u00fchrung heran und begann in Hinterzimmern, mit ihr und den Vertretern der Alliierten zu konspirieren.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein Milit\u00e4rputsch oder eine Palastrevolution blieben somit die letzten M\u00f6glichkeiten der b\u00fcrgerlichen Opposition. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So standen im dritten Kriegswinter Zar Nikolaus und die politisch das Geschehen dominierende Zarin ziemlich einsam da, gest\u00fctzt nur noch von den Kr\u00e4ften der politischen Reaktion, der Polizei, der Ochrana, den baltischen Adeligen und von Teilen des alten Gro\u00dfgrundbesitzes sowie darauf hoffend, dass die russische Bauernschaft im Soldatenrock in ihrer Treue zum Zaren fest blieb. Die Arbeiterschaft, die b\u00fcrgerliche Opposition, bedeutende Teile des Offizierskorps sowie der Romanow-Clan selbst standen im Gegensatz zum Zaren und seiner Regierung.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>(Soweit die Ausz\u00fcge aus Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, Seiten 9 \u2013 30)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Am 30. Oktober 1517 soll Luther seine 95 Thesen an einer Kirchent\u00fcr in Wittenberg befestigt haben. Der Vorgang selbst ist nicht eindeutig belegt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Auseinandersetzung mit dem Marxismus als Weltanschauung und revolution\u00e4rer Theorie findet nicht statt, stattdessen wird die Person Lenins ins Zentrum ger\u00fcckt und d\u00e4monisiert.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Russland \u2013 Vom Zarenreich zur Weltmacht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Dass sie den &#8222;Trick&#8220; auch im Januar 1918 auf der Konstituierenden Versammlung noch immer nicht kannten, obwohl Lenin ihn ja im Oktober 1917 vorgef\u00fchrt hatte, sollte zu denken geben. Der &#8222;Trick&#8220; funktionierte n\u00e4mlich nur, wenn man bereit war, mit der Bourgeoisie zu brechen. Dazu war die Mehrheit der sozialrevolution\u00e4ren Abgeordneten auch im Januar 1918 nicht bereit. Man wollte in der Agrarfrage noch immer einen Kompromiss mit der Bourgeoisie aushandeln.<br \/>\nDazu Trotzki treffend: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Das Programm der Sozialrevolution\u00e4re hatte stets viel Utopisches enthalten: sie wollten den Sozialismus auf der Basis der kleinen Warenwirtschaft errichten. Doch die Grundlage ihres Programms war demokratisch-revolution\u00e4r: Enteignung des Bodens der Gutsbesitzer. Vor die Notwendigkeit gestellt, das Programm zu erf\u00fcllen, verstrickte sich die Partei in Koalitionen. Gegen eine Bodenkonfiskation erhoben sich unvers\u00f6hnlich nicht nur die Gutsbesitzer, sondern auch die kadettischen Bankiers: im Bodenbesitz waren nicht weniger als vier Milliarden Rubel der Banken investiert. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>Da sie planten, in der Konstituierenden Versammlung mit den Gutsbesitzern um den Preis zwar zu handeln, aber friedlich abzuschlie\u00dfen, waren die Sozialrevolution\u00e4re eifrigst bem\u00fcht, den Muschik nicht an den Boden heranzulassen<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">.&#8220; (<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Leo Trotzki, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Geschichte der russischen Revolution, Berlin 1960, Fischer Verlag, S. 526) Es war also weniger ein &#8222;Trick&#8220; als vielmehr die banale pekuni\u00e4re Frage nach der Entsch\u00e4digung der Landeigent\u00fcmer, um das B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie nicht zu besch\u00e4digen.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> GEO-EPOCHE: Die russische Revolution. Hier wird in acht Kapiteln die Geschichte der handelnden Hauptakteure vom Ende des Zarismus bis Stalins Aufstieg abgehandelt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Ko-Produktion von Arte und ZDF. Die Produktion war bereits im Fernsehen zu sehen und wird uns sicher noch das eine oder andere Mal bis zum Jahresende gezeigt werden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Das entsprechende Kapitel hat den Titel: &#8222;Der rote Putsch&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Robert Service: Lenin. Eine Biographie; M\u00fcnchen 2002. Das Werk ist akribisch in allen Belanglosigkeiten und weitgehend substanzlos bei der Behandlung politischer Fragen. Wen es interessiert zu erfahren, wer aus dem Leninschen Umfeld die besten H\u00fchnergerichte bereiten konnte (S. 365), oder welchen nirgendwo n\u00e4her bezifferten Anteil an der Oktoberrevolution Frau Luise Kammerer, Frau eines Z\u00fcricher Schusters hatte (S. 315-316), wird bei R.\u00a0Service auf seine Kosten kommen, muss daf\u00fcr aber 68 Euro zahlen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Robert Service, ebenda S. 352. Das gibt nat\u00fcrlich eine schl\u00fcssige Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Oktoberrevolution.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die entsprechenden Kapitel stellen Stolypin, Miljukow und Lenin vor (Kapitel\u00fcberschrift: Der Radikalste der Radikalen).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rademacher schreibt im DuMont-Verlag Urlaubskrimis, die in der Provence spielen und unterhaltsamer zu lesen sind als seine Ausfl\u00fcge in die Geschichte. Der antikommunistische, moralisierende Grundtenor ist auch den Herausgebern des GEO-Heftes nicht entgangen, die unter den Text von Rademacher die Bemerkung setzen: &#8222;Angesichts der Gewalt der Bolschewiki bedauert es der Autor nicht wirklich, dass die meisten f\u00fchrenden Revolution\u00e4re sp\u00e4ter Josef Stalin zum Opfer fielen.&#8220; Wir w\u00fcrden es auch nicht bedauern, wenn der Autor k\u00fcnftig auf eine Umschreibung der Geschichte verzichten w\u00fcrde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Ziel des Austritts war es, &#8222;die Freiheit zu gewinnen, den Massen unsere Ansichten darzulegen \u2026 und sie aufzurufen, unsere Forderung nach einer sofortigen Einigung \u00fcber eine Regierung aus allen Sowjetparteien zu unterst\u00fctzen. Offenbar hofften Kamenew und seine Mitstreiter, dass sie mit ihrem R\u00fccktritt Unterst\u00fctzung in der Partei mobilisieren k\u00f6nnten.&#8220; Siehe Alexander Rabinowitch: Die Sowjetmacht, Essen 2010, S. 55. Rademacher gibt Rabinowitch als Leseempfehlung am Kapitelende an, eine Empfehlung, der wir uns nur anschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Nur kommt Rabinowitch zu durchaus anderen Schlussfolgerung als unser Krimiautor bei seinem Ausflug in den Bereich der moralisierenden Historik.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Worum ging es inhaltlich und weshalb lohnt es sich, darauf n\u00e4her einzugehen? Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki versuchten vermittels der Eisenbahnergewerkschaft, die Bolschewiki zur Fortsetzung der Koalitions-Regierung mit der Bourgeoisie zu bewegen. Ihre popul\u00e4re Forderung \u2013 auf die der Kamenew-Fl\u00fcgel in den Verhandlungen einging \u2013 war die einer sozialistischen Sowjetregierung ohne Lenin und Trotzki. Dieser Vorgang wird in fast jeder b\u00fcrgerlichen Lenin-Biographie angef\u00fchrt, als Beleg des kompromisslosen Machtstrebens Lenins, der nur zum Zwecke des eigenen Machterhalts der popul\u00e4ren Forderung nach einer gemeinsamen Regierung aller Sowjetparteien eine Absage erteilt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">So popul\u00e4r die Forderung nach einer Regierung der Sowjetparteien bei der Arbeiterschaft im Winter 1917 war, so klar wurden aber auch schon damals die politischen Grenzen einer solchen Koalition definiert. Eine &#8222;Delegation Tausender Arbeiter der Putilow-Werke&#8220; \u00fcberbrachte den Verhandelnden zur Regierungsbildung eine Resolution. In diese Resolution &#8222;bekr\u00e4ftigte (man), dass die Bildung einer rein sozialistischen Regierung von entscheidender Bedeutung sei, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>doch m\u00fcsse sie das Programm des Sowjetkongresses \u00fcbernehmen, wie es in den Dekreten \u00fcber Land, Frieden, Arbeiterkontrolle<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> und die sofortige Einberufung der Konstituierenden Versammlung enthalten sei. Sie m\u00fcsse sich die Notwendigkeit eines erbarmungslosen Kampfes gegen die Konterrevolution zu eigen machen, den zweiten Sowjetkongress \u2026 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>als einzige legitime Quelle politischer Macht anerkennen \u2026und allen Organisationen, die nicht im Sowjet vertreten waren, die Beteiligung am ZEK verwehren<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">.&#8220;(Rabinowitch, ebenda)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Damit war die &#8222;sozialistische Sowjetregierung&#8220; politisch unm\u00f6glich, was Lenin und Trotzki vollkommen klar war. Auf diesem Boden waren nur die linken Sozialrevolution\u00e4re bereit, sich an der Regierung zu beteiligen. Alle anderen Sowjetparteien suchten weiterhin den Schulterschluss mit Teilen der Bourgeoisie, in welcher Verkleidung auch immer (z. B. Vertreter der Stadtduma etc.) Der Versuch Kamenews, Sinowjews und ihrer Anh\u00e4nger, die Oktoberrevolution nach rechts zu korrigieren, traf auf den entschiedenen Widerstand der proletarischen Massen der Hauptstadt. Andererseits waren Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki in ihrer Mehrheit ebenso wenig bereit, sich von der Bourgeoisie zu l\u00f6sen und die Beschl\u00fcsse des 2.Sowjetkongresses als Grundlage einer k\u00fcnftigen Regierungspolitik anzuerkennen. Im besten Fall kann man diesen Vorsto\u00df Kamenews als politisch naiv und wirklichkeitsfremd bezeichnen, im negativsten Fall als Versuch der Liquidierung der Errungenschaften der Oktoberrevolution.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Den uns bisher bekannten linken Publikationen zum Thema ist augenf\u00e4llig eines gemeinsam: Eine Auseinandersetzung mit dem b\u00fcrgerlichen Forschungstand zu den russischen Revolutionen fehlt ebenso wie eine Kritik an der Popularisierung dieser Positionen, wie sie beispielsweise im genannten GEOEPOCHE-Heft oder der diesem Heft beiliegenden Fernsehproduktion stattfindet.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">ZEITGeschichte, S. 28<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier: Russische Revolutionen 1905-1921; Frankfurt\/M. 1989, S. 146f<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Zur Auseinandersetzung mit dieser Auffassung siehe Schr\u00f6der\/Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, S. 42<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Im weiteren Verlauf von Hildermeiers Artikel treffen wir auf zwei uns bereits bekannte Theorien der b\u00fcrgerlichen Geschichtsschreibung: Die Oktoberrevolution als &#8222;Staatsstreich&#8220; der Bolschewiki und sozialistische Allparteienregierung, die nach dem Oktober &#8222;in der Logik des Geschehens gelegen h\u00e4tte&#8220;. Zu dieser Logik siehe Fu\u00dfnote 13.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Luks erkl\u00e4rt das Scheitern der &#8222;Demokratie&#8220; aus der &#8222;Konfrontation mit einer totalit\u00e4ren Partei&#8220;, die die neuen Freiheiten ausn\u00fctzt, um die Demokratie zu st\u00fcrzen. Diesen Ansatz dehnt er dann auch auf die faschistische Machtergreifung in Italien und die nationalsozialistische in Deutschland aus. Hier triumphiert die Ideologie (Totalitarismustheorie) \u00fcber die Besch\u00e4ftigung mit den historischen Tatsachen. Auf dieser allgemeinen und abstrakten Ebene kann man Luks These mit der Frage konfrontieren, ob die &#8222;Demokratie&#8220; nicht vielleicht daran scheiterte, dass sie die politischen und sozialen Interessen der Arbeiter und Kleinb\u00fcrger in den genannten L\u00e4ndern missachtet hat?<br \/>\nKonkret f\u00fcr Russland f\u00fchrt dazu Luks<\/span><\/span><sub><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8218;<\/span><\/span><\/sub><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Berufskollege Klaus Latzel im selben ZEITGeschichte Heft aus: &#8222;Die Provisorische Regierung \u2026 wollte nicht sehen, dass es die Gewalt des Krieges und die soziale Not im Reich waren, die gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung zur Verzweiflung oder in den Aufstand trieben. Insofern war die Oktoberrevolution nicht nur ein Milit\u00e4rputsch oder ein Staatsstreich. \u2026 Um die Oktoberrevolution zu verstehen, muss man das Unverm\u00f6gen der russischen Demokraten in den Blick nehmen, mit den dringenden Problemen des Landes fertig zu werden, die sich nach der Februarrevolution stellten.&#8220; (S. 82)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> David Anin: Die russische Revolution von 1917 in Berichten ihrer Akteure; M\u00fcnchen 1976, S. 22. Anin verwendet den Begriff &#8222;Die russische Revolution&#8220;, weil es f\u00fcr ihn nur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i><b>eine<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Revolution, die Februarrevolution, gegeben hat. Im Gegensatz zur Februarrevolution, &#8222;war der Oktober eine Geheimverschw\u00f6rung&#8220; (ebenda S. 65). Dies ist, wie wir auf den vorherigen Seiten gesehen haben, eine bis heute g\u00e4ngige b\u00fcrgerliche Interpretation der Ereignisse. Anins Publikation zur Februarrevolution ist informativ und trotz ihres Alters weiterhin empfehlenswert. Bedauerlicherweise ist sie nur noch antiquarisch zu erwerben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hans Hautmann, Marxistische Bl\u00e4tter, Nr. 3\/2017, S. 82<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu Anin, S. 49<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Die Mehrheit in den Sowjets stellten die Sozialrevolution\u00e4re und die Menschewiki. Das erkl\u00e4rte sich durch die Ver\u00e4nderungen in der Zusammensetzung der Arbeiterschaft w\u00e4hrend des Krieges, die die soziale Inhomogenit\u00e4t verst\u00e4rkten. Ein nicht geringer Teil der zur Armee einberufenen Stammarbeiter wurde durch Handwerker, Ladenbesitzer und Angeh\u00f6rige der Dorfbev\u00f6lkerung ersetzt.&#8220; (Hautmann, S. 91) Wohlgemerkt, es ist von jener Arbeiterschaft die Rede, die gerade nach mehrt\u00e4gigen Stra\u00dfenk\u00e4mpfen das \u00dcberlaufen der b\u00e4uerlichen Regimenter der Hauptstadt erzwungen hatte und wenige Wochen sp\u00e4ter, im April, die politischen K\u00f6pfe der Kadetten und Oktobristen zum R\u00fccktritt aus der Regierung zwingen wird.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Anin, S. 52-53. Trotzkis Erkl\u00e4rung dieses un\u00fcbersehbaren Tatbestandes hat zweifellos mehr Charme als die &#8222;kleinb\u00fcrgerliche Durchsetzung des Proletariats&#8220;. F\u00fcr ihn organisierten die Bolschewiki die Revolution auf der Stra\u00dfe, w\u00e4hrend die anderen sozialistischen Kr\u00e4fte in Hinterzimmern den Sowjet zusammenschusterten. Der Charme macht die Erkl\u00e4rung aber nicht politisch richtiger. Es mangelte den Bolschewiki im Februar und M\u00e4rz 1917 an organisatorischer Pr\u00e4senz und an politischer Bedeutung. Dazu waren sie noch von Agenten der zaristischen Geheimpolizei durchsetzt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Durch die Februarrevolution wurde die russische Gro\u00dfbourgeoisie f\u00fcr acht Monate zur herrschenden Klasse. Ihrer politischen Einstellung nach war sie oktobristisch-kadettisch. Der oktobristische, reaktion\u00e4re Fl\u00fcgel vertrat primitiv-r\u00e4uberische Methoden der kapitalistischen Ausbeutung, w\u00e4hrend die Kadetten die \u00f6konomisch progressiveren Schichten der Bourgeoisie verk\u00f6rperten, die die neuesten &#8218;europ\u00e4ischen&#8216; Ausbeutungsformen ausn\u00fctzten. Diese Fraktion hatte innerhalb der russischen Kapitalistenklasse in der Kriegszeit die Dominanz inne.&#8220; (Hautmann, S. 84) Mit dieser &#8222;\u00f6konomistischen&#8220; Unterscheidung trifft man die politischen Unterschiede dieser Parteien sicherlich nicht, enthebt sich aber der Aufgabe zu erkl\u00e4ren, weshalb diese Parteien sich im Jahr 1915 zum &#8222;progressiven Block&#8220; zusammenfanden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint sind Gutschkow (Oktobrist und Verteidigungsminister) und Miljukow (Kadett und Au\u00dfenminister)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der Inhalt des Artikels besch\u00e4ftigt sich mehr mit dem Scheitern der Sowjetunion als mit den russischen Revolutionen von 1917.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Alexander Kerenski: Die Kerenski Memoiren, Russland und der Wendepunkt der Geschichte, Hamburg 1989<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> So behauptet der Rezensent auf S.\u00a018 der Arbeiterstimme, dass Kerenski &#8222;im Grunde (seines) Herzen Monarchist (war).&#8220; Beleg daf\u00fcr: Kerenski habe als 13j\u00e4hriger bei der Nachricht vom Tode des vorherigen Zaren geweint.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Frank Deppe: 1917 \u2013 2017, Revolution und Gegenrevolution, VSA-Verlag 2017; Stefan Bollinger: Revolution gegen den Krieg, Skizzen zu Geschichte und Aktualit\u00e4t der Russischen Revolutionen 1917-1922 (Arbeitstitel), Eulenspiegel Verlagsgruppe 2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Den genannten Revolutionen soll gemeinsam gewesen sein, &#8222;dass \u2013 in allen F\u00e4llen \u2013 die revolution\u00e4re Krise heranreifte, weil die agrarischen Strukturen auf eine autokratische und protob\u00fcrokratische Staatsorganisation prallten.&#8220; (Z\u00a0109, S.\u00a013). Da die agrarischen Strukturen in den drei L\u00e4ndern ebenso unterschiedlich waren wie die dort handelnden Klassen oder der jeweilige Staatsapparat, ist der Vergleich von Frau Skocpol sehr gewagt und der Erkenntnisgewinn m\u00f6glicherweise doch so begrenzt wie das angef\u00fchrte Zitat.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p align=\"justify\"><a name=\"_Hlk483904202\"><\/a> <a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Die Tatsachen, die seit der Revolution ans Licht gekommen sind, kl\u00e4ren eine Situation, die seinerzeit recht undurchsichtig war. Die Ger\u00fcchte, die \u00fcberall herumschwirrten und den wohlbeh\u00fcteten Mitgliedern der interalliierten Delegation zu Ohren kamen, wurzelten in dem Erdreich einer zweifellos vorhandenen Verschw\u00f6rung. Die Heerf\u00fchrer hatten bereits faktisch beschlossen, den Zaren abzusetzen. S\u00e4mtliche Generale sollten beteiligt gewesen sein. Der Stabschef General Alexejew war sicherlich in die Verschw\u00f6rung verwickelt; Russki, Iwanow und Brussilow sympathisierten mit ihr. Als dem letzteren die Frage der Absetzung des Zaren vorgelegt wurde, soll er gesagt haben: &#8218;Wenn ich zwischen dem Zaren und meinem Vaterlande zu w\u00e4hlen habe, werde ich f\u00fcr das letztere entscheiden.&#8216; Die Stimmung der Offiziere \u00e4u\u00dferte sich deutlich genug in den \u00fcberschw\u00e4nglichen Demonstrationen, als die Nachricht von der Ermordung Rasputins eintraf. Ein weiterer Beweis f\u00fcr die Verschw\u00f6rert\u00e4tigkeit der Heerf\u00fchrer ist der Umstand, dass die in Petrograd stationierten Regimenter aus jungen Rekruten bestanden, die soeben aus den Fabriken kamen und vor Unzufriedenheit sch\u00e4umten, gef\u00fchrt von Offizieren, deren Zahl nicht ausreichte, und die zu einem gro\u00dfen Teil eben erst aus den Spit\u00e4lern entlassen worden waren, krank, verwundet, zusammengebrochen. \u2026<br \/>\nSie (gemeint sind die Gener\u00e4le, A.S.) waren entschlossen, Nikolaus den II loszuwerden. Es ist kennzeichnend, dass, als die Nachricht von dem Ausbruch der Unruhen in Petrograd das Oberste Hauptquartier erreichte und der Zar sofort in die Hauptstadt zur\u00fcckkehren wollte, um das Kommando zu \u00fcbernehmen, er in Pskow durch General Russki aufgehalten wurde. Die Explosion erfolgte vorzeitig \u2013 zufolge eines unerwarteten Ausbruches unter dem elenden stehenden Heer der Menschenschlangen, die ihre Not nicht mehr ertragen konnten -, bevor die milit\u00e4rische Z\u00fcndschnur zum Abbrennen fertig war. Die Explosion sprengte den Zarismus in die Luft, zerschmetterte aber gleichzeitig das gutorganisierte Komplott der Generale. Das Feuer, das zu fr\u00fch ausbrach, konnte durch die Brandstifter nicht mehr kontrolliert werden. An die Stelle eines wohlgeregelten Staatsstreiches der Generale, der vom Hauptquartier aus geleitet wurde und fest umrissenen Traditionen folgte, trat ein Aufstand des Proletariats, dessen Verlauf kein Pr\u00e4zedenzfall regeln konnte, au\u00dfer der der Franz\u00f6sischen Revolution.<br \/>\nDie Beweismaterialien, auf die ich die hier angef\u00fchrten Schlussfolgerungen in Bezug auf die Ursachen der Revolution st\u00fctze, entstammen fast ausschlie\u00dflich offiziellen Berichten, die sich in meinem Besitz befinden.&#8220; (David Lloyd George: Mein Anteil am Weltkrieg, Kriegsmemoiren Bd. 2, Berlin 1934, S. 308-309)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Z 109, S. 33<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der Text des Schutzumschlages des Piper Verlages macht aus Suchanow einen parteilosen Sozialisten, der &#8222;der Regierung des Zaren (angeh\u00f6rt)&#8220; h\u00e4tte. Eine Absurdit\u00e4t, die dem Lektorat keine Ehre macht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Im September 1915 trafen sich in Zimmerwald (Schweiz) linke Vertreter der europ\u00e4ischen Sozialisten und verabschiedeten mehrheitlich eine Resolution f\u00fcr einen sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen. Dies war die erste gemeinsame \u00f6ffentliche Stellungnahme von Sozialisten und Sozialdemokraten der kriegf\u00fchrenden L\u00e4nder gegen die vorherrschende Politik des Sozialpatriotismus. Als Friedenslosung war diese Formel allerdings unzul\u00e4nglich, da sie die sog. revolution\u00e4re Vaterlandsverteidigung, das hei\u00dft die weitere Fortf\u00fchrung des Krieges, zulie\u00df.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">LW Bd. 25, S.\u00a0297<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Alfred Schr\u00f6der\/Heiner Karuscheit: Das Revolutionsjahr 1917, Hamburg 2017<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Pipes 1992, S. 425; auf eine Literaturliste wird in den hier abgedruckten Ausz\u00fcgen verzichtet; sie findet sich in dem zitierten Buch.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Pipes 1992, S. 473<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Russland hatte 1914 \u00fcber 5 Mio. Rekruten f\u00fcr den Krieg einberufen. In immer neuen Rekrutierungswellen wurden bis 1917 \u00fcber 15 Mio. Soldaten rekrutiert.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Petrograd hatte zu diesem Zeitpunkt ca. 2 bis 2,5 Mio. Einwohner; die Zahlenangaben schwanken.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber die K\u00e4lte mit ihrem Dauerfrost versch\u00e4rfte nicht nur die Versorgungslage in Petrograd, sie schuf zugleich eine der praktischen Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg der anstehenden Revolution. Die Stadt selbst war so angelegt worden, dass ihr politisches Zentrum jederzeit von den Vororten mit dem industriellen Proletariat abgeschnitten werden konnte, indem die Zugbr\u00fccken \u00fcber die Newa und ihre Seitenarme hochgezogen wurden. Die K\u00e4lte des Februars aber lie\u00df die Newa komplett zufrieren. Ein Hochziehen der Zugbr\u00fccken verhinderte unter diesen Bedingungen nicht mehr das Vordringen der Demonstrierenden in die Innenstadt. Das Eis der Newa war zu einer breiten \u00bbBr\u00fccke\u00ab geworden, die in den entscheidenden Tagen des Februars die Vororte mit dem politischen Zentrum Petrograds verband. Dies ist f\u00fcr den Verlauf der Februarrevolution von wesentlicher Bedeutung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu Gudaitis <\/span><\/span><span style=\"color: #00000a;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">2004<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, S. 124<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Ochrana durfte keine Spitzel oder Agenten im zaristischen Milit\u00e4r unterhalten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Anschaulich geschildert in Figes 1998, Kapitel 7.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> \u00bbBis Anfang 1915 hatte die russische Armee bereits 1,8 Millionen Mann an Toten, Verwundeten und Kriegsgefangenen verloren. Die hohen Verluste halbierten den Kaderbestand der Vorkriegszeit \u2026 der am besten ausgebildeten Truppen. Die zwei Millionen Neurekrutierten, die sie ersetzen sollten, erhielten nur noch eine Grundausbildung von wenigen Wochen, bevor sie an die Front geschickt wurden. Auch ihre Bewaffnung blieb mangelhaft, weil die milit\u00e4rische F\u00fchrung nur f\u00fcr einen kurzen Krieg geplant und den Bedarf an Gewehren und Granaten geh\u00f6rig untersch\u00e4tzt hatte. Das trieb die Verlustraten hoch. Die milit\u00e4rische F\u00fchrung setzte auf zahlenm\u00e4\u00dfige St\u00e4rke. In immer neuen Mobilisierungswellen wurden schlie\u00dflich \u00fcber 15 Millionen rekrutiert.\u00ab (Altrichter 1997, S. 102)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Vielzahl freier Berufe sowie gro\u00dfe Teile der Intelligenz waren im Zarismus vom Wehrdienst freigestellt oder konnten sich ihm ohne Schwierigkeiten relativ problemlos entziehen. Die Hauptlast immer neuer Einberufungswellen trug die russische Bauernschaft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gudaitis 2004, S. 128<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> So wurden 1.000 bis 1.500 Rekruten in Unterk\u00fcnften zusammengepfercht, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine Kompanie ausgelegt waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Neben der Duma das zweite Verfassungsorgan, vorwiegend mit Adligen, hoher Geistlichkeit und einzelnen Industriellen und Bankiers besetzt. Die H\u00e4lfte seiner Mitglieder wurde vom Zaren direkt bestimmt. Die Aufgabe dieses Gremiums war die Pr\u00fcfung von Gesetzen. Der Staatsrat wurde regelm\u00e4\u00dfig zum Friedhof aller Gesetzesinitiativen der Duma. Die letztliche Entscheidungsmacht allerdings lag einzig beim Zaren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Duma war ein nach Zensuswahlrecht und nationalen Beschr\u00e4nkungen gew\u00e4hltes \u00bbParlament\u00ab ohne tats\u00e4chliche Macht. Die letztendliche politische Entscheidung lag beim Zaren und seinem Staatsrat. Die b\u00fcrgerliche Geschichtsschreibung spricht von einem Scheinparlamentarismus oder Scheinkonstitutionalismus. Die Zusammensetzung der Duma bei Ausbruch des Weltkrieges hinsichtlich der politischen Parteien war folgende: zw\u00f6lf Sozialdemokraten (f\u00fcnf Bolschewiki und sieben Menschewiki), zehn Sozialrevolution\u00e4re (Trudowiki), 47 Progressisten, 57 Kadetten, 85 Oktobristen, 33 Zentristen, 20 Progressive Nationalisten, 60 Nationalisten und 64 Rechte (zumeist \u00bbSchwarzhunderter\u00ab).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Kadetten, oftmals als \u00bbProfessorenpartei\u00ab verspottet, vertraten den liberalen Landadel und die Freiberufler. Sie waren die eigentliche Hauptpartei der b\u00fcrgerlichen Opposition.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Oktobristen, rechts von den Kadetten und links von den Schwarzhundertern, vertraten klassenpolitisch gro\u00dfe Teile der industriellen Bourgeoisie, der Banken sowie des konservativen Landadels und beriefen sich auf das Oktoberedikt des Zaren, mit dem er die weitgehend rechtlose Duma ins Leben gerufen hatte. Ihre Gr\u00fcnder, u.a. Alexander Gutschkow, verstanden sie als St\u00fctze des zaristischen Systems.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> 1916 desertierten ca. 1,5 Millionen Soldaten aus der Armee.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Sozialrevolution\u00e4re Partei hatte die Wahl zur IV. Duma boykottiert, weshalb nur die Trudowiki, die sich an dem Boykott nicht beteiligten, in der Duma vertreten waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Russisch-japanischer Krieg von 1904-1905 um die Mandschurei und Korea. Das zaristische Regime hatte diesen Krieg aus innenpolitischen Gr\u00fcnden provoziert und dann blamabel milit\u00e4risch verloren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Auf eine Anfrage der Zarin, ob ein Besuch Rasputins im Hauptquartier der Armee m\u00f6glich sei, antwortete der Befehlshaber sinngem\u00e4\u00df: Rasputin m\u00f6ge gerne kommen, er w\u00fcrde ihn sofort aufh\u00e4ngen lassen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Fischer Weltgeschichte Bd. 31 (1972), S. 265<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gew\u00e4hlte \u00bbLandschaften\u00ab, in denen Vertreter des Adels, der Stadtbewohner und der Bauern Aufgaben der lokalen Verwaltung \u00fcbernahmen. Sie hatten keinerlei politische Befugnisse. Ihre Zust\u00e4ndigkeit erstreckte sich auf das Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen, die Wohlfahrtspflege und die Armenf\u00fcrsorge, die Industrie, den Handel und die Landwirtschaft. Die Finanzierung beruhte auf Steuereinnahmen, f\u00fcr die ebenfalls die jeweiligen Semstwos zust\u00e4ndig waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint ist der russische Bauer, der das Land des Zaren, des Adels und der Kirche beansprucht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Trotzki 1960, S. 42-43<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hildermeier 1989; S. 129<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Schr\u00f6der Der Stand der b\u00fcrgerlichen und marxistischen Publizistik Die Anzahl der Publikationen zum 100. Jahrestag der russischen Revolutionen des Jahres 1917 ist bis dato bescheiden geblieben. Zwar ist es noch etwas hin bis zum Jahrestag der Oktoberrevolution, so dass es voreilig w\u00e4re, ein abschlie\u00dfendes Urteil zu Umfang und Inhalt der Ver\u00f6ffentlichungen zu treffen. 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