{"id":1001,"date":"2018-01-07T07:05:25","date_gmt":"2018-01-07T06:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1001"},"modified":"2018-01-07T07:05:25","modified_gmt":"2018-01-07T06:05:25","slug":"das-jahr-1917-gekuerzte-fassung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1001","title":{"rendered":"Das Jahr 1917 (gek\u00fcrzte Fassung)"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nikolai Bucharin<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><br \/>\nDer nachfolgend in Ausz\u00fcgen abgedruckte Text von Nikolai Bucharin erschien in Russland im Revolutionsjahr 1917, also direkt im Kontext der weltgeschichtlichen Umw\u00e4lzung der Februar- und Oktoberrevolution. Im Original bestand er aus zwei Brosch\u00fcren mit den Titeln &#8222;Der Klassenkampf und die Revolution in Russland&#8220;, sowie &#8222;Von der Diktatur des Imperialismus zur Diktatur des Proletariats&#8220;.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Wer war <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Nikolaj Iwanowitsch <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bucharin, den <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Lenin als <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u201eLiebling der ganzen Partei\u201c bezeichnete und als \u201e\u00fcberaus wertvolle(n) und bedeutende(n) Theoretiker\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> w\u00fcrdigte?<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bucharin wurde<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> 09.\u00a010.\u00a01888 in Moskau geboren und am 15.\u00a003.\u00a01938 hingerichtet. Er trat 1906 in die SDAPR ein und wurde 1909 Mitglied der Moskauer Parteileitung. 1911 wurde er verhaftet und anschie\u00dfend in die Verbannung verurteilt, aus der er bald floh. In den folgenden Jahren lebte er in Deutschland, \u00d6sterreich, Schweiz, Schweden, Norwegen und den USA. Nach der Februarrevolution kehrte er im M\u00e4rz 1917 nach Russland zur\u00fcck und arbeitete als Redakteur der Prawda, die er bis 1929 leitete. Ab 1919 Mitglied des Politb\u00fcros, 1926 Pr\u00e4sident des Exekutivkomitees der Komintern.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Zur Zeit der Abfassung des nachgedruckten Textes geh\u00f6rte Bucharin zum linken Fl\u00fcgel der bolschewistischen Partei und sprach sich gegen einen Separatfrieden mit Deutschland aus. Nach Ende des Kriegskommunismus wurde er ein Propagandist der &#8222;Neuen \u00f6konomischen Politik&#8220;, an der er auch nach Beginn der Kollektivierung 1928 festhalten wollte. So wurde er 1929 als Exponent der \u201eRechtsopposition\u201c aus dem Politb\u00fcro ausgeschlossen.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Warum haben wir diesen Text von Bucharin ausgew\u00e4hlt? Der Text wurde in einem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit den Ereignissen noch im Revolutionsjahr 1917 verfasst und spiegelt somit die politischen Ideen und Konzepte der damals handelnden Akteure weitgehend unbeeinflusst von einer sp\u00e4ter redigierten und kanonisierten Parteigeschichte wider. Er ist somit auch ein &#8222;Augenzeugenbericht&#8220;, wie der in der letzten Nummer der AzD ver\u00f6ffentlichte Text von Suchanow, aber aus einem g\u00e4nzlichen anderen Blickwinkel: dem der Bolschewiki<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>, die von Februar bis Oktober in Opposition zur Sowjetmehrheit bzw. sp\u00e4ter zur Sowjetf\u00fchrung standen. Im Gegensatz zum Suchanow-Text, der in den 20er Jahren entstand und die Ereignisse analytisch reflektiert, verspr\u00fchen Bucharins Brosch\u00fcren auch sprachlich noch direkt den Geist der revolution\u00e4ren Ereignisse, spiegeln die durchaus fehlerhaften Einsch\u00e4tzungen der handelnden Akteure ungeschminkt wieder und lassen es aber auch an kritischer Distanz zur bolschewistischen Politik fehlen. Trotzdem \u2013 oder vielleicht gerade deshalb &#8211; wird der Leser feststellen, dass viele der von Bucharin vorgenommenen grundlegenden politischen Wertungen der Ereignisse im Revolutionsjahr bis heute Allgemeingut linker Geschichtsschreibung sind.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die hier ver\u00f6ffentlichten Textstellen basieren auf einem Nachdruck des VTK-Verlages (Frankfurt am Main 1988). Die Auswahl der Texte Bucharins erfolgt nach Themen und Ereignissen, die den Verlauf der Oktoberrevolution bestimmten. Die \u00dcberschriften sind von mir (A.S.), im Anschluss kommentiere ich die Ausf\u00fchrungen Bucharins oder entnehme sie der gemeinsamen Ver\u00f6ffentlichung mit dem Genossen Karuscheit (Das Revolutionsjahr 1917, VSA-Verlag 2017). Die Fu\u00dfnoten stammen teils aus der urspr\u00fcnglichen Ver\u00f6ffentlichung des Bucharin-Textes, teils von mir (A.S.)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Der Text beginnt zeitlich, wo wir mit der Suchanow-Ver\u00f6ffentlichung in den AzD 84 endeten: mit der Bildung der ersten Provisorischen Regierung nach der Februarrevolution.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die Regierung der &#8222;imperia<\/b><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>listischen Bourgeoisie&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwei Umst\u00e4nde m\u00fcssen hervorgehoben werden, um verst\u00e4ndlich zu machen, warum die vom Volke eroberte Macht in die H\u00e4nde der Provisorischen Regierung &#8211; der imperialistischen Bourgeoisie &#8211; \u00fcberging: erstens spielte hier die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig st\u00e4rkere Organisation dieser Bourgeoisie eine Rolle, zweitens hatte daran der Opportunismus der F\u00fchrer der Arbeiterklasse, richtiger, ihres damals herrschenden Fl\u00fcgels, Schuld. Dieselben Parteif\u00fchrer, die sp\u00e4ter in das halbimperialistische Ministerium<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> eintraten, f\u00fcrchteten sich, obgleich sie eine Pose unvers\u00f6hnlicher Revolution\u00e4re annahmen, die Macht zu ergreifen. F\u00fcr sie war die russische Revolution vor allen Dingen eine Revolution der Bourgeoisie, f\u00fcr ihren feigen, spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Gedankengang war jeder &#8222;\u00fcberfl\u00fcssige&#8220; Schritt abseits von der Herrschaft dieser Bourgeoisie eine Verletzung der heiligen Rechte der &#8222;b\u00fcrgerlichen&#8220; Revolution; f\u00fcr sie galt das Einsch\u00fcchtern der Arbeiter mit dem Gespenst des eingesch\u00fcchterten Bourgeois als unbedingte Pflicht eines Revolution\u00e4rs. Diese Taktik des kleinb\u00fcrgerlichen &#8222;Sozialismus&#8220; war die Erbs\u00fcnde der russischen Revolution.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> wurde die erste Provisorische Regierung aus dem Scho\u00dfe des ultra-reaktion\u00e4ren, kadettischen Dumakomitees geboren. Das Exekutivkomitee des Sowjets lehnte den Eintritt ins Ministerium ab, und nur \u2026 Kerenski<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a> handelte, sich den Weg zur Macht bahnend, zum zweiten Mal dem Beschlusse seiner Kollegen zuwider (das erste Mal ging dieser &#8222;Sozialrevolution\u00e4r&#8220; entgegen der Entscheidung seiner Partei in die Duma). Deshalb war das Kabinett beinahe v\u00f6llig eine Organisation der zeitgem\u00e4\u00dfen finanzkapitalistischen Bourgeoisie. Alexander Gutschkow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>, F\u00fchrer der Oktobristen, Vertreter der Moskauer Kaufmannschaft, ein &#8222;Soldat in Zivil&#8220;, &#8211; wie er sich selbst nannte; \u2026 Paul Miljukow, F\u00fchrer der Partei der Volksfreiheit, Ideologe des russischen Imperialismus, Anh\u00e4nger des internationalen Raubes unter dem seichten Schlagwort der &#8222;Befreiung kleiner V\u00f6lker&#8220;, ein ergebener Freund und Sklave des englischen Kapitals, schlau, skrupellos, mit starkem Willen und Professor<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> der Erziehung zur Niedertr\u00e4chtigkeit; A.J. Konowalow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a>, der gr\u00f6\u00dfte Fabrikherr und B\u00f6rsenmann, ein abgestempelter Vertreter der Unternehmerorganisation; Herr Tereschtschenko<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> &#8211; ein Nachkomme der Aktion\u00e4re der Zuckersyndikate, &#8211; <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">das<\/span><\/span><\/span> <span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">waren die bedeutendsten Figuren der &#8222;revolution\u00e4ren&#8220; Regierung, an deren Spitze F\u00fcrst Lwow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a>, der Vertreter des aufgekl\u00e4rten, gutsherrlichen Adels stand; neben ihm fanden Platz Nekrassow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a>, Godnew<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a>, der andere Lwow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> und der obengenannte B\u00fcrger Kerenski. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Doppelherrschaft oder die &#8222;feige Taktik des kleinb\u00fcrgerlichen Sozialismus&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie feige die Taktik des kleinb\u00fcrgerlichen Sozialismus auch war, der sich damals zum Organisator und Leiter der Mehrheit des Petersburger Proletariats aufschwang, das Gef\u00fcge der Regierungsmacht konnte doch nur auf dem Kompromiss beruhen, d.h. sie musste die tats\u00e4chliche Macht der Arbeiterklasse und des Kleinb\u00fcrgertums widerspiegeln. Die Provisorische Regierung bestand aus Bourgeois par excellence. Aber daneben stand das Exekutivkomitee der Arbeiter- und Soldatendeputierten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Petersburg herrschte \u00fcber Russland; die Arbeiter und Soldaten \u00fcber Petersburg. Das Machtorgan der Petersburger Arbeiter und Soldaten wurde auf diese Weise neben der Provisorischen Regierung zum allrussischen Zentrum der Macht. Das Doppelzentrum der politischen Macht spiegelte den sozialen Widerspruch zwischen der wohlhabenden Bourgeoisie und den Gutsbesitzern einerseits, dem Kleinb\u00fcrgertum, der Bauernschaft und dem Proletariat andererseits wider. Der Sowjet best\u00e4tigte die ber\u00fchmte Formel der Unterst\u00fctzung der Regierung \u2026 &#8222;insofern sie im Einverst\u00e4ndnis mit dem Rat standhaft in Richtung der Festigung der Revolutionseroberungen und der Erweiterung dieser Eroberungen arbeitet.&#8220; Der Kompromisstaktik wurde ein fester Grund gelegt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der erste Akt der provisorischen Regierung h\u00e4tte die Proklamierung der demokratischen Republik sein sollen. Aber die demokratische Republik proklamieren &#8211; das hie\u00dfe auf einmal und unwiderruflich mit der Vergangenheit brechen. Kann man denn ein &#8222;ordentlicher Mensch&#8220; sein und &#8222;t\u00f6richt und sinnlos&#8220; mit dem &#8222;geschichtlich \u00dcberkommenen&#8220; brechen? Und kann man denn nicht in einer konstitutionellen Monarchie den besten Schutz gegen das &#8222;tobende Element&#8220;, die &#8222;Fanatiker&#8220; und die &#8222;Anarchie&#8220; finden? &#8230; Der Gegensatz zwischen der imperialistischen Bourgeoisie und der revolution\u00e4ren Demokratie \u00e4u\u00dferte sich hier mit aller Kraft.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Mitglied des Exekutivkomitees Steklov<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> sagte aus diesem Anlass w\u00e4hrend der Konferenz der Sowjets: &#8222;Ich muss kategorisch erkl\u00e4ren, dass die Vertreter der Kadetten<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> bis zum Schluss und als letzte diesen Punkt bestritten und nicht nur keinesfalls auf Proklamierung der demokratischen Republik eingehen wollten, was wir nicht gewaltsam aufzudr\u00e4ngen w\u00fcnschten &#8230; Wir wussten, dass sie uns, der siegreichen russischen Demokratie, die Romanowsche Monarchie aufdr\u00e4ngen wollten, nicht einfach eine Monarchie, sondern gerade die Romanowsche, und besonders Miljukow bestand darauf, den Thronfolger Alexej als Kaiser auszurufen und den Gro\u00dff\u00fcrsten Michail Alexandrovitsch<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\"><sup>17<\/sup><\/a> als Regenten. Vergebens erkl\u00e4rten wir, dass keine politische Gruppe das Recht habe, der Meinung des ganzen russischen Volkes vorzugreifen &#8230; umsonst erkl\u00e4rten wir ihnen, dass wir in unserer politischen Besonnenheit (!) so weit gehen w\u00fcrden, dass wir ungeachtet der in unseren H\u00e4nden ruhenden physischen Kraft sie nicht zwingen, diese Republik zu proklamieren und nur bitten (!!), die Monarchie nicht zu proklamieren &#8230; Ungeachtet all dessen kam in diesem Punkte keine Einigung zustande.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\"><sup>18<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den &#8222;besonnenen&#8220; F\u00fchrern der Arbeiterklasse und des Kleinb\u00fcrgertums fehlte es &#8222;trotz der physischen Kraft&#8220; an Mut, ein Dekret \u00fcber die Republik zu fordern! Die heuchlerischen Verteidiger der Volksfreiheit<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\"><sup>19<\/sup><\/a> waren frech genug, am folgenden Tage nach dem siegreichen Aufstand die Wiedererrichtung der Romanowschen Monarchie zu verlangen! Das Mitglied der provisorischen Regierung, der Oktobrist Gutschkow, und das Mitglied des Dumakomitees, der Ultrareaktion\u00e4r Schulgin,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\"><sup>20<\/sup><\/a> begaben sich mit dem Segen des Kadetten Miljukow bereits ins Hauptquartier um die &#8222;Heimat vor Anarchie zu bewahren&#8220;, d. h. durch Verrat der Revolution und des Volkes einen Vertrag mit den Banditen des Zarismus zu schlie\u00dfen. Aber Michail Romanov erwies sich nicht als so tapfer, wie Paul Miljukow. Ihm imponierte augenscheinlich doch die &#8222;physische Kraft&#8220;, auf welche sich der Sowjet st\u00fctzte. Das Gesch\u00e4ft der Zensusbourgeois<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> mit den Bewohnern des Wespennestes der Romanow kam nicht zustande. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>1. Doppelherrschaft<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bucharin geht in seinem Text von einer Doppelherrschaft von Sowjet und &#8222;imperialistischer Bourgeoisie&#8220; aus (&#8222;das Gef\u00fcge der Regierungsmacht konnte doch nur auf dem Kompromiss beruhen&#8220;). Steklov und die anderen F\u00fchrer des Sowjets sahen dies durchaus anders<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a> und formulierten treffend den Handlungsspielraum der Regierung: &#8222;insofern sie im Einverst\u00e4ndnis mit dem Rat standhaft in Richtung der Festigung der Revolutionseroberungen und der Erweiterung dieser Eroberungen arbeitet.&#8220; (siehe oben) Die &#8222;imperialistische Bourgeoisie&#8220; war an der Regierung, besa\u00df aber nicht die politische Macht, die weiterhin beim Sowjet verblieb.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>2. Opportunismus &#8222;des damals vorherrschenden Fl\u00fcgels der Arbeiterbewegung&#8220; und die Wirklichkeit<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>&#8222;Zwei Umst\u00e4nde m\u00fcssen hervorgehoben werden, um verst\u00e4ndlich zu machen, warum die vom Volke eroberte Macht in die H\u00e4nde der Provisorischen Regierung &#8211; der imperialistischen Bourgeoisie \u2013 \u00fcberging&#8220;, so Bucharin zu Beginn der angef\u00fchrten Ausz\u00fcge und benennt die st\u00e4rkere Organisation der Bourgeoisie und den Opportunismus der F\u00fchrung der Arbeiterbewegung, genauer: &#8222;ihres damals herrschenden Fl\u00fcgels&#8220;, womit die Bolschewiki von dieser Kritik ausgenommen werden. Dies ist eine besch\u00f6nigende Form der Geschichtsschreibung, da es bis zur R\u00fcckkehr Lenins und der Durchsetzung seiner April-Thesen in der bolschewistischen Partei keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Positionen der Menschewiki, besonders ihres linken Fl\u00fcgels, und den Bolschewiki gab. Bis in den Sommer 1917 hinein gab es allerorten Versuche zur Wiederherstellung der Parteieinheit der SDAPR.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\"><sup>23<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die \u00dcbertragung der Regierungsverantwortung vom Sowjet an die &#8222;imperialistische Bourgeoisie&#8220; des Dumakomitees hatte ganz handfeste, von Bucharin und der nachfolgenden Geschichtsschreibung gerne unterschlagene Gr\u00fcnde: Der Sowjet und die ihn bestimmenden sozialen und politischen Kr\u00e4fte hatten zu den anstehenden Fragen (Krieg und Frieden, Inhalt der Bodenreform, Zeitpunkt der Einberufung der Konstituierenden Versammlung) keine gemeinsamen Positionen. Sie waren somit politisch unf\u00e4hig, eine Regierung zu bilden, ohne ihre jeweiligen Parteien zu spalten oder ihre soziale Basis zu verlieren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a> Dies war der eigentliche Grund, warum die &#8222;Revolution\u00e4re Demokratie&#8220; \u2013 wie die sozialistischen Sowjetgruppierungen sich selbst nannten \u2013 sich str\u00e4ubte, selbst eine Regierung zu bilden.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>3. Die politische Bedeutung der Debatte \u00fcber die Staatsform<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des zitierten Bucharin-Textes besteht darin, dass er die Ursache dieser Debatte nicht versteht, sie nur zitiert, um den Opportunismus der Sowjetf\u00fchrung anzuprangern. Weshalb warf Miljukow diese Frage als einzig ernsthafte Differenz mit dem Sowjet in den Verhandlungen auf? Weil er der festen und durch die Ereignisse best\u00e4tigten Auffassung war, dass die russische Bourgeoisie allein zu schwach sei, die politische Herrschaft in Russland zu behaupten.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a> Die Monarchie sollte Adel und Milit\u00e4rf\u00fchrung in die Herrschaft einbinden, um so die politische Macht der besitzenden Klassen gegen den Sowjet und das Volk behaupten zu k\u00f6nnen. Die Bourgeoise und ihre politischen Parteien allein waren dazu, so Miljukows Einsch\u00e4tzung, zu schwach. Was Suchanow in seinem Tagebuch bei den Verhandlungen mit der Provisorischen Regierung erkannte<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote26sym\" name=\"sdfootnote26anc\"><sup>26<\/sup><\/a>, blieb Bucharin verborgen.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die Klassen der russischen Gesellschaft nach der Februarrevolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit der imperialistischen Bourgeoisie vereinigten sich um die Losung &#8222;Krieg bis zum Ende&#8220; alle Fraktionen der herrschenden Klassen. Die &#8222;Rechten&#8220; verschwanden von der Szene, als ob sie physisch vernichtet w\u00e4ren. Ihre zahlreichen Organisationen mit besonderen Benennungen, ihre von der Zarenherrschaft ausgehaltenen Zeitungen, ihre &#8222;St\u00fctzen&#8220; \u2026 verloren ihren scharf ausgepr\u00e4gten Charakter schw\u00e4rzester Reaktion. Dieser ganze Apparat, der formell halb aufgel\u00f6st war, ging faktisch in den Dienst des allgemein b\u00fcrgerlichen Blockes \u00fcber, deren politischer und ideologischer Repr\u00e4sentant die Partei der Volksfreiheit (Kadetten) war. \u2026 Aber die F\u00fchrung ging in die H\u00e4nde des Finanzkapitals \u00fcber mit seinen &#8222;europ\u00e4ischen&#8220; Methoden der Erstickung der Welt.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Kleinb\u00fcrgertum, die Bauernschaft (und die aus Bauern bestehende Armee) steckten sich durchaus nicht imperialistische Eroberungsziele. Die russische Bauernschaft hatte sich noch nicht nach dem Typus des deutschen Gro\u00dfbauern formiert, dessen Verb\u00e4nde eigentlich landwirtschaftliche Kartelle darstellen, die mit ihren hohen monopolistischen Preisen gegen das Proletariat gerichtet sind. Anstatt eines Blocks mit dem Gro\u00dfgrundbesitzer haben wir einen Kampf gegen den Gro\u00dfgrundbesitzer, den Kampf ums Land. Der Krieg sichert dem Bauern nicht nur keinen Gewinn, den er dem Finanzkapital verhei\u00dft; er schadet der Bauernwirtschaft, indem er sie der Arbeiter und des Arbeitsviehs beraubt. Der Bauer wei\u00df, dass Land da ist, das ist das Land des Gutsbesitzers. Es ist unm\u00f6glich, den Bauern durch Aneignung irgendwelcher unbekannter L\u00e4nder zu begeistern. In dieser Beziehung ist er ein beschr\u00e4nkter Empiriker. Und die ganze Kraft seines Gedankens ist auf ein nahes und ihm zug\u00e4ngliches Ziel gerichtet: das Land des Gutsbesitzers. Er hat es mit seinem Schwei\u00df ged\u00fcngt. Er hat es mit seinem Pflug bearbeitet. Er hat daf\u00fcr, selbst Hunger leidend, dem Gutsbesitzer so viel Geld gezahlt. Er muss es um der Gerechtigkeit willen bekommen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein wenig anders ist es um das st\u00e4dtische Kleinb\u00fcrgertum bestellt. Ein Teil desselben, der durch das Band der Mitarbeit mit dem Finanzkapital verbunden ist, wiederholt, eigentlich ein Anh\u00e4ngsel des Gro\u00dfkapitals bildend, alle Losungen des reinen Imperialismus. An diese schlie\u00dft sich in bedeutendem Ma\u00dfe auch die sogenannte Intelligenz an (Arzte, Advokaten, Lehrer, mit einem Wort, die &#8222;freien Berufe&#8220;). Dagegen sind die halbproletarischen Schichten, die unmittelbar unter dem Kriege leiden, bereit, gegen das &#8222;verdammte Gemetzel&#8220; zu protestieren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine erdr\u00fcckende Mehrheit des Kleinb\u00fcrgertums in der Stadt und auf dem Lande war also gegen den imperialistischen Krieg. Sie konnte sich aber ihrer ganzen Struktur nach nicht den Standpunkt der revolution\u00e4ren Internationale zu eigen machen. Sofern sich die Bauernschaft auf eigenes Land und auf Land, das sie sich zu eigen machen will, st\u00fctzt, muss sie dieses Land gegen den &#8222;\u00e4u\u00dferen Feind&#8220; verteidigen; wie sie sich nicht um Annexionen fremdl\u00e4ndischer Besitzungen k\u00fcmmert, so k\u00fcmmert ihn auch das nicht, dass sein Verteidigungskrieg mit den imperialistischen Pl\u00e4nen der verb\u00fcndeten Bankiers verkn\u00fcpft sein kann, und sich in der Tat in einen Annexionskrieg der ganzen Koalition verwandelt. \u2026 Seine Taktik kann wesentlich nicht anders als erb\u00e4rmlich, bisweilen aber auch verr\u00e4terisch sein. Seine Ideologie ist der kleinb\u00fcrgerliche Sozialismus, sozialistische Phrasen vor allen Dingen. &#8230; Der Sozialismus der Sozialrevolution\u00e4re ist der Ausdruck dieses kleinb\u00fcrgerlichen Hin- und Herschwankens.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die soziale Lage des Proletariats befreit es von den Fesseln, die das Eigentum ihm angelegt hat. Die Arbeiter haben kein Vaterland, sie haben nur die Ketten der Lohnsklaverei, in die dieses Vaterland sie schmiedet. Die staatliche Organisation des Kapitals, die unter dem Namen &#8222;Vaterland&#8220; auftritt, fl\u00f6\u00dft dem Arbeiter nur insofern Achtung ein, soweit er sich in der ideologischen Gefangenschaft des Kleinb\u00fcrgertums oder des Gro\u00dfkapitals befindet. Oft befindet sich die Arbeiterklasse in solcher Gefangenschaft. Aber nur sie als Klasse kann die Grenzen dieser Abh\u00e4ngigkeit \u00fcberschreiten. Nur sie kann sich zu einem Standpunkt erheben, der das Interesse der internationalen Revolution h\u00f6herstellt als das &#8222;ihres&#8220; Vaterlandes, der staatlich-nationalen Organisation des Kapitals. Nur sie kann daher eine konsequent revolution\u00e4re, erbarmungslos kritische, standhaft internationale Klasse sein. Das Hin- und Herschwanken ist die Natur des Kleinb\u00fcrgertums. F\u00fcrs Proletariat ist es eine Krankheit. Das Kleinb\u00fcrgertum h\u00e4lt niemals eine konsequente und entschiedene Linie ein. Das Proletariat hat fast immer eine unbeugsame, revolution\u00e4re Fraktion.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die russische Arbeiterbewegung kann diese beiden Fraktionen aufweisen: die sozialpatriotische und nach ihrer Ideologie kleinb\u00fcrgerliche Partei der Menschewiki und den konsequent revolution\u00e4ren Fl\u00fcgel der Arbeiterbewegung &#8211; die Bolschewiki. Die alsbald sich anbahnende Verbr\u00fcderung der Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki ist der Ausdruck ihrer kleinb\u00fcrgerlichen Ideenverwandtschaft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Gegen Annexionen, aber f\u00fcr Aufrechterhaltung der Verpflichtungen gegen die Verb\u00fcndeten und f\u00fcr die Landesverteidigung&#8220; &#8211; das musste die Losung des Kleinb\u00fcrgertums und eines Teils der Arbeiter sein. &#8222;Gegen alle Verbindung mit irgendwelchen Kapitalisten, gegen den Krieg, der im Verbund mit ihnen gef\u00fchrt wird&#8220; &#8211; das war die Position des revolution\u00e4ren Proletariats.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bucharin gibt in diesem Abschnitt eine politische Beschreibung des Verhaltens der Klassen im Fr\u00fchjahr 1917 ab. Diese Beschreibung abstrahiert von der \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Klassen und kann deshalb weder das politische Gewicht dieser Klassen quantifizieren noch ihr Handeln erkl\u00e4ren. Seine Klassen wirken mehr einem marxistischen Lehrbuch als der russischen Wirklichkeit entlehnt und haben deshalb wenig mit den konkreten Klassenkr\u00e4ften in Russland gemein.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bei der Bourgeoisie beschreibt er richtig ihr Zusammenr\u00fccken um die Partei der Kadetten im Fr\u00fchjahr 1917. Aber dies bleibt der einzig konkrete Punkt seiner Darstellung. Kein Wort zur \u00f6konomischen, gesellschaftlichen und politischen Schw\u00e4che der russischen Bourgeoisie.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote27sym\" name=\"sdfootnote27anc\"><sup>27<\/sup><\/a> Kein Wort zu ihrer Zersplitterung, da der schwerindustrielle Fl\u00fcgel durch Abh\u00e4ngigkeit von Staatauftr\u00e4gen konsequent zaristisch war<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote28sym\" name=\"sdfootnote28anc\"><sup>28<\/sup><\/a>, die Leichtindustrie (Textilindustrie) oktobristisch<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote29sym\" name=\"sdfootnote29anc\"><sup>29<\/sup><\/a> und der liberale Landadel und die Freien Berufe der St\u00e4dte die Basis der Kadetten bildeten. Dies alles ist f\u00fcr ihn &#8222;die imperialistische Bourgeoise&#8220;.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Noch wirklichkeitsferner ist Bucharins Darstellung der russischen Bauernschaft<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote30sym\" name=\"sdfootnote30anc\"><sup>30<\/sup><\/a> (&#8222;Die russische Bauernschaft hatte sich noch nicht nach dem Typus des deutschen Gro\u00dfbauern formiert&#8220;) Damit gibt er eine rein negative Umschreibung, ohne positiv ihr konkretes \u00f6konomisches und gesellschaftliches Gesicht bestimmen zu k\u00f6nnen. Die Mehrzahl der russischen Bauernschaft war entgegen aller b\u00fcrgerlichen und marxistischen Statistiken noch nicht der mittelalterlichen Umteilungsgemeinde entwachsen<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote31sym\" name=\"sdfootnote31anc\"><sup>31<\/sup><\/a> und hatte auch gar nicht die Absicht, dies zu tun. Die Bauern wollten das Land, aber nicht um es unter sich <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>aufzuteilen<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>, sondern um es <\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>umzuteilen<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>. Ein wesentlicher Unterschied, da die Landaufteilung einen b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Bauernstand hervorbringt; die regelm\u00e4\u00dfige Umteilung nach Arbeits- oder Verbrauchsnorm genau dies verhindern soll. Ohne diesen Unterschied zu sehen, ist aber der Oktober nicht zu verstehen.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Nicht besser die Darstellung des Proletariats. Hier gibt es \u00fcberhaupt keinen Bezug zu den Besonderheiten der russischen Entwicklung.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote32sym\" name=\"sdfootnote32anc\"><sup>32<\/sup><\/a> Das russische Proletariat ist nicht wie im Westen Europas aus der Handwerkerschaft entstanden, sondern direkt aus der Bauernschaft und es besa\u00df zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch enge Bindungen an das Dorf. Zugleich war es in den russischen Metropolen in Gro\u00dfbetrieben konzentriert, was nicht nur zu einer schnelleren Radikalisierung beitrug, sondern ihm ein deutlich st\u00e4rkeres politisches Gewicht verlieh, als es zahlenm\u00e4\u00dfig zu erwarten war.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die &#8222;revolution\u00e4re Vaterlandsverteidigung&#8220;<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Provisorische Regierung st\u00fctzte sich in sozialer Beziehung auf die imperialistische Bourgeoisie, sie wurde aber auch von dem englisch-franz\u00f6sischen Kapital unterst\u00fctzt, das in der Person Sir George Buchanans<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote33sym\" name=\"sdfootnote33anc\"><sup>33<\/sup><\/a> seinen tatkr\u00e4ftigsten Vertreter hatte, in der Person Paul Miljukows aber seinen \u00fcbers Ohr gehauenen Partner<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote34sym\" name=\"sdfootnote34anc\"><sup>34<\/sup><\/a>. Die ganze politische Haltung der Provisorischen Regierung war eingestellt auf den Imperialismus der Verb\u00fcndeten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Arbeiter- und Soldatenrat st\u00fctzte sich nicht nur auf die Arbeiterklasse, sondern in bedeutendem Ma\u00dfe auch auf das Kleinb\u00fcrgertum (die Bauern und Soldaten). Der kleinb\u00fcrgerliche Teil des Sowjets und ein Teil der Arbeiter, der sich noch an das Kleinb\u00fcrgertum anschloss, bildete die Mehrheit im Sowjet, die politisch durch die Sozialrevolution\u00e4re und die Menschewiki ausgedr\u00fcckt wurde. Das bestimmte die politische Haltung des Rates. Am 14. M\u00e4rz erschien der ber\u00fchmte Aufruf: &#8222;An die V\u00f6lker der ganzen Welt&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Aufruf &#8222;An die V\u00f6lker der ganzen Welt\u201d war das erste offizielle Dokument, das die Volksmassen aller kriegf\u00fchrenden L\u00e4nder \u00fcber die wirkliche Lage der Dinge und die wirkliche Stimmung der proletarisch-b\u00e4uerlichen Massen Russlands aufkl\u00e4rte. Bisher waren alle Nachrichten augenscheinlich verf\u00e4lscht gewesen. Die kapitalistischen Kreise der &#8222;Verb\u00fcndeten&#8220; freuten sich anfangs \u00fcber die Umw\u00e4lzung, die Russland von der Deutschfreundlichkeit der n\u00e4chsten Anverwandten Georg V.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote35sym\" name=\"sdfootnote35anc\"><sup>35<\/sup><\/a> rettete. Aber bei der Nachricht \u00fcber die Entstehung der R\u00e4te wurde das Organ der Finanzclique &#8222;Times&#8220; schon unruhig. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Tatsache des Aufrufs selbst musste schon gewaltigen Eindruck machen. Noch w\u00e4hrend des Krieges wendet sich die revolution\u00e4re Organisation der Arbeiter und Soldaten an alle V\u00f6lker, darunter auch an den &#8222;\u00e4u\u00dferen Feind&#8220;! Ist das denn kein Bankrott der milit\u00e4rischen Barbarei?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Manifest litt jedoch an einem tiefen inneren Widerspruch. Einerseits rief es zur Beendigung des Krieges auf, zum Kampf f\u00fcr einen demokratischen Frieden, andererseits machte es den Krieg als Verteidigungskrieg zur Pflicht, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Geheimvertr\u00e4ge mit den Verb\u00fcndeten, Vertr\u00e4ge ausgepr\u00e4gt annexionistischen Charakters; einerseits rief es die V\u00f6lker &#8211; und insbesondere die V\u00f6lker der Mittelm\u00e4chte &#8211; zur Revolution gegen ihre Regierungen auf, andererseits setzte es stillschweigend den Burgfrieden mit der eigenen Bourgeoisie voraus, einen Frieden, der seinen grellsten Ausdruck in der Unterst\u00fctzung der imperialistischen Provisorischen Regierung fand. Mit einem Wort: es verk\u00f6rperte dieselbe Doppeldeutigkeit und Halbheit, die dem kleinb\u00fcrgerlichen &#8222;Sozialismus\u201d eigen ist. Im Kern enthielt es schon die M\u00f6glichkeit der Unterwerfung der Demokratie unter die annexionistischen Ziele der imperialistischen Haie.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter dem unmittelbaren Einfluss der Ideen des &#8222;Aufrufs&#8220; standen die Front-Kongresse in Minsk, Pskow u. a. Die Vertreter der Armee, die Front, \u00e4u\u00dferten sich einm\u00fctig gegen die annexionistische Politik. Die Losung der internationalen Verbr\u00fcderung fand, wie es schien, zahllose Anh\u00e4nger. Die Friedenssehnsucht konnte sogar ein Blinder sehen. Die Verbr\u00fcderung in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben war der klare Beweis daf\u00fcr.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Beinahe gleichzeitig mit dem Minsker Kongress fand die Gesamtrussische Konferenz der Sowjets der Arbeiter und Soldatendeputierten statt; sie best\u00e4tigte die Machtstellung des Petersburger Rates. Dieselbe Konferenz aber ging in die Falle der Provisorischen Regierung, indem sie ihre \u00e4u\u00dfere Politik guthie\u00df. Die Sache verhielt sich so: Am 28. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte die Provisorische Regierung unter dem Druck der revolution\u00e4ren Demokratie<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote36sym\" name=\"sdfootnote36anc\"><sup>36<\/sup><\/a> einen Aufruf an die B\u00fcrger Russlands, in dem als &#8222;Aufgabe des freien Russlands&#8220; der &#8222;Abschluss eines dauernden Friedens auf Grund der Selbstbestimmung der V\u00f6lker&#8220; aber ohne &#8222;gewaltsame Annexion fremder Gebiete&#8220; angek\u00fcndigt wurde. Die Herren, die auf allen Kreuzwegen privatim f\u00fcr Annexionen auftraten und bis zur Unendlichkeit von einem siegreichen &#8222;Ende&#8220; trommelten. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Man musste wahrlich eine mehr als normale Gutm\u00fctigkeit besitzen, um unter dem edlen \u00c4u\u00dferen nicht die Wolfsz\u00e4hne und den Fuchsschwanz zu sehen. Die R\u00e4te bemerkten das nicht. Sie sahen in dem Aufruf der Regierung einen &#8222;wichtigen Schritt in Richtung der Verwirklichung des demokratischen Prinzips in der \u00e4u\u00dferen Politik.&#8220; Sie sahen nicht, dass die Sprache den Diplomaten dazu gegeben ist, um ihre Gedanken zu verbergen. Sie zogen nicht in Betracht, dass alle Regierungen hunderttausend Phrasen machen, um die sie ein Machiavelli<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote37sym\" name=\"sdfootnote37anc\"><sup>37<\/sup><\/a> h\u00e4tte beneiden k\u00f6nnen. Statt ihr sch\u00e4rfstes Misstrauen gegen die Bourgeoisie anzuwenden, statt die Betr\u00fcger zu entlarven, sanktionierten sie diesen Betrug.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote38sym\" name=\"sdfootnote38anc\"><sup>38<\/sup><\/a> (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die April-Ereignisse \u2013 Miljukow-Note<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit kaltem Wasser \u00fcbergoss sie Paul Miljukow. Am 20.\u00a0April ver\u00f6ffentlichte dieser Minister des \u00c4u\u00dferen seine &#8222;Erl\u00e4uterung&#8220; zur Note vom 27.\u00a0M\u00e4rz. Herr Miljukow hatte die Unversch\u00e4mtheit, sie mit dem 18.\u00a0April zu datieren, an welchem Tage eine noch nie dagewesene Demonstration unz\u00e4hliger Massen der Arbeiter und Soldaten in ganz Russland die Losungen des Weltfeiertags der Proletarier in den Vordergrund hob. Die &#8222;Erl\u00e4uterung&#8220; war nicht mehr f\u00fcr die &#8222;B\u00fcrger des freien Russlands&#8220; bestimmt, sondern f\u00fcr die verb\u00fcndeten Regierungen. Hier hielt man eine andere Sprache und andere Formeln f\u00fcr erforderlich. Und Herr Miljukow begann, nicht nur von einem &#8222;entscheidenden Sieg \u00fcber den Feind&#8220; zu reden, sondern auch von &#8222;Sanktionen und Garantien eines dauernden Friedens&#8220;, was im diplomatischen Jargon gerade dieselben Annexionen und Entsch\u00e4digungen bedeutet, gegen die die Note der Regierung am 27. M\u00e4rz angeblich protestieren sollte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf die Note Miljukows antworteten die Arbeiter und Soldaten mit einer grandiosen Massenaktion. Am 20. und 21.\u00a0April fanden in Petersburg, Moskau und einer Reihe anderer St\u00e4dte m\u00e4chtige Protestdemonstrationen gegen die Provisorische Regierung, insbesondere aber gegen Miljukow statt. Die elende Provokation der Kadetten, die Verwirrung hervorzurufen strebten, fiel in sich zusammen. \u2026 Wie sehr die Anh\u00e4nger Miljukows sich aber auch m\u00fchten, die gegen Miljukow gerichtete Demonstration zu desorganisieren, &#8211; es gelang ihnen nicht, das zu tun. Die provokatorischen Sch\u00fcsse verursachten einige Opfer; sie sprengten aber nicht die dichten Reihen der Massen, die mit elementarer Kraft auf die Stra\u00dfe strebten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unter dem Druck der bewaffneten Demonstration der Arbeiter und Soldaten ver\u00f6ffentlichte die Provisorische Regierung eine &#8222;Erl\u00e4uterung&#8220; zur &#8222;Erl\u00e4uterung&#8220; des Ministers Miljukow, in der sich der &#8222;entscheidende Sieg&#8220; als die &#8222;L\u00f6sung der Aufgaben&#8220; darstellte, die in der Note vom 27.\u00a0M\u00e4rz ver\u00f6ffentlicht waren. Die imperialistischen &#8222;Sanktionen&#8220; und &#8222;Garantien&#8220; aber verwandelten sich in einen unschuldig frommen Seufzer nach Entwaffnung und nach einem internationalen Schiedsgericht. Der Rat gab sich mit dieser Erl\u00e4uterung zufrieden und ermahnte die Arbeiter- und Soldatenmassen zur Ruhe, nachdem er ihnen das ihnen Geb\u00fchrende gegeben hatte. Die &#8222;Provisorische Regierung&#8220;, schrieb die &#8222;Iswestija&#8220; in der Nummer vom 22.\u00a0April, &#8222;vernichtete durch ihre Erl\u00e4uterung alle verderblichen Zweideutigkeiten der Note vom 18.\u00a0April und setzte damit die Losung von der Tagesordnung ab: &#8222;Nieder mit der Provisorischen Regierung&#8220;.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nichtsdestoweniger dachten die Herren Minister in der Tat gar nicht daran, nachzugeben. Am Tage der Demonstration, dem 20.\u00a0April, machte Gutschkow in Kiew von der Verschiebung der Nationalversammlung bis zum Ende des Krieges Mitteilung. Schon nach der Ver\u00f6ffentlichung der Erl\u00e4uterung der Provisorischen Regierung, n\u00e4mlich am 22.\u00a0April, erkl\u00e4rte Herr Miljukow dem Korrespondenten des &#8222;Manchester Guardian&#8220;, dass Russland die Herrschaft \u00fcber den Bosporus und die Dardanellen erlangen &#8222;m\u00fcsse und dass es die Teilung \u00d6sterreichs fordern werde&#8220;. Am folgenden Tage, dem 23.\u00a0April, hielt ein anderer Krieger russischer Marke, Herr Gutschkow, eine gl\u00fchende Rede, in der er sich gegen die Beendigung des Krieges und f\u00fcr &#8222;vollst\u00e4ndige Vernichtung \u00d6sterreichs und Deutschlands&#8220; erkl\u00e4rte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Wille zum Frieden \u00e4u\u00dferte sich in den tiefen Schichten der Armee durch eine noch nie dagewesene Ausbreitung der Verbr\u00fcderung an der Front. In Blut und Gemeinheit, worin die vertierte Menschheit erstickte, war die Verbr\u00fcderung ein reiner und lichter Schein. Sie bedeutete eine tats\u00e4chliche Beendigung der Kriegshandlung an einer der Fronten. Es zeigten sich bald auch Symptome der &#8222;Verbr\u00fcderung&#8220; an den anderen Fronten. Der Krieg, dieses garstige Scheusal, drohte erstickt zu werden durch die Bem\u00fchungen der Massen selbst, die m\u00fcde waren, unter der Peitsche Gewalt zu ver\u00fcben. Es schien, dass die Massen selbst \u00fcber die K\u00f6pfe der Regierungen hinweg Frieden schlie\u00dfen wollten. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nach dem Austritt Gutschkows und Miljukows aus dem Ministerium, zwei Ministern, die der Demokratie besonders verhasst waren (&#8222;nicht ich ging &#8211; man ging mich&#8220; &#8211; so res\u00fcmierte Herr Miljukow das &#8222;Ereignis&#8220;), begann man, die zahmsten &#8222;Sozialisten&#8220; ins Kabinett zu locken.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Mit nicht mehr als dem obigen Satz geht Bucharin in seiner Darstellung der Ereignisse auf den Sturz der f\u00fchrenden K\u00f6pfe des Dumakomitees und der ersten Provisorischen Regierung ein. Sein Bild von den Klassenkr\u00e4ften im Revolutionsjahr hindert ihn daran, die Bedeutung dieses Ereignisses zu verstehen. Die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Regierung und der russischen Bourgeoisie suchten im April die offene Machtprobe mit dem Sowjet und scheiterten schm\u00e4hlich.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote39sym\" name=\"sdfootnote39anc\"><sup>39<\/sup><\/a> Sie mussten gehen und Sowjetvertreter mussten der Regierung beitreten, um die demonstrierenden Massen der Hauptstadt zu beruhigen.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Suchanow fasst die Ereignisse treffend zusammen: \u00bbKurze Zeit nach dem M\u00e4rzumsturz hatte sich die russische Plutokratie in der Partei der Kadetten konsolidiert. W\u00e4hrend der Periode, da Miljukow als Minister fungierte, waren die Kadetten durchaus eine Regierungspartei gewesen. Aber mit der Liquidierung Miljukows und der Bildung der Koalitionsregierung in den Apriltagen \u00e4nderte sich die Situation. Die Bildung der Koalition war gegen den Willen der f\u00fchrenden Kreise der Kadetten zustande gekommen und die Kadetten konnten nun nicht mehr im bisherigen Sinne Regierungspartei bleiben. Sie wurden die Rechtsopposition. Freilich verblieben noch Mitglieder dieser Partei im Kabinett, aber von einer echten Unterst\u00fctzung der Regierung konnte keine Rede mehr sein.\u00ab (zitiert aus: Schr\u00f6der\/ Karuscheit, S.\u00a063)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Kerenski-Offensive und Juli-Krise<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Bourgeoisie war sich genauestens dessen bewusst, dass die Politik der milit\u00e4rischen Offensive ein verwegenes Hasardspiel war. Sie bereitete sich auch beizeiten auf den Zusammenbruch dieser Offensive vor. Es <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">galt daher die Verantwortung zu teilen und sie nicht im Ganzen auf sich zu nehmen. Es gab wohl noch einen Trumpf &#8211; die Bolschewiki. Auf sie konnte man den m\u00f6glichen Zusammenbruch schieben. Es war aber dazu notwendig, dass die &#8222;Sozialisten&#8220; erst die Sache in Gang brachten. Die Armee hatte kein Vertrauen zu den kapitalistischen Ministern. Sie w\u00fcrde die Befehle zur Offensive als Provokation des Kapitals betrachten. M\u00f6gen daher die R\u00e4te selbst sie ins Blutmeer st\u00fcrzen! M\u00f6gen die &#8222;Sozialisten&#8220; die Tat Gutschkows vollbringen! M\u00f6gen sie, die zum Frieden aufrufen, selbst die Sache des Friedens vernichten! M\u00f6gen sie sich in den Augen ihrer westlichen &#8222;Genossen&#8220; diskreditieren! Es lebe das Koalitionsministerium!<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Nacht vom 1. auf den 2.\u00a0Mai entschied sich das Exekutivkomitee der Arbeiter- und Soldatendeputierten grunds\u00e4tzlich f\u00fcr den Eintritt in die Provisorische Regierung. Das Exekutivkomitee stellte dabei Bedingungen, die in 8 Punkten Ausdruck fanden: Aktive \u00e4u\u00dfere Politik zum besten des allgemeinen Friedens, Demokratisierung der Armee und Hebung ihrer Kriegst\u00fcchtigkeit f\u00fcr den Fall der Defensive und Offensive, Kampf gegen den wirtschaftlichen Verfall durch Kontrolle der Produktion und Verteilung, Arbeitsschutz, Vorbereitung des \u00dcberganges des Grund und Bodens in die H\u00e4nde der Arbeitenden (Vorbereitung!), Besteuerung der besitzenden Klassen und Finanzreform, demokratische Selbstverwaltung und baldigste Einberufung der Nationalversammlung in Petersburg. Im Laufe einiger Tage traten nach Unterhandlungen ins Kabinett als Abgeordnete des Exekutivkomitees: M. J. Skobelew<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote40sym\" name=\"sdfootnote40anc\"><sup>40<\/sup><\/a>, Vertreter der Menschewiki, ein f\u00fcgsamer und nachgiebiger Mann, zudem auch vollst\u00e4ndig unvorbereitet auf die Rolle, die er dank der Laune der Geschichte spielen sollte; W. M. Tschernow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote41sym\" name=\"sdfootnote41anc\"><sup>41<\/sup><\/a>, das theoretische Haupt der Sozialrevolution\u00e4re, eben noch Zimmerwalder und Erzrevolution\u00e4r, ein Feind jeglichen Burgfriedens und der Ideologie der &#8222;Vaterlandsverteidigung&#8220;, der sogleich, nachdem er die Reichsgrenze \u00fcberschritten hatte, das Banner des revolution\u00e4ren Internationalismus zusammengerollt hatte; J. G. Zereteli<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote42sym\" name=\"sdfootnote42anc\"><sup>42<\/sup><\/a>, der im Laufe einiger Stunden seinen &#8222;grunds\u00e4tzlichen&#8220; Standpunkt \u00fcber den Eintritt in das b\u00fcrgerliche Ministerium \u00e4nderte; endlich W. Peschechonow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote43sym\" name=\"sdfootnote43anc\"><sup>43<\/sup><\/a>, ein nationaler Sozialist, &#8222;liberal\u201d und &#8222;volksfreundlich&#8220;, ein &#8222;alter, guter Demokrat&#8220;. Jetzt konnte man das Spiel beginnen!<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diesem Spiel der Imperialisten kamen die R\u00e4te selbst immer mehr entgegen. Sogleich nach der Bildung des Koalitionsministeriums hielt es der Rat f\u00fcr notwendig, sich entschieden gegen eine Ver\u00f6ffentlichung der Geheimvertr\u00e4ge zu \u00e4u\u00dfern, die die revolution\u00e4re Sozialdemokratie dauernd verlangte. Alle Voraussetzungen, deren das Kapital bedurfte, waren vorhanden: die Verurteilung der Verbr\u00fcderung an der Front durch die R\u00e4te, Eintritt ins Ministerium, Ruf zur Offensive auf Grund des Verzichts auf Ver\u00f6ffentlichung der Geheimvertr\u00e4ge des Zaren, die als heilige bindende Verpflichtungen anerkannt wurden. Was brauchte die imperialistische Clique denn noch mehr? Der Umfall der kleinb\u00fcrgerlichen Mehrheit der R\u00e4te wurde noch klarer dadurch, dass die englische und die franz\u00f6sische Regierung als Antwort auf die W\u00fcnsche der russischen Demokratie Noten abfeuerte, die nicht riefen, sondern schrien: &#8222;Wir sind f\u00fcr Annexionen! Wir sind f\u00fcr Kontributionen!&#8220; \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu gleicher Zeit begann aber der neue Kriegsminister A. Kerenski seine Agitationsreisen und feurigen Siegesreden, wobei er mit gleichem Eifer die Front und das Hinterland, Theaterlokale und Sch\u00fctzengr\u00e4ben, Konzerte und R\u00e4te der revolution\u00e4ren Demokratie, Kasernen und privilegierte Kriegslehranstalten besuchte. Die vereinigte Bourgeoisie betrachtete ihn mit entz\u00fcckten Blicken, innerlich lachte sie die biedere Mehrheit der R\u00e4te aus. Die Bilder Kerenskis wurden zu patriotischen Heiligenbildern. F\u00fcr seine Namensz\u00fcge, die auf den Auktionen verkauft wurden, gaben die Bourgeois Tausende. Damen aus der &#8222;guten&#8220; Gesellschaft \u00fcbersch\u00fctteten ihn mit Rosen und \u00fcberh\u00e4uften ihn mit Liebensw\u00fcrdigkeiten. Und schon deutete sich in der gelben Presse die Losung an: &#8222;Es lebe der Diktator Kerenski!&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Dennoch konnte die Verst\u00e4ndigung zwischen der imperialistischen Bourgeoisie und der proletarisch-b\u00e4uerlichen Demokratie aus inneren Gr\u00fcnden nicht von Dauer sein. Das Ringen um die Macht, das sich bisher zwischen den sich gegen\u00fcberstehenden beiden h\u00f6chsten Machtorganen, dem unabl\u00e4ssigen, bald milderen, bald sch\u00e4rferen Kampf zwischen der Provisorischen Regierung und dem Arbeiter- und Soldatenrat Petersburgs abgespielt hatte, dieses Ringen, das den Kampf zweier wichtiger Klassengruppierungen widerspiegelte, war nicht bis zu Ende durchgef\u00fchrt worden, es ging nur in eine andere Form \u00fcber, in die Form der verborgenen Krisis, die im Scho\u00dfe der Koalitionsregierung versteckt war. Damit ist nat\u00fcrlich nicht gesagt, dass der Kampf zwischen dem Exekutivkomitee und der Provisorischen Regierung, richtiger, ihrer kapitalistischen Mehrheit, endg\u00fcltig aufgeh\u00f6rt h\u00e4tte. Er ging aber zum Teil schon in die Gem\u00e4cher und R\u00e4umlichkeiten der Ministerien \u00fcber, und die d\u00fcsteren Mauern der Staatsgeb\u00e4ude verdeckten ihn vor den Blicken der gro\u00dfen Massen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Formel der neuen Provisorischen Regierung von dem &#8222;Frieden ohne Annexionen und Kontributionen&#8220; stellten die Verb\u00fcndeten unter &#8222;vollst\u00e4ndiger Anerkennung&#8220; der Worte ihren deutlich ausgepr\u00e4gten annexionistischen Willen entgegen. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Eigent\u00fcmlichkeit der russischen Verh\u00e4ltnisse bestand jedoch im Vorhandensein eines Antagonismus zwischen Bauer und Gutsbesitzer. \u2026 Der Bauer wollte den Boden verteidigen, &#8211; und darum ging er auf die tr\u00fcgerische Losung der &#8222;Verteidigung&#8220; ein, die die Imperialisten, die in Wirklichkeit den Angriff wollten, ausgaben, &#8211; gerade deshalb ging er auch auf einen Kompromiss mit dem Gutsbesitzer ein. Er wollte aber den Boden sich zu eigen machen und deshalb musste er mit diesem Gutsbesitzer brechen. Aus diesem Zauberkreis versuchte die Taktik des Kleinb\u00fcrgertums einen Ausweg zu finden &#8211; und fand ihn nicht. Sie &#8222;geht nur ewig davon aus&#8220;, wie nach der Lehre der christlichen Kirche der Heilige Geist von Gott Vater. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 3.\u00a0Juni wurde das Parlament der revolution\u00e4ren Demokratie &#8211; der Gesamtrussische Kongress der Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten &#8211; er\u00f6ffnet. Schon am ersten Tage, w\u00e4hrend der ersten Sitzung zeigte sich die erdr\u00fcckende kleinb\u00fcrgerliche Mehrheit des Kongresses. Das wirkliche Verh\u00e4ltnis der Kr\u00e4fte war wohl durch die unrichtige Vertretung ein wenig entstellt. Nichtsdestoweniger war das ungeheure \u00dcbergewicht des kleinb\u00fcrgerlichen &#8222;Sozialismus&#8220; im Verh\u00e4ltnis zum revolution\u00e4ren Sozialismus des Proletariats eine Tatsache, die keinerlei Zweifel unterlag.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Kongress brachte keine Ver\u00e4nderung des schon Vorhandenen. \u2026 Als Gegengewicht gegen die Bolschewiki, die von Anfang des Kongresses an vorschlugen, unverz\u00fcglich ein revolution\u00e4res Machtorgan in der Gestalt der Sowjets zu organisieren, um alle revolution\u00e4ren Elemente zusammenzufassen und eine Taktik mit entschiedener Richtung nach links durchzuf\u00fchren, erkl\u00e4rte sich die Mehrheit des Kongresses f\u00fcr die Richtung nach rechts.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zum 10.\u00a0Juni bereitete der Zentralausschuss der Bolschewiki eine Demonstration der Arbeiter und Soldaten vor, eine Protestdemonstration gegen die Politik der Provisorischen Regierung. Die Massen forderten eine solche Demonstration, die Arbeiter und Soldaten wollten durchsetzen, dass man ihre Stimme h\u00f6re. Das Kleinb\u00fcrgertum aber begann schon, sich vor der revolution\u00e4ren Avantgarde zu f\u00fcrchten: sie konnte sie in den Augen ihrer Freunde von rechts kompromittieren, sie konnte ihre Ministerherrlichkeit ins Verderben st\u00fcrzen, sie konnte schlie\u00dflich das schwerste &#8222;Verbrechen gegen die Revolution&#8220; ver\u00fcben: die Bourgeoisie einsch\u00fcchtern. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Kongress verbot die Demonstration der Proletarier und Soldaten und er\u00f6ffnete durch sein Verbot den Angriff gegen die Partei des revolution\u00e4ren Proletariats. Nur deshalb, weil das Zentralkomitee der Bolschewiki beschloss, sich zu f\u00fcgen und sich mit einem entsprechenden Aufruf an die Massen wendete, fand die Demonstration nicht statt. Die proletarische Partei selbst verschob sie. Ungeachtet dessen konnten es die F\u00fchrer des kleinb\u00fcrgerlichen sogenannten &#8222;Sozialismus&#8220; nicht lassen, \u00fcber die Bolschewiki herzufallen. Die ganze b\u00fcrgerliche Presse entlud sich in hysterischem Wehklagen und forderte einen Fangstrick! In der historischen Sitzung der Fraktion des Sowjets trat Zereteli \u2026mit Verschw\u00f6rungs-Beschuldigungen gegen die Bolschewiki auf. Entschiedene Unterdr\u00fcckungsma\u00dfregeln &#8211; das war das Rezept Zeretelis. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re aber, die ihre Agitatoren in die Fabriken, Werkst\u00e4tten und Kasernen schickten, sahen, was f\u00fcr eine Stimmung unter den Massen herrschte. Sie sahen, dass die Demonstration objektiv notwendig war. Obgleich sie f\u00fcr die Organisation der Demonstration \u00fcber die Bolschewiki hergefallen waren, veranstalteten sie jetzt selbst eine Demonstration. Der 18.\u00a0Juni wurde unter dem Druck der Bolschewiki zur Heerschau \u00fcber die Kr\u00e4fte der Revolution bestimmt. Man musste nur daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Demonstration f\u00fcr die Bourgeoisie &#8222;nicht furchtbar&#8220; sei. Eine &#8222;Prozession zum Grab der Opfer der Revolution&#8220;, &#8211; das war das kleinb\u00fcrgerliche Pseudonym der proletarischen Protestdemonstration gegen die Provisorische Regierung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der 18.\u00a0Juni wurde zu einem historischen Tage. Er wurde zum Symbol der Widerspr\u00fcche, zum Symbol der ungeheuren historischen Antithese und zugleich zum Symbol des Abfalls des Kleinb\u00fcrgertums von dem revolution\u00e4ren Proletariat. Am 18.\u00a0Juni trat die fast eine halbe Million z\u00e4hlende Arbeiter- und Soldatenmasse mit der Losung: &#8222;Gegen die Politik der Offensive!&#8220; auf. &#8211; Am 18. Juni f\u00fchrte der &#8222;revolution\u00e4re&#8220; Minister die Armee zu dieser Offensive.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote44sym\" name=\"sdfootnote44anc\"><sup>44<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Rote Fahnen wehten \u00fcber Petersburg. Die erdr\u00fcckende Mehrheit der Demonstranten ging unter bolschewistischen Losungen: &#8222;Nieder mit der Gegenrevolution!&#8220;, &#8222;Nieder mit der vierten Duma und dem Reichsrat!&#8220;, &#8222;Nieder mit den zehn kapitalistischen Ministern!&#8220;, &#8222;Nieder mit den &#8218;verb\u00fcndeten&#8216; Imperialisten!&#8220;, &#8222;Nieder mit den kapitalistischen Aussperrungen!\u201d, &#8222;Alle Macht den R\u00e4ten!&#8220;, &#8222;Es lebe die Kontrolle der Produktion!&#8220;, &#8222;Gegen Aufl\u00f6sung der Regimenter!&#8220;, &#8222;Gegen Entwaffnung der Regimenter!&#8220;, &#8222;Keinen Separatfrieden mit Wilhelm, keine geheimen Vertr\u00e4ge mit den englischen und den franz\u00f6sischen Kapitalisten!&#8220;, &#8222;Unverz\u00fcgliche Ver\u00f6ffentlichung der Vertr\u00e4ge!&#8220;, \u201dGegen die Politik der Offensive!&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Und an demselben Tage telegraphierte Kerenski dem F\u00fcrsten Lwow: &#8222;Bitte nachdr\u00fccklich, mir ohne Aufschub zu erlauben, den Regimentern, die an der Schlacht am 18.\u00a0Juni teilnahmen, im Namen des freien Volkes die roten Banner der Revolution auszuh\u00e4ndigen.&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Demonstration am 18.\u00a0Juni zeigte, dass die Avantgarde der Revolution, das Proletariat und der beste Teil der Armee, sich den Bolschewiki anschlossen. Andererseits zeigte sie, dass die Bolschewiki die einzige proletarische Partei, die Partei des revolution\u00e4r-internationalen Sozialismus, bildeten. Die Demonstration vom 18.\u00a0Juni war eine scharf ausgepr\u00e4gte Massendemonstration. Die Bourgeoisie versteckte sich. Keine neugierigen Bourgeois gafften die Demonstranten an. Sie verschwanden von den Stra\u00dfen Petersburgs, die den Proletariern und Soldaten \u00fcberlassen blieben. Das &#8222;Herz und Gehirn der Revolution&#8220;, die Stadt des Umsturzes, stellte sich auf die Seite der Internationale.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die (zeitgleich beginnende) Offensive (an der Front) vom 18.\u00a0Juni bedeutete einen Wendepunkt in der Entwicklung der Revolution. Sie bedeutete den tats\u00e4chlichen Sieg der gegenrevolution\u00e4ren Imperialisten. Sie bedeutete, dass das Kleinb\u00fcrgertum mit den &#8222;eigenen&#8220; und mit den &#8222;verb\u00fcndeten&#8220; Kapitalisten ein imperialistisch-milit\u00e4risches B\u00fcndnis einging. Sie bedeutete, dass die organisierten Kr\u00e4fte der russischen Revolution au\u00dfer ihrer linken proletarischen Flanke in einen Fangstrick geraten waren, der sie zum imperialistischen Galgen schleppte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Unl\u00e4ngst schrieb die Iswestija noch, dass die Armee nicht offensiv vorgehen k\u00f6nne, ehe nicht eine Reihe radikaler Ma\u00dfregeln getroffen w\u00e4ren. Diese Ma\u00dfregeln wurden nicht getroffen. Nichtsdestoweniger erlie\u00df der Gesamtrussische Kongress der Sowjets einen &#8222;Aufruf an die Armee&#8220;, in dem er behauptete, dass die Offensive zwecks &#8222;Herbeif\u00fchrung des allgemeinen Friedens&#8220; unternommen werde. Hier \u00e4u\u00dferte sich in vollem Umfange der Abgrund der Feigheit einerseits und von erstaunlichem Leichtsinn andererseits, die das Kleinb\u00fcrgertum an den Tag legte. Ihre F\u00fchrer kannten die Sachlage in der Armee, sie konnte ihnen nicht unbekannt sein. Sie mussten wissen, dass die Armee weder physisch noch moralisch durchhalten konnte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Andererseits wuchs die Unzufriedenheit mit der Lage der Dinge in den Arbeiterkreisen immer mehr. Mit jedem Tage wurde die Atmosph\u00e4re schw\u00fcler. Der Trommelschlag der Chauvinisten, die aufs Neue mit Siegeslosungen, f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung des Krieges, hervortraten, emp\u00f6rte die Proletarier und Soldaten bis in die Tiefe der Seele. Man f\u00fchlte, dass die Luft gewitterschwer war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00d6l ins Feuer goss der f\u00fcr die Mehrheit unerwartete Austritt der Kadetten aus dem Ministerium. Der Austritt der Kadetten aus dem Ministerium war die logische Vollendung ihrer Taktik der Sabotage. Der Augenblick dazu war sehr geschickt gew\u00e4hlt. Die Nachrichten von beginnenden Misserfolgen und von der bevorstehenden Niederlage an der Front hatten die Ohren der Minister zu erreichen vermocht. Und sie handelten so, wie es ihnen die kalte, zynische Berechnung diktierte. Die Taktik der Offensive wurde ihrerseits den Sozialisten zur Last gelegt. Sie wollten aber nicht im Geringsten f\u00fcr diese Taktik die Verantwortung tragen. In dem Augenblick mussten sie freie Hand haben, als die Nachrichten von dem Unvermeidlichen und Unabwendbaren einzutreffen begannen. Sie mussten abseits stehen, wenn die Resultate des Kriegsabenteuers Kerenskis in ihrem ganzen Umfang klar wurden. M\u00f6gen dann die sozialistischen Narren als &#8222;Verantwortliche&#8220; dasitzen! Konnte man denn ein besseres Mittel erdenken, sie zu diskreditieren?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ihre Uneinigkeit mit dem Beschluss Kerenskis, Zeretelis und Tereschtschenkos \u00fcber die ukrainische Frage ausn\u00fctzend (diese Minister arbeiteten eine Einigung mit der Zentralrada der Ukraine<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote45sym\" name=\"sdfootnote45anc\"><sup>45<\/sup><\/a> aus), traten die Kadetten aus der Regierung aus. Es blieb nur Nekrassow, der aus der Kadettenpartei ausschied. F\u00fcrst Lwow erkl\u00e4rte, dass die ukrainische Frage nur die Veranlassung sei, den Grund m\u00fcsse &#8222;man aber suchen &#8230; in der Nicht\u00fcbereinstimmung des sozialistischen und des b\u00fcrgerlichen Standpunktes&#8220;. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Krisis in der Regierungsmacht l\u00f6ste auf einmal die elementare revolution\u00e4re Energie aus. Gerade als die Nachrichten von der unruhigen Stimmung der Petersburger Massen eintrafen, tagte die Stadtkonferenz der Petersburger Organisation der Bolschewiki. In dieser erkl\u00e4rte sie sich gegen eine Demonstration. Das Zentralkomitee der Partei sprach sich, den Ernst der Lage in Betracht ziehend, auch dagegen aus, und die entsprechenden Anordnungen wurden den Bezirken mitgeteilt. W\u00e4hrend der am Abend des 3. Juli stattfindenden Sitzung des Petersburger Sowjets der Arbeiterdeputierten verbreitete sich pl\u00f6tzlich das Ger\u00fccht, dass die Maschinengewehr- und Grenadierregimenter bereits vorger\u00fcckt w\u00e4ren und zum Taurischen Palast z\u00f6gen. Man meldete auch den bevorstehenden Aufmarsch anderer Regimenter und Fabriken. Und da schlugen die Bolschewiki zum ersten Mal vor, in den Gang der Ereignisse einzugreifen, um der Demonstration einen friedlichen, organisierten Charakter zu verleihen. Die proletarische Partei konnte nicht die heuchlerische und ver\u00e4chtliche Rolle des Pontius Pilatus spielen, sie konnte die Massen im entscheidenden, kritischen Moment nicht verlassen. Sie mischte sich ein &#8211; und nur dank dieser Einmischung wurde ein f\u00fcrchterliches Stra\u00dfengemetzel verhindert.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Versammlung der Arbeitersektion des Arbeiter- und Soldatenrates zeigte sich, dass die Mehrheit auf Seiten der Bolschewiki war. Die Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki verlie\u00dfen die Versammlung. Die Mehrheit nahm eine Resolution \u00fcber die Notwendigkeit des \u00dcbergangs der Macht in die H\u00e4nde der Sowjets an und w\u00e4hlte eine Deputation von 25 Personen, die beauftragt wurde, &#8222;im Namen der Arbeitersektion im Kontakt mit dem Petrograder und Gesamtrussischen Exekutivkomitee zu verhandeln.&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Gegen 10.30 Uhr n\u00e4herte sich das 1. Maschinengewehrregiment dem Taurischen Palais. Es wurde von Wojtinski<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote46sym\" name=\"sdfootnote46anc\"><sup>46<\/sup><\/a> im Namen des Zentralrates begr\u00fc\u00dft. Darauf entwickelten sich die Ereignisse mit \u00fcberraschender Schnelligkeit. Die Stadt verwandelt sich in ein bewaffnetes Lager. Am Palais befinden sich die 1., 2., 3., 5., 6., 7., 8., 13. und 14. Kompanie des 1. Maschinengewehrregiments, die 4. leichte Maschinengewehrkompanie, das 1. Infanterieregiment mit seinem ganzen Tross und das ganze Reserve-Pionierbataillon. Eine gewaltige Versammlung wird abgehalten. Die Hauptlosung: Alle Macht den R\u00e4ten! Um 2 Uhr nachts trifft die ganze Arbeiterschaft der Putilow-Werke ein. Indessen findet die Sitzung der Vereinigten Vollzugsr\u00e4te statt. Die Arbeiter- und Soldatenmasse fordert, dass ihre Vertreter die Macht ergreifen, dass sie die Sache des Volkes in ihre H\u00e4nde nehmen. Die Konferenz erkl\u00e4rt die Demonstration f\u00fcr gegenrevolution\u00e4r. Die Lage wird immer beunruhigender. Zwischen dem bevollm\u00e4chtigten Organ der revolution\u00e4ren Demokratie und der Bl\u00fcte der revolution\u00e4ren Massen deutet sich in dem allerkritischsten Moment die tiefste Meinungsverschiedenheit an. Diese Meinungsverschiedenheit schafft eine chaotische Lage und die Bewegung nimmt an einer Reihe von Orten einen verwirrten Charakter an. Die Kronst\u00e4dter und die Maschinengewehrtruppen aus Orangenbaum treffen eben ein. Auf den Stra\u00dfen h\u00f6rt man schie\u00dfen. Die Gegenrevolution\u00e4re provozieren eine Panik. Die Bewegung w\u00e4chst best\u00e4ndig an.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Da treffen aber die Regierungstruppen von der Front ein. Mit tats\u00e4chlicher Unterst\u00fctzung der Vollzugsr\u00e4te wird ein Gericht \u00fcber die Demonstranten vorbereitet. Und in demselben Augenblick platzt als bet\u00e4ubende Bombe das Dokument Alexinskijs<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote47sym\" name=\"sdfootnote47anc\"><sup>47<\/sup><\/a>, das besagt, dass Lenin ein deutscher Spion sei!<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Schachzug der Gegenrevolution war \u00e4u\u00dferst geschickt erdacht. Einerseits &#8211; die materielle Kraft der Bajonette zur Unterdr\u00fcckung des &#8222;Aufstandes&#8220; vorbereiten, andererseits &#8211; die Bewegung demoralisieren, ihre geistigen F\u00fchrer mit Schmutz bewerfen, die Einigkeit der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte aufl\u00f6sen und zerfleischen, die ganze Atmosph\u00e4re mit derartig \u00fcblem Geruch und derartiger Verleumdung vergiften, zu der ein vor Wut sinnlos gewordener Bourgeois f\u00e4hig ist. (\u2026)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Freilich h\u00e4tte keinerlei Verleumdung ihr Werk verrichten, noch eine gegenrevolution\u00e4re Bande die Macht an sich rei\u00dfen k\u00f6nnen, wenn ihnen die Parteien des Kleinb\u00fcrgertums, die Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki, nicht geholfen h\u00e4tten. Die &#8222;Julitage&#8220; stellten diese Parteien in entschiedenster Form vor die Frage: mit der Gegenrevolution gegen das Proletariat oder mit dem Proletariat gegen die Gegenrevolution? Ihre Antwortlosung war die &#8222;Rettung der Revolution&#8220;. Ihr tats\u00e4chliches Verhalten war Verrat dieser Revolution. Indem sie das Herbeirufen der Kavallerie und der Kosaken zur Beruhigung der Petersburger Arbeiter und Soldaten guthie\u00dfen, die revolution\u00e4ren Regimenter und die Arbeitergarde entwaffneten, im kritischen Augenblick die gemeinsame Kampagne gegen die F\u00fchrer des Proletariats unterst\u00fctzten, versetzten sie nicht nur der proletarischen Flanke der Revolution einen Hieb, sondern machten auch sich selbst kampflos. Seitdem beginnt die Zersetzung der Sowjets. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Derart war die Politik des Zentral-Exekutivkomitees. Hinter den Kulissen fand ein offener Handel mit den K\u00f6pfen der F\u00fchrer der Revolution, den eroberten Freiheiten, mit der Ehre des revolution\u00e4ren Volkes statt. Indem sie die revolution\u00e4ren Truppen und das Proletariat entwaffneten, entwaffneten die R\u00e4te auch sich selbst. Die Hauptquelle ihrer Macht versiegte in bedeutendem Ma\u00dfe. Umgekehrt gaben die Kosakentruppen, die Junker u.a., die Petersburg \u00fcberschwemmten, der Gegenrevolution eine reale Kraft &#8211; bewaffneten sie. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Bucharin kommt hier in seiner ausf\u00fchrlichen Beschreibung der Ereignisse im Juni\/Juli 1917 fast ganz ohne die &#8222;herrschende Finanzbourgeoisie &#8220; aus. Er erw\u00e4hnt sie am Rande im Zusammenhang mit der Kabinettskrise, die ganz richtig als eine von den Kadetten bewusst herbeigef\u00fchrte Regierungskrise dargestellt wird. Bei den Hauptereignissen, den Massendemonstrationen im Zusammenhang mit dem Sowjetkongress, kommt die Darstellung ganz ohne die vermeintlich &#8222;herrschende Klasse&#8220; aus. Und dies aus gutem Grund. Die Bourgeoisie hatte mit dem Kern der Juli-Ereignisse nichts zu schaffen; denn dies war der Machtkampf zwischen dem Proletariat der Hauptstadt, den Kronst\u00e4dter Matrosen und den ihnen nahestehenden Truppenteilen einerseits sowie der Masse der Bauernschaft im Land und der Armee, verk\u00f6rpert durch den tagenden Sowjetkongress, andererseits. Es war eine Auseinandersetzung innerhalb der sog. &#8222;revolution\u00e4ren Demokratie&#8220; zwischen der proletarischen Avantgarde einerseits und dem \u00fcber Russland und seine Armee herrschenden Kleinb\u00fcrgertum, vertreten durch die Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki, andererseits. Im Juli war die kleinb\u00fcrgerliche Dominanz in Petrograd und Moskau bereits gebrochen, im gesamten Land und in der Armee war sie aber noch immer vorherrschend, und diese Mehrheit bestimmte die Politik des Zentralen Exekutivkomitees.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote48sym\" name=\"sdfootnote48anc\"><sup>48<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Nach den Juli-Tagen \u2013 die &#8222;bonapartistische Diktatur&#8220; Kerenskis<\/b><\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Die unvermeidliche Niederlage an der Front wurde den Bolschewiki zur Last gelegt. Die Hetze gegen die proletarische Partei verwandelte sich in eine rasende, w\u00fctende Kampagne, die sich auch schon auf die Sowjets erstreckte. Nach den Kadetten ging auch das Haupt aller Provisorischen Regierungen, F\u00fcrst Lwow, indem er erkl\u00e4rte, dass die R\u00e4te &#8222;unter dem moralischen Niveau des russischen Volkes&#8220; stehen. Und zu gleicher Zeit sch\u00e4tzte dieser Ehrenmann vom Standpunkt seiner Klasse die Sachlage vollkommen richtig ein: &#8222;Die Durchbrechung der Front ist nicht so wichtig wie eine tiefe Durchbrechung der Front Lenins.&#8220; Nachdem die &#8222;Front Lenins&#8220;, d. h. die Front der Revolution, durchbrochen war, brauchten sich die russischen Imperialisten nicht mehr zu genieren, die &#8222;Organe der revolution\u00e4ren Demokratie&#8220; wie Hunde zu behandeln. Die Amtsniederlegung Lwows<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote49sym\" name=\"sdfootnote49anc\"><sup>49<\/sup><\/a> zeigte den endg\u00fcltigen Zerfall der &#8222;Koalitions&#8220;-Macht an. \u2026<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Die kleinb\u00fcrgerlichen F\u00fchrer handelten so, wie man es nicht anders von ihnen erwarten konnte. Sie neigten sich vor dem pers\u00f6nlichen Willen Kerenskis und \u00fcbergaben ihm alle Vollmachten. Als &#8222;Demokraten&#8220; entsagten sie der Demokratie; als &#8222;Sozialisten&#8220; kapitulierten sie vor dem, dem seine eigene Partei nicht vertraute; als Anh\u00e4nger der &#8222;Freiheit&#8220; wendeten sie sich schroff der bonapartistischen Alleinherrschaft zu. Dieses wahrhaft ekelhafte Bild wurde noch ekelhafter dadurch, dass alle handelnden Personen auf dem Schachbrett der Geschichte nur die Rolle von Bauern spielten, die die Hand der imperialistischen Bourgeoisie hin- und herschob.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Diese setzte an der ganzen Linie den Vormarsch fort und strebte mit Volldampf zur Milit\u00e4rdiktatur. General Kornilow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote50sym\" name=\"sdfootnote50anc\"><sup>50<\/sup><\/a> forderte gebieterisch die Wiedereinf\u00fchrung der Todesstrafe. Der Kommissar der Provisorischen Regierung Sawinkow<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote51sym\" name=\"sdfootnote51anc\"><sup>51<\/sup><\/a>, derselbe, der in den Tagen schw\u00e4rzester Reaktion sein Renegatentum durch gottesf\u00fcrchtige Betrachtungen rechtfertigte \u00fcber das Thema: ob man einen Spitzel t\u00f6ten darf oder nicht, begann in einem Telegramm, das in der Sprache der Helden Dostojewskis verfasst war, um Massenerschie\u00dfungen zu flehen.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Kerenski, der fr\u00fcher mit theatralischen Gesten und Krokodilstr\u00e4nen in den Augen von g\u00e4nzlicher Aufhebung der Todesstrafe gesprochen hatte, davon, dass er nicht der &#8222;Marat der russischen Revolution&#8220; sein wolle, wollte jetzt augenscheinlich ihr Stolypin sein. Denn Marat schlug die H\u00e4upter hochgestellter Gegenrevolution\u00e4re ab, Kerenski aber ordnete, dem fr\u00fcheren Zaren den Hof machend, Massenhinrichtungen der grauen Soldaten an. Es begann ein wildes Bacchanal von Erschie\u00dfungen, wie es sogar w\u00e4hrend der blutigen Herrschaft des Zaren nicht vorgekommen war, eine Kampagne gegen die Soldatenorganisationen, die Soldatenr\u00e4te, die revolution\u00e4re Literatur. \u2026<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Daf\u00fcr trat Kerenski in Unterhandlungen mit den Vertretern der Gegenrevolution (der Kadetten) \u00fcber die Bildung des Kabinetts. \u2026 Nach einigem Spr\u00f6detun und von Kerenski inszenierten Ohnmachtsanf\u00e4llen einigte man sich auf Grundlage einer fast v\u00f6lligen Kapitulation der R\u00e4te. Die Kadetten nahmen teil an der Regierung, nachdem sie sich lange hatten bitten lassen. &#8230; Schlie\u00dflich &#8222;ergaben sich&#8220; die Kadetten unter Bedingungen, die f\u00fcr sie einen vollst\u00e4ndigen Sieg bedeuteten. Das neue Ministerium wurde als ein von den Sowjets unabh\u00e4ngiges Ministerium gebildet. Diese Tatsache \u00fcbertrug die den R\u00e4ten entrissene Staatsmacht endg\u00fcltig in die H\u00e4nde der Bourgeoisie. Die R\u00e4te verwandelten sich in den Augen der Bourgeoisie in &#8222;private, eigenm\u00e4chtige Organisationen&#8220;. \u2026<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><em><span style=\"font-size: large;\">Die Gegenrevolution nahm die Macht in die H\u00e4nde. Nach f\u00fcnf Monaten der Revolution, in denen diese Macht gleichzeitig den R\u00e4ten und der Regierung, der Demokratie und den Imperialisten geh\u00f6rte, wurde endlich die Macht der imperialistischen Bourgeoisie, die Macht des Finanzkapitals, gesichert. Arm in Arm mit dem verb\u00fcndeten Imperialismus und den reaktion\u00e4ren Spitzen der Armee tanzt sie jetzt Cancan auf den Leichnamen der von ihr zerfleischten &#8222;freien B\u00fcrger&#8220;. \u2026<\/span><\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Sieg der Gegenrevolution in den Julitagen f\u00fchrte zur Bildung eines Ministeriums, in dem die Minister &#8222;au\u00dfer von ihrem Gewissen von niemanden abh\u00e4ngig waren&#8220;, d. h. einfach ganz und gar vom Kapital abh\u00e4ngig waren. Das Leiborgan Miljukows &#8222;Retsch&#8220; erkl\u00e4rte \u2026 jedem, der es h\u00f6ren wollte. &#8222;Die Forderungen der Kadetten&#8220; &#8211; schrieb das Blatt &#8211; &#8222;dienten zweifellos als Grundlage f\u00fcr die T\u00e4tigkeit der gesamten Regierung &#8230; Da die Hauptforderungen der Kadetten angenommen wurden, hielt es die Partei gerade deshalb nicht f\u00fcr m\u00f6glich, den Streit wegen besonderer Parteidifferenzen fortzusetzen.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk495487614\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Form aber, die der tats\u00e4chliche Sieg der Gegenrevolution annahm, war nicht die Form einer rein-kadettischen Regierung, sondern eine Fixierung des bonapartistischen Regimes Kerenskis. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk495230584\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gegenrevolution war zum Auseinanderjagen der R\u00e4te noch nicht stark genug, w\u00e4hrend die R\u00e4te selbst bereits zu kraftlos waren, um einen entschiedenen und m\u00e4chtigen Widerstand zu leisten. Sie, die das Proletariat verraten hatten, litten nun selbst mit dem Kainszeichen auf der Stirn unter den schweren Folgen dieses Verrats. Sie verwandelten sich in eine spanische Wand, eine dekorative Form, hinter der sich ein reaktion\u00e4rer Inhalt verbarg. Aber auch die wahre Demokratie &#8211; die Arbeiterdemokratie in erster Linie &#8211; war nicht imstande, durch einen kr\u00e4ftigen Sto\u00df den immer unversch\u00e4mter werdenden Imperialismus zur\u00fcckzuschlagen; denn sie war, wenn auch nicht total geschlagen, so doch entkr\u00e4ftet und vor\u00fcbergehend desorganisiert. So entstand ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiges Gleichgewicht der sozialen Kr\u00e4fte, das dem russischen Bonapartismus als Grundlage diente. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Es ist kein Wunder, dass sich Kerenski, als das Finanzkapital einer untergeschobenen Person bedurfte, als diese Person erwies. Er vereinigte in sich alle Elemente, die dazu n\u00f6tig waren, dass die Finanzaristokratie diesen &#8222;Demokraten&#8220; herablassend mit dem Stempel der Billigung und der Erkenntlichkeit versah. In der Vergangenheit ein Revolution\u00e4r, aber nicht von den Standhaften; ein Held der Fr\u00fchlingsrevolution mit ihren sentimentalen Ausbr\u00fcchen und der Verbr\u00fcderung der Bauern-Soldaten mit dem Gutsbesitzer Rodsjanko; ein Schauspieler und Phrasenheld bis ins Mark, der zu weinen und zu lachen und sein Haar tragisch zu raufen und die Erde zu k\u00fcssen verstand, &#8211; wenn es die Umst\u00e4nde forderten; ein Liebling des gro\u00dfen Publikums und ein hoffnungsvoller Abenteurer; ein Spezialist, die Revolution zu prostituieren, der mit dem roten Banner geschickt den imperialistischen Raub verdeckt; ein Feigling, der seine politischen Gegner tapfer Feiglinge schimpft: Mitglied einer sozialistischen Partei, der auf Schritt und Tritt ihre Beschl\u00fcsse umgeht; ein Sch\u00fctzling der &#8222;bevollm\u00e4chtigten Organe der Demokratie&#8220;, der in der Tiefe seiner Seele diese Organe verachtete; ein Mensch, der Nikolaus II. vor der Todesstrafe rettete, aus &#8222;demokratischen&#8220; Erw\u00e4gungen aber die Todesstrafe f\u00fcr die Soldaten einf\u00fchrte; ein Anh\u00e4nger der Revolution, der dieser Revolution ins Gesicht schl\u00e4gt \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die bonapartistische Macht Kerenskis sollte als \u00dcbergangsbr\u00fccklein zur Rettung des kapitalistischen Profits und der Grundrente vor den Anschl\u00e4gen der Arbeiter und Bauern dienen. Zwischen dem Volk und dem Block der Gro\u00dfeigent\u00fcmer trat diese Macht in der Rolle eines Schiedsrichters, einer &#8222;v\u00f6lkischen Regierung&#8220; auf, die angeblich \u00fcber den Klassen stand, in den verborgenen Winkeln der Ministerkanzleien aber mit den offenen Feinden des Volkes herumschacherte. Die Spitzen der Bankokratie glaubten schon, nachdem sie das Br\u00fccklein des Regimes Kerenskis \u00fcberschritten, zur Festigung ihrer unzerst\u00f6rbaren Macht \u00fcberzugehen. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend des Kongresses des Handels- und Industriekapitals in Moskau trat der bekannte Million\u00e4r und M\u00e4zen Rjabuschinski offen mit einem zynischen Programm auf, die Revolution zu erdrosseln, die R\u00e4te auseinanderzujagen, und gegen die Arbeiterklasse die Hungerblockade zu verh\u00e4ngen. &#8222;Unsere Provisorische Regierung &#8211; erkl\u00e4rte Rjabuschinski &#8211; befand sich unter dem Einfluss unbekannter Leute. Bei uns begann tats\u00e4chlich ein H\u00e4uflein Scharlatane zu herrschen &#8230; Die Regierung f\u00f6rdert nicht die Handels- und Industrieklassen &#8230; Es ist notwendig, dass der Staat sich wenigstens einigerma\u00dfen (!) auf den Standpunkt dieser Klasse stellt. Die Regierung muss b\u00fcrgerlich denken und b\u00fcrgerlich handeln &#8230; Vielleicht bedarf es zum Ausweg aus der Lage der knochigen Hand des Hungers, des Volkselends, das die falschen Freunde des Volkes, die demokratischen R\u00e4te und Komitees, an der Gurgel packt.&#8220; Rasender Applaus der Geldprotzen l\u00f6ste diese wahrhaft kannibalische Rede aus. Daraus sch\u00f6pfte aber gerade die Regierung des Bonapartisten ihre Erleuchtung. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bereits im Juli fand ein Kongress der dreizehn wichtigsten Unternehmerorganisationen mit der Zentralstelle der Aktienbanken an der Spitze statt. Die Naphta- und Zuckerk\u00f6nige, die Kohlenbarone und Holzh\u00e4ndler, die Eisenbahnprotzen und die Ledermonopolisten, die Schlotbarone und die Papierfabrikanten, &#8211; sie alle entschieden einstimmig, dass eine allrussische Vereinigung des Kapitals notwendig sei. So entstand das &#8220;Hauptkomitee der Vereinigten Industrie&#8220;, alias &#8222;Komitee zum Schutze der Industrie&#8220;. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Programm des Finanzkapitals war kurz und b\u00fcndig in &#8222;Industrie und Handel&#8220;, seinem offiziellen Organ formuliert: &#8222;Wiederherstellung der Ordnung in den Fabriken und H\u00fcttenwerken&#8220;, &#8222;eiserne Disziplin in der Heimat und an der Front&#8220;.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote52sym\" name=\"sdfootnote52anc\"><sup>52<\/sup><\/a> Auf dieser &#8222;Basis&#8220; hofften aber die Herren Industriellen, auch den entsprechenden Aufbau zu errichten, indem sie den Arbeitslohn einschr\u00e4nkten, sich Riesendividenden sicherten, f\u00fcr die Arbeiter eine Zwangsarbeit einf\u00fchrten und den Arbeitern zu verstehen gaben, dass die &#8222;feste Macht wieder hergestellt sei&#8220;&#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcber die Bauern fiel die Regierung Kerenskis mit Verhaftungen, Strafexpeditionen und Gerichten her. Man verurteilte wegen Verletzung der alten Leibeigenschafts-Vertr\u00e4ge und wegen Durchf\u00fchrung der Richtlinien Tschernows;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote53sym\" name=\"sdfootnote53anc\"><sup>53<\/sup><\/a> man verhaftete gew\u00f6hnliche Bauern und Mitglieder der Landkomitees; man ergriff einfache Komiteemitglieder und die Vorsitzenden dieser Komitees. Und diese und andere und dritte gerieten auf die Anklagebank und wurden in den Staatspensionen der neuen &#8222;Majest\u00e4t&#8220; einquartiert. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die aus Bauern bestehende Armee teilte das Schicksal des ganzen Volkes. Sie wurde von dem &#8222;Demokraten&#8220; Kerenski den zaristischen Gener\u00e4len, die im Hauptquartier den Generalstab der bewaffneten Gegenrevolution organisierten, mit Leib und Seele ausgeliefert. &#8222;Eiserne Disziplin&#8220;, d.h. grausame Bestrafung des Soldaten, gleich Schnellfeuer wirkende Feldjustiz gegen die Verr\u00e4ter der Revolution, die die Frechheit hatten, sich revolution\u00e4r zu nennen; das System der abscheulichen Verleumdung der Soldaten, das von demselben Hauptquartier organisiert wurde &#8211; alles das verwirrte sich zu einem schmutzig-blutigen Klumpen, mit dem man den revolution\u00e4ren Geist der Armee zu ersticken hoffte. \u2026&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Hier ein Versuch, den wortreich-verwickelten Gedankengang Bucharins zu rekonstruieren.<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>1.&#8220;<\/i><\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Gegenrevolution nahm die Macht in die H\u00e4nde. Nach f\u00fcnf Monaten der Revolution, in denen diese Macht gleichzeitig den R\u00e4ten und der Regierung, der Demokratie und den Imperialisten geh\u00f6rte, wurde endlich die Macht der imperialistischen Bourgeoisie, die Macht des Finanzkapitals, gesichert&#8220; schreibt Bucharin. Hier finden wir die &#8222;kanonisierte&#8220; Fassung der marxistischen Geschichtsschreibung des Revolutionsjahres. Obwohl die &#8222;imperialistische Bourgeoise&#8220; nach dieser Geschichtsschreibung bereits seit Februar\/M\u00e4rz im Besitz der Macht war, soll sie nun ab Juli g\u00e4nzlich ungeschm\u00e4lert, unabh\u00e4ngig vom Sowjet herrschen. Die &#8222;Doppelherrschaft&#8220; findet mit dieser Interpretation der Juli-Ereignisse ihr Ende.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Damit entsteht aber eine neue Frage: Warum sollte die im Besitz der ungeteilten Macht befindliche &#8222;imperialistische Bourgeoisie&#8220; die Kornilowiade organisieren und damit ihre &#8222;gesicherte&#8220; Macht an einen Milit\u00e4rdiktator abtreten? Dazu an einen Milit\u00e4rdiktator, der w\u00e4hrend seiner Kriegsgefangenschaft bei den \u00d6sterreichern noch versichert hatte, er w\u00fcrde die Gutschkows und Miljukows (die F\u00fchrer des &#8222;Progressiven Blocks&#8220; und erwiesenerma\u00dfen Finanziers bzw. Unterst\u00fctzer der Kornilowiade waren), aufh\u00e4ngen lassen?<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote54sym\" name=\"sdfootnote54anc\"><sup>54<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk495234078\"><\/a> <em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">2. Zur Aufl\u00f6sung dieses Problems finden wir dann einige Zeilen sp\u00e4ter eine ganz andere Schilderung der politischen Situation durch Bucharin: <\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>&#8222;So entstand ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiges Gleichgewicht der sozialen Kr\u00e4fte, das dem russischen Bonapartismus als Grundlage diente&#8220;, und Bucharin meint damit ein Gleichgewicht zwischen dem Sowjet und der &#8222;Arbeiterdemokratie&#8220; auf der einen Seite und der Bourgeoise auf der anderen Seite. So verwandelt sich die &#8222;gesicherte Macht&#8220; der Bourgeoisie nach einigen Zeilen in ein Machtgleichgewicht zwischen Sowjet und Bourgeoisie, welches die Grundlage f\u00fcr eine bonapartistische Herrschaft Kerenskis schaffen soll.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>3. Womit wir bei dem dritten Gedankengang Bucharins angelangt sind. &#8222;Die Form aber, die der tats\u00e4chliche Sieg der Gegenrevolution annahm, war nicht die Form einer rein-kadettischen Regierung, sondern eine Fixierung des bonapartistischen Regimes Kerenskis.&#8220; Die &#8222;gesicherte Macht&#8220; der Bourgeoise existierte somit in der &#8222;Form&#8220; der bonapartistischen Diktatur Kerenkis, die wiederum auf dem Machtgleichgewicht zwischen Sowjet und Bourgeoisie fu\u00dfte. Soweit die Bucharinsche Interpretation der politischen Situation f\u00fcr den Juli\/August 1917.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Unbenommen, dass Kerenski eine solche Herrschaft anstrebte und die F\u00fchrung der Sowjets bereit war, diese zu unterst\u00fctzen,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote55sym\" name=\"sdfootnote55anc\"><sup>55<\/sup><\/a> so fehlte ihm die andere Seite: die Bereitschaft der Bourgeoisie, diese bonapartistische Herrschaft Kerenskis zu st\u00fctzen. Diese Unterst\u00fctzung zu erreichen, war das Anliegen Kerenskis und der Sowjetf\u00fchrung auf der Moskauer Staatskonferenz. Die Bourgeoisie aber, die sich durchaus nicht &#8222;gesichert&#8220; an der Macht f\u00fchlte, unterst\u00fctzte mehrheitlich eine andere L\u00f6sung, die Milit\u00e4rdiktatur Kornilows. Kerenski beteiligte sich an der Kornilowiade, um so die M\u00f6glichkeit einer bonapartistischen Herrschaft weiterhin zu erhalten.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Objektiv gab es aber keine Voraussetzungen zu einer bonapartistischen Herrschaft im revolution\u00e4ren Russland. Kerenskis Machtbasis war der Sowjet, das Programm der Bourgeoisie die Entmachtung des Sowjets, das der Milit\u00e4rs die Zerschlagung und physische Vernichtung aller Sowjetparteien, wobei die \u00dcberg\u00e4nge zwischen dem Programm der Bourgeoisie und der Milit\u00e4rf\u00fchrung durchaus flie\u00dfend waren. So \u00fcberlebte das &#8222;Bonapartismus&#8220;-Programm Kerenskis die Moskauer Staatskonferenz gerade um zwei Wochen, die Pl\u00e4ne der Milit\u00e4rf\u00fchrung mit dem Kornilow-Putsch nur wenige Tage mehr.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote56sym\" name=\"sdfootnote56anc\"><sup>56<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Moskauer Konferenz und Kornilowiade<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Wenn so die Zentralregierung eine imperialistische Diktatur verk\u00f6rperte, so wurde dadurch der Entfesselung der gegenrevolution\u00e4ren Kr\u00e4fte ein weiterer Spielraum gegeben. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der entscheidende Schlag, den die Reaktion der Revolution versetzen wollte, sollte unter der Fahne einer &#8222;allrussischen&#8220; Versammlung vor sich gehen. Die Errungenschaften des Kapitals sollten unter einer Schutzdecke von &#8222;Ordnung und Vaterland&#8220; gesichert werden. Man musste den Schein einer allrussischen Sanktion des k\u00fcnftigen endg\u00fcltigen Umsturzes, der Restauration und der R\u00fcckkehr zur Monarchie schaffen, wonach die M\u00e4rz-&#8222;Republikaner&#8220; wie die Fische nach Wasser d\u00fcrsteten. Man musste sich schlie\u00dflich eine feste Organisationsgrundlage schaffen. So entstand die Idee der Moskauer Staatskonferenz, einer neuen Landesversammlung, in der die &#8222;Leichen&#8220; der Reichsduma die russische Revolution an der Gurgel packen sollten.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den b\u00fcrgerlichen Spitzen schien nun die Politik Kerenskis und seiner Clique schon unzureichend. Obwohl Kerenski die Diktatur verwirklichte, war er doch ein Fremdling, der sich zur Bourgeoisie verirrt hatte. Kerenski diente dem Kapital nicht aus Furcht, sondern weil seine \u00dcberzeugung ihn dazu bewog. Er hatte aber &#8222;Jugends\u00fcnden&#8220;. Er war bereit, dem &#8222;R\u00fccken&#8220; des Kapitals seine Ehrfurcht zu bezeigen. Kerenski war aber immerhin ein Held der Phrase, nicht der Tat. Seine Bestimmung hatte er schon erf\u00fcllt: er half dem Kapital, die Volksmassen durch die Junioffensive dem imperialistischen Streitwagen vorzuspannen; er half dem Kapital, durch die Vernichtung des Proletariats im Juli die Arbeiter und Soldaten zu z\u00fcgeln; er f\u00fchrte die Todesstrafe an der Front ein. Seine Popularit\u00e4t war aber bereits fast ersch\u00f6pft. Da er alles verwirklichte, was die Bourgeoisie von ihm forderte, verlor er jeglichen Kredit bei der Masse.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Nachdem er seine Bestimmung f\u00fcr die &#8222;Industriekapit\u00e4ne&#8220; erf\u00fcllt hatte, war sein Name den Soldaten und dem Proletariat schon verhasst. Er wurde zu einer ausgepressten Zitrone, er wurde zu einem Schw\u00e4tzer, dessen Phrasen nur noch l\u00e4cherlich waren. Er fuhr fort, im Namen der Revolution zu reden, aber man schleuderte ihm schon den Namen eines Verr\u00e4ters der Revolution ins Gesicht. Seine Beschw\u00f6rungen wirkten nicht. Seine Figur h\u00f6rte auf, zu imponieren. Unter dem \u00e4u\u00dferen Glanz und tragischen Gefl\u00fcster erkannten die Massen schon den gew\u00f6hnlichen Schelm. Die Bourgeoisie rief nun nach einem Milit\u00e4rdiktator; Kerenski aber war alles in allem nur ein Schw\u00e4tzer in Zivil.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So wurde der Boden f\u00fcr das Entstehen eines neuen Pr\u00e4tendenten<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote57sym\" name=\"sdfootnote57anc\"><sup>57<\/sup><\/a>, der die historische Rolle eines &#8222;Retters des Vaterlandes&#8220; spielen sollte, vorbereitet. Zu diesem Pr\u00e4tendenten bestimmten die Finanzaristokratie, die handelsgewerblichen Kreise und die Gro\u00dfgrundbesitzer Kornilow. Die Moskauer Konferenz sollte den Erl\u00f6ser-General zum Diktator proklamieren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote58sym\" name=\"sdfootnote58anc\"><sup>58<\/sup><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p>\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Proletariat aber war auf der Hut. Es sah die drohende Gefahr, die sich immer mehr n\u00e4herte, und mobilisierte seine Kr\u00e4fte. Mit einem Streik des Protestes, der Emp\u00f6rung und Verachtung empfing das Moskauer Proletariat die von allen Seiten eintreffenden Vertreter des &#8222;Volkes&#8220; in Generalsuniformen, Fracks und Bischofsm\u00fctzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Es lebe der allgemeine Streik, unsere erste drohende Warnung an die Herren Gegenrevolution\u00e4re!&#8220; &#8211; schrieb das Moskauer Organ der Bolschewiki, der &#8222;Sozialdemokrat&#8220;. Gewerkschaften beschlossen mit erdr\u00fcckender Stimmenmehrheit, diesen Streik zu proklamieren. Die feigen &#8222;Revolution\u00e4re&#8220; aus dem Moskauer Rat, die Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki, die, obgleich sie in Worten Vertreter der Massen waren, nichts so sehr f\u00fcrchteten wie ein Auftreten dieser Massen, beeilten sich freilich, sogleich den Streik &#8222;abzuw\u00fcrgen&#8220;: sie nahmen eine Resolution an, die den Streik als &#8222;f\u00fcr die Revolution verderblich&#8220; erkl\u00e4rte. Das Moskauer Proletariat aber best\u00e4tigte aufs Neue seinen Beschluss und 400.000 Arbeiter stimmten wie ein Mann den Losungen ihrer Klassenorganisationen zu. Und w\u00e4hrend alle Tage auf den Namen des Vorsitzenden der ultra-reaktion\u00e4ren Duma, Rodsjanko, Gl\u00fcckwunschtelegramme von B\u00f6rsenversammlungen, Grundbesitzerverb\u00e4nden und handelsgewerblichen Organisationen eintrafen, liefen von allen Seiten Nachrichten ein \u00fcber Streiks und Demonstrationen des revolution\u00e4ren Proletariats.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So stie\u00df das &#8222;gesellschaftliche Bewusstsein&#8220; der b\u00fcrgerlich-gutsherrlich-milit\u00e4rischen Spitzen aufs sch\u00e4rfste mit dem &#8222;gesellschaftlichen Bewusstsein&#8220; des Proletariats zusammen. &#8222;Es lebe die Milit\u00e4rdiktatur!&#8220; rief die Gro\u00dfbourgeoisie, &#8222;Nieder mit der Gegenrevolution!&#8220; erkl\u00e4rte entschieden das Proletariat. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Moskauer Konferenz, die schon zur &#8222;Staatskonferenz&#8220; erkl\u00e4rt wurde, erwies sich als eine geschickte Kom\u00f6die ersten Ranges. Kaum kann man ein Beispiel gr\u00f6\u00dferer Heuchelei finden als jene Szenen, die wie nach Noten in der Gro\u00dfen Oper gespielt wurden. Alles, was dort geschah, war ein Gesch\u00e4ft, das die Form eines Kampfes hatte, um nicht ein Kampf zu sein, der keinem Gesch\u00e4ft gleicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die &#8222;Konferenz&#8220; war ein Gesch\u00e4ft der kleinb\u00fcrgerlichen F\u00fchrer des Sowjets mit der Gro\u00dfbourgeoisie, zugleich war sie aber auch ein Gesch\u00e4ft zweier Diktatoren: eines, der schon vorhanden war, und des anderen, dessen Kommen erst erwartet wurde.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote59sym\" name=\"sdfootnote59anc\"><sup>59<\/sup><\/a> <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(Hervorhebung im Original, A.S.) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u2026 Die Konferenz sprach im Namen der &#8222;Nation&#8220;. In Wirklichkeit war aber der Hauptbestandteil der Nation &#8211; das Proletariat und die \u00e4rmsten Bauern &#8211; davon ausgeschlossen. Daf\u00fcr waren aber alle Schattierungen des Eigent\u00fcmerblocks vertreten. Das Gesch\u00e4ft wurde ohne den Wirt abgeschlossen, es h\u00f6rte aber deswegen nicht auf, ein Gesch\u00e4ft zu sein. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kerenski wusste, dass Kornilow seine Truppen sammelte, um einen bewaffneten Umsturz durchzuf\u00fchren. Er begr\u00fc\u00dfte ihn aber unter begeistertem Gebr\u00fcll aller Gro\u00dfgrundbesitzer und B\u00f6rsenhaie als &#8222;den ersten Soldaten der Revolution&#8220;. Zugleich aber wurden f\u00fcr jeden Fall Gegenvorbereitungen getroffen und die beiden Rivalen begaben sich umsichtig allabendlich zum \u00dcbernachten in Eisenbahnwagen, die jeden Augenblick zu eiliger Abfahrt bereit standen. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk495491411\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Triumvirat: Alexejew, Kornilow, Kaledin<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote60sym\" name=\"sdfootnote60anc\"><sup>60<\/sup><\/a> &#8211; legte v\u00f6llig das Henkerprogramm des Finanzkapitals dar. Zerst\u00f6rung der Revolution, Vernichtung der &#8222;R\u00e4te und Komitees&#8220;, Vertilgung oder g\u00e4nzliches Unsch\u00e4dlichmachen der Soldatenr\u00e4te &#8211; das war das Programm der Generale, das Fabrik, Bank, Grundbesitz und B\u00f6rse guthie\u00dfen. Aber nicht nur unmittelbar diese. Die Programmrede, die Kornilow las, hatte der Handlanger Kerenskis, Filonenko, f\u00fcr den General verfasst, derselbe Filonenko, der zusammen mit Sawinkow f\u00fcr Kerenski den Gesetzentwurf \u00fcber die Todesstrafe f\u00fcr die Soldaten verfasst hatte. Es ist wohl auch klar, dass die Miljukows und Rjabuschinskis dieselbe Linie verfochten wie ihre Freunde aus dem Milit\u00e4r.&#8220; \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Dass Miljukow und die Alliierten &#8222;dieselbe Linie verfochten wie ihre Freunde aus dem Milit\u00e4r&#8220; ist keineswegs klar. Der englische Botschafter verfocht ebenso wie Miljukow die Aufrichtung eines Direktoriums <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>unter Einbindung Kerenskis<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>, als Vertreter des Sowjets. Die Milit\u00e4rf\u00fchrung f\u00fchlte sich aber an ihre Absprachen mit den Verb\u00fcndeten und Finanziers nicht gebunden und plante die Aufrichtung einer Milit\u00e4rdiktatur ohne Einbindung der rechten Sowjetf\u00fchrer.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>&#8222;<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>W\u00e4hrend Miljukow auf der Staatskonferenz Besprechungen mit den Verschw\u00f6rern f\u00fchrte, beschwor Kerenski die Unausweichlichkeit einer Koalitionsregierung. Gleichzeitig war er aber von den rechten Kadetten und den Alliierten als feste Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die Einrichtung eines drei- bis f\u00fcnfk\u00f6pfigen Direktoriums im Rahmen der Milit\u00e4rdiktatur vorgesehen; <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>als \u00dcberrest des Sowjets sollte er das demokratische Feigenblatt f\u00fcr die Konterrevolution abgeben. Dieses Konzept wurde auch vom englischen Botschafter in Petrograd favorisiert. \u00bbObwohl alle meine Sympathien auf Seite Kornilows waren, hatte ich immer von einem milit\u00e4rischen Handstreich nachdr\u00fccklich abgeraten, denn Russlands einzige Hoffnung auf Rettung lag in einer engen Arbeitsgemeinschaft zwischen ihm und Kerenski. Kornilow, der kein Reaktion\u00e4r war, &#8230; w\u00e4re wohl bereit gewesen, mit Kerenski zu arbeiten, doch dahinter standen M\u00e4nner, die die Regierung seit Wochen st\u00fcrzen wollten. Das Geheimnis dieser Gegenrevolution kannten so viele Menschen, dass es schon lange kein Geheimnis mehr war. Auch Kerenski wusste davon \u2026\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote61sym\" name=\"sdfootnote61anc\"><sup>61<\/sup><\/a> (<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Schr\u00f6der\/Karuscheit 1917, S. 129)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Vorbereitungen zur Kornilowiade<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Wenn das Gesch\u00e4ft mit der Richtung nach rechts das Ergebnis der Moskauer Konferenz war, so war das nicht nur den nat\u00fcrlichen Reaktion\u00e4ren nach ihrem Geschmack, sondern auch im Sinne des internationalen Kapitals, das daran tief interessiert war. Die alliierten Gesandten, die die Zarenloge f\u00fcllten, begr\u00fc\u00dften niemanden so hei\u00df wie das blutd\u00fcrstige Generalskleeblatt. Es ist kein Wunder, dass die &#8222;M\u00f6glichkeit, auf dem ausl\u00e4ndischen Markte eine Anleihe von f\u00fcnf Milliarden zu machen, das n\u00e4chste Ergebnis der Moskauer Konferenz war.&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote62sym\" name=\"sdfootnote62anc\"><sup>62<\/sup><\/a> Das war umso eher &#8222;m\u00f6glich&#8220;, als General Kornilow, w\u00e4hrend er im R\u00fccken der Armee die Todesstrafe forderte, offen mit der \u00dcbergabe Rigas drohte, eine Drohung, die er auch sp\u00e4ter wahr machte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die &#8222;Staatskonferenz&#8220; verwandelte sich nicht in ein Dauerparlament, wie die Herren von der &#8222;Nowoje Wremja&#8220; gehofft hatten. Es fand aber auch kein \u00e4u\u00dferer Umsturz statt, den die Bourgeois jeden Kalibers so eifrig erwarteten. Der &#8222;Name&#8220; des &#8222;Helden&#8220; war freilich schon auf allen Lippen. Ein Kriegsabenteurer, ein &#8222;ehrlicher Haudegen&#8220;, beschr\u00e4nkt indes, da er direkt auf das Ziel losging, war dieser st\u00e4mmige General mit der Kalm\u00fcckenphysiognomie, &#8211; der die feste Entschlossenheit besa\u00df, die Stra\u00dfen der St\u00e4dte mit Arbeiterblut zu \u00fcberschwemmen und mit den revolution\u00e4ren Soldaten durch Niederschie\u00dfen aufzur\u00e4umen \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die gr\u00f6\u00dfte Vorbereitungshandlung zu dieser Verschw\u00f6rung war die ungeheure Provokation an der Front. Kornilow \u00fcbergab Riga als Austausch gegen die Todesstrafe.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote63sym\" name=\"sdfootnote63anc\"><sup>63<\/sup><\/a> Absichtlich wurden die besten lettischen Sch\u00fctzenregimenter, die ohne Ausnahme bolschewistisch waren, in sicheres Verderben geschickt. Kornilow spielte ohne Verlust. Wenn sie sich weigern, dem Armeebefehl zu gehorchen, kann man die Niederlage auf sie w\u00e4lzen und sie durch die Hand der Henker vernichten. Die Todesstrafe f\u00e4ngt dann an, im ganzen Lande zu bl\u00fchen. Wenn sie gehorchen, werden sie von den deutschen Kugeln vernichtet. Sie gehorchten, um den Abenteurern der Gegenrevolution nicht die M\u00f6glichkeit zu geben, die Bolschewiki zu verleumden. Und sie wurden vernichtet. Aber ihr Verderben rettete sie nicht vor Verleumdung. W\u00e4hrend Kornilow durch geheime Nachrichten die alliierten R\u00e4uber &#8222;beruhigte&#8220;, indem er ihnen die wahren Beweggr\u00fcnde der \u00dcbergabe Rigas mitteilte, verbreitete er aus dem Hauptquartier die abscheulichsten Verleumdungen \u00fcber die Soldaten. Vergebens protestierten die Soldatenr\u00e4te, vergebens protestierten sogar die Kommissare der Provisorischen Regierung, vergebens beteuerte Woitinski, der in den Julitagen zum Niederschie\u00dfen der Arbeiter aufgerufen hatte, &#8222;im Angesicht des ganzen Landes&#8220;, dass die Soldaten sich heldenhaft geschlagen h\u00e4tten. Das Hauptquartier log ununterbrochen, indem es von eigenm\u00e4chtigem Verlassen der Stellung, von Ungehorsam gegen\u00fcber den Armeebefehlen, von deutschen Agenten berichtete. Eine neue Welle unerh\u00f6rter L\u00fcge und verr\u00e4terischer Hetze gegen die Soldaten \u00fcberflutete das ganze Land. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Heimat und an der Front, in den Hauptst\u00e4dten und am Don bildeten sich Kampfzentren der Gegenrevolution. Der &#8222;H\u00f6chstkommandierende&#8220; und &#8222;erste Soldat der Revolution&#8220; ordnete fieberhaft seine Streitkr\u00e4fte, indem er die revolution\u00e4ren Truppen aus den Zentren der Revolution fortschickte und diese mit zuverl\u00e4ssigen Kavallerietruppen anf\u00fcllte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Diese ganze Vorbereitungsarbeit wurde unter der von den Lockspitzeln der Kadetten und Generale ausgedachten Losung &#8222;Kampf gegen die Verschw\u00f6rung der Bolschewiki&#8220; gef\u00fchrt. Indem sie die Verschw\u00f6rung der Kapitalisten und Gutsbesitzer vorbereiteten, schrien sie von einer Verschw\u00f6rung der Arbeiter; indem sie die Truppen von der Front wegf\u00fchrten, beschuldigten sie die Partei des Proletariats des Verrats; indem sie die Gegenrevolution organisierten, wehklagten sie \u00fcber die Gegenrevolution der Arbeiter und Soldaten; indem sie auf den B\u00fcrgerkrieg lossteuerten, trommelten sie vom B\u00fcrgerkrieg des Proletariats \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;In n\u00fcchterner Beurteilung der Lage&#8220; &#8211; telegraphierte der Direktor der diplomatischen Kanzlei beim Stabe im Hauptquartier Trubetzkoi geheim dem Minister des \u00c4u\u00dferen &#8211; &#8222;muss man anerkennen, dass das ganze Oberkommando, eine erdr\u00fcckende Mehrheit der Offiziere und die besten Fronttruppen der Armee sich Kornilow anschlie\u00dfen. Auf seine Seite stellen sich in der Heimat das ganze Kosakentum, die Mehrheit der Kriegsschulen und auch die besten Fronttruppen. Zur physischen Kraft muss man hinzuf\u00fcgen &#8230; die moralische Sympathie aller nicht sozialistischen Schichten der Bev\u00f6lkerung, in den untersten Schichten aber &#8230; Indifferenz, die sich jedem Schlag der Reitpeitsche unterordnet. Es ist zweifellos, dass eine ungeheure Menge der M\u00e4rzsozialisten nicht z\u00f6gern wird, auf Ihre Seite \u00fcberzugehen &#8230; Dass Kornilow den Triumph Wilhelms vorbereitet, kann man in dem Augenblick nicht sagen, wo den deutschen Truppen nur \u00fcbrigbleibt, unsere weiten L\u00e4nder zu \u00fcberwinden.&#8220; So sch\u00e4tzten die Verschw\u00f6rer der Gegenrevolution das &#8222;reale Verh\u00e4ltnis der Kr\u00e4fte&#8220; ein. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Offen gegen Kornilow auftreten &#8211; das hie\u00df mit der Finanzclique und den Generalen brechen, mit ihnen offen einen Bund schlie\u00dfen &#8211; das hie\u00df die letzten Reste des Vertrauens zu seiner eigenen Person vernichten, deren Ruf auch ohnedies bereits v\u00f6llig untergraben war. Unter solchen Umst\u00e4nden blieb nur noch eins \u00fcbrig: indem man die Kom\u00f6die des Kampfes spielte, in Wirklichkeit aber auf Gesch\u00e4fte hinter den Kulissen einzugehen, d. h. tats\u00e4chlich, sich in eine Verschw\u00f6rung gegen die Revolution einzulassen. Das war umso leichter, als alle Gehilfen Kerenskis erkl\u00e4rte Anh\u00e4nger Kornilows waren; Sawinkow, Filonenko, Burzew, von den Mitgliedern der Kadettenpartei gar nicht zu reden, waren feurige Anh\u00e4nger einer Staatsumw\u00e4lzung zum Wohle des Rittergutes und des Bankkontors. Deshalb wurden die ersten Vorbereitungen zum Kampf (und zum Kampf nicht mehr nur gegen die &#8222;Bolschewiki&#8220;, sondern auch gegen die menschewistisch-sozialrevolution\u00e4ren R\u00e4te) nach Anordnung des bonapartistischen Kom\u00f6dianten getroffen; und Sawinkow f\u00fchrte mit Einwilligung Kerenskis das 3. Kavalleriekorps nach Petersburg zur Vernichtung derselben revolution\u00e4ren Demokratie, f\u00fcr deren Anh\u00e4nger er sich ausgab.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 26. August stellte Kornilow durch den F\u00fcrsten Lwow, einen der Minister der ersten &#8222;revolution\u00e4ren&#8220; Regierung, sein Ultimatum. Kerenski &#8222;verhaftet&#8220; Lwow. Kornilow, in dessen Hauptquartier sich die &#8222;St\u00fctzen der Gesellschaft&#8220; verschanzt hatten, ver\u00f6ffentlicht ein feierliches Manifest &#8222;an das russische Volk&#8220;, dass die Regierung in H\u00e4nden der Deutschen und der Bolschewiki sei. Die &#8222;Kriegsoperationen&#8220; beginnen &#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Kommentar<\/b><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Dies ist eine \u00e4u\u00dferst verk\u00fcrzte Darstellung der durchaus verwickelten und von Charaden nicht freien Geschehnisse bei der Aufdeckung der Kornilowiade, bei der durchaus mehrere Kr\u00e4fte als nur die Reaktion agierten.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>&#8222;Inzwischen hatte Kerenski von einem ehemaligen Mitglied der Provisorischen Regierung erfahren, wie die Stimmung im Armeehauptquartier war und welche Pl\u00e4ne die hinter Kornilow stehenden Kr\u00e4fte mit der Sowjetf\u00fchrung und ihm selber hatten. \u00dcber sein weiteres politisches Schicksal war u.a. der Satz gefallen: \u00bbDen Namen Kerenski brauchen wir, um die Soldaten etwa zehn Tage bei der Stange zu halten, danach wird er eliminiert.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote64sym\" name=\"sdfootnote64anc\"><sup>64<\/sup><\/a> Nach diesen Informationen war er nicht mehr bereit, weiterhin die Verschw\u00f6rung Kornilows zu decken oder mit ihm zusammen ein Direktorium zu bilden, wie es die Pl\u00e4ne Miljukows und der Alliierten vorsahen. Er enttarnte die von ihm selber mitgetragene Verschw\u00f6rung und entlie\u00df Kornilow als Oberkommandierenden.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, 1917, S. 129) Der entscheidende Zug zur Aufdeckung der Kornilowiade ging von dem Mitverschworenen Kerenski aus, als ihm klar wurde, dass der Staatsstreich sich nicht mit der Liquidierung der politischen Linken in den Sowjets begn\u00fcgen w\u00fcrde und damit sein Kopf ebenso zur Disposition stand wie der Kopf Lenins, Trotzkis oder Martows.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Die wesentliche Aussage der Kornilowschen Proklamation zum Staatsstreich ist nicht die Behauptung, &#8222;<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>dass die Regierung in H\u00e4nden der Deutschen und der Bolschewiki sei&#8220;, eine Behauptung, die nur eine Handvoll verstockter und wirklichkeitsfremder Reaktion\u00e4re glaubhaft gefunden h\u00e4tte, sondern Kornilows Appell an die Massen der russischen Bev\u00f6lkerung, an die Bauernschaft.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>\u00bbIch, General Kornilow, <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>der Sohn eines Kosakenbauern<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>, sage einem jeden, dass ich pers\u00f6nlich nichts anderes als die Erhaltung Gro\u00dfrusslands begehre, und ich gelobe, dem Volk durch den Sieg \u00fcber den Feind die Konstituierende Versammlung zu bescheren, in der es sein Schicksal selbst entscheiden und die Form seines neues Staatslebens w\u00e4hlen wird.\u00ab<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote65sym\" name=\"sdfootnote65anc\"><sup>65<\/sup><\/a> Was kann den Charakter der russischen Revolution deutlicher enth\u00fcllen als die Tatsache, dass selbst der vom Gro\u00dfgrundbesitz, der rechten Bourgeoisie, der Armeef\u00fchrung und den Alliierten favorisierte Milit\u00e4rdiktator erst einmal <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>seine b\u00e4uerliche Herkunft<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> beschw\u00f6ren muss, um Anspruch auf die Macht zu erheben?<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Dar\u00fcber hinaus reduzierte sich sein politisches Konzept auf die Wiederherstellung der Disziplin in der Armee, die Erhaltung Gro\u00dfrusslands (von Miljukows weitergehender imperialer Zielsetzung kein Wort) und das Versprechen der Einberufung der Konstituierenden Versammlung, die die k\u00fcnftige Staatsform festlegen sollte. Das erscheint als Programm der Konterrevolution \u00e4u\u00dferst gem\u00e4\u00dfigt, der Unterschied zu Kerenski ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Der reale Unterschied bestand in der konsequenten Absicht, die Macht des Sowjets \u00fcber die Armee und die Hauptstadt zu brechen. In diesem Ziel trafen sich Kornilows Absichten zwar faktisch mit denen Kerenskis, der dies im Vorfeld seiner Juni-Offensive und nach den Juli-Tagen ebenfalls wiederholt versucht hatte, da aber Kerenskis Rolle und Bedeutung von der Existenz des Sowjets abhing, waren seinen Versuchen enge Grenzen gesetzt gewesen.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, 1917, S. 130-131)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Das Ende der Kornilowiade<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;W\u00e4hrend Gutschkow, Rodsjanko, Nabokow und andere F\u00fchrer der kadettisch-ultra-reaktion\u00e4ren Bourgeoisie aus dem Hauptquartier einen Raub\u00fcberfall organisieren, sprengen die kadettischen Minister die Regierung von innen, um ihre einf\u00e4ltigen &#8222;sozialistischen&#8220; Kollegen zu schw\u00e4chen. Das Kabinett geht mit Krach und Get\u00f6se auseinander. Es beginnt ein unglaublicher Wirrwarr in den Regierungsstellen. Nach \u00dcberredungen, Unterhandlungen, Drohungen und Bitten erblickt in dem Netze gemeinster Intrigen die Regierung Kerenski-Kischkin<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote66sym\" name=\"sdfootnote66anc\"><sup>66<\/sup><\/a> das Licht der Welt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die B\u00f6rse antwortet auf den Putsch Kornilows mit einem allgemeinen Ansteigen der Werte. Das internationale Kapital applaudiert in seiner Presse mit seltener Eintracht dem &#8222;Erl\u00f6ser Russlands&#8220;. Nicht nur die Organe der verb\u00fcndeten Bankokratie von dem Schlage der &#8222;Times&#8220;, &#8222;Temps&#8220; oder der S\u00f6ldlinge amerikanischer Trusts, sondern auch die deutsch-imperialistische Presse begr\u00fc\u00dft laut den neuen Helden. Die englische Regierung stellt Kornilow ihre Panzerautomobile zur Verf\u00fcgung, um bei der Vernichtung des roten Petersburg zu helfen. Waffen und Finanzen werden gegen die Arbeiter und Bauern gerichtet.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein rasender Wind brauste durchs Land. Das Proletariat, das die ganze Zeit auf der Hut war, dass die kleinb\u00fcrgerliche Demokratie vergebens anrief und vor der Todesgefahr warnte, fuhr auf. Die Arbeiter der Hauptst\u00e4dte und in der Provinz ergriffen die Waffen, \u00fcberall, wo es nur die geringste M\u00f6glichkeit gab, die st\u00e4hlernen Besch\u00fctzer der Freiheit zu erhalten, bewaffneten sich die Proletarier. Petersburg erschuf im Handumdrehen die Rote Garde. Die Arbeiter der Kanonenfabriken erh\u00f6hten die Produktivit\u00e4t dieser Fabriken sogleich aufs doppelte und begannen, Maschinengewehre, Kanonen und Geschosse zur Verteidigung gegen die Klassengegner zu verfertigen. Die proletarische Partei, die Bolschewiki, gab als Losung den Kampf bis zum letzten Blutstropfen aus, nicht den Kampf f\u00fcr Kerenski, sondern f\u00fcr die Revolution. Und \u00fcberall traten in diesem kritischen Augenblicke die Arbeiterklasse und ihre Partei durch den Lauf des Kampfes selbst auf die gef\u00e4hrlichsten Posten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_Hlk495495537\"><\/a> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die R\u00e4te und die kleinb\u00fcrgerliche Demokratie dr\u00e4ngten sich zu den Proletariern. Die bolschewistischen Matrosen Kronstadts, die man so viel verleumdet, die man Gegenrevolution\u00e4re und Feinde der Freiheit genannt hatte, wurden zu ihren besten Verteidigern ausgerufen und eiligst nach Petersburg berufen. Die Arbeiter, gegen die im Juli die &#8222;zuverl\u00e4ssigen&#8220; Kavallerieregimenter und die &#8222;Todesbatallione&#8220; herbeigerufen worden waren, wurden zur Schutzwehr der Revolution erkl\u00e4rt. Die Partei des Proletariats, die fr\u00fcher \u00fcber die Achsel angesehen worden war, wie ein Gesindel von Verbrechern, Lockspitzeln und Spitzeln, wurde in 24 Stunden rehabilitiert und zum erw\u00fcnschten Verb\u00fcndeten erkl\u00e4rt. Die F\u00fchrer des Kleinb\u00fcrgertums in den R\u00e4ten st\u00fcrzten auf die Seite der Arbeiterklasse; sie begriffen sehr wohl, dass die Gegenrevolution ihre Logik hat, sie wussten, dass die siegreichen Banden Kornilows nicht nur die Bolschewiki, sondern auch alle Anh\u00e4nger des Kompromisses wegfegen w\u00fcrde; sie sahen ein, dass die Reaktion bereit war, nach der Forderung Miljukows und Rjabuschinskis alle &#8222;R\u00e4te und Komitees&#8220; zu vernichten. Und an allen Gliedern zitternd, begannen sie kl\u00e4glich, von &#8222;Einigkeit der revolution\u00e4ren Front&#8220; zu wimmern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Ansturm der Massen war au\u00dferordentlich stark. Buchst\u00e4blich waren alle Arbeiterorganisationen auf den Beinen. In den R\u00e4ten pulsierte ungeachtet der Mehrheit der Kompromissler neues, kampfbereites Leben. \u00dcberall in den Hauptst\u00e4dten bis in die fernen Provinzst\u00e4dte wurden revolution\u00e4re Machtorgane geschaffen. In Petersburg und Moskau erschien aufs Neue das bewaffnete Volk auf der Szene. Und \u00fcberall, wo nur von Mobilisation der Kr\u00e4fte, vom Einfl\u00fcsse auf die Garnison, von verantwortlichen Kampforganisationen die Rede war, erwies sich die Partei des Proletariats als beweglichste, k\u00fchnste, entschiedenste und kampff\u00e4higste Organisation.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Aufstand Kornilows war verbl\u00fcht, ehe er sich zu entfalten vermochte. Die Streitkr\u00e4fte Kornilows, die, von ihren Gener\u00e4len betrogen, gegen Petersburg vorr\u00fcckten, l\u00f6sten sich auf bei der ersten Ber\u00fchrung mit den Truppen, die gegen sie ausgeschickt wurden &#8211; ausgeschickt weniger von dem eine Kom\u00f6die des Kampfes spielenden Kerenski, als von den Organisationen der R\u00e4te, in deren H\u00e4nde tats\u00e4chlich die Leitung der Kriegsoperationen \u00fcberging. In den st\u00e4dtischen Zentren aber, wo die Georgsritter, die m\u00e4nnlichen und weiblichen Todesbataillone, die Offiziere und Gener\u00e4le so viel vom lichten &#8222;Tage&#8220; redeten \u2026 &#8211; wagten diese Helden \u00fcberhaupt nicht aufzutreten. Sie kannten den Wert ihrer Verb\u00fcndeten &#8211; der Spie\u00dfb\u00fcrgermasse, die nur dann k\u00fchn ist, wenn sie sich au\u00dfer Gefahr befindet. \u2026<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die &#8222;untersten st\u00e4dtischen Schichten&#8220; \u00e4u\u00dferten durchaus keine Neigung, dem Schlag der Reitpeitsche zu gehorchen, wie die Banditen des Kapitals gehofft hatten. Diese untersten Schichten riefen als Antwort auf das Auftreten des Generals einm\u00fctig: &#8222;Tod oder Sieg!&#8220; und mit einem Enthusiasmus, den nur eine arbeitende, vor Begeisterung strahlende, ihre gro\u00dfen historischen Aufgaben verstehende, junge und heroische Klasse f\u00e4hig ist zu entwickeln, eilten sie auf die Vorposten des B\u00fcrgerkrieges.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verbr\u00fcderung war das Hauptmittel zur Aufl\u00f6sung der Kornilowschen Truppen. Sogar die halbwilden Tekiner,<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote67sym\" name=\"sdfootnote67anc\"><sup>67<\/sup><\/a> aus denen der k\u00fchne General auserlesene Kompanien zur Rettung der b\u00fcrgerlichen Zivilisation gebildet hatte, sogar diese &#8222;Wilden&#8220;, die man zur Vernichtung der Hunnen des &#8222;Sozialismus, Kommunismus und der Anarchie&#8220; zu gebrauchen gedachte, verloren ihre sklavische Unterw\u00fcrfigkeit vor Kornilow. Der Vormarsch der Truppen an der inneren Front, der in den auserlesensten Salons der russischen Kunstfreunde<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote68sym\" name=\"sdfootnote68anc\"><sup>68<\/sup><\/a> vorbereitet worden war, den die b\u00fcrgerliche Presse durchs sch\u00f6nste Gel\u00e4ute aller Glocken angek\u00fcndigt hatte, dieser Vormarsch schrumpfte pl\u00f6tzlich zusammen wie eine mit der Stricknadel durchstochene Blase. Der strenge Held der Bourgeoisie aber erschien als halsstarriger Tropf, der sich durch alles M\u00f6gliche, nur nicht durch die Genialit\u00e4t des Siegers auszeichnete.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Kornilowsche Putsch spielte eine direkt entgegengesetzte Rolle als die, die die b\u00fcrgerliche Verschw\u00f6rerbande angestrebt hatte; er \u00f6ffnete nicht nur den zur\u00fcckgebliebenen Arbeitern die Augen, sondern auch den Bauern, nicht nur der Heimat, sondern auch der Front; er rief die gr\u00f6\u00dfte Umgruppierung der Kr\u00e4fte hervor und verst\u00e4rkte die Position der Partei des revolution\u00e4ren Proletariats gewaltig. \u2026 Das politische Wachsen des Klassenbewusstseins der breiten Volksmassen \u00e4u\u00dferte sich in einem v\u00f6lligen Zusammenbruch der Kompromissparteien.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Menschewiki, die sich in erheblichem Ma\u00dfe auf zur\u00fcckgebliebene, durch kleinb\u00fcrgerliche Vorurteile, Hoffnungen und Zuversicht angesteckte Schichten der Arbeiterklasse st\u00fctzten, verschwanden als Partei fast ganz von dem politischen Kampfplatz; denn das Schwinden der politischen Illusionen entwickelte sich besonders schnell gerade unter dem Proletariat. Diese Illusionen wurden mit einer fast katastrophalen Schnelligkeit \u00fcberwunden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Sozialrevolution\u00e4re traten in eine Periode innerer Aufl\u00f6sung ein, indem sie immer sch\u00e4rfer in Ideologen des standhaften B\u00e4uerlein-Blutsaugers und in Ideologen des \u00e4rmsten Bauerntums zerfielen; dieser Prozess fand seinen Ausdruck in der Abspaltung eines linken Fl\u00fcgels der Sozialrevolution\u00e4re, der mit jedem Tage st\u00e4rker wurde. Schlie\u00dflich begann die Partei des Proletariats gleich einer Lawine zu wachsen. Das Land zerfiel immer mehr in zwei feindliche Lager; das eine &#8211; an dessen Spitze das revolution\u00e4re Proletariat und seine Partei stand &#8211; dieses Lager wurde zum Lager aller Arbeitenden, zum &#8222;Volks&#8220;-Lager und das andere &#8211; es vereinigt alle Fraktionen der herrschenden Klassen, mit dem fr\u00fcheren Hoffr\u00e4ulein beginnend und mit dem Mehlh\u00e4ndler und Dorfwucherer schlie\u00dfend. An der Spitze dieses Lagers standen das Finanzkapital und die Partei des Volksverrats. \u2026 Aber ehe es zum entscheidenden Kampfe kam, lie\u00df die Geschichte das Land noch einmal unter dem theatralischen Bogen einer allrussischen Kom\u00f6die hindurchziehen. Der Name dieser Kom\u00f6die war die &#8222;Demokratische Konferenz&#8220;.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die demokratische Konferenz<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die &#8222;Liquidation&#8220; des kornilowschen Aufstandes nahm den Charakter einer wahren Verh\u00f6hnung der Massen an. Zuerst wurde Kornilow, der feierlich als Verr\u00e4ter erkl\u00e4rt worden war, bis zur Ernennung eines anderen als tats\u00e4chlich H\u00f6chstkommandierender auf seinem Platze belassen. Sp\u00e4ter ernannte Kerenski sich selbst zum H\u00f6chstkommandierenden, w\u00e4hrend er zum Befehlshaber des Stabes, d. h. wieder zum tats\u00e4chlichen H\u00f6chstkommandierenden den General Alexejew ernannte, einen zaristischen Henker, den n\u00e4chsten Freund General Kornilows<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote69sym\" name=\"sdfootnote69anc\"><sup>69<\/sup><\/a>, einen direkten Mitschuldigen der Kornilowschen Verschw\u00f6rung und den Vermittler zwischen Kornilow, Rjabuschinski und Miljukow. \u2026 Dieses Subjekt wurde also ernannt, um die Armee von der Gegenrevolution zu reinigen. Noch mehr: ihn, den Mitschuldigen an der Verschw\u00f6rung, beauftragte man mit der Untersuchung der Aff\u00e4re. Kerenski, selbst bis an den Hals im Dreck, beauftragte seinen Mitschuldigen, die Sache ihres Hauptkompagnons zu untersuchen! \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Herren Kapitalisten waren aber auch au\u00dferordentlich unzufrieden mit dem Benehmen Kerenskis, von dem sie entweder gr\u00f6\u00dfere Entschlossenheit oder den Abschied zugunsten Kornilows forderten. Das letztere war der von den Verschw\u00f6rern ausgearbeitete Plan. Kerenski hatte ja im allerkritischsten Augenblick Kornilow nicht mit bewaffneter Macht unterst\u00fctzt, sondern eine Kom\u00f6die des Kampfes gegen ihn gespielt. Diese Rolle war durchaus nicht nach dem Geschmack der Realpolitiker, der Textil- und Metallurgiek\u00f6nige. Und sie begannen einen energischen Feldzug, der das ganze Doppelspiel des der Demokratie so verhassten &#8222;Demokraten&#8220; Kerenski entlarvte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Durch Urkunden wurde die Teilnahme Kerenskis an der Vorbereitung des Planes zur Errichtung der Milit\u00e4rdiktatur bewiesen, ebenso an dem Bestreben, Petersburg und Kronstadt zu erw\u00fcrgen, an der Berufung des dritten Kavalleriekorps, an der Provokation der &#8222;Verschw\u00f6rung der Bolschewiki&#8220; und an der Vorbereitung des Planes, die R\u00e4te auseinanderzujagen. Es kam ein ganzer Haufen Intrigen, Betr\u00fcgereien und gegenseitiger Verr\u00e4tereien an den Tag. Jeder neue Tag brachte Nachrichten, von denen eine sensationeller als die andere war. Es wurde allen klar, dass neben der Kornilowiade noch eine Kerenskiade existierte, die sich von jener &#8222;prinzipiell&#8220; nur durch gr\u00f6\u00dfere T\u00fccke und Feigheit unterschied. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie sehr das Direktorium Kerenskis sich auch bem\u00fchte, seine S\u00fcnden gegen die Bourgeoisie gutzumachen, sie suchte Kornilow zu retten\u2026 Kerenski proklamierte die Republik, um zu beweisen, dass es in Russland eine &#8222;Staatsordnung gibt&#8220;. Er verbot aber in Petersburg die Zeitungen &#8222;Rabotschi&#8220;<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote70sym\" name=\"sdfootnote70anc\"><sup>70<\/sup><\/a> und &#8222;Nowaja Shisn&#8220;, bereitete unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Anarchie eilig Strafexpeditionen gegen den Arbeiter- und Soldatenrat von Taschkent vor \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend sich oben ein unabl\u00e4ssiger Wechsel der Minister vollzog, der schon f\u00fcr das zaristische Regime so charakteristisch war, \u2026 entwickelte sich in den unteren Schichten der Prozess eines rapiden &#8222;Ruckes nach links&#8220;. Dieser Prozess fand auch in der ver\u00e4nderten Stellung der wichtigsten R\u00e4te seinen Ausdruck. Die menschewistisch-sozialrevolution\u00e4ren F\u00fchrer versuchten, ihren Einfluss durch ein System b\u00fcrokratischer Scheidew\u00e4nde zu festigen und sich vor den &#8222;Anschl\u00e4gen der Massen&#8220; zu verschanzen. Je rascher das Land aber nach links r\u00fcckte, in umso h\u00f6herem Ma\u00dfe wurden die R\u00e4te wieder zu Organen des Klassenkampfes des Proletariats und der Soldaten gegen die imperialistische Staatsgewalt \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Neuwahl einiger ihrer Mitglieder, der \u00dcbergang anderer zur Linken, hatte zur Folge, dass der Petersburger Rat in die H\u00e4nde der Bolschewiki \u00fcberging. Das Pr\u00e4sidium des Vollzugsrats mit Tscheidse und Dan an der Spitze war gezwungen, seinen Abschied zu nehmen. Nach dem Petersburger Rat ergab sich auch im Moskauer Arbeiterrat die Mehrheit f\u00fcr die Partei des revolution\u00e4ren Proletariats. \u2026 <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die R\u00e4te in den Hintergrund r\u00fccken, die Koalition sanktionieren, eine Organisation des starken mittleren B\u00fcrgertums schaffen, damit die Finanzoligarchie durch diese herrschen k\u00f6nne, endlich dem Druck der Bolschewiki zuvorkommen durch Errichtung einer soliden &#8222;demokratischen&#8220; Schranke gegen die revolution\u00e4re &#8222;Anarchie&#8220;, &#8211; das war der Plan der Liber und Dan, deren Namen schon zu Gattungsnamen f\u00fcr Personen des sozialverr\u00e4terischen Typus geworden waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus solchen Bed\u00fcrfnissen entstand der Plan der &#8222;demokratischen Konferenz&#8220;. Das Ziel, das die Spitzen des Zentralrats sich stellten, bestand in der Bildung einer Scheindemokratie. Es ist kein Wunder, dass dieses Ziel nur durch F\u00e4lschung realisiert werden konnte. Wenn die Moskauer &#8222;Staats&#8220;-Konferenz die Stimme der &#8222;Nation&#8220; f\u00e4lschen sollte, indem sie dieser Nation Henker in Epauletten oder ohne Epauletten unterschob, so sollte die demokratische Konferenz die Stimme der Demokratie f\u00e4lschen, indem sie ihr anstatt der Bauern, Soldaten und Arbeiter den wohlhabenden Mittelstand und die Kornilowsche Intelligenz unterschob.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den R\u00e4ten, diesen einzigen Vertretern der revolution\u00e4ren Demokratie, wurde ein Platz dritten Ranges zuerteilt. Auf die ersten Pl\u00e4tze lie\u00df man die Vertreter der Semstwos, St\u00e4dte, Genossenschaften, an die sich noch eine ganze Reihe Intelligenzler-Berufsorganisationen anschlossen. &#8230;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In ihrer Grundlage gef\u00e4lscht, konnte die demokratische Konferenz nicht anders, als sich w\u00e4hrend der ganzen Zeit ihrer T\u00e4tigkeit mit F\u00e4lschungen besch\u00e4ftigen. Kerenski, der durch die Presse vorbeugend den privaten Charakter der Konferenz bekannt gemacht hatte (f\u00fcr eine Staatsversammlung fehlten hier doch die Rjabuschinskis und Kaledin), &#8222;gab&#8220; schon in der ehrenwerten Versammlung &#8222;den Ton an&#8220;, indem er erkl\u00e4rte, dass er, d.h. Kerenski, die Kornilowiade vollst\u00e4ndig unterdr\u00fcckt habe. (Das wurde gerade zu der Zeit gesagt, als die Untersuchungskommission in aller \u00d6ffentlichkeit verk\u00fcndete, dass es &#8222;ihr schwerfalle Kornilow zu verh\u00f6ren&#8220;).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Darauf ergossen sich endlose Reden fr\u00fcherer und amtierender Minister, nach ihnen aber zahllose Vertreter zahlloser Organisationen. \u2026 Mit einem Wort, alle Minister, die sich an die Bequemlichkeiten des Kompromisses gew\u00f6hnt hatten, verteidigten ihn aus allen Kr\u00e4ften. Die &#8222;Masse&#8220; aber, die die Fachleute der Prellerei gewandt zusammengebracht hatten, gab 766 Stimmen f\u00fcr die Koalition und 688 dagegen ab, die R\u00e4te stimmten mit erdr\u00fcckender Mehrheit dagegen, mit noch erdr\u00fcckenderer Mehrheit auch die Gewerkschaften. Einstimmig dagegen \u00e4u\u00dferte sich die Flotte; sogar die H\u00e4lfte der alten Armeeorganisationen lehnte die Koalition ab. Die Koalitionsfreunde siegten mit Hilfe derer, denen sie im Voraus das \u00dcbergewicht garantiert hatten: durch die Semstwoabgeordneten, die Stadtverordneten, die Genossenschaftler zusammen mit den Sozialverr\u00e4tern aus allen anderen Organisationen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Als aber die Frage nach einer Koalitionsregierung von den Kadetten gestellt wurde, da wagte sogar diese ausgesuchte Mehrheit nicht, f\u00fcr die Kornilow-Partei des Volksverrats zu stimmen. Wie die sozialverr\u00e4terischen Nachtigallen auch sangen, diese Nummer konnten sie nicht durchf\u00fchren. Und als es klar wurde, dass eine Koalition mit der Bourgeoisie ohne Kadetten ein Unsinn sei, als die Frage nach der Bildung einer scheinsozialistischen Regierung &#8222;ohne Bourgeoisie&#8220; auf die Tagesordnung gesetzt wurde, wichen die Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re mit Grauen vor einer solchen Perspektive zur\u00fcck und stimmten einstimmig gegen die Resolution. Am Resultat erwies sich, dass die Demokratische Konferenz ihre eigene Resolution hatte durchfallen lassen und ihre welke und d\u00fcrftige Nacktheit entbl\u00f6\u00dfend, mit leeren H\u00e4nden sitzen blieb. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So gebar der Koloss der Demokratischen Konferenz vor allen Dingen den l\u00e4cherlichen Balg des &#8222;Vorparlaments&#8220;. Ein machtloses und beratendes Organ Kerenskis, eine elende Kanzlei, wo der eingeschr\u00e4nkte Bestand der Konferenz durch eine gr\u00fcndliche Portion von Gro\u00dfbourgeois mit den Kadetten an der Spitze erg\u00e4nzt wurde, gegen die seinerzeit die Konferenz gestimmt hatte &#8211; das war das Ergebnis der Debatten &#8222;\u00fcber die Regierung&#8220;. Das Problem der Aufhebung der Verantwortungslosigkeit des Bonapartisten fand seine L\u00f6sung in der Bildung eines &#8222;Vorparlaments&#8220;, das gerade vor dem verantwortlich war, dessen Verantwortungslosigkeit es \u00fcberwinden sollte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"9\">\n<li>\n<p align=\"center\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: x-large;\"><b>Die Oktoberrevolution<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Bucharin:<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Alle Macht den R\u00e4ten&#8220;, &#8222;Einberufung des Zweiten R\u00e4te-Kongresses!&#8220; &#8211; das war die Losung, mit der die Bolschewiki in die Demokratische Konferenz und ins Vorparlament gingen. Die Partei des Proletariats sah die objektive Unvermeidlichkeit des B\u00fcrgerkrieges sehr wohl ein. Das Gro\u00dfb\u00fcrgertum hatte keinen anderen Ausweg als einen offenen Angriff aufs Volk, gegen das es einen dauernden Kleinkrieg f\u00fchrte. Als Antwort auf die Losung des Proletariats l\u00f6ste Kerenski den Arbeiter- und Soldatenrat von Taschkent auf; als Antwort auf die Stimme der Bauern setzte &#8222;seine&#8220; Regierung die Verhaftung der Landkomitees fort; als Antwort auf die Beschwerden der Eisenbahnarbeiter und der Grubenarbeiter am Don wurden sie &#8222;beruhigt&#8220;; als Antwort auf die Forderung der Anerkennung der Rechte Finnlands schickte man Strafexpeditionen und entfernte die revolution\u00e4ren Truppen; als Antwort auf die Resolutionen der Arbeiter, die die Befreiung der Bolschewiki forderten, befreite man Kerkermeister und Gendarmen; schlie\u00dflich als Antwort auf den einm\u00fctigen Ruf des ganzen Volkes: &#8222;Nieder mit den Verr\u00e4ter-Kadetten!&#8220; ernannte Kerenski ein Kadettenministerium mit Livreelakaien aus der Mitte gewesener Sozialisten. Nach allen Entlarvungen, nach der Hetze der Kadetten gegen die Armee, nach der Niederlage des Kadettenaufstandes, nach dem Verrat Rigas, \u2026 wirft Kerenski dem Proletariat eine Herausforderung ins Gesicht, indem er die gebrandmarkten Verr\u00e4ter ins Ministerium beruft.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Regierung des B\u00fcrgerkrieges &#8211; unter diesem Namen wird das neue Kabinett der russischen Republik in der Geschichte verewigt. Konowalow, der gr\u00f6\u00dfte Moskauer Industrielle, Ideologe und Praktiker der allrussischen Sabotage &#8211; jetzt Minister f\u00fcr Handel und Industrie und Vertreter des Ministerpr\u00e4sidenten. \u2026 Tretjakow, auch Industrieller und B\u00f6rsenmann, einer der Monopolisten Zentralrusslands &#8211; Vorsitzender der \u00f6konomischen Konferenz. \u2026 Als Reichskontrolleur wird Smirnow bestimmt. Smirnow, der in seiner Fabrik nicht nur den Arbeitern Hungerl\u00f6hne zahlte, ihnen Feuer und Wasser entzog, sondern auch seine Pferde des Hungers sterben lie\u00df, um nachher die M\u00f6glichkeit zu haben, aus politischen Erw\u00e4gungen den Betrieb zu schlie\u00dfen. \u2026 Als Minister des \u00c4u\u00dferen blieb Tereschtschenko. \u2026 Kischkin, mit dem die Moskauer R\u00e4te sich weigerten, irgendwie zu verkehren, wurde als Minister der Volksf\u00fcrsorge best\u00e4tigt. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Herren aus der Provisorischen Regierung hofften dabei auf die Unterst\u00fctzung des Spie\u00dfb\u00fcrgers und jenes Mittelstandes, der sich in der Demokratischen Konferenz unter der politischen F\u00fchrung der Genossenschaftler vereinigte. \u2026 Die Zeitung Kerenskis, Sawinkows und Konsorten, die Wolja Naroda, aber l\u00e4utete Sturm und rief auf zum Kampfe gegen den Bolschewismus, und behauptete, dass &#8222;ein Kompromiss nicht mehr am Platze sei&#8220;, und dass &#8222;die Demokratie sich vereinigen und mit eiserner Hand den Bolschewismus zwingen m\u00fcsse, sich ihrem Willen zu beugen.&#8220; \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Zuspitzung des Klassenkampfes ging von dieser Seite auf einmal nach allen Richtungen aus. Auf wirtschaftlichem Gebiet wurde systematisch und hartn\u00e4ckig der Plan Rjabuschinskis durchgef\u00fchrt, die Arbeiter &#8222;mit der knochigen Hand des Hungers&#8220; zu fassen. Die &#8222;verschleierten&#8220; und &#8222;offenen&#8220; Aussperrungen wiederholten sich immer \u00f6fter. Bei v\u00f6lligem Verfall der Industrie und Desorganisation der ganzen Wirtschaft goss die &#8222;handelsgewerbliche Klasse&#8220; geschickt \u00d6l ins Feuer durch bewusst berechnete Sabotage, die wuchs und wuchs. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Deklaration, die von der neuen Regierung ver\u00f6ffentlicht wurde, best\u00e4tigte vollkommen die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen: Weiterf\u00fchrung des Krieges &#8222;in Einigkeit mit den Verb\u00fcndeten&#8220;; die &#8222;Regulierung&#8220; der Agrarverh\u00e4ltnisse &#8222;ohne Verletzung der Rechte des bestehenden Grundbesitzes&#8220;; die Erh\u00f6hung der indirekten Steuern; endlich F\u00fchrung des &#8222;entschiedensten, konsequentesten und systematischsten Kampfes gegen alle Erscheinungen der Gegenrevolution und Anarchie&#8220; &#8211; das war das &#8222;Programm&#8220;! In eine einfache Sprache \u00fcbersetzt, bedeutete das internationalen Raub, Schutz der Gutsbesitzer, Auspl\u00fcnderung der Massen, Erw\u00fcrgung der Revolution. So musste das Programm der Regierung des B\u00fcrgerkrieges sein, und ein solches war es.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Proletariat mobilisierte mit immer gr\u00f6\u00dferer Beharrlichkeit die Kr\u00e4fte der R\u00e4te. \u2026 Es begannen die Vorarbeiten zur Einberufung einer Reihe von Gebiets- und Armeekongressen. Es begann eine fieberhafte Agitation f\u00fcr die Einberufung des Allrussischen R\u00e4te-Kongresses, die seinerzeit &#8211; unter starkem Druck seitens der Massen &#8211; auch vom Zentralrat beschlossen war. Zum Brennpunkt des politischen Lebens wurde auf diese Weise nicht der elende Rat der Republik, sondern der k\u00fcnftige Kongress der russischen Revolution. Im Mittelpunkt dieser Mobilisationsarbeit stand der Petersburger Rat, der in der demonstrativsten Weise Trotzki, den gl\u00e4nzendsten Tribunen des proletarischen Aufstandes, zu seinem Vorsitzenden erw\u00e4hlte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Zu derselben Zeit entlarvten sich die b\u00fcrokratischen Spitzen der R\u00e4te endg\u00fcltig als Verr\u00e4ter, jene, die schon w\u00e4hrend der Demokratischen Konferenz vor den R\u00e4ten zur\u00fcckgewichen waren, da sie f\u00fchlten, dass ihnen der Boden dort schon endg\u00fcltig entschwunden war. Das offizielle Organ der R\u00e4te begann, einen Kampf zur Vernichtung dieser R\u00e4te zu f\u00fchren!<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8222;Die provisorische Organisation der R\u00e4te &#8211; schrieb die Iswestija &#8211; wollen wir (!) durch eine best\u00e4ndige, vollkommene und allseitige Organisation des staatlichen und lokalen Lebens ersetzen. Als der Zarismus fiel und zugleich damit die ganze b\u00fcrokratische Ordnung, errichteten wir (!), die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te, provisorische Baracken, wo die ganze Demokratie Zuflucht finden konnte. Nun wird anstatt der Baracken der best\u00e4ndige Steinbau neuer Ordnung errichtet, und es ist nat\u00fcrlich, dass die Menschen aus Baracken in bequemere R\u00e4umlichkeiten ziehen, nachdem Stockwerk auf Stockwerk fertig wird.&#8220; \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">So tief fielen die &#8222;Demokraten&#8220; und &#8222;Sozialisten&#8220;! Aber sie proklamierten nicht nur Entsagung, sie f\u00fchrten auch eine erbitterte Kampagne f\u00fcr die Sprengung des Sowjet-Kongresses, der schon f\u00fcr den 20.\u00a0Oktober festgesetzt war. Im B\u00fcro des Zentralrats stellte B\u00fcrger Dan, dieser alte Fuchs des Kompromisses, der Heuchelei und hinter den Kulissen abgewickelter Gesch\u00e4fte, als erster die Frage nach der Aufhebung des Kongresses. Das gelang nicht. Aber alle Agenten des Zentralrats an Ort und Stelle, alle Menschewiki und Sozialrevolution\u00e4re, waren bestrebt, den Kongress in die Luft zu sprengen oder ihn wenigstens zu diskreditieren. \u2026 Der Feldzug der Anh\u00e4nger des &#8222;Verteidigungskrieges&#8220; gegen den Kongress war jedoch im Voraus durch den ganzen Verlauf des Klassenkampfes, der mit jedem Tage immer heftiger entbrannte, v\u00f6llig dem Zusammenbruch geweiht. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Daneben aber erringen die Eisenbahner einen Sieg; der allgemeine Streik in Baku bricht den Widerstand des Kapitals; die Wahlen in den Moskauer Stadtbezirksverordnetenversammlungen geben den Bolschewiki einen gl\u00e4nzenden Sieg, die ihre Stimmenzahl von 11 auf 50 Prozent steigern; der Kongress der Baltischen Flotte \u00e4u\u00dfert sich im Ganzen f\u00fcr die Bolschewiki; der ganze Moskauer Bezirk wallt und wogt; die Gerber streiken; die Stadtbeamten, die Holz- und Textilarbeiter, die Metallarbeiter bereiten sich zum Streik vor. In den R\u00e4ten beginnt ein Niederrei\u00dfen des Alten von Grund auf, die Neuwahlen ergeben ohne Ausnahme Bolschewiki; hier und da treten die Arbeiter auf und fordern schon, dass die R\u00e4te von den Worten zur Tat \u00fcbergehen \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den ersten Schuss tat die Gegenrevolution &#8211; Kosakentruppen sprengten den Rat von Kaluga. Nur durch reinen Zufall wurden die Mitglieder des Rates nicht niedergeschossen. Alles wurde ausschlie\u00dflich deshalb barbarischer Verw\u00fcstung unterzogen, weil die Woge der Unzufriedenheit des Volkes an die Spitze des Rates von Kaluga Bolschewiki gestellt hatte, an denen die Kosakentruppen mit dem Kommissar der Provisorischen Regierung an der Spitze und bei wohlwollender Teilnahme der Mitglieder der \u00f6rtlichen Stadtverordnetenversammlungen sich zu trainieren beschlossen. Der Kommissar und diese &#8222;Mitglieder&#8220; erwiesen sich als &#8222;Sozialrevolution\u00e4re&#8220;. Das erste Wort des Verrats und des Mordes geh\u00f6rte ihnen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Ereignisse von Kaluga veranlassten die R\u00e4te, rasch vorw\u00e4rts zu schreiten. W\u00e4hrenddessen geht der Rat in Petersburg schon in den Kampfzustand \u00fcber. Eine scharfe Resolution gegen die Regierung bedeutete, dass Kriegsoperationen nahen. Die Kronst\u00e4dter Matrosen verfluchten den &#8222;elenden Bonaparte&#8220;; der Kongress der R\u00e4te des Nordgebietes verlief als einm\u00fctige und stramme Musterung der revolution\u00e4ren Armee; der Kongress der Vertreter des 6. Armeekorps verk\u00fcndete seinen Entschluss, der Regierung Kerenskis keinerlei Unterst\u00fctzung zu leihen und proklamierte die Notwendigkeit der Machtergreifung durch die R\u00e4te.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 20. Oktober beschloss der Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat, ein Kriegs-Revolutionskomitee zu organisieren. Der Zentralrat der Baltischen Flotte, der Finnl\u00e4ndische Gebietsrat, die Fabrikr\u00e4te, die Gewerkschaften, der Rat der Bauerndeputierten Petersburgs, die Kampforganisationen der Partei usw. schickten dorthin ihre Vertreter. Das war der milit\u00e4rische Generalstab der neuen Revolution und des Aufstandes gegen die imperialistische Diktatur. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Anfang machte der Konflikt zwischen dem Kriegs-Revolutionskomitee und dem Bezirksgeneralstab, der sich weigerte, die Bevollm\u00e4chtigten des Komitees anzuerkennen. Die Unvermeidlichkeit des Zusammensto\u00dfes wird allen klar. F\u00fcr den 22.\u00a0Oktober wird der &#8222;Tag des Petersburger Rates&#8220; anberaumt, der sich in eine Hauptmusterung der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte verwandelt. Das Kriegs-Revolutionskomitee trifft Ma\u00dfnahmen zur Bewachung der Stadt, ernennt seine Kommissare in allen Truppenteilen und an den wichtigsten Punkten. Die tats\u00e4chliche Verf\u00fcgung \u00fcber die Kriegskr\u00e4fte geht auf diese Weise in die H\u00e4nde des Rates \u00fcber.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In der Nacht auf den 25.\u00a0Oktober besetzen die revolution\u00e4ren Truppen die Bahnh\u00f6fe, die Post, das Telegraphenamt, die Reichsbank, die Petersburger Telegraphen-Agentur. Einzelne Minister wurden verhaftet. Noch um 6\u00a0Uhr abends des vorhergehenden Tages versuchte die Provisorische Regierung die Zeitung Rabotschi i Soldat zu verbieten. In der Nacht aber befand sich ein Teil dieser Regierung bereits hinter Schloss und Riegel. Die bonapartistische Macht wurde ohne Blutvergie\u00dfen gest\u00fcrzt. So einm\u00fctig, harmonisch und m\u00e4chtig war der Ansturm der Arbeiter und Soldaten, die in den Kampf f\u00fcr die Macht der R\u00e4te zogen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 25.\u00a0Oktober berichtete Trotzki, der gl\u00e4nzende und heldenm\u00fctige Tribun des Aufstandes, der unerm\u00fcdliche und feurige Prediger der Revolution, im Namen des Kriegs-Revolutionskomitees unter donnerndem Applaus den im Petersburger Rat Versammelten, dass die &#8222;Provisorische Regierung nicht mehr existiert&#8220;. Und als lebender Beweis dieser Tatsache erscheint auf der Trib\u00fcne, mit st\u00fcrmischer Huldigung empfangen, Lenin, den die neue Revolution von der Illegalit\u00e4t befreite.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Um 10\u00a0Uhr abends wird der Zweite Allrussische R\u00e4te-Kongress er\u00f6ffnet. Von Anfang an ist es klar, dass die Anh\u00e4nger des &#8222;Verteidigungskrieges&#8220; hier nicht mehr hingeh\u00f6ren. Herren der Situation in der Vergangenheit, verlassen sie nun den Kongress; ihnen folgt auch ein H\u00e4uflein &#8222;Internationalisten&#8220; mit Martow an der Spitze, die pl\u00f6tzlich \u00fcber Gewalt und Verschw\u00f6rung zu jammern begannen. Die Beschl\u00fcsse des Kongresses wurden aber desto einm\u00fctiger gefasst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Kerenski f\u00fchrte die Todesstrafe ein. Der Kongress schaffte sie vor allem anderen wieder ab. Kerenski warf die Mitglieder der Landaufteilungskomitees ins Gef\u00e4ngnis. Der Kongress befreite die Bauern, Arbeiter und Soldaten, die in den Kerkern der bonapartistischen Regierung schmachteten. Die Dekrete \u00fcber Frieden und Land, die unverz\u00fcglich Friedensverhandlungen verlangten und das Land den Bauern gaben, wurden mit einem noch nie dagewesenen Enthusiasmus aufgenommen. Die Proklamierung der Macht der R\u00e4te und die Wahl des Rates der Volkskommissare mit Lenin an der Spitze wurden von den Arbeitern und Soldaten mit st\u00fcrmischer Begeisterung gefeiert und von der Bourgeoisie, die vor Angst den Verstand verlor, mit h\u00e4mischem, tierischem Hass begleitet. Lenin an der Spitze der russischen Regierung &#8211; musste das denn nicht allen &#8222;wohlgesinnten Elementen&#8220; als das Ende der Welt erscheinen?<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">\u2026 <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 29.\u00a0Oktober versuchten die fr\u00fcheren F\u00fchrer des Kleinb\u00fcrgertums in Petersburg, einen Aufstand der Junker zu veranstalten. Der Aufstand wurde in einigen Stunden unterdr\u00fcckt, sein Organisator \u2013 Hotz \u2013 aber floh. Kerenski versuchte, nachdem er die Reste der Truppen gesammelt hatte, gegen Petersburg vorzur\u00fccken. Die roten Truppen schlugen ihn aber bei Gatschina, und er, der feierlich erkl\u00e4rt hatte, dass diejenigen, die die Koalition zu st\u00fcrzen wagten, \u00fcber seine Leiche schreiten m\u00fcssten, floh schmachvoll, wie ein Feigling und Verr\u00e4ter flieht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ungeachtet des bewaffneten Widerstandes siegte die Revolution in den wichtigsten Mittelpunkten. Dadurch wurde das Geschick der fr\u00fcheren Regierung entschieden. Die Diktatur der Imperialisten wurde ersetzt durch die Diktatur des durch die Dorfarmen unterst\u00fctzten Proletariats. Weiter geht ihr Ansturm gegen den Feind, der schon seine Hauptposition \u00fcbergeben hat, und ein heroischer Kampf gegen den internationalen Imperialismus, ein Kampf zur Vernichtung des Kapitals, f\u00fcr aktives Durchf\u00fchren der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Der siegreiche Aufstand im Oktober bewies, dass eine sozialistische Revolution in Russland nicht nur m\u00f6glich, sondern auch historisch notwendig ist. Gegen die kompakten Kr\u00e4fte des Feindes trat eine viele Millionen z\u00e4hlende Masse auf, die diesen Feind in den Hauptmittelpunkten des gesellschaftlichen Lebens mit einer Leichtigkeit vernichtete, die niemand erwartet hatte. \u2026<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\">In den Pulverkeller des alten bluttriefenden Europa ist die Fackel der russischen sozialistischen Revolution geschleudert worden. Sie ist nicht tot. Sie lebt. Sie verbreitet sich. Und sie vereinigt sich unvermeidlich mit dem gro\u00dfen siegreichen Aufstande des Weltproletariats.&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i><b>Schlussbemerkung<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Das Ende des Bucharin-Textes ist der schw\u00e4chste Teil der gesamten Brosch\u00fcre. Der Autor schweigt zum Charakter der Oktoberrevolution ebenso wie zu ihren sozialen und politischen Inhalten. Sein Anliegen ist nicht, den russischen Oktober zu verstehen, sondern die Fackel der Revolution &#8222;in den Pulverkeller des alten bluttriefenden Europa zu werfen&#8220;. Dies entspricht ziemlich genau dem Gedankengang der Mehrheit der bolschewistischen F\u00fchrung zu jener Zeit (Winter 1917\/1918), die die L\u00f6sung der Probleme der russischen Revolution in ihrer Ausbreitung nach Westeuropa sah. Bezeichnenderweise ist Bucharin deshalb ebenso wie die von ihm die ganze Brosch\u00fcre \u00fcber gegei\u00dfelten F\u00fchrer der Sozialrevolution\u00e4re und Menschewiki gegen den Separatfrieden mit Deutschland und f\u00fcr den revolution\u00e4ren Krieg gegen das Kaiserreich.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Da die Revolution im Westen Europas ausblieb, ist es unausweichlich, sich mit den Besonderheiten Russlands und der russischen Revolution zu besch\u00e4ftigen, umso das Allgemeing\u00fcltige bzw. Einzigartige verstehen zu k\u00f6nnen. Die wesentliche Besonderheit im Vergleich zu Westeuropa liegt in dem v\u00f6llig unterschiedlichen Gewicht und politischen Gesicht der Klassen in Russland, als da sind: die \u00f6konomische und politische Schw\u00e4che der Bourgeoisie, die Konzentration eines jungen, nicht st\u00e4ndischen, sondern aus der Bauernschaft entstandenen Industrieproletariats in Gro\u00dfbetrieben, sowie einer Bauernschaft, die 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmacht, die Masse der Truppen stellt und das Land des Adels und der Kirche fordert, aber nicht, um es unter sich aufzuteilen, sondern um es innerhalb ihrer Dorfgemeinde nach ihren Bed\u00fcrfnissen umzuteilen. Dies sind grob die klassenpolitischen Besonderheiten Russlands, die Bucharin in seiner Brosch\u00fcre nicht ansatzweise herausarbeitet.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Diese Besonderheiten bestimmen das Geschehen des Revolutionsjahres. Nach Tagen heftiger Stra\u00dfendemonstrationen schlagen sich im Februar die b\u00e4uerlichen Reserveregimenter in der Hauptstadt auf die Seite des aufst\u00e4ndischen Proletariats und erm\u00f6glichen den Sieg der Revolution. Der Preis des Sieges war die Dominanz des Kleinb\u00fcrgertums in den Sowjets. Dies war, zugespitzt ausgedr\u00fcckt, die &#8222;demokratische Diktatur des Kleinb\u00fcrgertums \u00fcber das Proletariat und die Bourgeoisie.&#8220; Es erkl\u00e4rt das Scheitern Miljukows im April, die Niederlage des Proletariats der Hauptstadt im Juli und das letztendliche Scheitern Kornilows im August. Jeder dieser Versuche zielte auf die Brechung der Macht des Sowjets, die in den H\u00e4nden des Kleinb\u00fcrgertums lag. Die F\u00fchrer der Bauernschaft und des st\u00e4dtischen Kleinb\u00fcrgertums, jene Kerenskis, Tschernows, Liber, Dan, Zeretelli etc. suchten fortw\u00e4hrend das B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie und der Kadettenpartei. Sie suchten es auch dann noch, als die Massen der Bauernschaft sich von diesem Programm abwandten und ihre F\u00fchrer abw\u00e4hlten.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Damit schlug die Stunde des Proletariats und, wie man ab Ende August 1917 mit Recht sagen kann, seiner Partei. Die Bolschewiki hatten zu diesem Zeitpunkt die gro\u00dfe Mehrheit des Proletariats f\u00fcr ihre Forderungen gewonnen. Um zu siegen, um zum Hegemon der Revolution zu werden, war ein weiterer Schritt notwendig, die \u00dcbernahme des b\u00e4uerlichen Agrarprogramms. Dies ist von zentraler Bedeutung, um den Oktoberumsturz zu verstehen.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>&#8222;Mit der Abwendung der Bauernschaft vom B\u00fcndnis mit der Bourgeoisie, mit ihrer Losl\u00f6sung aus der kleinb\u00fcrgerlich gepr\u00e4gten F\u00fchrung der alten Sowjetmehrheit, er\u00f6ffnete sie dem russischen Proletariat die M\u00f6glichkeit, die Staatsmacht zu ergreifen und zu behalten. Der Preis f\u00fcr die proletarische Macht war eine antikapitalistische, r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Agrarrevolution, die jeden direkten Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft versperrte. Lenin und weitere bolschewistische F\u00fchrer \u2013 keineswegs alle \u2013 waren bereit, diesen Preis zu zahlen. \u00dcber die Rechnung hatten sie im Oktober noch keine Klarheit.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit 1917, S. 140)<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Und hier kann man auch die Frage beantworten, warum die Fackel im europ\u00e4ischen Pulverfass zwar z\u00fcndete, aber letztlich zu Niederlagen des Proletariats f\u00fchrte. Die Linke im Westen war nicht bereit, dem Kleinb\u00fcrgertum in Stadt und Land so weit entgegenzukommen, dass es ein B\u00fcndnis mit dem Proletariat der Zusammenarbeit mit der Reaktion vorgezogen h\u00e4tte. Rosa Luxemburgs Kritik an den Positionen der Bolschewiki in der Agrarfrage gibt dar\u00fcber beredte Auskunft.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote71sym\" name=\"sdfootnote71anc\"><sup>71<\/sup><\/a><\/i><\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Lenin: Brief an den Parteitag 24.12.1924, LW 36, 579. In dem zitierten Kontext weist Lenin allerdings auch darauf hin, dass Bucharin &#8222;die Dialektik nie studiert und \u2026 vollst\u00e4ndig begriffen habe.&#8220;<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Bucharin geh\u00f6rte von 1917 bis 1934 dem ZK der KPR(B) und von 1919 bis 1929 ihrem Politb\u00fcro sowie dem Pr\u00e4sidium des Exekutivkomitees der von ihm mitbegr\u00fcndeten Kommunistischen Internationale an.&#8220; W.\u00a0Hedeler: Nikolai Bucharin \u2013 Stalins tragischer Opponent, Berlin 2015, S. 17.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Genauer ihres linken Fl\u00fcgels<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eine interessante Begriffswahl. Hatte der Krieg durch den Eintritt der &#8222;sozialistischen Minister&#8220; in die b\u00fcrgerliche Regierung seinen Charakter ver\u00e4ndert und war er deshalb nur noch zur H\u00e4lfte imperialistisch? (A.S.)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Kerenski, A.F. (1881 geb.), Rechtsanwalt, Sozialrevolution\u00e4r, Fraktionsf\u00fchrer der Trudowiki in der letzten Reichsduma. Justizminister in der 1., Kriegs- und Marineminister in<\/span><\/em> <em><span style=\"font-size: medium;\">der 2. Provisorischen Regierung, anschlie\u00dfend Ministerpr\u00e4sident bis zur Oktoberrevolution, nach deren Sieg er ins Ausland floh.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gutschkow, A.I. (1862-1936), Moskauer Industrieller und Anf\u00fchrer der Oktobristen. Von 1909-1911 Pr\u00e4sident der Duma. Kriegsminister in der 1. Provisorischen Regierung, floh sp\u00e4ter nach Frankreich.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Miljukow war Professor der Geschichtswissenschaften.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Konowalow, A.I. (1875-?), bedeutender Textilindustrieller und Mitglied der 4. Duma. Handels-und Industrieminister der 1. Provisorischen Regierung, dann stellv. Ministerpr\u00e4sident unter Kerenski. Im Oktober 1917 verhaftet, dann entlassen und ins Ausland geflohen.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Tereschtschenko, M.I. (1869-1954), reicher Zuckerindustrieller aus der Ukraine. Zuerst Finanzminister und sp\u00e4ter Au\u00dfenminister der provisorischen Regierung, floh nach der Oktoberrevolution ins Ausland.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> F\u00fcrst Georgi Jewgenjewitsch Lwow. 1905 wurde er in die 1.\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Duma\" target=\"Duma\">Reichsduma<\/a> gew\u00e4hlt, wo er sich der Fraktion der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstitutionelle_Demokraten\" target=\"Konstitutionelle Demokraten\">Konstitutionellen Demokraten<\/a> anschloss. Nach Beginn des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erster_Weltkrieg\" target=\"Erster Weltkrieg\">Ersten Weltkriegs<\/a> 1914 wurde er Vorsitzender des neugebildeten Allrussischen Semstwo-Verbands. Im folgenden Jahr wurde er f\u00fchrendes Mitglied des Vereinigten Komitees der Semstwo- und Stadtr\u00e4teverb\u00e4nde Russlands, das im Auftrag der Regierung die Versorgung der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaiserlich_Russische_Armee\" target=\"Kaiserlich Russische Armee\">Armee<\/a> sowie von Verwundeten und Fl\u00fcchtlingen organisierte. Er wurde ein f\u00fchrendes Mitglied im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Progressiver_Block&amp;action=edit&amp;redlink=1\" target=\"Progressiver Block (Seite nicht vorhanden)\">Progressiven Block<\/a>, der f\u00fcr die Bildung einer Duma-Regierung eintrat. Nach der Macht\u00fcbernahme durch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bolschewiki\" target=\"Bolschewiki\">Bolschewiki<\/a> wurde Lwow 1918 von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tscheka\" target=\"Tscheka\">Tscheka<\/a> verhaftet und floh in die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vereinigte_Staaten\" target=\"Vereinigte Staaten\">USA<\/a>.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Nekrassow, N.W. (1879-1941), linksliberaler Kadett, Mitglied der 3. und 4. Duma. Verkehrsminister der 1. Provisorischen Regierung, Finanzminister der 3. Koalition. Nach der Oktoberrevolution unterst\u00fctzte er den Aufbau der Sowjetunion.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Godnew, I.W., Oktobrist, Minister f\u00fcr Staatskontrolle (Staatsrechnungspr\u00fcfer) in der Provisorischen Regierung.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Lwow, W.N., Prokurator des Heiligen Synods. Seit der Abschaffung des Patriarchen durch Peter den Gro\u00dfen ist dies die staatliche Oberinstanz der orthodoxen Kirche.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Es war, wie wir Suchanow, einem Mitglied der Verhandlungskommission des Sowjets entnehmen konnten (siehe AzD Nr. 84, S. 60-66), auch der einzige ernste Streitpunkt mit der Provisorischen Regierung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em> <em><span style=\"font-size: medium;\">Steklov, J.M. (1873-1941), parteiloser Revolution\u00e4r, der sich nach der Oktoberrevolution den Bolschewiki anschloss.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Hier ist die Ausf\u00fchrung Steklows nicht korrekt. Suchanow, ebenfalls Teilnehmer der Verhandlung, schildert dies anders. Nicht die Gesamtheit der Kadetten, sondern nur eine Gruppierung um Miljukow, dem Oktobristen Gutschkow und dem Monarchisten Schulgin forderten dies vehement. Nach Suchanows Schilderung waren sie damit im Dumakomitee nicht mehrheitsf\u00e4hig. (Siehe dazu AzD\u00a084, S.\u00a064)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em> <em><span style=\"font-size: medium;\">Gro\u00dff\u00fcrst Michail Alexandrovitsch war ein Bruder des Zaren und wegen einer unstandesgem\u00e4\u00dfen Ehe eigentlich von der Thronfolge ausgeschlossen.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Istwestija Petrogradskago Sowjeta&#8220; Nr. 32. (Nachrichten des Petrograder Sowjets), offizielles Organ des Petrograder Sowjets.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Gemeint ist die Partei der Kadetten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u0002<\/i><\/span><\/sup><i> <\/i><em><span style=\"font-size: medium;\">Schulgin, W.W. (1878-1946), Gro\u00dfgrundbesitzer, konservativer Dumaabgeordneter in der 2., 3. und 4. Duma. Bildete nach der Februar-Revolution zusammen mit Konowalow, Rodsjanko, Miljukow etc. das &#8222;Provisorische Komitee der Reichsduma\u201d. Aktiver B\u00fcrgerkriegsteilnehmer, der sp\u00e4ter ins Ausland floh.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Duma war nach einem ausgepr\u00e4gten Zensuswahlrecht gew\u00e4hlt worden, das die besitzenden Schichten stark bevorteilte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Dem Sowjet, insbesondere seinen f\u00fchrenden Kr\u00e4ften, war nach der Februarrevolution bewusst, dass die eigentliche politische Macht in seinen H\u00e4nden und nicht bei der sp\u00e4ter gebildeten Provisorischen Regierung lag. Aber keiner der aktuellen F\u00fchrer des Sowjets dachte daran, diese Macht tats\u00e4chlich zu ergreifen. Der Stand der \u00f6konomischen Entwicklung \u2013 dies war ihre in der \u00d6ffentlichkeit verfochtene Position \u2013 w\u00fcrde eine Machtergreifung durch den Sowjet ausschlie\u00dfen. Die Herrschaft der Bourgeoisie w\u00e4re f\u00fcr die n\u00e4chste Etappe der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung die f\u00fcr das ehemalige Zarenreich nun anstand, vorgegeben. Somit sei die \u00dcbergabe der Regierungsgewalt an die Bourgeoisie unvermeidlich und au\u00dferdem notwendig, um einen erneuten Sieg der Konterrevolution durch ein eventuelles Abschwenken der Bourgeoisie von der Revolution zu verhindern.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit S.<\/span><\/span>\u00a0<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">53\/54)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">In Petrograd gab es drei verschiedene Parteizentren, die sich nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten. Nachdem Lew Kamenew und Josef Stalin aus dem sibirischen Exil zur\u00fcckgekehrt waren, hatte sich die Partei auf begrenzte Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Provisorische Regierung, auf eine revolution\u00e4r-defentistische Haltung zum Krieg und auf Verhandlungen mit den Menschewiki zur Wiedervereinigung der SDAPR festgelegt.&#8220; (Stephen A. Smith, Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S. 134)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Sowjetf\u00fchrung konnte n\u00e4mlich die von der Revolution aufgeworfenen Fragen nicht beantworten, ihr fehlte ein politisches Programm f\u00fcr die Regierungs\u00fcbernahme. Wie sollte sie die Interessen und Erwartungen der Arbeiter und Bauern w\u00e4hrend des laufenden Krieges umsetzen? Weder die Menschewiki noch die Sozialrevolution\u00e4re verf\u00fcgten \u00fcber Antworten zu den beiden entscheidenden Fragen der Revolution, der Stellung zum Krieg und der L\u00f6sung der Agrarfrage. Klar war ihnen lediglich, dass beide Fragen miteinander verkn\u00fcpft waren, denn es konnte keine grundlegende Agrarreform stattfinden, ohne zuvor den Krieg beendet zu haben. Tschernow, einer der Gr\u00fcnder der Sozialrevolution\u00e4ren Partei und sp\u00e4terer Landwirtschaftsminister in den Koalitionsregierungen, bekannte unverbl\u00fcmt, dass den Sowjetparteien \u00bbein einstimmig angenommenes Programm zur Bildung einer Regierung (fehlte). In ihrer Mitte gab es eine Vielfalt von Ansichten sowohl \u00fcber den Charakter der Revolution als auch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen der Revolution und dem Krieg.\u00ab&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit S. 53\u00a0f)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Allein, dass diese Versuche unternommen wurden, verweist auf die Schw\u00e4che der russischen Bourgeoisie. Sie scheute sich, die Regierungsverantwortung im eigenen Namen \u2013 ohne Deckung von Monarchie und Adel \u2013 zu \u00fcbernehmen. Miljukow \u00bbglaubte ganz einfach nicht, dass irgendeine Regierung lebensf\u00e4hig w\u00e4re und dem Druck des Sowjets (&#8230;) standhalten k\u00f6nnte, falls nicht das traditionelle Schwergewicht der Monarchie f\u00fcr sie in die Waagschale gelegt w\u00fcrde.&#8220; (Schr\u00f6der\/ Karuscheit, S.\u00a040)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote26\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote26anc\" name=\"sdfootnote26sym\">26<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war nicht die Tatsache \u00fcberraschend, dass Miljukow die Romanow-Monarchie verteidigte, sondern dass er von allen unseren Bedingungen gerade diesen Punkt zum Hauptstreitobjekt erhob. Jetzt verstehe ich ihn allerdings gut und finde, dass er, von seinem Standpunkt aus gesehen, viel Scharfsinn bewies. Er kalkulierte, dass er unter einem Zaren aus dem Hause der Romanows, vielleicht \u00fcberhaupt nur unter diesem, die bevorstehende Schlacht gewinnen und das ungeheure Risiko rechtfertigen k\u00f6nne, dass die gesamte Bourgeoisie als herrschende Klasse durch seine Person einging. Er rechnete damit, dass unter einem Romanow sich das \u00fcbrige auf irgendeine Weise geben werde. Die Freiheiten f\u00fcr die Armeeangeh\u00f6rigen, \u00bbirgendeine\u00ab konstituierende Versammlung f\u00fcrchtete er darum vergleichsweise weniger und hielt sie f\u00fcr annehmbare und \u00fcberwindbare Hindernisse.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Seine Mitstreiter, in ihrer Mehrzahl im Vergleich zu ihm einfache B\u00fcrger, die damals noch dazu von einem \u00bbrevolution\u00e4ren Enthusiasmus\u00ab erfasst waren, verstanden von dieser Angelegenheit und ihren m\u00f6glichen Folgen ziemlich wenig. Die \u00fcbrigen Dumamitglieder, und zwar fast bis zu Rodsjanko aufw\u00e4rts, krallten sich keineswegs so fest an die Monarchie und an die Romanows. So glitt Miljukow von der Stellung eines F\u00fchrers der Opposition unversehens auf den \u00e4u\u00dfersten rechten Fl\u00fcgel ab. Er erlitt Schiffbruch, aber er wusste, was er tat.&#8220; (Zitiert in AzD Nr. 84, S. 64)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote27\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote27anc\" name=\"sdfootnote27sym\">27<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;1913 machte ausl\u00e4ndisches Kapital etwa 41 Prozent der in der Industrie und Bankwesen get\u00e4tigten Gesamtinvestitionen aus. Eine m\u00f6gliche Sorgenquelle war das Ausma\u00df des Handelsvolumens mit Deutschland, das sich per Valuta auf etwa 40 Prozent des gesamten Au\u00dfenhandels belief. Die staatlich gef\u00f6rderte Industrialisierung wurde finanziell durch den Getreideexport abgesichert \u2026&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a047)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote28\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote28anc\" name=\"sdfootnote28sym\">28<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;Die entscheidenden Sektoren der Schwerindustrie und des Transportwesens hingen von staatlichen Auftr\u00e4gen, Subventionen und Vorzugsz\u00f6llen ab, weshalb die Unternehmer, die oftmals Ausl\u00e4nder waren, hier kaum mehr taten als sich \u00fcber b\u00fcrokratische Kontrollen zu beschweren. In St.\u00a0Petersburg waren die Besitzer der Fabriken f\u00fcr Metallverarbeitung und Maschinenbau zusammen mit den Gro\u00dfbankiers recht gut organisiert, vor allem um ihren Einfluss auf Regierungskreise bem\u00fcht, statt politische Reformen oder die Modernisierung der Produktionsverh\u00e4ltnisse zu unterst\u00fctzen.&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S. 49-50)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote29\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote29anc\" name=\"sdfootnote29sym\">29<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Oktobristisch: auf dem Boden des Oktober-Manifestes des Zaren von 1905 stehend. &#8222;Die Textilfabrikanten in der Moskauer Industrieregion bildeten den einflussreichsten Sektor der einheimischen Kapitalisten; sie waren in der F\u00fchrung ihrer Betriebe eher konservativ und paternalistisch. Viele entstammten einer Familie von Altgl\u00e4ubigen. Anders als die Eisen- und Stahlfabrikanten waren sie nicht von staatlichen Auftr\u00e4gen abh\u00e4ngig und unterst\u00fctzten und unterst\u00fctzen nach 1905 die Forderung nach politischen Reformen. (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a049)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote30\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote30anc\" name=\"sdfootnote30sym\">30<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bucharin selbst hielt sich f\u00fcr einen Kenner der russischen Agrarverh\u00e4ltnisse. W. Hedeler zitiert in seiner Biographie folgende Selbstbeschreibung Bucharins zu seinem Werdegang: &#8222;W\u00e4hrend ich in Russland ein Allgemeinwissen und recht spezielle Kenntnisse in der Agrarfrage erworben hatte, so gaben mir die Bibliotheken im Ausland zweifellos das wichtigste Kapital.&#8220; (W. Hedeler, Bucharin, S. 72)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote31\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote31anc\" name=\"sdfootnote31sym\">31<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;An der Wende zum 20. Jahrhundert waren etwa drei Viertel des in b\u00e4uerlichem Besitz befindlichen Landes, darunter fast die H\u00e4lfte des Ackerlands, einer einzigartigen Form von Verwaltung unterworfen, in der die Haushaltsvorst\u00e4nde das der Gemeinschaft geh\u00f6rende Ackerland periodisch neu unter die betreffenden Haushalte aufteilten. Des Weiteren entschied diese Dorfversammlung dar\u00fcber, wann die Haushalte pfl\u00fcgen, s\u00e4en, ernten oder Heu machten sollten. Solche Art von kollektiver Kontrolle hatte den Zweck, unw\u00e4gbare Umweltrisiken zu minimieren und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Armen nicht zur Belastung wurden. Die Dorfversammlung war auch f\u00fcr die Steuerzahlung der Haushalte verantwortlich und musste Recht und Ordnung aufrechterhalten.&#8220; (Stephen A. Smith: Revolution in Russland, Darmstadt 2017, S.\u00a037-38)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote32\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote32anc\" name=\"sdfootnote32sym\">32<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> &#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das russische Proletariat war als Ergebnis staatlicher und ausl\u00e4ndischer Investitionen in wenigen industriellen Zentren und dort wiederum in Gro\u00dfbetrieben konzentriert; <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcber die H\u00e4lfte der Arbeiter arbeitete in Betrieben von mehr als 500 Personen. <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Obwohl es mit 3-4 Mio. nur eine absolute Minderheit der zwischen 165 und 175 Mio. z\u00e4hlenden Bev\u00f6lkerung Russlands ausmachte, war es durch seine Ballung in den politischen und industriellen Zentren (in erster Linie Petersburg und Moskau) ein wesentlicher politischer Faktor. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Proletariat ging nicht wie in Westeuropa aus Handwerk und st\u00e4dtischen Unterschichten hervor, sondern aus der Bauernschaft, was erhebliche politische Folgen hatte. \u2026 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bis zur Agrarreform 1906 war fast <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">jeder st\u00e4dtische Arbeiter noch Mitglied der Dorfgemeinde<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> und hatte dort Anspruch auf ein St\u00fcck Land.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, S.\u00a037)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote33\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote33anc\" name=\"sdfootnote33sym\">33<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Sir George Buchanan, englischer Botschafter in Russland<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote34\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote34anc\" name=\"sdfootnote34sym\">34<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Der englische Botschafter unterst\u00fctzte den Regierungsfl\u00fcgel um Kerenski und <\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Teresch-tschenko<\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, der keine Anspr\u00fcche auf die Dardanellen und Konstantinopel erhob, wie dies wiederholt von Miljukow in der Tradition der zaristischen Au\u00dfenpolitik gefordert worden war.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote35\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote35anc\" name=\"sdfootnote35sym\">35<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Georg V. war ein Cousin des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_russischen_Herrscher\" target=\"Liste der russischen Herrscher\">russischen Zaren<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolaus_II._(Russland)\" target=\"Nikolaus II. (Russland)\">Nikolaus II.<\/a> und des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutscher_Kaiser\" target=\"Deutscher Kaiser\">Deutschen Kaisers<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich)\" target=\"Wilhelm II. (Deutsches Reich)\">Wilhelms II<\/a>.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote36\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote36anc\" name=\"sdfootnote36sym\">36<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> So bezeichnete sich der Sowjet und die ihn tragenden Parteien selbst.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote37\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote37anc\" name=\"sdfootnote37sym\">37<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Machiavelli, Nicolo (1469-1527), fortschrittlicher Politiker und Schriftsteller in der Republik Florenz. In seinen Ratschl\u00e4gen in dem Buch II Principe, die der Herstellung der Einheit Italiens dienen sollten, schreckte M. nicht vor Empfehlung solcher Kampfmittel wie Betrug, Treubruch, Verrat und Mord zur\u00fcck.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote38\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote38anc\" name=\"sdfootnote38sym\">38<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Wie die Mehrheit der Provisorischen Regierung diese durchaus dehnbare Sowjetformel interpretierte, erl\u00e4uterte der Ministerpr\u00e4sident dieser Regierung, F\u00fcrst Lwow, dem britischen Botschafter, der dies seinem Tagebuch anvertraute: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00bb\u00dcber die Phrase \u203aFrieden ohne Annexionen\u2039 in der Resolution des Arbeiterrates meinte Lwow, dass sie jede uns genehme Interpretation zulie\u00dfe, z.\u00a0B. auch die \u203aBefreiung vom Feindesjoche\u2039.\u00ab In den Augen der b\u00fcrgerlichen Politiker lie\u00df diese Formell also durchaus weiterhin Annexionen und Kontributionen zu. Sie ben\u00f6tigten f\u00fcr den Sowjet nur eine demokratische Umschreibung der alten Kriegsziele, wie z. B. \u00bbBefreiung der V\u00f6lker\u00ab statt \u00bbAnnexionen\u00ab, oder \u00bbGarantien des Friedens\u00ab statt \u00bbKontributionen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00ab<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">. Mit dieser Losung war es also durchaus m\u00f6glich, die unterschiedlichen Interessen der Bourgeoisie, der Alliierten und der vom Sowjet vertretenen Massen mit einer gemeinsamen Parole zu \u00fcberdecken. Ein weiterer Vorzug dieser Parole war, dass sie ziemlich genau <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">der Stimmung der Bauernschaft und damit der Soldaten im Fr\u00fchsommer 1917 entsprach.&#8220; (Schr\u00f6der\/ Karuscheit, S.\u00a059)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote39\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote39anc\" name=\"sdfootnote39sym\">39<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Miljukows Versuch und sein schm\u00e4hliches Scheitern dokumentieren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">das Ende einer eigenst\u00e4ndigen au\u00dfenpolitischen Linie der Bourgeoisie in der russischen Revolution<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">. Die bewaffnete Bauernschaft machte den imperialen Zielen anh\u00e4ngenden Kr\u00e4ften deutlich, wer der \u00bbHerr der Revolution\u00ab war. In der Februarrevolution vom Petrograder Sowjet an die Regierung gebracht, verloren die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der b\u00fcrgerlichen Rechten ihre Stellung bereits wenige Wochen nach der Revolution. Diese Entwicklung und die in der ersten Provisorischen Regierung aufgebrochene politische Uneinigkeit \u00fcber Kriegsziele und Au\u00dfenpolitik dokumentieren die Unf\u00e4higkeit der russischen Bourgeoisie zur politischen Herrschaft im Revolutionsjahr 1917. \u00d6konomisch zu schwach, sozial zu unbedeutend, politisch zersplittert und unerfahren, ging die weitere Entwicklung der Revolution \u00fcber sie hinweg. Der Verabschiedung Miljukows und Gutschkows war der Abschied der Bourgeoisie von einer durch sie bestimmten Regierungspolitik. Ab jetzt <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">reagierten<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> die \u00dcberreste der Kadetten in den k\u00fcnftigen Provisorischen Regierungen des Jahres 1917 nur noch auf die politischen Ver\u00e4nderungen, ohne sie selbst entscheidend beeinflussen oder gar bestimmen zu k\u00f6nnen.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, S.\u00a063)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote40\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote40anc\" name=\"sdfootnote40sym\">40<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u0002<\/i><\/span><\/span><\/sup><i> <\/i><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Skobelew, M.I. (1885-1930?), Menschewik und Mitglied der 4. Duma. Nach dem Sieg der Oktoberrevolution Anschluss an die Bolschewiki.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote41\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote41anc\" name=\"sdfootnote41sym\">41<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u0002<\/i><\/span><\/sup><i> <\/i><em><span style=\"font-size: medium;\">Tschernow, V.M. (1876-1952), Politiker und Publizist, Mitbegr\u00fcnder und eigentlicher F\u00fchrer der Partei der Sozialrevolution\u00e4re. Landwirtschaftsminister in der 2. und 3. Provisorischen Regierung. Aktiver B\u00fcrgerkriegsteilnehmer auf Seiten der Konterrevolution, floh 1920 ins Ausland.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote42\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote42anc\" name=\"sdfootnote42sym\">42<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u0002<\/i><\/span><\/sup><i> <\/i><em><span style=\"font-size: medium;\">Zereteli, H.G. (1882-1959), Publizist adliger Abstammung, f\u00fchrender Vertreter der Menschewiki. Postminister in der 2. und Innenminister in der 3. Provisorischen Regierung, floh nach der Aufl\u00f6sung der Konstituierenden Versammlung 1918 in das Ausland.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote43\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote43anc\" name=\"sdfootnote43sym\">43<\/a><sup><span style=\"font-size: medium;\"><i>\u0002<\/i><\/span><\/sup><i> <\/i><em><span style=\"font-size: medium;\">Peschechonow, A.W. (1867-1934), Anh\u00e4nger der Narodniki und Versorgungsminister der Provisorischen Regierung. <\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote44\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote44anc\" name=\"sdfootnote44sym\">44<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der 18.\u00a0Juni war auch der Beginn der &#8222;Kerenski-Offensive&#8220;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote45\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote45anc\" name=\"sdfootnote45sym\">45<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Ukrainische Zentralrada: b\u00fcrgerlich-nationalistische Regierung, die im April 1917 in Kiew auf dem Gesamtukrainischen Nationalkongress von b\u00fcrgerlichen und kleinb\u00fcrgerlichen Parteien aus der Ukraine gebildet wurde. Sie wurde im Januar 1918 nach der Eroberung der Ukraine durch sowjetische Truppen aufgel\u00f6st.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote46\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote46anc\" name=\"sdfootnote46sym\">46<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Wojtinski, Anf\u00fchrer der Putilow-Arbeiter, sp\u00e4ter sowjetischer Kommissar der Nord(west)front.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote47\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote47anc\" name=\"sdfootnote47sym\">47<\/a><em><span style=\"font-size: medium;\">\u0002 Alexinski, Mitglied der Reichsduma<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote48\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote48anc\" name=\"sdfootnote48sym\">48<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Der Ablauf der Ereignisse kl\u00e4rt sich auf, wenn man die Zustimmung und Ablehnung der Klassenkr\u00e4fte zu dem Aufstandsversuch der Petrograder Arbeiter und Kronst\u00e4dter Matrosen im Juli 1917 n\u00e4her betrachtet. Die Mehrheit der Arbeiterschaft Petrograds war bereit, die Provisorische Regierung zu st\u00fcrzen und die gesamte Macht dem Sowjet zu \u00fcbertragen. Dieser Meinung waren auch die in Kronstadt stationierten Matrosen der Baltischen Flotte. Gespalten war dagegen die Stimmung innerhalb der Garnison der Hauptstadt. Einzelne radikale Regimenter standen mit an der Spitze der revolution\u00e4ren Massenbewegung, aber die Mehrheit der Garnisonstruppen war weder bereit, den Umsturz zu unterst\u00fctzen noch die ungeliebte Provisorische Regierung zu verteidigen. Sie blieben w\u00e4hrend der Juli-Aktionen erst einmal passiv in ihren Kasernen. Gleichzeitig standen die Fronttruppen noch weitgehend hinter der Provisorischen Regierung.\u2026 Noch war die Abwendung der bewaffneten Bauernschaft \u2013 besonders bei den Frontarmeen \u2013 von der sozialrevolution\u00e4ren Kompromisspolitik mit der Bourgeoisie und den Alliierten nicht weit genug entwickelt.<br \/>\nNichtsdestotrotz versetzten die Juli-Demonstrationen Sowjetf\u00fchrung und Provisorische Regierung in Panik. Kerenski reiste an die Front, um verl\u00e4ssliche Truppen nach Petrograd zu schaffen, und der Justizminister ver\u00f6ffentlichte \u2013 vermutlich im Einvernehmen mit Kerenski \u2013 angebliche Dokumente, die Lenin als deutschen Spion enttarnen sollten. Dadurch wurde die Stimmung innerhalb der passiven Regimenter gekippt.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, S. 71)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote49\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote49anc\" name=\"sdfootnote49sym\">49<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Suchanow beschreibt den R\u00fccktritt Lwow als Intrige Kerenskis, da derselbe &#8222;damals bereits \u00fcberzeugt (war), dass es f\u00fcr ihn an der Zeit war, Regierungschef zu werden.&#8220; (Suchanow, S.\u00a0468)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote50\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote50anc\" name=\"sdfootnote50sym\">50<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Kornilow, Lew, Kosakengeneral, Kommandeur des Wehrkreises Petrograd, sp\u00e4ter zeitweilig Oberbefehlshaber der russischen Armee. Nach seinem Putschversuch August\/September 1917 (der Kornilowiade) von Kerenski abgesetzt.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote51\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote51anc\" name=\"sdfootnote51sym\">51<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Sawinkow, B.V. (1879-1925), bekannter Terrorist, Sozialrevolution\u00e4r und Schriftsteller der von Kerenski gef\u00f6rdert wurde.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote52\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote52anc\" name=\"sdfootnote52sym\">52<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Industrie und Handel&#8220; Nr. 26\/27<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote53\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote53anc\" name=\"sdfootnote53sym\">53<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Worum ging es bei den &#8222;Richtlinien Tschernows, die von Bucharin nicht n\u00e4her dargestellt werden? &#8222;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Landwirtschaftsminister Tschernow hatte Ende Juni einen Versuch unternommen, der wachsenden Unruhe in der Bauernschaft zu begegnen, indem er die Aufl\u00f6sung der \u00bbLandeinrichtungskommissionen\u00ab verf\u00fcgte, jener der Dorfgemeinschaft zutiefst verhassten Kampfinstrumente der Stolypinschen Agrarreform zur kapitalistischen Neuordnung der Agrarverh\u00e4ltnisse. Mitte Juli verbot er au\u00dferdem jegliche Art von Landtransfer (Verkauf, Tausch, Verpf\u00e4ndung), um ein Unterlaufen der kommenden Agrarreform durch den Gro\u00dfgrundbesitz zu verhindern. Weiterhin gestand er ohne Zustimmung des damaligen Rumpfkabinetts den stark durch die Dorfgemeinschaft beeinflussten Landkomitees vor Ort das Recht zu, bei Differenzen \u00fcber den Pachtzins den Zins einseitig festzulegen, Zugtiere an bed\u00fcrftige Bauern auszuleihen sowie dergleichen mehr.<br \/>\nAlle diese Verordnungen und Gesetze st\u00e4rkten die Dorfgemeinde und waren erste Ans\u00e4tze zu einer Verwirklichung des eigentlichen sozialrevolution\u00e4ren Agrarprogramms. Deshalb verstand die Dorfgemeinde die Reformen auch als ersten Schritt hin zur vollen Verf\u00fcgung \u00fcber das Land und begann sie dementsprechend zu handhaben. Gleichzeitig stand Tschernows Vorgehen im diametralen Gegensatz zur Agrarpolitik der Kadetten, die den Grundgedanken der Stolypinschen Reform (Schaffung kapitalistischer Privateigent\u00fcmer gegen die Dorfgemeinde) entschieden verteidigten und deshalb eine Pressekampagne gegen den Landwirtschaftsminister entfachten. Aber die sozialrevolution\u00e4ren Sowjetf\u00fchrer wurden von ihrer b\u00e4uerlichen Basis gezwungen, Tschernow im Amt zu lassen, so dass die Kadetten schlie\u00dflich klein beigeben mussten.<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Abgesehen von der erneuten Niederlage der b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte verdeutlicht der Streit zwischen Sowjetf\u00fchrung und Kadetten, wie schwierig es nach den Juli-Tagen war, zu einer neuen Machtverteilung in der Regierung zu gelangen. Anfang August hatte man sich endlich auf die neue Koalitionsregierung mit vier Kadettenministern und einer eindeutigen sozialistischen Mehrheit geeinigt.&#8220; (Schr\u00f6der\/Karuscheit, 1917, S. 126-127).<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote54\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote54anc\" name=\"sdfootnote54sym\">54<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rabinowitsch, Die Sowjetmacht, Essen 2012, S. 140-141<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote55\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote55anc\" name=\"sdfootnote55sym\">55<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Suchanow schreibt dazu: &#8222;Unter solchen Umst\u00e4nden (gemeint ist die Niederlage der Kerenski-Offensive und die Massendesertation an der Front, A. S.) kam die Frage einer Diktatur von selbst auf. Nicht nur die Bourgeoisie, sondern auch der sowjetische Teil der Koalition zeigte ganz nat\u00fcrlich den unaufhaltsamen Drang nach einer starken Regierung. Die Diktatur war objektiv notwendig \u2026 Die Frage war nur, welche Diktatur unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen in Betracht kam. Jetzt da Kerenski Tr\u00e4ger der Staatsmacht war, konnte es sich einzig um eine b\u00fcrgerliche Diktatur handeln. Aber hier erhob sich sofort die weitere Frage, ob sie tats\u00e4chlich zu verwirklichen gewesen w\u00e4re. Kerenski selbst war sich bei all seinem Drang nach der F\u00fclle der Macht \u00fcber die Problematik durchaus im Klaren. Der St\u00f6renfried war nach Kerenskis Ansicht eben der Sowjet; eine starke Regierungsgewalt musste diese &#8218;private&#8216; Klassenorganisation absch\u00fctteln. \u2026<br \/>\nAuch Dan (einer der F\u00fchrer den Menschewiki, A. S.) leistete Sch\u00fctzenhilfe. Von linken Argumenten ausgehend, setzte er im Interesse der Rechten alle i-T\u00fcpfelchen auf: &#8218;Wir d\u00fcrfen unsere Augen nicht davor verschlie\u00dfen, dass Russland am Vorabend einer Milit\u00e4rdiktatur steht. Es ist unsere Pflicht, der Milit\u00e4rdiktatur die Waffen aus den H\u00e4nden zu rei\u00dfen. Das k\u00f6nnen wir nur dadurch, dass wir die provisorische Regierung zu einem Wohlfahrtskomittee (Anspielung auf die Franz\u00f6sische Revolution, A. S.) erkl\u00e4ren. Sie muss von uns unbeschr\u00e4nkte Vollmachten erhalten, damit sie die Anarchie von links und die Gegenrevolution von rechts an der Wurzel fassen kann \u2026&#8216;<br \/>\nDie Annahme der von Dan vorgelegten Resolution war gesichert. Am n\u00e4chsten Tag wurde die gleiche Resolution nach \u00e4hnlichen Berichten und Reden auch vom Petersburger Sowjet verabschiedet.<br \/>\nFreilich h\u00e4tte die Entschlie\u00dfung \u00fcber die unbeschr\u00e4nkten Vollmachten nur dann einen Sinn gehabt, wenn sie das Kerenski-Kabinett tats\u00e4chlich zu einer starken Staatsgewalt gemacht h\u00e4tte. Aber davon konnte keine Rede sein. Die Regierung hatte weiterhin weder einen autoritativen Apparat noch reale Machtmittel zu ihrer &#8218;freien&#8216; und &#8218;unabh\u00e4ngigen&#8216; Verf\u00fcgung.&#8220; (Suchanow, M\u00fcnchen 1987, S.480-481) Diese &#8222;Machtmittel&#8220; lagen noch immer beim Sowjet. Solange &#8222;die politische Macht aus den Gewehrl\u00e4ufen kommt&#8220;, lag sie weiterhin bei der b\u00e4uerlichen Armee und ihren politischen Repr\u00e4sentanten im Sowjet. Dies zu den objektiven M\u00f6glichkeiten einer bonapartistischen Herrschaft in Russland im Juli\/August 1917.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote56\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote56anc\" name=\"sdfootnote56sym\">56<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bucharins widerspr\u00fcchliche Darstellung der politischen Lage nach der Juli-Niederlage d\u00fcrfte eine Widerspiegelung <\/span><\/span><\/em><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>der tiefgehenden Differenzen innerhalb der bolschewistischen Partei sein<\/b><\/span><\/span><\/em><em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, allerdings wiederum ohne sie zu benennen. Auf der einen Seite Lenins Forderung nach dem Fallenlassen der Forderung &#8222;Alle Macht den Sowjets&#8220;, auf der anderen Seite die Parteimehrheit, die weiterhin f\u00fcr eine Mehrheit in den Sowjets k\u00e4mpfen will. (N\u00e4heres dazu siehe Rabinowitsch: Sowjetmacht, Kapitel 5 und Schr\u00f6der\/Karuscheit 1917, S. 122-123)<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote57\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote57anc\" name=\"sdfootnote57sym\">57<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\"> Pr\u00e4tendent &#8211; Anw\u00e4rter, Bewerber, der mit vermeintlichem Recht etwas beansprucht.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote58\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote58anc\" name=\"sdfootnote58sym\">58<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Moskauer Staatskonferenz war eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Idee der Regierung<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> (und nicht Kornilows oder Miljukows) um ihre soziale Basis und politische Abh\u00e4ngigkeit von den Sowjets zu l\u00f6sen und die Bourgeoisie st\u00e4rker einzubinden. Kerenski schreibt dazu: &#8222;Gleichzeitig jedoch waren wir in der Regierung uns v\u00f6llig dar\u00fcber im Klaren, dass wir engere Verbindungen zu allen Bev\u00f6lkerungsschichten schaffen mussten. Wir erkannten, dass wir sonst jedem demagogischen Druck hilflos ausgesetzt waren, sowohl bei einem R\u00fcckschlag an der Front \u2026 als auch bei der bestehenden Abneigung gegen uns in milit\u00e4rischen und zivilen Kreisen. Deshalb schlug ich sofort nach der Beilegung der Juli-Krise und der Neubildung einer Regierung vor, dass zum fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt eine Staatskonferenz nach Moskau einberufen werden sollte. Der direkte Kontakt mit Vertretern aller Klassen und Gruppen sollte uns Gelegenheit geben, den Puls der Nation zu f\u00fchlen. Gleichzeitig konnten wir auf einer solchen Versammlung sowohl unsere Politik als auch unsere Probleme aufzeigen.&#8220; (Kerenski, Memoiren, Hamburg 1989, S. 347)<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote59\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote59anc\" name=\"sdfootnote59sym\">59<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die Formulierung Bucharins &#8222;Die Konferenz war ein Gesch\u00e4ft \u2026&#8220; trifft <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>nicht<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> den Kern der Sache. Die Konferenz war geplant worden, um ein Gesch\u00e4ft der F\u00fchrer des Sowjets mit der Bourgeoisie abzuschlie\u00dfen. Genau das aber klappte nicht. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Das &#8222;Gesch\u00e4ft&#8220; kam nicht zustande<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, da die Bourgeoisie mit der Milit\u00e4rf\u00fchrung und nicht mit der Sowjetf\u00fchrung abschloss. Deshalb sind auch die Ausf\u00fchrungen Kerenskis in seinen Memoiren (S. 346-349) zu dieser Konferenz von erstaunlicher K\u00fcrze und bar jeglicher inhaltlichen Darstellung der vorhandenen Differenzen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote60\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote60anc\" name=\"sdfootnote60sym\">60<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Alle drei sind Vertreter der Milit\u00e4rf\u00fchrung.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote61\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote61anc\" name=\"sdfootnote61sym\">61<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Tagebucheintrag vom 12.09.1917; Buchanan 1926, S. 229f.<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote62\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote62anc\" name=\"sdfootnote62sym\">62<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em><em><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Birshewyje Wedomosti&#8220; (B\u00f6rsennachrichten) vom 17.08.1917<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote63\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote63anc\" name=\"sdfootnote63sym\">63<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Eine Anspielung darauf, dass Kornilow die Verteidigung Rigas bewusst schw\u00e4chte, um Truppen f\u00fcr die Erst\u00fcrmung Petrograds zusammenzuziehen und nur bereits zu den Bolschewiki \u00fcbergelaufene Truppenteile in den Kampf gegen die deutschen Truppen zu schicken. Ziel war es, die Niederlage an der Front zur dauerhaften Durchsetzung der Todesstrafe auszunutzen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote64\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote64anc\" name=\"sdfootnote64sym\">64<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rabinowitsch 2012, S. 179<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote65\">\n<p><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote65anc\" name=\"sdfootnote65sym\">65<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Chamberlin 1958, S. 197<\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote66\">\n<p class=\"sdfootnote-western\" align=\"justify\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote66anc\" name=\"sdfootnote66sym\">66<\/a><em><sup><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/sup><\/em> <em><span style=\"font-size: medium;\">Kischkin, N.M. (1864-1930), Arzt, Mitglied der Kadettenpartei, in der letzten Kerenski-Regierung sog. &#8222;Diktator von Petersburg&#8220; f\u00fcr den Kampf gegen die Bolschewiki. Nach der Oktoberrevolution im Volkskommissariat f\u00fcr das Gesundheitswesen t\u00e4tig.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote67\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote67anc\" name=\"sdfootnote67sym\">67<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Tekiner &#8211; Turkmenen, Volksstamm aus Zentralasien. Die Tekiner waren Kornilows Leibgarde.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote68\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote68anc\" name=\"sdfootnote68sym\">68<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Anspielung auf den bereits mehrfach erw\u00e4hnten Moskauer Industriellen und Bankiers<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Rjabuschinski<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">, einen der Finanziers des Kornilow-Putsches und bekannten Kunstm\u00e4zen. Seine Moskauer Villa ist heute ein Museum.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote69\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote69anc\" name=\"sdfootnote69sym\">69<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Dieser Freund Kornilows hielt ihn f\u00fcr einen Dummkopf.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote70\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote70anc\" name=\"sdfootnote70sym\">70<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup> <em><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">&#8222;Rabotschi&#8220; (Der Arbeiter) &#8211; Unter diesem Namen gelang es den Bolschewiki einige Zeit, die &#8222;Prawda&#8220; wieder erscheinen zu lassen.<\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote71\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: small;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote71anc\" name=\"sdfootnote71sym\">71<\/a><sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u0002<\/span><\/span><\/sup><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Siehe dazu: Schr\u00f6der\/Karuscheit, 1917, S. 166-167; Karuscheit: Die verlorene Demokratie. Der Krieg und die Republik von Weimar; VSA Hamburg 1917; S.\u00a0113\u00a0ff<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nikolai Bucharin Der nachfolgend in Ausz\u00fcgen abgedruckte Text von Nikolai Bucharin erschien in Russland im Revolutionsjahr 1917, also direkt im Kontext der weltgeschichtlichen Umw\u00e4lzung der Februar- und Oktoberrevolution. Im Original bestand er aus zwei Brosch\u00fcren mit den Titeln &#8222;Der Klassenkampf und die Revolution in Russland&#8220;, sowie &#8222;Von der Diktatur des Imperialismus zur Diktatur des Proletariats&#8220;. &hellip; <a href=\"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/?page_id=1001\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Jahr 1917 (gek\u00fcrzte Fassung)<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1001","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1001"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1002,"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1001\/revisions\/1002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kommunistische-debatte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}