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Heiner Karuscheit

Stellungnahme zu Götts China-Artikel

Der China-Artikel Fritz Götts widerspricht meiner Auffassung von der Aufgabenstellung einer marxistischen Zeitschrift in solchem Maße, dass ich hierzu feststellen möchte:

Als roter Faden der inneren Entwicklung Chinas nach der Gründung der Volksrepublik wird darin die linksradikale Politik MaoZedongs benannt – ein Vorwurf, der seit Jahrzehnten von der Mehrzahl der bürgerlichen Autoren erhoben wird. Der Artikel kolportiert diesen Vorwurf, ohne dass ein eigener weitergehender Gedanke erkennbar ist.

Selbst wenn man die Behauptung einer durchgängig linkssektiererischen Haltung Mao Zedongs als richtig unterstellt (woran ich nach der Lektüre verschiedener Publikationen meine Zweifel habe), steht die Frage, wieso er in der Lage war, seine fehlerhafte, massenfeindliche Linie jahrzehntelang gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit aufrecht zu erhalten sowie in und gegenüber einer revolutionserfahrenen kommunistischen Partei durchzusetzen, aus deren Reihen ihm bekanntlich erheblicher Widerstand entgegen gebracht wurde. Die Auflösung dieser Frage führt unvermeidlich in die Theorie von der persönlichen Allmacht Mao Zedongs, d.h. in die Personengeschichtsschreibung.

Von einem unter dem Anspruch des Marxismus geschriebenen Beitrag erwarte ich, dass er nicht bei der Wiederholung bekannter bürgerlicher Theorien stehen bleibt (dazu bräuchte man die AzD nicht), sondern dass er die sozialen Kräfte untersucht und bewertet, die der Bewegung an der Oberfläche der Gesellschaft zugrunde liegen, mit anderen Worten: dass er die politische Geschichte Chinas nach 1949 als Geschichte von Klassenkämpfen entwickelt.

Von einem solchen Ansatz finde ich in dem Artikel so gut wie nichts. Stattdessen überträgt Fritz Gött diese Aufgabe durch die wiederholte Aufforderung zur Diskussion seinen Kritikern.

H. Karuscheit, Dezember 2014